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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-10-01 · 10 (Octubre, 1968) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
10 (Octubre, 1968)
Date
1968-10-01
Page
Seite 17 (sequence 18)
Language
German
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OCTUBRE 1968 BOLETIN INFORMATIVO 17 125 Jahre Weltorden Bene Berith ZU SEINEM JUBILAEUM AM 13 □KTDBER Wenn die juedische Loge Bene Berith am kommenden 13. Oktober auf ein 125-jaehriges Bestehen zurueckblikken kann, so darf sie bei dieser Gelegenheit mit Recht darauf hinweisen .dass jene Gruendung im damaligen Amerika von weitreichender Bedeutung fuer das juedische Leben im allgemeinen, fuer soziale Hilfe und Brüderlichkeit im besonderen gewesen ist. Um jene Zeit, 1843, lebten in den USA kaum mehr als 25.000 Juden ,die aus verschiedenen europaeischen Laendern, z. T. auch aus Deutschland,, stammten. Sie waren aus bedrueckenden Lebensbedingungen in eine freiere Welt gekommen und hatten die religioesen und gesellschaftlichen Tradition e n ihrer Heimatlaender nach Amerika verpflanzt, sodass es eine recht vielgestaltige Gruppe gewesen sein duerfte. Umso staerker muss der Wunsch nach einer neuen Form juedischen Zusammenlebens ausgesprochen worden sein. Wir wissen von einem aus Hamburg stammenden jungen Maschinenschlos s e r Heinrich Jonas (spaeter, amerikanisiert, Henry Jones), der nach dem Vorbild der Freimaurer eine Vereinigung schuf, welcher er den Namen “Bene Berith”, “Soehne des Bundes” gab, und deren Zweck es sein sollte, die Neu- Eingewanderten zu sammeln, sie mit amerikanischen Gewohnheiten vertraut zu machen, doch zugleich ihr Judentum in ihnen lebendig zu erhalten. Die Gruendungsversammlung fand am 13. Oktober 1843 in New York statt und der Orden sollte auf ganz Amerika ausgedehnt werden. Man entwarf eine Art Verfassung und noch lange wurden die Verhandlungen in deutscher Sprache gefuehrt. Die von den Gruendern festgelegte Praeambel des Statuts gilt noch heute fuer den gesamten Weltorden: “Der Orden Bene Berith hat sich die Aufgabe gestellt, Juden zu vereinigen zur Wahrnehmung ihrer hoechsten Interessen und derjenigen der Menschheit, die geistigen und sittlichen Kraefte unserer Gemeinschaft zu entwickeln und zu staerken, die reinsten Grundsaetze der Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus zu pflegen, Wissenschaften und Kuenste zu foerdern, die Not der Armen und Beduerftigen zu lindern, Kranke zu besuchen, den Opfern der Verfolgung zu helfen, Witwen und Waisen zu unterstuetzen und ihnen nach den Grundsaetzen der Menschlichkeit beizustehen” . Der Wahlspruch des Ordens hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten und bewaehrt: “Wohl tun, Bruederlichkeit und Eintracht”. Es wird uns berichtet, dass der Orden gute Beziehungen zum Freimaurerorden unterhielt, der seinerseits auch gern Juden aufgenommen habe, und manche aeussere Form und mancher Ritus mag Bene Berith von jener Seite entlehnt haben. Dies hat sich mindestens seit der Wende zum 20. Jahrhundert in Amerika jedenfalls geaendert, wo der Orden seither mehr und mehr auf besondere Merkmale und Zeichen verzichtete, den exclusiven Charakter aufgab und staerker als anderswo zu einer Massenbewegung wurde. Man ging allmaehlich ueber das Rein- Humanitaere hinaus, beschaeftigte sich in zunehmendem Masse mit der Abwehr des Antisemitismus und der Verteidigung der juedischen Buergerrechte, und in der Gegenwart ist der Orden Bene Berith einer der zuverlaessigsten und ergebensten Partner des Staates Israel bei dessen gigantischem Aufbau. DIE LOGEN IN DEUTSCHLAND Dagegen blieb Bene Berith in Europa, wo der Orden in den achtziger Jahren Ausbreitung fand, eine exclusive Loge. Dies gilt vor allem fuer Deutschland. Dort wurde zu Berlin am 20. Maerz 1882 die erste Bene Berith als “Deutsche Reichsloge” gegruendet; nur 30 “Logenbrueder” waren in der ersten Sitzung anwesend, doch der Logengedanke erfreute sich grosser Beliebtheit, sodass eine Anzahl von Logen im Laufe der Jahrzehnte begruendet werden konnte. Im Jahre 1933 umfasste die deutsche Grossloge bei 12.000 Mitgliedern 103 Logen und Schwesternvereinigungen, von denen 9 Logen ihren Sitz in Berlin hatten. Den unmittelbaren Anlass zu jener deutschen Logengruendung hatte die zu Anfang der achtziger Jahre vom Hofprediger Stoekker angefachte antisemitische Welle gegeben, die auch in die Freimaurer-und Odd- Fellow - Logen einzudringen vermochte. Und es bleibt das Verdienst eines gewissen Julius Fenchel, der sich als Jude in einer jener Logen zu¬ Zum Ableben von Edna Ferber Unmittelbar nach den Pessachtagen starb in USA die grosse juedisch-amerikanische Erzaehlerin Edna Ferber im Alter von fast 82 Jahren. Mit Romanfiguren, in denen sie fuer Amerika gueltige Frauentypen geschaffen hatte, stand diese Schriftstellerin innerhalb der grossen klassischen Tradition, die einst von Mark Twain ihren Ausgang nahm. Ihre Werke wurden volkstuemlich, und Probleme des modernen Frauenberufslebens standen vielfach im Mittelpunkt; die Gestalten der besten ihrer Buecher praegten sich dem Gedaechtnis des Lesers ein. Edna Ferber wurde zu Kalamazoo im Staate Michigan als Tochter eines armen juedischen Kaufmanns geboren. Bald nach ihrer Geburt siedelten die Eltern nach Appleton im Staate Wisconsin ueber, wo Edna ihre Kindheit zubrachte. Frueh schon musste sie die Sorge fuer eine grosse Familie uebernehmen, und sie begann ihre Karriere als schlechtbezahlte Reporterin einer kleinen Provinzzeitung. Spaeter vermochte sie zu grossen Zeitungen hinueberzuwechseln und schliesslich bei der bedeutenden “Chicago Tribüne” zu landen. Ihr erstes Buch von Format “Dawn O’Hara” erschien 1911 und eroeffnete Edna Ferber eine ruhmreiche Laufbahn. Dieses und fast alle spaeteren Buecher spielen in amerikanischen Kleinstaedten. Im Jahre 1925 publizierte sie “Das Komoediantenschiff”, ein Werk, das durch Filme und Radio weitgehende Verbreitung finden sollte. Die beste Schaffenszeit dieser Autorin lag etwa zwischen 1930 und 1940, in der u. a., “Amerikanische Schoenheit” und “Cimarron” veroeffentlicht wurden. Dieser letztgenannte Roman, auch spaeter verfilmt, wird noch heute viel gelesen. Eines ihrer bekanntesten Buecher ist “Fanny herseif” das Realistik mit etwas Sentimentalitaet verbindet. Stets wusste diese Schriftstellerin durch die hohe Gabe ihrer Erzaehlungskunst alle Volkskreise zu fesseln, weil sie selbst sich dem wechselvollsten Leben tief verknuepft fuehlte. Alles Ungestueme, Abenteuerliche, fand Resonanz in dem fuer das Heitere, Bezaubernde, aufgeschlossenen Sinne dieser Frau, die auch tiefes Verstaendnis und Mitgefuehl fuer Bitteres und Erschreckendes im menschlichen Dasein besass. Edna Ferber, eine bewusste Juedin und amerikanische Patriotin, hinterlaesst eine weite, dankbare Lesergemeinde. Curt Wilk. RELOJERIA IÖMOE0PATHISCHE APOTHEKE NACHMANN Central de Homeopatía Hahnemann Neue Adresse: Monjitas 825 local 512 Santiago, Sto. Domingo 1022 - Tel. 88290 (Pasaje Capri) Vollstaendiges Lager an Homoeopathischen Medika- menten. Buecher ueber Homoeopathie. Fono 36464 Importierte und chilenische Heilkraeuter rueckgesetzt, beleidigt, fuehlte, hieraus die Konsequenz gezogen und sich die behoerdliche Genehmigung zur Schaffung des juedischen Ordens in Deutschland nach dem amerikanischen Vorbild verschafft zu haben. Das Logenleben in Deutschland in seiner besten Zeit weist eine ganze Reihe hervorragender Leistungen auf. Der Orden leistete einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung juedischer Geschichtsforschung durch das “Gesamtarchiv der deutschen Juden”, und zwei beruehmte Logenbrueder, Hermann Cohen und Franz Rosenzweig, ergriffen die Initiative fuer eine “Akademie der Wissenschaft des Judentums”. Auf dem neutralen Boden der Loge konnten sich in der damaligen Zeit innerjuedische Gegner wie Orthodoxe und Liberale, Zionisten und Nichtzionisten in harmonischer Zusammenarbeit finden, geeint durch die juedischen und allgemein-menschlichen Ideale von Bene Berith. Es darf auch daran erinnert werden, dass der Kulturfonds der Loge notleidende Ausbildungsstaetten, insbesondere Rabbinerseminare, unterstuetz t e, und ein dem Schreiber dieser Zeilen verliegender Bericht spricht davon, dass allein fuer Wohlfahrtszwecke von den deutschen Logen in den Iahren 1929 - 1933 drei Millionen Mark ausgegeben wurden, wobei nicht nur juedische Zwecke bedacht worden sind. Im ersten Weltkriege stattete man einen ganzen Lazarettzug aus. Auch war auf die Anregung der Loge die Gruendung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden zurueckzufuehren, deren erster Vorsitzender der Logen-Gross - Praesident Geheimrat Berthold Timendorfer wurde. JUEDISCHE ERZIEHUNG UND ZIONISMUS Als im Jahre 1924 Rabb. Dr. Leo Baeck zum Grosspraesidenten der deutschen Logen berufen worden war, wurde es klar, dass fortab mehr als bisher fuer die innerjuedische Erziehungsarbeit getan werden wuerde. Auch zur Weltjudenheit und zum Palaestinagedanken mussten nunmehr die Beziehungen noch inniger werden. Eine der ersten offiziellen Handlungen Baecks war ein offizieller Empfang fuer den damaligen Praesidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Chaim Weizmann, in der Berliner Loge, ein Vorgang, der zu jenem Zeitpunkt kaum in einer anderen nichtzionistischen Institution moeglich gewe s e n waere. Die Arbeit der uebrigen europaeischen Bene Berith- Logen richtete sich im wesentlichen nach derjenigen von Deutschland aus: Ein bluehendes Logenleben entwickelte sich u.a. in England der Tschechoslovakei, in Oesterreich und in der Schweiz. Was die Logenarbeit im uebrigen besonders charakterisierte, war die Erweiterung der gegenseitigen bruederlichen Hilfe durch die Entwicklung der allgemeinen Wohlfahrtspflege durch juedische Erziehungsarbeit und die Foerderung der aktiven Mitarbeit der Logenbrueder durch die Uebernahme bestimmter Verpflichtungen, wie z.B. die Foerderung des Bibliothekswesens . Innerha I b einer jeden Loge existierte eine sogenannte “geistige Kommission”, die daran arbeitete. zu erreichen, dass die Logenbrueder - und Schwestern ihr juedisches und allgemeines Wissen vergroesserten. Gewiss soll es namentlich in den sogenannten Kleingemeinden gewisse Unzutraeglichkeiten dadurch gegeben haben, dass die wirtschaftlich weniger gut Situierten sich benachteiligt fuehlten weil man ihnen vielfach die Aufnahme in die Loge verweigerte mit der Begründung, dass sie doch jenen enormen materiellen Verpflichtungen nicht nachkommen koennten, welche der Orden auf erlegen musste. Trotz dieser gesellschaftlichen Unterschiede, die nicht ganz wegzuleugnen sind, wuchs das Logenleben und konnte auf so vieles Positive hinweisen, dass die Maengel uebersehen werden durften. Die ungeheuren Schwierigkeiten, welche das Naziregime den ihm verhassten Bene Berith-Logen bereitete, fanden mit der Aufloesung des Ordens zu Anfang 1937 ihr Ende; der gesamte Besitz wurde konfisziert, und ein ruhmreiches Kapitel juedischer Arbeit auf deutschem Boden war damit abgeschlossen. Die Deutsche Bundesrepublik tat, was in ihren Kraeften stand, um das bittere Unrecht der Naziepoche wiedergutzumachen; neue Logen in West - Deutschland knuepfen wiederum an die altehrwuerdige Tradition an, und einstige Juden aus Mittel-und Osteuropa, heute in neuen juedischen Diasporazentren wie in Sued - und Mittelamerika, Austra 1 i e n, Suedafrika, etc., schufen sich Logen, die im wesentlichen an die alten Traditionen anknuepfen und gewisse Konzessionen an neue Lebensbedingungen machen muessen. Zusammenfassend muss gesagt werden, dass der Weltorden Bene Berith heute ueber mehr als 2.000 Logen verfuegt, die sich auf etwa 40 Laender verteilen, und dass in ihnen etwa 400.000 Logenbrueder zusammengeschlossen sind. In Israel allein gibt es 60 Logen mit ungefaehr 3500 Mitgliedern; 40 Logen verteilen sich auf Latein Amerika, hiervon 6 auf Argentinien, und 6 auf Chile. In verschiedenen Kommissionen der “United Nations” vertreten, arbeiten auch zahlreiche Logenbrueder in der “Anti-Defamation League” und in der Hillel Foundation mit. Der gegenwaertige Logen-Grosspraesident am Sitze der Grossloge zu Washington, William A. Wexter, ein Mann in mittleren Jahren, leitet seit drei Jahren den Gesamtorden in einer Weise, die allseitige Anerkennung findet und das internationale Ansehen von Bene Berith erhoeht. So darf sich der Orden am 125. Gruendungstage selbst dazu beglueckwuenschen, einen lebendigen Anteil am juedischen Volks-und Geistesleben, an juedischer Kulturentfaltung und Betaetigung der hoechsten ethischen Forderungen des Judentums gehabt zu haben. Curt Wild.

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