Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- X (1911)
- Date
- 1911-08-09
- Page
- Seite 9 (sequence 16)
- Language
- German
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Die erste Aussprache zwischen den leitenden Persönlichkeiten in der Organisation führte denn auch in der Jahreskonferenz vom Juni 1910 zu einer Einigung, die ihren Ausdruck in dem sogenannten „Einigungsbeschlusse" fand, in welchem es u. a. heißt: „Die Jahreskonferenz erklärt alle Mißverständnisse, welche in der Bewegung in letzter Zeit sich bemerkbar gemacht haben, für geklärt und behoben. Die Jahreskonferenz macht es jedem Zionisten zur Pflicht, alle unliebsamen Vorkommnisse zu vergessen und mit erneuter Energie für die gemeinsamen Aufgaben des Zionismus zu wirken. Ganz besonders hofft die Jahreskonferenz, daß jene Mitglieder der Bewegung, welche glaubten, sich von der aktiven zionistischen Arbeit zurückziehen zu sollen, wieder zu derselben zurückkehren werden. Die Jahreskonferenz erwartet von der zionistischen Presse, daß sie durch ihren Ton und ihre Haltung zur Beruhigung der Gemüter beitragen wird. Die Mitglieder der Jahreskonferenz scheiden mit dem freudigen Bewußtsein, daß die zionistische Organisation geeint und gefestigt mit erneutem Kraftgefühl ihrem hohen Ziele entgegenschreitet.a Seit der Jahreskonferenz zeigt sich bei allen Gelegenheiten, besonders bei den Sitzungen des A. C, zum größten Teil auch in der zionistischen Presse, auch wo es sich weiter um prinzipielle, Gegensätze handelt, eine ruhige sachgemäße Art der Erörterung, der jede persönliche Gereiztheit fernliegt und die vor allem und in erster Linie das Wohl des Ganzen vor Augen hat. Zur selben Zeit, als man auf beiden Seiten heftig für und wider die Leitung stritt, als man gern von einem Riß zwischen östlichem und westlichem Zionismus sprach, beschäftigte auch ein Streit auf geistigem Gebiet die Gemüter, der gerade über dieses Thema entbrannt war. Im Februar 1910 'Veröffentlichte Franz Oppenheimer in der „Welt" einen Artikel „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein in dem er den Nachweis dafür zu erbringen suchte, daß der Jude Westeuropas dem zionistischen Ideal anders gegenüberstehen müsse als der Ostjude, weil er soziologisch anders bestimmt sei als dieser. Die Juden des Westens besäßen zwar jüdisches Stammesbewußtsein: das jüdische Volksbewußtsein aber fehle ihnen. Oppenheimers Aufsatz leitete eine längere Debatte über diese Fragen ein, in deren Verlauf man sich im allgemeinen mit Entschiedenheit gegen die Thesen Franz Oppenheimers wandte und die Einheitlichkeit des jüdischen Volksbewußtseins bei allen Zionisten in Ost und West darlegte.