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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1916-01-01 · 1-3 (1916) · p. Seite 17

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
2 (1916)
Issue
1-3 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 Elchanan Paulus und seine Beziehungen zu Kaiser Rudolf IL Von Paul Josef Diamant (Wien). Convertitengesehichte ist eines der am wenigsten bearbeiteten Gebiete und doch könnte sie eine wichtige Hilfswissenschaft der jüdischen Geschichtsforschung sein. Die Lebensbeschreibungen und Werke der Convertiten beleuchten nicht nur die Beziehungen der Juden zur Umwelt — zu den Wirtsvölkern, wie ein oft gebrauchter aber unrichtiger Ausdruck lautet — sondern sind auch oft äusserst wichtig zum Verständnis des Geisteslebens und der Kultur der Juden in Vergangenheit und — Gegenwart. Ein biographisches und literaturgeschichtliches Werk über Convertiten, das wir vorbereiten, dürfte mannigfache Aufklärungen darüber und Anregungen darüber hinaus geben. Elchanan Paulus, von dem die im folgenden veröffentlichten Akten des Wiener erzbischöflichen Archivs handeln, hiess vor seinem Uebertritt Elchanan und war ein Sohn des Menachem aus Prag. Er Hess sich im Jahre 1568 zu Chelm in Polen taufen und erfreute sich dort nicht nur der Gunst des Erzbischofs von Gnesen? sondern auch der Huld des polnischen Königs Sigismund August sowie seines Nachfolgers Heinrich von Anjou. Trotzdem war er von Seite der Juden manchen Verfolgungen ausgesetzt — er behauptet sogar, man hätte ihm nach dem Leben getrachtet — weshalb er Polen verliess und sich nach Deutschland wandte. Im Jahre 1579. erscheint er in Frankfurt a. M. und versuchte nach alter Convertitensitte sein Glück in der Judenbekehrung. Wir besitzen von ihm selbst eine anschauliche Schilderung seiner Frankfurter Abenteuer:*) „Es ist euch gnugsam bewust, wie ich im Jar 1579 nach der Geburt Christi Jesu des versprochenen vnd verheissenen Messiae, oder nach ewer rechenschafft im Jar 5339 durch Frankfurt geraiset bin, das ewer vi! mit sonderlicher begirden zugleich auss jren Heusern geloffen mich zu besehen. Auss welchen damals zwischen mir vnd euch, darunter nit wenig Rabbiner gewesen, ein grosse vnd hitzige Disputation ervolgt den Glauben anbelanget Im lahre 1580 ist Elchanan in Helmstädt, das durch die von Herzog Julius von Braunschweig gegründete Universität ein geistiges Centrum des Protestantismus geworden war. Er neigte wohl jetzt zum Protestantismus hin, denn wir finden ihn in regem Verkehr mit den dortigen Universitätsprofessoren, insbesondere mit dem berühmten Theologen und Hebraisten Johannes Olearius. In Helmstädt vollendete er sein Werk Mysterium novum, in dem er mit Hilfe der Kabbalah die Messianität von Jesus zu beweisen unternahm und die Juden zur Bekehrung aufforderte. Er widmet es dem Herzog Heinrich Julius von Braunschwelg, dem Sohne des Universitätsgründers. *) Ein tröstlich vnd zu lesen sehr nutzliches Buch . . . Wien 1581. 4°.

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