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Das Abendland · 1865-04-20 · 9 (20.4.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
9 (20.4.1865)
Date
1865-04-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nro. 9. 'Prag, den 20. April II. Iabrgang. i . ■ J.q ( S x '' l4 E -1 •v \ & 2(gent«r in L?ien: Hcrzfeld mb ümucr. f. ßmfrnf-®rgnn ITtr nfl'c gctitU’miUkn 3utcreMVu dcs l ~ 3iihcnll)Uim’’j. j; Verleger, Etgcuthümer und verantwortlicher Nedacteur: Isaak Vloch. Acicntnr in Brünn: B. l>-' Prännmerationsbctrag ganstähria 3 fl., balbiährig 1 fl. 50 kr. mit Postwsendunst und Zustellung in'S HauS. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag deö Monats. — Administrat'eu bei A. Renn, Buchdruckerei;u .. l Linden/' wcchin alle Geldsendungen, Briefe und Reclainattonen;u na)tcn itno. Ger ji dische?tied!)el, ivas und wie er lei» lbll‘. ( (S!oit Dr. Sero; *). „Wie schön [int T^'me Zelte, 3aco6, Deine Wohnung, Israel, und ich, im *: nft aüen auf die Fülle Deiner Gnade — ich betrete Dein H.us-, und beuge mich in Gottesfurcht im Tempel Deiner Heiligkeit!" Dies sind die ersten Worte, welche der Israelite sprichst, wenn er in Demnth dem Allgüftgen sein Herz im Gebets eröffnet. Mit denselben Worlen sollte er auch die Wohnüucj, ich welcher seine Voreltern, seine Verwandten, seine Glanbensbrüder und alle, die von den Drangsalen des Lebens im Ewigen, ungestörten Frieden ruhen, betreten. \' Wir Israeliten nennen diese Wohnung I-etff Ha Olam — das Hans der Welt — B’eth Hachaim, das Hans des daß er sich im Hause des Lebens, in dem Wclthanse bcsinde, in das er selbst Anziehen, den Frieden finden und fort — ewig leben wird. Wie kahl, brach und öde aber liegen unsere jüdischen Friedhöse, welch' trosilosen Anblick gewähren sie dem Besucher, der in Erinnerung an Alles, was ihm im Leben am theucrstcn gewesen, das Grab seines Vaters, seiner Mutter, seiner Gattin oder eines geliebten Kindes aufsucht, und nach langem Forschen ein mit verdorrtem, falbem Grase bedecktes Plätzchen, auf dem ein..Stein, dessen Inschrift halb verlöscht, kaum mehr leserlich iff.^'ffndct. Der Stein steht entweder schief, halb auch ganz eingesunken, oder liegt -auch platt yuf oder hinter dein Grabe, Lebens; der gemeine Mann: ,ben guten Ort; der Deutsche:! je nachdem Wind und Wetter für gut gefunden" kkaücn, ihn zn den Friedhof, den Gottesacker. — ‘ '! Ächten, seine Inschrist zu verlöschen oder den Grund, auf Es ist bekannt, welche Sorgfalt die Griechen und Römer,! dem er stand, weich zu machen, und ihm erlaubt haben in das die'Völker der vergangenen Zeit .Überhaupt, abgesehen von den i Grab hinabzusleigcn, zu dessen Merkzeichen er aufgerichtet worden großartigen Mausoleen und Katakomben aus die Begräbniß-! war. Lange Reihen solcher Grabsteine stehen im Zick-Zack, stättcn ihrer Angehörigen verwendet haben. Sie schmückten j in größter Unordnung hintereinander und geben einen solch' sie mit Blumen, Zierpflanzen, Bäumen und kunstvollen Sta-! düstern Anblick, daß der Besucher nicht voll Trost, sondern tuen und Urnen, sie wandelten diese Orte in Lustgärten um, und j von dem One, wo sein ermüdetes Auge keinen Rnhcpunkt, legten sic längs der besuchrcsten Landstraßen vor den Thoren! keinen Schatten, keine Beruhigung seines Gemüthes gefunden, der Stadt an, um auch diesen S bmuck, Zierde und Schatten wo er nicht das Haus des Lebens, in welchem die Schöpfung zu verschaffen, damit der Wanderer dt - uiucr anSruhcn könne; täglich sich erneut und schasst, sondern das Haus deS Todes, lediglich die Begräbnißstätte des tobten Leibes getroffen hat, voll Schmerz und Trauer scheidet. Ja der Denkende, der die hebräischen Inschriften dieser Zwcrgmausolccn zn cnträthscln versteht, muß mit Lachen und Spott von den ruhmredigen, im orientalischen Style gehaltenen, hyperbolischen Anfschristen sich wegweuden, wenn er die Personen, die bei diesem Steine ruhen, gekannt hat. Und erst die deutschen Inschriften und Verse, welche in neuerer Zeit so häufig mit der Jahreszahl der Geburt Ehristi ausgehauen sind!! Wenn jüdische Bräute sich Myrthenkränzc zur Trauung ans den Kops setzen (an die Erinnerung der Venus-Feier); oder sich zur Begleitung Krauzeljungfern beigesellcn, um den Beistand der heiligen Marie Mutter Gottes ^welche die Kranzeljnngfern vorsiellen) nicht zu entbehren, so dürfte eS wohl und den in Seligkeit Ruhenden einer Augenblick der Erinnerung widmen möge. Die Inschriften der Grabsteine begannen gewöhnlich mit den Worten: „Atche still Wanderer!" Gewiß war diese Anlage der Begrübnn vte eine schöne und zweckmäßige, weil da urch das Gute, w. ches der Hingeschiedene im Leben gcthan und geschaffen, in frischer Erinnerung erhalten und in weirern Kreisen bekannt wt!ü'de. Besuchen wir die Friedhöfe der jetzt leb^deu, eivilisirten Rationen, so -finden wir in den meisten sehr Hone Anpflanzungen, nicht blos die Gräber der Reichen -dchfch Mausoleen bezeichnet, der ganze Friedhof ist mit Blm en un^iZierpflanzen geschmückt und durch Bäume beschattet. Sie-külden einen Garten, der die tiefe Trauer des Besuchers in ein <' Bfühl von Wchmuth umwandelt und ihn anSsöhut mit der Velistünglichkeit des LcbcnS, weil in ihm die Empfindling rege .wir?.- *) Tic Forksctznug der Antrittsrede Munk s, b4fc' esinal icvljinbcrt, v :vb nächstens gebracht ivcvb-. s

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