Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1843
- Issue
- 7 (18.2.1843)
- Date
- 1843-02-18
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Lern austreten. Nirgends will es ihm gelingen. Höhnend verlaßt ihn die Geliebte; auf dem Schlachtfelds, statt des Lohnes für seine zuvor gepriesene Tapferkeit, wird ihm Schmach. Im Dienste des Staates, dem er mit glühender Begeisterung angehört, im Bereiche der Wissenschaft, in welchem er bereits herrliche Trophäen gewonnen, sieht er sich mit Unwillen zurückgewiesen. Und wie mag dies Alles geschehen? Es ist ein Wort, welches diese schreckliche Umwandlung in den Gesinnungen bewirkt, dem Edlen, Gottbegnadigten unter Len Menschen alle diese Tauschungen bereitet. Und Lies eins Wort? — Der Himmel gab uns Allen gleiche Rechts Und nur zur Schande hat es uns gereicht, Daß wir der Duldung Keim in uns ertödten, Im frechen Wahn Den Mensch mit Füßen treten. Noch herrscht des Dunklen viel in unfern Zeiten, Doch wird das Licht den Scepter sich erstreiten Und kommen wird ein sonnenklarer Tag, Ein großer Schritt wird's sein zum neuen Leben, Dem Juden, wie dem Christ, sein Recht als Mensch zu geben." »Das Schreckenswort, das Liebe kann ertödten, Das die Geliebte von der Brust des Jünglings reißt, Das Wort, das bei dem Schall der Kriegsdrometen Den Zapfern' in die Niedrigkeit verweist, Das hohen Geist in niedren Staub getreten, Den Menschen aus der Menschenzahl verweist, Dies Wort heißt: ^*NsZSÄS״; blut'ge Thränen Weih ich des Wortes heimathlosen Söhnen! Als Christus war zum Heil der Welt erschienen, War Menschenliebe, Duldung stets sein Wort, Wir, die wir seinem heil'gen Glauben dienen, Wir werfen ihn im blinden Wahne fort; Durch Liebe wollt er uns von Schuld entsühnen, Durch Liebe ward er unser Aller Hort, Er liebte nur und hat sein Blut vergossen, Wir hassen jenes Volk, dem er entsprossen. Sind sie es, die in unsrer Mitte leben, Die ihn gekreuzigst auf Golgatha? Und wollen wir denn heute nicht vergeben, Was einst in alter, blinder Zeit geschah? Wollt Ihr die Hand zur Rache denn erheben, So blickt um Euch, gar vieles liegt Euch nah! Haßt Ihr denn jene dort, Ihr Protestanten, Die Eures Glaubens Lehrer einst verbrannten? Wir Alle sind zur Seligkeit geboren, Zu welchem Glauben wir uns auch bekannt, Kein Volk ist vor dem andren auserkoren, Dies glaub' ich fest, — ich bin ein Protestant, Beharren mögen in dem Wahn die Thoren Und heben wider mich die unduldsame Hand, Ich sag' es frei: Wo steht das Recht geschrieben, Das jenes Volk zur Niedrigkeit getrieben? Schuf Gott den Menschen zu des Menschen Knechte, Sind wir denn mehr als er, zu richten, wo er schweigt? Wohl gieLt's in jeden: Glauben Schlechte, Wo ist der Mensch, der sündenlos Gott gleicht? Wir theilen dies mit, weil es die Schlußidee enthalt. Vor allem gelungen und wohlklingend sind aber die ersten der kleinen Gesänge. — Keinem Israeliten darf dies köstliche Büchlein fremd bleiben. Es wäre eine Schande, die (übrigens nur kleine) Ausgabe für dasselbe zu scheuen. Anzeigen. Im Verlag der I. F. Cast'schcn Buchhandlung in Stuttgart ist so eben erschienen und durch jede gute Buch- Handlung zu beziehen: Vas Such der Sagen und Legenden Jüdischer Vorzeit. Nach den Ctuellen bearbeitet nebst Anmerkungen und Erläuterungen von Abraham M. Tendlau. 8. drosch. Preis 1 fl. 48 kr. oder 1 3lt/C\ 31 Sßn Der Verfasser führt uns meist in gebundener Rede eine Reihe altjüdischer Sagen und Legenden vor Augen, die sich nur zerstreut in vergilbten, oft nur dem rabbinisch Gebildeten, verständlichen Büchern finden, und nur noch hie und da im Munde Einzelner leben. Indem derselbe diese gleichsam versunkenen Schatze ans der Tiefe der Dergessercheir wieder an's Licht zieht und in neuer Gestalt und Bearbeitung uns bietet, hat er sich gerechte Anspruchs nicht blos auf den Dank seiner Volksgenossen, sondern auch auf die Beachtung des übrigen Publikums erworben, dem sein Buch neben einer anziehenden Unterhaltung, tiefe Blicke in die Eigenthümlichkeiten und das innere Leben einier so oft einseitig aufgefaßten Klasse von Menschen gewährt. Der ascetische Werth des Buchs machte es bei der trefflichen Moral, fast sämmtlichcr Stücke auch als passende Festgabe für die höhere Jugend und andere Familienglieder empfehlenswerth. Druck und Verlag von Neumann-Hartmann in Elbing.