Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXX (1968)
- Issue
- 6 (Junio, 1968)
- Date
- 1968-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 21 “Die gesetzlich erlaubten Nazis” VOLKSVERHETZUNG IN DEUTSCHLAND Unter diesem Titel veroeffentlieht die israelische Tageszeitung “Jedioth Chadashoth” einen Kommentar zur Tehera n e r Menschenrechts- Tagung de UNO, dem wir folgendes entnehmen: .Die UNO-Konferenz fuer die Menschenrechte, welche zur Zeit in Teheran tagt, beschloss, der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu empfehlen, einen klaren Beschluss zu bestaeti gen, durch welchen die Staaten der Welt aufgerufen werden, alle Verbaende und Organisationen, die den Nazis, den Neonazis, den Vertretern der Rassentrennung, des Terrorismus und der Intoleranz nahestehen, fuer ungesetzlich zu erklaeren, und jede Taetigkeit fuer solche Ziele zu bestrafen. Der Beschluss ist sehr zu begruessen, auch wenn er zu keinerlei wahren Verwirklichu n g e n fuehren wird. Man kann ihn begruessen, auch wenn es einige Wermutstropfen gibt, die in den Becher fallen. Der Antrag wurde von den Vertretern der Ukraine, Polens und der Tschechoslowakei eingebracht. Damit allein war seine Echtheit, seine gute Absicht, seine wahre Reinheit zweifelhaft geworden. Wenn ein Regime, welches junge Dichter und Schriftsteller fuer Jahre zur Zwangsarbeit schickt und ein anderes, das offen dem widerwaertigsten Antisemitismus alten Stiles huldigt, zum Vertreter der Freiheit werden will und sich gegen das wendet, welches andere ebenso tun, wie es selbst, nur unter etwas veraenderten Vorzeichen, dann ueberzeugt die ganze Massnahme nicht mehr in ausreichenden Masse. Die Ehrenrettung des Beschlusses von Teheran liegt hoechstens darin, dass fast alle Staaten dafuer gestimmt haben, auch jene, bei denen die Freiheit den Status geniesst, der ihr zukommen sollte. In Wirklichkeit war der Beschluss der UNO-Tagung fuer Menschenrechte fast ausschliesslich an die Adresse Bonns gerichtet. Man formulierte es zwar sehr allgemein, aber man meinte nur, oder fast nur die NPD. Die Konferenz von Teheran versteht es ja ueberhaupt sehr gut, bestimmten politischen Absichten zu dienen, indem man allgemeine Beschluesse fasst, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit einem bestimmten Problem zu stehen scheinen. Man weiss aber sehr gut, dass man Suedafrika und Rhodesien nicht ueberzeugen werde, dass man durch solche Beschluesse die Entwicklung in den USA nicht beschleunigen koenne, dass man Polens “fortschrittliche” F u e h r e r nicht von ihrer Popromstimmung abbringen wuerde, sondern dass man bestenfalls Druck auf die westdeutsche Regierung ausueben kann, um sie zu veranlassen, die NPD fuer ungesetzlich zu erklaeren. Das Zoegern Bonns, diesen Schritt zu unternehmen, ist bedauerlich. Man hat ja auch im Falle der kommunistischen Partei nicht gezoegert und duerfte dafuer heute einen Preis zahlen, dessen Hoehe noch nicht feststeht. Die Furcht, hier Maertyrer zu schaffen, ist gaenzlich unbegruendet. Sieger sind jedenfalls gefaehrlicher als Maertyrer, und vorlaeufig schafft man nur Sieger. Man wird nun abwarten muessen, ob die westdeutsche Bundesregierung die Zustimmung ihres Vertreters bei der Konferenz von Teheran, eben zu diesem Beschluss, durch reale Massnahmen honorieren wird. Man versteht aber wohl, dass es dem deutschen Repraesentanten sehr schwer gefallen waere, anders als mit ja zu stimmen. Wir bringen im nachstehenden eine Auslese aus der systematischen Anhaeufung von wiederkehrenden UeberSchriften, die geeignet sind, die ceffentliche Meinung gegen den juedischen Bevoelkerungsteil einzunehmen. Diese Zeitungs-Titel sind nichts anderes als eine fortgesetzte Handlung beleidigender Volskverhetzung. Auch die Schuesse auf den Studentenfuehrer Dutschke wurden auf diese Weise eingeleitet und begleitet, wie sich aus den nachfolgenden Texten ergibt. Sonst gibt os Bürger! |Naits jagen’ - Kommunisten ' «Hl leitet l!tiiscljMf.Äateisi8iü NationaLZeltung Herr MeH Sie Badie «der Recht? iss! .. . . pptschke * stärkster Mann int; Rational+Zeitung Magnus Hirschfeld zum 100. Geburtstag: AUFKLAERER SEINER UND UNSERER ZEIT ItiPD - L Das Verfahren, das der baden - wuerttembergische NPD -Landesvorsitzende Wilhelm Gutmann gegen den Tuebinger Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und seinen Vorsitzenden Schmitt wegen Verleumdung und uebler Nachrede angestrengt hatte, wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Alle Vorwuerfe gegen Gutmann erwiesen sich nach den Ermittlungen als eindeutig wahr. Der Tuebinger Arbeitskreis hatte zusammen mit der Freiburger Buergeraktion zum Schutze der Demo' kratie behauptet, Gutmann habe in einer antisemitischen Hetzrede am Vorabend der “Kristallnacht” 1938 als Ortsgruppenleiter und Bürgermeister von Tiengen in Suedbaden gefordert, mit den Juden “Schluss zu machen”. Darauf seien unter seiner Beteiligung der juedische Friedhof geschaendet, die Synagoge sowie juedische Geschaefte gepluendert worden. Die juedischen Einwohner Tiengens seien auf Lastwagen verladen Und ins Konzentrationslager gebracht worden. In der Einstellungsverfuegung heisst es, es sei richtig, wenn ihm Verbrechen angelastet wuerden, sofern man von einem Verbrechen spreche. Gutmann habe sich an der Verfolgung der Juden mit der erwaehnten Hetzrede beteiligt. Er sei auch, wie behauptet, wegen dieses Verbrechens zu eineinhalb Jahren Gefaengnis verurteilt worden. Es stimme ausserdem, dass der jetzige Landesvorsitzende der NPD nach dem Zusammenbruch in den Dienst der franzoesischen Sicherheitspolizei getreten sei. SCHWEIZER JIM VERKLAGEN Die Organisation der juedischen Gemeinden in der Schweiz fuehrt gerichtliche Klage gegen Dr. Mathez, Autor eines antisemitischen Buches ueber das “Protokoll der Weisen von Zion”. Der Vorsitzende Resconi beantragte das Verbot des Buches und die Beschlagnahme der vorhandenen Exemplare. Das Gerichtsurteil wird in etwa zwei Monaten erwartet. (Juedischer Presse-Diensl), Er gehoerte zu den Tabu- Zerstoerern seiner Epoche und waere auch heute noch ein enfant terrible. Am 14. Mai warend hundert Jahre vergangen, seit Magnus Hirschfeld geboren wuerde. Ein Saekulum - doch wer moechte behaupten, seine Forderungen seien in unserer aufgeklaert sich gebenden Zeit wirklich erfuellt? Hirschfeld kaempfte mutig fuer die Freiheit des Menschen auf einem Sektor, der im Laufe unserer Kulturentwicklung zu dem am meisten tabuierten wurde: dem Gebiet der Sexualitaet. Hat Sigmund Freud mit seinen “Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie”, besonders mit seiner Darstellung fruehkindlichen Sexuallebens, Zeit-und Zunftgenossen schockiert, so uebernahm der aus Kolberg stammende Sanitaetsrat Dr. Magnus Hirschfeld die Aufgabe, psychoanalytische und sexualkundliche Forschungsergebnisse unters Volk zu bringen. Hierbei stiess er erwartungsgemaess auf heftige Widerstaende. Als 29—jaehriger begruendete er ein wissenschaftlich-humanitaeres Komitee, das den Reichstag aufforderte, die Strafbarkeit der Homosexualitaet abzuschaffen. Weiter propagierte er Volksaufklaerung ueber empfaengnisverhuetende Mittel sowie die politische, wirtschaftliche und geschlechtliche Gleichstellung der Frau. Die sexuelle Aufklaerung der Kinder war eine weitere revolutionaer wirkende Forderung, die Hirschfeld bereits vor einem halben Jahrhundert stellte. Magnus Hirschfeld erkannte die Bedeutung psychoanalytischer Erkenntnisse von der eminenten Bedeutung der Sexualitaet auf Entwicklung, Stagnation oder Regression der Kultur. Er gruendete und leitete das Institut fuer Sexualwissenschaft in Berlin und gab eine zweibaendige Sittengeschichte des ersten Weltkrieges heraus. Im Vorwort heisst es ahnungsvoll: “Wir waren bestrebt, die Objektivitaet der Darstellung und Wiedergabe weder durch eine besondere Einstellung fuer die eine, noch gegen die andere kriegsbeteiligte Voelkergruppe beeintraechtigen zu lassen. Ebenso fern lag uns ueberdies die Absicht, den Krieg zu “verniedlichen”, wie seine Scheusslichkeiten und Brutalitaeten gar noch zu uebertreiben. Sollte das sine ira et studio unternommene Werk gleichwohl tendenzioes im kriegsgegnerischen Sinne erscheinen, so ist daran gewiss nur der Krieg schuld”. Diese Worte - daran gilt es sich zu erinnern - erschienen zu einer Zeit, da eine Dolchstosslegende bluehte. Wer den Krieg als Vater aller Dinge verherrlichte und in Stahlgewittern zwischen zwei Welten zu wandern vorgab, den mussten Hirschfelds Forschungen und Erkenntnisse vor den Kopf stossen: Erbarmungslos legte der Sanitaetsrat die archaischen Triebkraefte der Zerstoerung als Motor der Kriege bloss. Wer die Phrase vom “Feld der Ehre” liebte, der wurde unbarmherzig etwa mit der erniedrigenden, staatlich eingerichteten Feldprostitution konfrontiert. Doch einmal mehr musste der Spiegel buessen, weil er eine Fratze zeigte. Nach einem Vortrag in Muenchen wurde 1921 auf Hirschfeld ein antisemitisches Attentat veruebt, das ihn schwer verletzte. Unbeirrt durch persoenliche Angriffe von Fachkollegen und Poebel ging Hirschfeld seiner Arbeit nach. Er schrieb vielbaendige Werke ueber Sexualpathologie, Geschlechtskunde sowie Geschlechtsanomalien und Perversionen. Henry Havelock Ellis (1859 - 1939), wohl bedeutendster Sexualwissenschaftler der angelsaechsischen Welt, erwaehnt Hirschfeld in seinem Buch “Psychology of Sex” 19 Mal und nennt dessen Forschungen beispiellos. Als Jude und Spiessbuergerschreck musste Hirschfeld nach der Machtergreifung der Nazis aus Deutschland fliehen. Ueber Paris und London gelangte er nach Nizza. Dort ist er an seinem 67. Geburtstag, im Jahre 1935, gestorben. Joachim Hemmerle 06023808