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Sabbath-Blatt · 1844-03-02 · 9 (2.3.1844) · p. Seite 36

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
9 (2.3.1844)
Date
1844-03-02
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 werden von ganz Europa an Herrn Hirsch Lehren in Amsterdam geschickt, der sie nach Palästina ׳zu besorgen hat. Aber von vielen Seiten ist der Argwohn rege, ja es ist sogar durch authentische Dokumente erwiesen worden, daß Herr Lehren bedeutende Summen misbraucht, die Vertheilung des Geldes parteiisch handhabt, viele, die seinen Launen nicht huldigen, in's Elend stürzt, und eben der Befciedigung seiner Laune ansehnliche Summen opfert. Herr Lehren ist daher aufgefordert worden, öffentlich Rechnung abzulegen über die Verwendung der Palästina-Spenden. In diesem Kampfe für das unterdrückte und gekränkte Recht vieler unserer palästinensischer Mitbrüder, zeichnen sich besonders die Herrn Löwenstein und Kirchheim in Frankfurt a. M. aus. - Frankreich. In Lyon wollte der Direktor an der Universität 18 Mädchen aus der dortigen Mädchenschule weisen, weil sie Jüdinnen sind. Die leitende Direktion und die Regierung wiesen den Direktor mit seinem inhumanen Ansuchen zurück. — Ein pietistisch-katholisches Blatt in Paris protestirte gegen die Ernennung des Hrn. A. Fr an ck zum Mitglied der Akademie der politischen und moralischer Wissenschaften, weil er ein Jude ist. Doch die protestirenden Katholiken haben in Paris, der Stadt der Freiheit, vergebens protestirt. Rußland. Die russische Regierung ist sehr fruchtbar an intoleranten Ukasen. So hat sie wieder am 4. Januar d. I. einen Ukas erlassen, daß die Juden nur zur Vollziehung dringender Geschäfte und höchstens auf 3—4 Tage in die Stadt Kiew zuzulassen seien. Während ihres Aufenthaltes in dieser Stadt stehen sie unter polizeilicher Aufsicht, und im Falle daß sie die bestimmte Aufenthaltszeit überschreiten, sollen sie auf einige Wochen zu öffentlichen Arbeiten verwendet werden. Mancherlei zum Denken. Die israelitische Gemeinde in Königsberg ist auf die an den Kaiser von Rußland gerichtete Bittschrift, um die Zurücknahme des Ukases wegen Versetzung der an der Grenze wohnenden Israeliten, abschlägig beschieden worden. Also um vermeintlich den Schleichhandel zu unterdrücken, sollen Tausende von jüdischen Familien ihre Häuser, die Stätte ihrer bisherigen Ernährung verlassen, um in eine zweite Zerstreuung, in ein zweites Exil des fast gewissen Verderbens zu wandern, sie, von denen die meisten ganz schuldlos sind. Und kann man glauben, dadurch den Schleichhandel wirk- Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. lich zu vernichten? Werden sich nicht Andere finden, um statt jener die Gelegenheit zum Gewinnen, vielleicht noch frecher, auszubeuten? Man weiß es, wie erfinderisch die Menschen seit je in dieser Beziehung waren. In den Niederlanden z. B. trieben, gegen das Ende des vorigen Jahr- Hunderts, da die Schleichhändler selbst den Transport der verbotenen Waare, nicht wagen wollten, gut abgerichtete Hunde das Geschäft. Es wurde ihnen die Waare, wie Maulthieren, aufgepackt. Ein nicht gepackter Hund war an ihrer Spitze. So wie er irgend ein Geräusch von Aufpassern hörte, gab er den Ucbrigen ein Zeichen. Sie sprangen sogleich in Gräben, und versteckten sich, wie sie konnten. War die Gefahr vorüber, so setzten sie wieder ihre Reise fort, bis sie an ein bestimmtes Haus kamen. Hier wurde ihnen, auf das leise Bellen ihres Anführers, aufgemacht. Sie wurden ihrer Bürde entledigt, gut genährt, um in der folgenden Nacht die Rückreise anzutreten. In meinem Verlage ist erschienen und zu haben, auch durch jede solide Buchhandlung zu beziehen: Kurzgefaßte Geschichte des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg während der ersten 25 Jahre seines Bestehens, nebst Anmerkungen und Beilagen von Dr. Gotthold Salomon. gr. 8. elegant broschirt, Velinpap. 10£ Bogen, Preis 16 gGr. — 20 Ngr. — 1 fl. 12 Xr. Rh. Wenn auch nicht der Name des Verf. für den Werth der angezeigten Schrift hinlänglich bürgte, so würde das behandelte Lhema schon an und für sich das Interesse der Lesewelt in Ansprach nehmen. Dem israelitischen Leser kann die Geschichte einer Anstalt, die die Umbildung seines Kultus betrifft, unmöglich eine gleichgültige Erscheinung sein; aber auch der christliche Leser, der gelehrte und gebildete ganz besonders, kann eine Schrift, die die religiöse Reform eines Volkes angehet, das in unfern Lagen so viele Federn für und wider sich in Bewegung setzt, keineswegs unbeachtet lassen, zudem da das Znstitut, wovon sie handelt, in gewissem Sinne kirchenhistorisch geworden ist. — Moritz Geber, Buchhändler. Gänsemarkt Nr. 13. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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