Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1967)
- Date
- 1967-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO FORTE 1 Inscripción PAGADO in TARIFA PUBLICACIONES REDUCIDA PERIODICAS S.C.I r»« JBKOR AÑO XXIX N* 11 SANTIAGO DE CHILE NOVIEMBRE 1967 EIN ZEITUNGSKRIEG IN ZION Von Dr. Abner Nechuschlan, Tel-Aviv Aur neun, zehn, elf, zwoelf Uhr nachts verzoegerte sich die fuer die achte Abendstunde vorgesehene, von den Israelis am Radio mit aeusserster Spannung erwartete Erklaerung ihres Ministerpraesidenten. Schliesslich nahm er das Wort. Die Beschlussfassung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen habe ihn veranlasst, der Raeumung des von den siegreichen israelischen Streitkraeften besetzten Gebiets zuzustimmen. Er hoffe, damit die Voraussetzung fuer friedliche Verhaeltnisse waehrend der kommenden Jahre geschaffen zu haben. Das umso mehr, als seiner Regierung wirksame Massnahmen zur Sicherung der Passage von Schiffen unter der blauweissen Flagge im Suezkanal und in der Meerenge von Tiran, am Eingang des Golfes von Akaba bezw. von Elath, gegen jede etwaige weitere aegyptische Blockade in absolut bindender Form von keinem geringeren als dem Presidenten der machtvollen Vereinigten Staaten versprochen worden sei. Nicht etwa Levi Eschkol gab diese Erklaerung jetzt ab, sondern sein Amtsvorgaenger David Ben Gurion, vor etwa einem Jahrzehnt.. kuTz nachdem die Truppen'Mosche Dajans als ihres damaligen Generalstabschefs in raschem Vormarsch durch die Sinaihalbinsel bis zum Kanal gelangt waren. Aber von “friedlichen Verhaeltnissen” konnte schon lange vor der Massierung zehn aegyptischer Divisionen an der suedlichen Grenze Israels, am Vorabend des letzten Krieges, bekanntlich keine Rede in der Zeit sein, die seitdem vergangen ist. Zugleich mit diesem Aufmarsch hatte sich Abd el Nasser im Mai unbedenklich lieber die Zusage Dwight Eieenhowers hinweggesetzt, als er den Seeweg von Tiran fuer israelische Schiffe sperrte — vom Suezkanal ganz zu schweigen. DER GROSSE SCHOCK Es kann nach so schockierenden Erfahrungen nicht verwundern, dass Regelungen wie der dem Staat Israel damals aufgenoetigte Kompromiss hierzulande auf heftigstes Misstrauen stossen. Dieser Schock duerfte die strikte Weigerung der Regierung Eschkol mitverursacht haben, keine Raeumung der im "Krieg der sechs Tage” besetzten Gebiete spaeteren Gegenleistungen der Araber vorangehen zu lassen, wie sie und ihre sowjetrussischen Freunde es verlangen. Niemand kann ja dafuer garantieren, dass die Machthaber Aegyptens, Jordaniens, oder gar die syrischen Ba’athpolitiker, deren Hassaffekte alle Rekorde schlagen, nach einer solchen israelischen Vorleistung zu ihren eigenen Verpflichtungen korrekter als zu den Waffenstillstandsvertraegen von 1949 stehen wuerden, die ihnen friedliches Wohlverhalten schliesslich auch schon auferlegt hatten. Der gleiche Argwohn hat - jedenfalls bisher - offenbar zur Weigerung der Regierung beigetragen, den mancherlei Alternativ - Loesungen naeherzutreten, die seit Wochen in den UN ‘‘herumgesprochen” werden, so dem Vorschlag, die Ruecknahme der Truppen, bis zu dem Vorschlag, die Ruecknahme der Kriegsgrenzen Zug um Zug mit der Gegenseite vorzunehmen, dass sie sich mit Israel nicht mehr als im Kriegszu-' stand befindlich betrachte. Die hiesige Oeffentlichkeit bezweifelt vom Mann ¡auf der Strasse ueber die Presse bis zu den Ministern den Wert arabischer Versicherun gen dieser Art. UEBERHAUPT KEIN FRIEDENSSCHLUSS Eschkols Regierung ist vielmehr entschlossen, die Wiederfreigabe der Gebiete von direkten israelisch - arabischen Verhandlungen und der Unterzeichnung von Friedensvertraegen abhaengig zu machen. Allerdings bleibt unter den obwaltenden Umstaenden auch dann die Frage offen, ob sich die Gegenseite kuenftig daran halten wird. In den Tel-Aviver “Jedioth Chadashoth’’ stand zu lesen: “Mit wem wollen wir eigentlich Frieden schliessen, mit einem Macchiavellisten wie Nasser, einem Orientalen wie Hussein, die beide viel zu viel “Gesicht verloren haben”, um nicht revanchistisch gestimmt zu sein, oder gar mit so notorisch unzuverlaessigen Levantin e r n wie den Syrern?” Gewichtiger als diese eher rhetorische Frage des (deutschsprachigen) Blattes war, was dazu einige Tage spaeter Oberst Chaim Herzog aus dem engsten Mitar- . beitterkreis des Ministerpraesidenten, der Militaergouverneur des Jerusalemer Bezirks in den ersten Wochen nach dem Krieg, im “Ha’arez” darlegte, der fuehrenden hebraeischen Tageszeitung aes buergerlichen Lagers. Frieden? Gerade dass jede friedliche Loesung in all der verflossenen Zeit, vor und nach der Gruendung des juedische Staates, am arabischen Nein gescheitert war, habe in den Israelis schoepferische Spannungen erzeugt, ohne die sie sicherheitspolitisch, sozialgesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich nicht zu ihren bisherigen Erfolgen gelangt waeren. Mithin sei der Friede fuer Israel ein Traum, und vielleicht nicht einmal ein schoener. Der Artikel zwang zu keiner anderen Schlussfolgerung als dieser sensationellen, auch wenn er sie nicht geradezu aussprach. Er blieb, auffallend genug, ohne offizioese Zurückweisung. WIEDERFREIGABE ODER GEBIETSANSCHLUSS AUF DIE DAUER Ohne jede Verschluesselung scheiden sich seit Wochen dagegen die Geister in der durch die Presse gehenden Kontroverse um das Fuer oder Wider einer endgültigen Inbesitznahme der besetzten Gebiete. Initiativausschuesse wie ein “Comité fi;er die Einheit des Landes Israel” sammelten zehntausende von Unterschriften fuer eine Massenpetition gegen die Wiederaufgabe dieser Gebiete. Dahinter stehen nicht nur die extrem chauvinistischen Mitglieder einer an sich kleinen, aber unverhaeltnismaessig betriebsamen Partei, die von der “Cheruth”, der "Freiheitsbewegung” des frueheren Oppositionsfuehrers Menachem Begin abgesplittert ist, und es ihm als Verrat vorwirft, dass er sich in den kritischen Tagen vor dem Junikrieg dem Kabinett des “roten” Arbeiterparteilers Levi Eschkol angeschlossen hat. Ebenso gehoeren zu besagtem Comité und anderen ad hoc gegründeten Vereinigungen, die sich als die einzigen Wahrer “vaterlaendischer Gesinnung” bezeichnen, in merkwürdigem Konglomerat andere Rechtsnationalisten vom Schlage des leidenschaftlichen Dichters Uri Zwi Gruenberg und andererseits fruehere Sozialisten, wie der volkstümliche Nathan Altermann, genannt der "hebraiche Kaestner”, der hochbegabte Romanschriftstel 1er Mordechai Schamir und auch weniger bedeutende tagesjournalistische Vielschreiber von entsprechendem Einfluss auf das Publikum. Im ideologischen Ueberbau ihres hemmungslosen Kesseltreib e n s gegen den oder die "Kapitulationsminister”, womit sie voellig tatsachenwidrig Aussenminister Aba Eban oder vielleicht sogar den Regierungschef Eschkol selbst meinen, beziehen sie sich in einer Unzahl von grossformatigen Zeitungsinseraten und vielen Vufsaetzen, vornehmlich ii. der stark verbreiteten Abendzeitung “Ma’ariw”, regelmaessig auf die Forderung, “das Reich der Hebraeer in seinen historischen Grenzen zu erneuern”. Dabei lassen sie es dahingestellt, ob sie an das Reich Juda in aer Zeit der ersten biblischen Koenige Davfd und Salomo denken, das voruebergeher.d betraechtlich nach dem Norden, dem Sueden und oestlich bis ueber den Jordanfluss hinaus reichte, oder an die spaeteren Staaten, die bald zu viel kleinerem Ausmass zusammenschrumpften als das heutige Israel. Ihrer nationalstaatlichen Romantik entspricht die religioese der traditionsgebundenen frommglaeubigen Parteifuehrer und ihrer Anhaenger. Fuer sie und ihre geistlichen Wortfuehrer, die Rabbiner, ist das Heilige Land eine von Gott so eindeutig verheissene Einheit, dass nu entjudete Ketzer daran denken koennen, selbst auf die kleinsten Teile der “befreiten Gebiete” wieder zu verzichten. Darauf wurde in einer Reihe von Zeitungen in Frage gestellt, ob sich beispielsweise die in Tulkarem und Nablus wohnhaften Araber samt und sonders so unterdrueckt fuehlten, dass sie sich nach den Israelis als ihren Befreiern sehnten. Freilich wurde damit ebensowenig etwas ueber den Kuestenstreifen von Gaza ausgesagt, den Abd el Nasser dem Hoheitssgebiet Aegypten niemals zugerechnet hat, und besonders das oestliche Jerusalem wurde auch von den Gegnern der Forderung nach einem summarischen Anschluss als Sonderproblem behandelt. Der juedische Staat wuerde sich nach einer Andeutung seines Regierungschefs einer Internationalisierung der dortigen heiligen Staetten des Christentums und des Islams nicht grundsaetzlich widersetzen, wenn sie unter zumutbaren Modalitaeten erfolgen sollte. Eine pathetische Selbsttaeuschung aber sei die Parole des “auf ewig ungeteilt”, bis auf den letzten Quadratmeter der heute cisjordanischen Landesteile. UM DIE MILLIONEN “NEUER ARABER” Und da vom Pathetischen, wie vom Erhabenen, bekanntlich nur ein Schritt zum Laecherlichen ist, sei Kenntnis auch von der Teilnahme der sog. “Kananaeer” an diesem Zeitungskrieg in Zion gegeben. Die Philosophie dieser sektiererischen Gruppe ist weiterhin nicht ohne Einfluss auf Teile der israelgebuertigen Jugend. Die Kananaeer streichen die letzten zwei, “in den Laendern des juedischen Exils” verbrachten Jahrtausende aus der Geschichte ihres Volkes. Fuer sie existieren, wie der von ihnen gewaehlte Name erkennen laesst, statt der Juden im herkoemmlichen Sinne nur die an das Land Kanaan gebundenen Semiten, einschliesslich der inlaendischen Araber, als irgendwie bevorzugte Rasse. Dem entspricht ihre Antwort auf die Frage, wie sich im Falle eines fuer die Dauer berechneten Anschlusses jener Gebiete die Lage der dortigen Araber gestalten werde, einer runden Million eingesessener Staedter und Fellachen und aer bekannten arabischen Palaestinafluechtlinge. Die Kananaeer behaupten: als Stammesverwandte wuerden sich diese arabischen Semiten in verhaeltnismaessig kurzer Zeit unschwer so judaisieren lassen, wie es dem deutschen Ritterorden im 12. und 13. Jahrhundert gelungen sei, Slaven und Wenden zu germanisieren. Diese Ideen hat der schon erwaehnte “Ha'arez” in einem viel beachteten Aufsatz seines Leitartiklers mit aller Schaerfe und vollstem Recht als unreife Phantasterei zurueckgewiesen. Ungleich ernster ist zu nehmen, was in den verantwortlichen Zeitungen als das Dilemma bezeichnet wird, in das ein etwaiger endgueltiger Bevoelkerungszuwachs um jede Million Araber den Staat Israel stuerzen wuerde. Will er seinen freiheitli c h e n Grundlagen treu bleiben, haette er ihnen dann Gleichberechtigung in jeder Hinsicht zu geben. Er wuerde — nur ein Beispiel — seine Volksvertretung, die Knesseth, nach den naechsten Wahlen mithin fast zur Haelfte aus Vertretern der “neuen Buerger” bestehen lassen muessen, aus Abgeordneten einer oft mehr als fragwuerdigen Loyalitaet. Sollte Israel diese seinen neuen Buerger dagegen, um es dazu nicht kommen zu lassen, als Staatsangehoerige zweiter Klasse behandeln, wuerde es seine heutigen demokratis c h e n Fundamente erschuettern.