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Sabbath-Blatt · 1844-11-23 · 47 (23.11.1844) · p. Seite 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
47 (23.11.1844)
Date
1844-11-23
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 Jakob Frank und seine Anhänger. (Beschluß.)- Zu eben dieser Zeit wallfahreten 'viele Männer dieser Sekte aus Böhmen, Mähren und Polen, von denen Ref. Mehrere kannte, die vom besten moralischen Charakter, und übrigens Männer von Kopf'waren, nach Offenbach, und mehrere vermögliche Leute von dieser Sekte!versetzten sich und ihre Familien durch öftere Reisen dahin, durch langen Aufenthalt daselbst, und dadurch vernachläßigte Nahrungsgeschäfte, besonders aber durch ihr Vermögen übersteigende Geldbeiträge zur Unterhaltung Frank's, in sehr elende Umstände. Mehrere schickten ihre erwachsenen Söhne und Töchter dahin, von denen seit dieser Zeit, so viel Ref. bekannt ist, außer zweien, die sich selbst ranzionirt hatten, und mit Gefahr ihres Lebens aus dem fränkischen Hause ent- Sprüngen sind, keiner zurückgekommen, ohne daß man bis jetzt noch weiß, was aus ihnen geworden ist. Bemerkenswerth ist es, daß zwei Avanturiers, nämlich Frank und Cagliostro, die zu gleicher Zeit lebten, in so Manchem sich ähnlich waren. So wie bei Frank kannte man bei Cagliostro während seiner Celebrität die Quellen seiner Zuflüsse nicht, und wußte nicht, woher er seinen fürstliehen Aufwand bestritt. Die prächtigen und kostbaren Hauseinrichtungen sowohl bei Frank als Cagliostro gaben ihnen Gewicht. So wie Frank, reiste auch Cagliostro gewöhnlich wie ein Fürst mit voraus reitenden Couriers, und von einem zahlreichen Gefolge wohlgekleideter Diener begleitet. Wie bei Cagliostro so auch bei Frank machten di? barschen Manieren, das begeisterte Ansehen und die imposante Physiognomie großen Eindruck, und erhoben sie bei dem Pöbel weit über ihren Stand. So wie Frank sein Wesen nahe bei Frankfurt trieb, so bekannte auch Cagliostro vor der Inqusition in Rom, daß dieJUuminaten ihre Hauptzusammenkünfte unweit der Stadt Frankfurt hatten. Auch in diesem waren sie sich gleich, daß die größte Celeberität beider, sowohl Frank's als Cagliostro's, in die Jahre 1788 und 89 siel. Obgleich Frank von seinem Anhänge für unsterblich gehalten wurde, so nahm dennoch die Natur keine Rücksicht darauf, und,er mußte, wie jedes Adamskind, ihr den Zoll mit seinem Leben entrichten, indem er den 10. December 1791 am Schlagflufse starb. So sehr nun dieser ganz wider das Vermurhen aller Anhänger Frank's plötzlich eingetretene Todesfall, dieselben bis zum Betäuben überraschte, so pompös war dennoch sein am 12. Nachmittags um drei Uhr erfolgtes Leichenbegängniß. Alle seine damals in Offenbach anwesenden Anhänger, deren Zahl zu eben dieser Zeit über.800 war, begleiteten die Leiche. Voran gingen die Weibspersonen, sowohl verheirathete als ledige, deren Anzahl ungefähr 200 war. Alle waren weiß gekleidet., die Haare mit weißem Band durchgeflochten, und hielten brennende Wachskerzen in der Hand. Nach ihnen kam die Leiche im offenen Sarge, getragen von seiner Dienerschaft, und eingehüllt in einen rochen seidenen, mit Hermelin gefütterten Talar, den er bei Lebzeiten zu tragen pflegte. Zunächst dem Sarge folgten seine drei Kinder, dann die Die nerschaft nebst seiner siebenzig Mann starken Leibgarde, und den Beschluß machten die übrigen Mannspersonen. Diese hatten eben so, wie die Weiber, brennende Fackeln in den Händen, ihre Haare waren mit einem weißen Bande gebunden, und ihre Arme mit weißem Flor umwunden. So ging der Zug durch Offenbach nach dem allgemeinen Begräbnißplatz hin. Man setzte die Leiche hier ab, deckte den Deckel auf den Sarg, der ganz mit weißem Atlas überzogen, und mit goldenen Franzen, Quasten und andern Zierrathen versehen war, Um ihn in die Gruft zu laflen, gebrauchte man statt der Stricke weißes Tuch, womit der Sarg noch bekleidet wurde. Nun sing die ganze Begleitung, aus 800 Personen bestehend, Männer, Weiber ».Kinder— denn auch diese wurden aufden Armen der Mütter der Leiche nachgetragen — auf einmal ein Jammergeschrei an, daß die Luft erbebte, und unzählige Thränen entströmten allen Augen. Jetzt fühlten sie vielleicht ihren Verlust am lebhaftesten, jetzt da sie ihren gemeinschaftlichen Versorger in das Grab senkten, welches sie nie zu erwarten schienen, und in allen ihren Hoffnungen sich getäuscht sahen. Zuletzt warf noch jeder der Anwesenden eine Handvoll Erde in das Grab. Rührend war dabei folgender Auftritt. Einer von seiner Leibwache, der seit mehreren Wochen das Gesicht verloren, wollte doch nicht der einzige Fehlende von d?n Leichenbegleitern sein. Auch dieser wurde von zwei Freunden an das Grab geführt, und erzeugte unter Vergießung vieler Thränen seinem Herrn und Wohlthäter seine letzte Ehrerbietung dadurch, daß er eine Handvoll Erde in das Grab warf. Die Trauer wurde von der ganzen Suite ein Jahr lang durch ein weißes Band in den Haaren, oder einen weißem Flor um den Arm getragen. Nach dem Tode Frank's versiegten allmählig die Geldzuflüfle, sei es, daß mit dem Akteur die Täuschung verschwand, sei etz, daß seine Stellvertreter ihre Rollen nicht, gut einstudirt hatten, und ihr Spiel weniger Eindruck machte; genug, seine Hinterbliebenen Kinder: Rochus, Joses und Eva׳ geriethen bald nach dem Tode ihres,Vaters in große Geldnoth, sie mußten zu Darleihungen, und später sogar zu Schwindeleien ihre Zuflucht nehmen. Nun setzten sie die letzte Schraube an, und suchten durch ein, mit rother Dinte geschriebenes Sendschreiben an alle jüdische Gemeinden in Deutschland und Polen ihrem Vorhaben neues Leben zu geben. Als aber auch dieses Mittel nicht anschlug, zerstreuete sich diese fränkische Sekte allmälig, und die wenigen davon, die noch in Offenbach geblieben sind, waren nolhgedrungen, um ihr Leben zu fristen, in Fabriken zu arbeiten, welches ihnen, da sie zum Müssiggange verwöhnt waren, sehr beschwerlich siel, und die Arbeit ihnen aus Ungewohnheit sehr schlecht von der Hand ging. Was aus den Kindern Frank s geworden ist, ob und wo sie jetzt leben, ist Ref. nicht bekannt. Einer seiner Söhne, der in der russischen Armee als Offizier angestellt war, kam im Jahre 1814 auf dem Marsche derselben durch Prag, wo er die Freunde und Anhänger sei-

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