Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 19 (28.9.1865)
- Date
- 1865-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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fflr. 19. ^rag den 28. September 1868. Is. Aalirgang. > „ , y /JE3JSV >^4^ w&t Cf AX\ fA?'1 ^Sc% ^->A/ y-v r.tViVl tili Ceulral-Organ für alle }citi]cmiif;cu ^uicrrcfTcu des Juienlhums. Verleger, Eigenkhüincr und verantwortlicher Redakteur: Isaak Vloch. P.ännm.rnnnnsd.Mi»', gmiijiiljrüi :! fl.,!jalü[iü|riij l fl. jii Ir. mit Pastzusfud,».,, uni .liiftdliimi iit’A '.fninä — Grfrfttim um 7. unü 4. I'tmutrfiij 9(5 W..E. - tanui.iMtn.i, S!itt(tä«iit St.. W.-I. zu „lUU.nfni," luoEjiu 'alle 6fl9fa.inni.uMi stifTf m.9 S flamotioiicu ji. ridiien fi«S. . ' 15 (Eine Sijmigogc in 05nn. llitt den Fortschritt y.i d.n'.cssen, den der Jude in ^estereich getioinwen und welche Stützen ihm von der Regierung und von den christlichen Brüdern geboten wurden, diene folgender Artikel, den wir dein „Neuen Frerndenblatte" entnommen. Vor etwa zwölf Jahren fcelite der jetzige Abgeordnete deS ReichSratbeS, L'r. Rech lau er in dein Gemcinderathe zu Gra; den Al.trag, die Gemeinde möge sich eines traurigen Privilegiums begeben, welches sie and tnittelalterlicher Zeit -- ererbt harte, nämlich des slcechlcS, keine Inden im Weichbilde der Stadt zu dulden, nicht einmal denselben den Anseiuhalt über Nacht zu gestatten. Ser Antrag Ncchbancr's vermöchte damals nicht dnrchzudringen, die Juden wurden seitdem in Graz vielfach gemaßregrlt, wenigstens fo lange der Statthalkrr' in Sttrerckar! vom. -Müriftrr.Liach-Jpstru!'ien»:t-.«r!;H^lt> DaS 'Privilcgiuin besteht heute noch, insofern dir Stände der Steiermark und die Gemeinde von Graz dieses schönen Ncchtcs nicht durch irgend ein Geier; v.rlustig gingen. Dennoch wurde vor einigen Tagen in Gra; eine von einer Anzahl dort wohnender Israeliten gestiftete Synagoge eröffnet und durch den Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde L)r. Jellinek feierlich cingeweiht. Bei dicker Feier waren sogar der Landeshauptmann von Steiermark, Graf GlciSpach, der Statthnltercj-Vizcpräfidcnt. der Bürgermeister und der Polizcidircktor von Graz, eine Anzahl Vertreter des Landes und der Stadt, viele Personen ans der Handels- und industriellen Welt anwesend. Heben wir noch hervor, daß selbst Mitglieder der katholischen und der protestantischen Geistlichkeit es nicht verschmähten diese Feier mit ihrer Gegenwart zu beehre». Se. kais. Hoheit Herr Erzherzog Heinrich ließ durch eine Zuschrift an daS israelitische Eonule kur; vor dem Beginn der Feierlichkeit sein. Bedauern anSdrneken, bei der Feier nicht erscheinen zu können. Wir haben eilten Theil dieser Nachrichten bereits als Notizen der Tagesgerichte witgctheilt, halten aber den Vorgang für wichtig genug, um einige ernste Betrachtungen daran zu knüpfen. Was brach daS Privilegium der Stände lind dcr Hauptstadt Steiermarks noch bevor eS gesetzlich aufgehoben wurde, was füljrt«TTitte Anzahl hochgestellter und geachteter Personen in daS kleine Bcthaus einer ans etwa vierzig Familien bestehenden, u'cht sonderlich bcmitielten Jsraeliiengeincinde? Warnin läßt man diese Leute Tempel errichten, anstatt sie iitit dent Privilegium in dcr Hand durch die öffentliche Macht austreibeil;>> lassen?— D fsenbar spielt hier die Macht dcr Bildung, der Aufklärung, des Geistes unserer Zeit ihre erhaben.', unwide'stehliche, bewältigende Rolle Der Geist un sercr Zeit heißt vor Allem G er e cü tigkcit, dieser Geist dnrchdringt aUe Bestrebungen der Gegenwart, alle Partcikampsc, alle Jnstitlilionen. — Wir mußten die thatsächlichen Verhältnisse in Besterreich anders darstellen als sie wirklich sind, wenn wir behaupten wollten, daß die Israeliten sich gegenwärtig einer größer» Zuneigung, seitens anderer Konfessionen ersrenen als in früherer Zeit. Eine Anzahl jndenfresserischer Zeitungen,' welche Ktpolitische und konfessionelle Parteikampf der neuern Zeit zu einem kümmerlichen Leben erweckte, haben vielmehr daS Ihrige dazu beigetragen, den iit Zeiten gewerblicher Freiheit stets regen Brodneid zu schärfen, und in luanchen Herzen Judenhaß zu erregen, in denen dieses edle Gefühl früher nicht zum .AnSbrnch gekotnrnen war, weil die lctrcffcubcn Personen oft die Existenz von Jsraeftt 'ti kauin dachten. . A?, Aber einerseits haben die religiösen Konfessionen unter We>rH'Etti'stust"Per Bildung-:nch ' ArrMrntt- EhaLakter deS Gegensatzes verloreit. Es sucht Jeder nach seiner Fagott selig zu werden, ohne daß der Katholik in sciiicm protestantischen, griechischen und mosaischen Nutbürger einen Verdammten erblickt. Anderseits hat daS RcchtSgcfnhl in Dcsterreich einen gewaltigen Fortschritt gciitacht. Beänncr und Frauen welche beim Lesen amerikanischer Romane über die Mißhandltiitg schwarzgeborener Leute Thränen vergaßen, welche bei dem Kriege in den Vercinigtctt Staaten um daS Recht der Sklaven für den ihlieil fern liegenden Norden so warme Partei ergriffen, als gelte es eine heimische Angelegenheit, müssen in ihrer Brust die Neigung zur Uitgcrcchligkeit gegen eine andere religiöse Konfession gebrochen fühlen. Diejenigen aber, in deren Geist dev Prozeß dcr Aufklärung und dcr Gerechtigkeit noch nicht vollzogen ist, welche noch nicht von der Ueberwngnng durchdrungen sind, daß dcr Andersgläubige kraft der Geburt uitd Erziehung mit gleichem Fug und Recht in seiner Weise Gott anrnfc und der himmlischen Gnade würdig zu sein sich bemüht, finb wenigstens ans Achtung vor dcr Allgewalt der öffentlichen Meinung dahin gekommen, ihre bornirtc Anschauung in sich zu verschließen, und äußerlich dem zu huldigen, waS sic innerlich die Mode, den Götzen deS Tages nennen. Es wird in unseren Tagen nicht leicht Jemand cS wagen, in irgend einem VercrctungSkörper mit einem Vorschlag dcr Ungerechtigkeit und der Undnldnng hcrvorzntrctcn, selbst wenn er wüßte, daß die Majorität seiner Umgebung innerlich mit Vergnügen sich einem solchen Vorschlag anschließcn .vürde. Daß aber Duldung und Gerechtigkeit sogar zur Mode deS TagcS geworden ist, das ist dcr Triumph unserer Zeit, daS ist ein Zeichen, welche riesigen, unüberwindlichen Kräfte für diese Prinzipien eingetreteu sind; der geringste Verstoß gegen diese Prinzipien in irgend einem Winkel deS Reiches, bringt die Glockenznnge Europa'S, die. Tagespreise in Bewegung, und erzeugt einen Sturm, dem kein Widerstand gewachsen ist.