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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1968-05-01 · 5 (Mayo, 1968) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXX (1968)
Issue
5 (Mayo, 1968)
Date
1968-05-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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MATO 1968 BOLETIN INFORMATIVO 17 Der Nahe Osten vor einer Jahresbilanz Russische Truppen unterstreichen m i t sogenannten Manoevern an den tschechischen und rumaenischen Grenzen des Kreml Willen, die Regierungen von Prag und Bukarest zu zuegeln. Aber das ungestueme Zwiegespann, ein Ross nationale Selbstbestimmung und das andere Demokratie, galoppiert weiter. Wie weit? Wie rasch? In Paris beginnen die Verhandlungen Vietnam-U.S. A. vor einer von Studenten improvisierten Kulisse von Brand und Strassenkampf. Hanoi verlangt Einstellung aller Bombenfluege. Washington fordert Verminderung der Infiltrierung in Sued-Vietnam. Echte Konzessionen? Faule Kompromisse? In deutschen Landen wird Judenmoerder Franz Rademacher das juste Strafmass zuerkannt, das er bereits als abgebuesst verrechnen kann und die NDP erklimmt die Zehnprozent Stimmensprosse. Der Kanzler bekennt seine Besorgnis. Aber wird er handeln? Oder des weitern nur den Gram bekunden? Botschafter Goldberg verlaesst, nun endgueltig, New York und George W. Ball Zieht als US-Sprecher in das ONU-Palais ein. Nixon und Rockefeller auf republikanischer, Humphrey, Kennedy und McCarthy auf demokratischer Seite, ruesten fuer die Eroberung der Praesidentschafts-Kandidatur. Wer wird die Falken von der Jagd heimholen? Wer kann die Tauben in diesen Himmel voller Raubvoegel ausfliegen lassen? Mehr Ereignisse geschehen, als die Chronik eines einzigen Monats zu fassen vermag, mehr Fragen werden durch sie aufgeworfen, als man beantworten, ja nur ordnen kann. Nach einem Jahr Zu alledem liefert der Nahe Osten, unerschoepflich sprudelnde Quelle von Begebnissen und Konflikten, Sensationen und Problemen, den alten Stoff in herkoemmlichen und neuen Mustern. Staatsmaenner und Voelker ruesten zur ersten Jahresbilanz nach dem Sechstage-Krieg, indem sie noch hastig Posten zur Buchung vorlegen, welche die Gewinn- und Verlustrechnung verbessern koennten. So ignoriert Israel den einstimmigen Beschluss des Sicherheitsrates der ONU, sowie die stereotype Mahnung des Generalsekretaers, und begeht seine glanzvolle Militaerparade zum 20. Staatsfeiertag in seiner wiederve reinigten Hauptstadt. Es ist dies die dritte klare Herausforderung, die sich das kleine Land der sogenannten Weltmeinung gegenueber leistet. Die erste bezog sich auch auf Jerusalem, da naemlich der einzige eindeutige Beschluss in Bezug auf die neue Situation, die von Pakistan eingebrachte und mit grosser Mehrheit von der Generalversammlung a n g enom mene Resolution, die Rueckgabe der Altstadt fordert. Die zweite besteht in der Entschlossenheit, trotz aller Verwarnungen des Sicherheitsrates die Verfolgung des Terrorismus weiterhin auch in den Nachbarlaendern immer dann durchzufuehren, wenn dies aus Sicherheitsgruenden ratsam erscheint. Ein russischer Vorstoss, Repressalien zu verhaengen -sie “wuerden sich gerne beteiligen”-, scheiterte. Und so blieb als Bodensatz nur neuer Schutt aus dem Prestige-Abbau der Organisation, die als Tempel des Friedens gedacht, deren Saeulen aber stueckweise von der Machtpolitik der Vetogiganten und der regionalen Bioecke zertruemmert wurden. In Klammern sollte die Frage interessieren, ob Israel das beilaeufig bezweckt. Es ihm uebel zu nehmen, waere heuchlerisch im Hinblick auf die in der ONU schon seit langem vorherrschende Politik des schamlosen Kuhhandels, die es der afro-arabisch -sowjetischen Allianz gestattet, mit der Segnung der Mehrheit zu luegen und zu hetzen und zu morden. Aber trotzdem ist die Frage falsch gestellt. Nicht Israel degradiert den Sicherheitsrat zu der traurige Rolle, die er heute spielt. Es war der Sicherheitsrat, der sich selbst dazu degradiert hat: Was tat er 1956, um Ungarn zu helfen? Was fuer den Tibet? Was fuer Vietnam? Was fuer die Juden in Russland und Polen? Was fuer die Neger in Rhodesien? Was fuer die Inder in Kenya? Uno was tat er fuer Israel, als vor nunmehr einem Jahr die halbe Welt ruestete, um es zu vernichten und die andere halbe Welt sich resigniert anschickte, die Beileidskarten drucken zu lassen? Die Antwort lautet daher: Israel hat Interesse an einer starken Organisation der Vereinigten Nationen, sofern eine solche ein Minimun von Garantien auch fuer solche Staaten und Menschen bietet, die dort nur kraft ihrer Argumente, ihres Rechts und ihres guten Willens auftreten koennen. Es kann aber kein Interesse haben, die ONU und ihren Sicherheitsrat zu staerken, solange die Weltmaechce und die vielen grossen und kleinen Int riganten mit schwülstig nach Frieden klingenden Resolutionen nur ihre wahren, aggressiven, Absichten bemaenteln. Darum steht die ONU ein Jahr nach dem Rueckzug ihrer Truppen von der damaligen israelisch - aegyptisc h e n Waffenstillstandslinie noch genau so belaemmert dort, wo sie damals stand. Arabische Strategie und Taktik Trotzdem ist der von den Aegyptern immer wieder herausposaunte Vorwurf, Israel missachte den Sicherheitsrat, indem es seine Truppen aus den eroberten Gebieten nicht zurueckziehe, haltlos. Man mag dahingestellt lassen, ob Israel einen solchen Beschluss respektieren wuerde, aber solange man sich an die Tatsachen haelt, muss man daran erinnern, dass es ihn einfach gar nicht gibt. Soweit in einer ONU-Resolution von Rueckzug ueberhaupt die Rede ist, geschieht dies nur in der von den Briten im November eingebrachten und vom Sicherheitsrat einstimmig angenommenen. Diese aber erwaehnt ihn im Rahmen einer Reihe von Massnahmen und Bedingungen wie Beendigung des Kriegszustandes, Loesung des Fluechtlingspr o b 1 e m s oder Anerkennung der Souveraenitaet der Gegenseite. Den Rueckzug als Vorleistung za fordern, ohne auch nur die Erfuellung der daran gekoppelten Voraussetzungen zu versprechen, ist nicht mehr als ein fadenscheiniges diplomatisches Manoever. Dass es trotz aller Primitivitaet manchmal seine Wirkung nicht verfehlt, laesst sich z. B. daran ermessen, dass selbst eine so wohlgesinnte Zeitung wie “El Mercurio” und ein so gutinformierter Spezialist wie dessen Nahostfachmann im Rahmen eines ansonsten sehr gut fundierten Artikels -sowohl der jordanische wie der aegyptische Botschafter fuehlten sich bemuessigt, ihn zu kritisierenjenen frei erfundenen Rueckzugsbefehl als tatsaechlich gegeben unterstellte. Im Grunde -genommen beleuchtet eine solche Episode den propagandistischen Vorsprung, den die arabischen Politiker im Moment unstreitig innehaben. Vor einem Jahr noch verfolgten sie die Vernichtung Israels und proklamierten es urbi et orbi, entweder weil sie dies fuer zweckmaessig hielten oder fuer unnoetig, es zu verbergen -wen scherte es auch?-. Heute verfolgen sie weiter die Vernichtung Israels oder zumindest traeumen sie noch davon, aber sie bemaenteln diesen Vorsatz mit der bescheidenen Forderung auf Rueckgabe “ihrer” Gebiete. Um das Bild zu vervollstaendigen, unterstreichen sie dabei gebuehrend ihre Rolle als Opfer, setzen den israelischen Sieg mit Aggression gleich, die Sicherung der Grenzen mit Expansionsgeluesten, die Aktionen gegen Terroristen mit Unterdrückung der Bevoelkerung, Kolonisation mit Kolonialismus und ihren eigenen Mangel an Faehigkeit, Krieg zu fuehren, mit Mangel an Lust dazu. Sie muessen aber zu ihrem Leidwesen erfahren, dass der relative Unwert der oeffentlichen Meinung nicht nur Israel enttaeuscht, wenn dieses sich wie im Vorjahre von Gott und der Welt im Stich gelassen sieht. Soweit sie politische Schuetzenhilfe, meist vom Osten, erhielten, geschah dies unabhaengig von Argumenten und Klagen. Mit ihrem Wehgeschrei aber haben sie keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt. Und die israelische Diplomatie hat sich entsprechend wenig bemueht, es zu uebertoenen. Die Bilanzposten Im Grunde genommen wissen beide Seiten, dass die Debatte nicht vor den Mikrophonen in New York, sondern in der Sprache der Kanonen am Suez-Kanal ausgetragen wird. Die relative Unnachgiebigkeit Israels ruehrt aus dieser Tatsache her... und be- M0NATSSPIE6EL kraeftigt sie. Und darum lautet die israelische Jahresbilanz ungefaehr so: 0 Man hat die gewonnenen Vorteile gehalten. 0 Man meistert das Problem der neuen arabischen Bevoelkerung, bis sich eine neue Regelung, die frueher, spaeter oder nie kommen kann, einstellt. 0 Man bekaempft den Terrorismus, der zwar schmerzliche Opfer fordert, aber im neuen Gleichgewicht der Kraefte keine nennenswerte Rolle spielt. Das sind eindeutige Posten auf der Haben - Seite. Wie sieht dagegen die Bilanz der Widersacher aus? 0 An den Folgen der Niederlage zerbrach die im Mai erreichte arabische Einheit. Nur Aegypten und Transjordanien haben in der sogenannten Palaestinafrage noch Gewicht; Syrien ist isoliert und Staaten wie Algerien oder der Sudan ausgeschaltet. 0 Der Suez-Kanal ist zu und versandet; die aegyptische wie die tr ans jordanische Wirtschaft jonglieren am Rande des Bankrotts. 0 Sowohl in Kairo wie in Amman ist das Regime selbst in Krise. 0 Aegypten ist weitgehend unter die Kontrolle der Sowjet-Union geraten; die russische Marine haelt die aegyptischen Haefen besetzt. All diesen Soll-Posten sieht, man darf es nicht uebersehen, auf der Aktivseite gegenueber: 0 Militaerisch ist Aegypten wieder genau so stark wie vorher, dank russischer Hilfe. 0 Militaerisch ist Transjordanien wieder genau so stark wie vorher, dank anglo-amerikanischer Hilfe. Die Mission Jarring Aus ihrem Verhalten dem Vermittler gegenueber laesst sich am besten erkennen, wie jede Seite ihre eigene Bilanz -und die der Gegenseitebeurteilt. 18 mal war der fleissige Schwede von Zypern nach Jerusalem geflogen, 13 mal nach Kairo und 12 mal nach Amman. Im April hielt Nasser seine beruehmte Brandrede vor den neuen Offizieren und erlaeuterte ihnen die Unvermeid 1 i c h k e i t eines vierten Krieges mit Israel. Offensichtlich war er entschlossen, die Schlichtungsbemuehungen zu kuendigen und erwartete von der Rueckgabe der Angelegenheit an den Sicherheitsrat eine neue, fuer ihn guenstigere Resolution. Eine Woche spaeter exerzierte Israel dem Sicherheitsrat seine wohltuende Impotenz vor und liess 300 Jagdbomber ueber Jerusalem brausen. Am naechsten Tag Mohammed Riad, seines Zeichens Aussenminister von Aegypten: “Wir sind bereit, in New York mit der Mission Jarring weiterzuverhandeln, wenn wir uns auch nicht mit Israel an einen Tisch setzen”. Natuerlich heisst das nicht, dass Nasser den Krieg nicht weiter vorbereitet. Aber der scheinbare Widerspruch von Strategie und Taktik ruehrt daher, dass er jetzt besser als im Vorjahr weiss, wie viel er noch tun muss, um sich vorzubereiten . Und so lange kann er nicht ohne irgendwelche Zwischenerfolge warten. Seine Leute sind ungeduldig und er selbst ist es. Waehrend also Israel wie stets politische Loesungen sucht, ohne die militaerische Bereitschaft zu vernachlaessigen, sucht er jetzt seine militaerische Loesung, erklaert sich aber aus taktischen Gruenden zu einer nachgiebigeren Politik bereit. Ein Widerspruch besteht also nicht', zumal Begriffe wie Konsequenz und Logik sowieso auf die Worte und Taten arabischer Machthaber keine Anwendung finden. Den kausalen Zusammenhang kann man aber noch weiter blosslegen, wenn man die Wechselbeziehung zwischen transjordanischer und aegyptischer Politik im Auge behaelt. Da ist einmal die Tatsache, dass Hussein schon viel laenger als Nasser das gleiche doppelzuengige Spiel treibt. So gebaerdet er sich friedfertig in den westlichen Hauptstaedten, progressiv in Moskau und orthodox in Riadh, gemaessigt wenn er zu arabischen Politikern spricht und martialisch vor seinen Truppen. So verspricht er, die Terroristen zu kontrol 1 i e r e n und liefert ihnen am gleichen Tag Proviant, treibt schwunghaften Handel mit den neuen Gebieten in Israel und proklamiert Boykott, beruft sich auf den Waffenstillstand und gibt Feuerbefehl. Nichts von alledem kann aber verschleiern, dass seine Situation im Grunde genommen recht verzweifelt ist. Dem trug er Rechnung, als er Jarring versprach, in New York weiterzuverhandeln. Und Nasser entschloss sicn, in die Verhandlungen in New York miteinzusteigen, weil 0 er Husseins Wendigkeit bewundert. 0 ihm noch mehr misstraut, 0 und ihn, vor allem, nicht mit den Israelis allein verhandeln lassen will. (Fortsetzung Seit 18)

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