Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Das jüdische Matt 13 Kaß und Liehe. Eine Erzählung aus der Zeit der ungarischen Freiheitsbewegung. Von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) Siebenzehntes Kapitel. Kaum war Lazarus nach Hause gekommen und hatte sich von dem Wohlsein seiner Tochter überzeugt, so überkam ihn die Ahnung, daß ein Unglück auf der anderen Seite geschehen sei. Er sollte nicht lange im Zweifel bleiben. Bald kamen die flüchtigen Bauern und berichteten den ganzen Sachverhalt. Man kann sich den Schrecken und die Verwirrung in der Familie denken. Lazarus versprach den jammernden und verzweifelten Bauern Schadenersatz, wenn die Sache wirklich verloren sein sollte. Dann schickte er nach dem Nachbarhause fragen, ob der Doktor schon zu Hause wäre. Er war es noch nicht. Lea und Rahel, die schon zu Bette waren, standen aus und kleideten sich an. Rahel überkam es wie die Ahnung eines großen Unglücks. Etwas Schreckliches mußte geschehen sein, das Jonathan zu einer solchen Lüge zwang. Die Bauern hatten gesagt, daß sie ihn beim Transport gesehen hätten. Hatte er die Verfolger dort erwartet und sich ihnen als Opfer überliefert, oder hatte er Zeit und Besonnenheit gefunden, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen? Lazarus befand sich in einer Ratlosigkeit, wie noch nie. Was sollte er tun, was beginnen? Der ganze Vorgang war ihm ein Rätsel. Wie war der Doktor zur Kenntnis der nahenden Gefahr gekommen? Wie in die Lage, ihn zu warnen? Wie war die ganze Sache verraten worden? Die Lieferungen wurden so geheim betrieben, daß es nur die Lauern wußten, die bei der Sache beteiligt waren, und die hatten gewiß Grund, vorsichtig zu sein und reinen Mund zu halten, und dann noch der Richter des Ortes. Der war aber ein solch feuriger Patriot, daß er seine drei Söhne dem Vaterlande geopfert hatte, der hatte es gewiß nicht verraten. Samuel, der wie die Taube Noas ausgeflogen war, um die Spur des Doktors aufzufinden, brachte endlich Nachricht, aber eine, die noch die Angst und Unruhe vermehrte. Der Graf war mit Soldaten in seinem Schlosse angelangt, unter denen sich der Doktor als Gefangener befand. „Er hat sich für Dich geopfert, Vater", sagte Rahel mit bebendem Tone und bleichen Lippen. Lazarus ahnte dies seit dem ersten Augenblicke, jetzt war es ihm zur Gewißheit geworden. Er war nicht im Unklaren über das Los, das demjenigen zufiel, der vom Feinde als Lieferant der Insurgenten ergriffen wurde, besonders in diesem Zeitpunkte, wo mit solcher Erbitterung auf beiden Seiten gekämpft wurde, und die ganze schwere Bedeutung dieses Schrittes fiel auf seine Seele. Der Leser wundert sich gewiß, wie sich Lazarus in solchen kritischen Zeiten in solche gewagte Unternehmungen hatte einlassen können. Nicht Hoffnung auf Gewinn hatte ihn dazu verleitet, das war gewiß, denn es war eher auf Verlust dabei zu rechnen, ungeachtet der Gefahren, die diese Lieferungen mit sich brachten. Vor zwei Monaten etwa hatte er von der Komitatsbehörde die Anweisung bekommen, Proviant nach Comorn und Neuhäusel zu liefern, und er war Patriot genug, sich dem Befehle nicht zu entziehen. Andere gaben ihr Gut und Blut für das bedrängte Vaterland; er durfte also auch etwas tun und mit Lebensmitteln die Armee versorgen. Er tat es ohne Gewinn. Doch, was war jetzt zu tun? Wie den edlen jungen Mann befreien, der sich für ihn geopfert? Eines konnte er nicht begreifen, warum der Graf den Gefangenen nicht gleich ins Lager abgeführt hatte, anstatt mit ihm ins Schloß einzukehren. War es Politik und dem Gutsherrn nur um ein beträchtliches Lösegeld zu tun? Wenn es das wäre, das? Doch, wie sich da Licht verschaffen? „Kinder", sagte Lazarus, „nur nicht den Kopf verloren. Es wird mit Gottes Hilfe nichts auf sich haben; nur Besonnenheit! Nur Besonnenheit!", setzte er mit einem tröstenden Blick auf die todesbleiche Tochter hinzu. „Mir kommt es vor, dem edlen Grafen ist's wieder nur ums Geld zu tun, sonst würde er keinen Abstecher nach Jgmant gemacht haben. Wenn es ihm aber nur darum zu tun ist, bei Gott, da soll er befriedigt werden. Das Erste ist also, nach dem Schlosse zu kommen und sich über die Absichten des Grafen klares Licht zu verschaffen." „Ich gehe", sagte Samuel. „Nein", unterbrach ihn der Pflegevater. „Du bist nicht diplomatisch genug dazu, das kann ich nur in Ordnung bringen." Nicht das undiplomatische Talent seines Sohnes war es, das Lazarus untauglich zu diesem Geschäfte schien, sondern er wollte nicht seinetwegen alle in Gefahr bringen. (Fortsetzung folgt.) |[« |M ft ' wirkt tadellos und riecht angenehm. Chem.Labor. 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