Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XI (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 23)
- Language
- German
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— ]6 — wegung. Der eigentliche Gegensatz, der dieser Feindseligkeit zugrunde liegt, ist jedoch nicht in der verschiedenen Auffassung des Staats- und Volksbegriffs zu suchen, sondern beruht auf der scharfen Gegensätzlichkeit der Willensrichtungen, deren eine durch die Zionisten, deren andere durch die Antizionisten repräsentiert wird. Während der Zionismus die Erhaltung des jüdischen Volkes wünscht, und zu diesem Zweck die Renaissance des Judentumes in Palästina erstrebt, sucht eine andere Richtung im Judentum mehr oder weniger bewußt die Lösung der Judenfrage durch die Assimilation der Juden an ihre Wirtsvölker zu erreichen. Sie ordnet daher die nationalen Wünsche des Judentums der Anpassung an die Umgebung vollständig unter. Die Gegensätzlichkeit dieser Standpunkte läßt sich durch noch so geschickte Taktik auf die Dauer nicht überbrücken, denn in allen praktischen Fragen zeigt es sich sogleich, daß die ideellen Interessen dieser beiden Gruppen im Judentum durchaus verschieden geartet sind. Die Renaissance des Judentums durch die Verwirklichung des zionistischen Programms ist nur möglich, wenn das Judentum das nationale Bewußtsein pflegt und wenn die jüdische Jugend in einem Geiste erzogen wird, der ihr das Bekenntnis zum jüdischen Volke und den opferfreudigen Willen, sich zum Wohle der jüdischen Gesamtheit zu betätigen, zur Pflicht macht. Die assimilatorische Richtung im Judentum, welche leider große Kreise unseres Volkes ergriffen hat, widersetzt sich unseren nationalen Tendenzen, leistet auch sehr wenig für die praktischen Ziele unserer Bewegung in Palästina, obwohl sie die Kolonisationstätigkeit vom philanthropischen Standpunkt prinzipiell anerkennt, und muß daher mit aller Entschiedenheit bekämpft werden. Die Durchdringung des Judentums mit zionistischen Ideen kann selbstverständlich nicht allein durch organisatorische Maßnahmen erreicht werden. Direkte und indirekte Propaganda der angedeuteten Art, Reden und Schriften, das Beispiel aller derjenigen, welche in irgend einer Form unserer Sache zu dienen bestrebt sind, die moralische Wirkung,, welche von jeder großen Idee ausgeht — all das wirkt zusammen und schafft an dem Fortschritt der Bewegung. Die einzelnen Glieder unserer Organisation, die Landes- und Sonderverbände, die Ortsgruppen und Vereine haben die wichtige Aufgabe, diesen Prozeß in dem ihnen zugewiesenen Wirkungskreis nach Kräften zu fördern. Aber auch die Zentrale unserer Organisation, das Actions-Comité, hat die Möglichkeit, der Propaganda große Dienste zu leisten. Es ist Aufgabe der Leitung, alle Maßnahmen zu treffen, welche in organisatorischer Hinsicht erforderlich sind, um die Propaganda systematisch zu betreiben und wirksam zu machen. Die Leitung soll die Propagandaarbeit in der gesamten Welt überwachen, soll die Tätigkeit der Landesorganisationen anregen und ihnen für Propagandazwecke Mittel und Kräfte zur Verfügung stellen.