Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 2 (24.1.1867)
- Date
- 1867-01-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Central - Organ Interesse« b^s %ub<ntfjuw$. Pränumerationsbettag ganzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus, siir's Ausland ganzj. 2 Thlr. haldj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: I. LljrMüNN. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines jeden Monats. Administration Geistgafle Nr. 908—1. Inserate werden billigst berecknet. Inhalt. Ucber M. Mendelssohn. — Memorabilien der Prager Juden,'chaft— Ein glaubwürdiges Datum Hajeks. — Biographische Skizzen— Bemerkung. — Co rrespondenzen: Kollin, Breslau. — Notizen: Prag. Wien. Urmin, Berlin. Arlon, Luxemburg, Schwerin, Modena, Padua, Paris, Bukarest, Jerusalem, Asien.— Feuilleton. Die Tante _ Inserate. Aeber M. Mendelssohn. Ein Vortrag von Professor vr. Kaempf. (Im Auszuge mitgetheilt,) .. Ich wiederhole die in der Einleitung ausgesprochene Behauptung, daß M. noch immer kein überwundener Standpunkt ist. Denn seine Aufgabe, namentlich auf dem jüdischtheologischen Gebiete, war keine verneinende, keine wegräumende, keine aufhebende, keine niedcrreißende und zerstörende. Ucberhaupt hat er seine Aufgabe nicht gesucht, nicht angestrebt: wie dem ersten und größten Moses, so ist auch ihm seine Aufgabe von der göttlichen Vorsehung in den Schooß gelegt, ja gleichsam aufg nöthigt worden, — und wie jener Erste und Größte, so fügte auch er sich nur schüchtern und zögernd, nur gedrungen und mit halbem Widerwillen. Die Stufen, die er erstiegen, — die Höhe, die er erreicht hat, waren nicht seine Wahl, sondern eine höhere Fügung hob ihn empor aus Tausenden und bestimmte ihn zu d e m, was er geworden ist. Sein Erstlingswerk, „die philosophischen Gespräche," ließ der edle Lessing ohne Vorwisscn Mendelssohn's drucken; der edle Freund kannte die Bescheidenheit und Schüchternheit des Verfassers, er mußte mit Recht fürchten, von letzterem die Bewilligung zur Veröffentlichung verweigert zu sehen. Daher der kühne Schritt im Rücken Mendelssohn's. Der compclcnte Lcssing konnte über den Erfolg der betreffenden Schrift nicht in Zweifel sein, er durfte sich den kühnen Schritt erlauben, er wußte, daß die Ueberraschung, die er dem Freunde bereitete, nur eine freudige sein werde. So wurde Ais. ohne Wissen und Willen als Schriftsteller in die Ocffcnllichkeit cingeführt. Es ist die Frage, ob Ais. ohne diesen glücklichen Wurf, den sein Freund für ihn gethan, je den Ainth oder auch nur die Reifung gehabt hätte, als Schriftsteller auszutrcten. Und das eben ist der Beweis des echten Berufes, wenn nämlich der Berus nicht gesucht, nicht angcstrebt wird, sondern dem Berufenen entgegenkommt, ihn aufsucht, ihm wie eine reife Frucht in den Schooß fällt. Darum muß ich vollkommen denen beipflichten, welche behaupten, daß Ms. kein Reformer war.— Zu einem solchen fehlten ihm in der That alle Vorbedingungen, die fubjectiven, wie die objektiven. Wenn es wünschenswerth erscheint, ihm eine seiner Thätigkeit entsprechende Bezeichnung beizulegen, so würde ich mir erlauben, ihn einen R egenerator zu nennen. Die Aufgabe eines solchen ist klar und bestimmt gezeichnet; sie ist durchweg positiver Natur. Ein Regenerator ist berufen, zu pflanzen und zu bauen, nicht zu entwurzeln und niederzureißen. Ein Regenerator tritt still und geräuschlos auf, sein Wirken gleicht dem Wachsthum in der Natur— was weichen muß, das weicht von selbst, wie bei gewissen Bäumen die Blätter, die auf dem Baume überwintern und bis tief in den Frühling hinein sich behaupten. Schon knospt der Baum, schon setzt er neue Blätter an, und doch ist er noch von den alten Blättern bedeckt. Der Beschauer ahnt nicht, was unter den alten Blättern vor sich geht: allmählich tauchen die neuen Blätter hervor, allmählich verlieren sich die alten, und unvermerkt zieht der Baum eine neue Hülle an, unvermerkt gelangt er zur Wiedergeburt und Verjüngung. Solcher Gestalt gelangt das Werk eines Regenerators zur Reife; dieser streuet nur den Saamen aus, der allmählich keimt und grünt, sproßt und wächst und sich zur Frucht entwickelt. Ein Regenerator geht häufig ganz unerkannt durch das Leben, die Mitwelt hat noch kein Bcrständniß für seine Thatcn, sie ist noch nicht reis dafür. Ein Regenerator kommt nicht selten in die Lage, seinen Zeitgenossen zuzurufcn: „Wie? ich gebe dir einen Namen— und du kennst mich nicht? ich rüste dich aus— und du weißt nichts von mir?—". Aber je weniger ein Regenerator auf Dank bei seinen Zeitgenossen rechnen kann, desto sicherer blühen ihm Lorbeeren bei der Nachwelt, die eher in der Lage ist, sein Leben und Wirken nicht als Stückwerk, sondern als einheitliches Ganzes zu überschauen und zu würdigen. Das gilt in hohem Grade bezüglich Mendelssohn's. Nicht etwa, als habe es während feines Mellens im Crdbcrcich an Auer-