Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 10 (Octubre, 1967)
- Date
- 1967-10-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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OCTUBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 29 Kleine Steinehen... Dein ersten. Dort wurde der bisherige “Lakai des Imperialismus” natuerlich mit allen Ehren empfangen. Mit dem Versprechen, alle verlorenen Waffen ersetzt zu bekommen, flog er stolz und gluecklich ab. Vielleicht kommt er wieder am 7. November, zum 50. Jahrestag der glorreichen Bolschewistischen Oktober-Revolution. Jetzt, da er auf israelische Kollektiv-Siedlungen geschossen hat und droht, wieder Izu ischiessen, ist er doch kein Werkzeug des Kapitalismus mehr. Jetzt ist er doch fortschrittlich, friedliebend, beinabe blockfrei. Er wuerde auf der Ehrentribuene am Roten Platz vor dem Kreml wirklich eine gute Figur machen. BOURGIBA Im Grunde genommen ist die Einteilung der arabischen Staaten in “sozialistische” und “reaktionaere” sowieso irrefuehrend. Nach Khartoum gebraucht die Weltpresse auch mehr die Bezeichnungen “extremistische“ und “gemaessigte”, wobei man z.B. Nasser heute nicht mehr in das Lager der ersteren, sondern der letzteren einreiht. Man sollte sich aber auch nicht von diesem Schema hypnotisieren lassen. Weit naeher kommt man der Wirklichkeit mit der Scheidung in “rabiate’ und “gerissene”. Zu letzteren gehoert Bourgiba. In einem kuerzlichen Interview forderte er Nasser auf, zurueckzutreten. Mit seiner Politik der Nichtanerkennung und des Kriegs gegen Israel habe er es so weit gebracht, dass israelische Truppen jetzt am Suez-Kanal stehen. Ausserdem habe er die Sympathie der Welt fuer die Araber verscherzt. Man kann nicht leugnen, dass eine auf dem Verhandlungsweg erzielte Grenzziehung, wie sie Bourgiba seit einiger Zeit empfiehlt, fuer Israel territorial unguenstiger gewesen waere als die durch das arabische Festhalten am Kriegszustand sukzessiv aufg e z w u ngenen Waffenstillstandslinien. Wenn israelische Truppen heute da stehen wo sie stehen, so haben sich das die “rabiaten” unter den arabischen Politikern selbst zuzuschreiben. GRENZEN Es ist ein wichtiges Konzept, zu berüecksichtigen, dass es zwischen Israel und den arabischen Staaten niemals Grenzen gegeben hat, sondern nur Waffenstillstandslinien. In den Waffenstillstandsvertraegen von Rhodos, die der damalige ONU Vermittler Ralph Bunche zustande gebracht hatte, verpflichteten sich die Vertragspartner, zu einem endgueltigen Friedensabkommen zu gelangen und die erstarrten Frontlinien in Grenzen zu verwandeln. Die Tinte der Unterschriften war noch nicht getrocknet, als die Araber schon urbi et orbi proklamierten, dass sie diese Vertraege nur als Fetzen Papier ansaehen. Kein Tag verging, an dem sie nicht mit Wort und Tat Israels Grenzen bedrohten und darueber hin- (Schluss von Seite 5) aus, sein Recht auf Grenzen, d. h. auf Existenz ueberhaupt in Frage stellten. Im Mai dieses Jahres, als er die Blockade von Scharm el Scheich verhaengte, erklaerte Nasser: Nun sind wir an den Linien von vor 1956 (Sinai- Feldzug). Das naechste Ziel, den Zustand von vor 1948 (Entstehung des Staates Israel) wiederherzustellen. Rechtlich, moralisch, politisch, sind die Waffenstillstandslinien von 1967 genau so wenig und genau so viel wert wie die von 1948-49. Ganz abgesehen davon ist eine gute Portion jetzt besetzten angeblich arabischen Gebiets nie solches gewesen. So der Gaza-Streifen, der immer palaestinensisch war, oder die Westbank des Jordan, die erst 1948 mit nichts anderem als der numehr so sehr geschmaehten Waffengew alt von den Haschemiten aus Transj ordanien annekt i e r t worden war. Der Unterschied zwischen den Waffenstillstandslinien von damals und heute ist lediglich ein praktischer. Sowohl fuer den Fall, dass es vorerst dabei bleibt, wie fuer den, dass sie als Grundlage fuer eine endgueltige Grenzziehung dienen. Ein Blick auf die Karte genuegt um festzustellen, dass dieser praktische Unterschied erheblich ist. DE GAULLE Lange wird sich diese Tragikomoedie nicht mehr auf dem Spielplan halten koennen. Und der Hauptdarsteller im naechsten Stueck wird bestimmt nicht Pompidou heissen. TSCHECHOSLOWAKEI Die Rebellion der Intellektuellen und der anstaendigen Menschen gegen kommunistische Unterdrueckung und Verlogenheit geht weiter. Nach der schandbaren Ausbuergerung des Schriftstellers Ladislav Mnacko (“B.I.“ September 1967) kamen an die Reihe: Ludvik Vaculik, Romanschriftsteller, 41 Jahre, aus der Partei ausgestossen; Ivan Klima, Theaterautor, 36 Jahre, aus der Partei ausgestossen; Antonin J. Liehm, Literaturkritiker, aus der Partei ausgestossen; Jan Prochäzka, Romanschriftsteller, 38 Jahre, aus dem Zentral-Komitee entfernt; Literärny Noviny, Wochenschrift der Schriftsteller - Union der C.S.R., wegen oppositioneller Haltung “gleichgeschaltet“ und dem “Kulturs-Ministerium unterstellt. S.B.Z. Was die Presse des roten Goebbels von Pankov ueber Israel schreibt, ist weder in Form noch Inhalt von den Ausfaellen der “Deutschen National-Zeitung und Soldaten-Zeitung” zu unterscheiden. Die Extreme beruehren sich nicht nur, sondern sie gleichen sich weitgehend in Ursprung, Methoden, Parolen und Zielen. Es ist aber widerlich, dass selbst innerhalb des Ostblocks es die Deutschen Friedrich Brodnitz, Dr. Ludwig Tietz, Justizrat Blau u. a., welche begeisterte Mitarbeiter Weizmanns bei der Schaffung jenes Buendnisses zwischen Zionisten und Palaestinafreunden wurden. Weizmann vermochte, Wissenschaft und Politik in sich zu vereinigen. Der gelehrte Chemiker machte sich nichts aus materiellen Vorteilen, die ihm seine Entde c k u n g e n haetten einbringen koennen; er stellte vielmehr Koennen und Zeit so weit wie moeglich uneigennuetzig in den Dienst seines juedischen Volkes. Ein Albert Einstein hat stolz bekannt, von Weizman fuer die Idee der juedischen Heimstaette gewonnen worden zu sein, und in den bitteren Stunden zwischen 1945 und 48, als er harte Worte gegenueber der Londoner Labourregier u n g gebrauchen musste, hat er nicht aufgehoert, an anderer Stelle, vor allem in Amerika und bei den United Nations, fuer dias juedische Recht zu kaempfen. Die Entscheidung vom 29. November 1947 ueber den juedischen Staat verdankt seinem Eintreten sehr viel. Er trug, wie David Ben Gurion einmal sagte, beide Kronen, die das juedische Volk zu vergeben hat, die Krone der Gelehrsamkeit und diejenige der Herrschaft. Sein Name wird fortleben, und insbesondere das Weizmann-Institut zu Rechowot verewigt seine wissenschaftliche Bedeutung fuer alle Zukunft; vielleicht wird es niemals wieder seinesgleichen geben in dieser Einmaligkeit von totalem Judentum und totalem Menschentum. Curt Wilk sein mussten, die am meisten Gift und Galle gegen Israel spuckten und die groessten Krokodilstraenen ueber das arabische Missgeschick vergossen. Es ist an der Zeit, langsam die Passivitaet zu verlassen, mit der man es zulaesst, dass sie ihr ganzes Gebaeude von Luege und Betrug in aller Ruhe errichten. Das Fundament nennen sie: Deutsche Demokratische Republik, abgekuerzt D.D.R., auf spanisch R.A.D. Die wahre Bezeichnung sollte nach wie vor lauten: Sowjetisch Besetzte Zone, abgekuerzt S.B.Z., auf spanisch Z.O.S. Man muss sich dagegen wehren, sich ihre Terminologie, ihren double-talk, aufzwingen zu lassen. Irgendjemand muss den Anfang machen. Und wenn wir es sind. BUNT? Sieht das bunte Mosaik nicht sehr duester aus? Nein. Vaculik, Klima, Liehm und Prochäzka, das sind ganz helle, leuchtende, Steine. Jerusalem ist wieder Jerusalem von Gold und glaenzt und klingt wie in dem preisgekroenten Volkslied. Eban ist brillant. Goldberg ist sauber. Holland und Australien, Daenemark und Kanada, Lateinamerika und Madagascar nennen das Recht immer noch irgendwie Recht und den Frieden Frieden. ATSCHERA fl- GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI v —-* ROMANTIK UND SENTIMENTALITAET Unsere Kinder kennen sie kaum, diese suesse, begluekkende Stimmung, die sie, leicht veraechtlich, mit “altmodischer Sentimentalitaet”, abtun. Sie blicken auf eine sachlichere Jugend zurueck als wir, Aufbauerpoche, die wenig Zeit und Gelegenheit fuer Romantik und sentimentales Gefuehl hatte. Sie sind in diesen Erdteil hineingeboren, der aus geografischen, klimatischen und mentalen Gruenden eine andere Sentimentalitaet, als wir sie erlebten, und gar keine Romantik kennt. Zur wahren Romantik fehlt hier die europaeische Weichheit der Natur, der rauschende Wald, die blumenuebersaete Wiese, die Zartheit des langsamen Naturerwachens, die blaue, zoegernde Abendstimmung des mueden Tages. Es ist alles virulenter, heftiger, schneller und totaler. Der Jahreszeiten Wechsel ist bruesker, die Nacht ueberfaellt das Momente vorher noch strahlendhelle Land, die Riesenberge sind erbarmungslos kahl und drohend, oder in das eisige Weiss des ablehnenden Schnees gehuellt. Die Natur ist grossartig, aber nicht liebenswuerdig. Man bestaunt," bewundert sie, aber sie reicht uns nicht die Hand, sie troestet bietet sich uns in einer gewissen steifen Wuerde dar. laedt uns aber nicht ein, sie mit Jubel in Besitz zu nehmen. Zur wahren Romantik gehoert die laue Nacht, der blattbesaete Waldweg, die suesse Blaeue des langsam sinkenden Abends. Die brueske Kuehle der Sommernacht laesst eher an die vergessene Wolljacke, als an romantische Gefuehle denken. Jeder Mensch hat eine kleine, geheime Sentimentalitaets-Ecke, irgendetwas sehr Eigenes, sehr Privates, das er gehuetet in sich bewahrt und hegt. Ein Geraeusch, ein eigenartiger Geruch, ein harmloses Wort oeffnet die Tuere dazu und zaubert ein Laecheln auf die Lippen. Dieser verborgene Schatz ist eine starke Kraftquelle, eine Saat, die immer wieder gruent und Freude spendet. Die romantischen Sentiments des jungen Menschen von heute sind recht duenn gesaet. In den meisten Faellen, sind sie an Schallplatten gebunden, in den seltensten an die Natur. Eine flotte Melodie, im Arm eines tollen Taenzers durchtanzt, ein Je- Je-Gequacke, das sie fast in Trance versetzt, ein ruehrend-kitschiges Lied, italienisch oder portugisisch von einem langbehaarten, suechtig wirkenden Halbmann en vogue gebracht, zaubert die moderne Romantik in die wachsj ungen Seelen. Die Qualitaet der gesungenen Verse spielt dabei keine Rolle, solange sich nur “core“ auf “amore” reimt. Die Natur-Romantik faellt hier insofern aus, als die geeigneten Jahreszeiten dazu einfach zu kurz sind. Fruehling und Herbst sind nicht, wie im alten Europa, auf Monate verteilt, sondern fast nach Tagen zu zaehlen. Zur wahren Romantik gehoert der geruhsame Schlenderspaziergang in die duftende Landschaft. Dazu ist es im Winter zu nass und im Sommer zu staubig. Schade. Erinnerung verschoent und verschiebt Proportionen. Sie ist ein liebenswuerdiges Vergroeserungsglas; Dinge und Geschehnisse nehmen gigantische Masse an, ohne luegenhaft zu sein. Man sollte sie hegen und pflegen, aber nicht faktisch auf die Probe stellen. Jahre und Entfernung legen einen sanft betrügerischen Schleier ueber sie, der, entfernt, einen fatalen Gefuehlskollaps entfesseln kann. Die Enttaeuschung raubt uns die schoenen Illusionen, die wir in jahrelangem, sentimentalen Gedenken gehegt haben. Schlanke, ranke “erste Lieben“ sind behaebig und spiessbuergerlich dick geworden, man begruesst sie mit verlegenem Laecheln; frueher bewohnte “Riesenraeume“ schrumpfen zu kleinen Zimmern ein und die deutlich erinnerte Freitreppe wird zur Stiege. Wer haette soetwas noch nicht erlebt! Das schoenste am sentimentalen Rueckblick auf Dinge, Personen oder Erlebnisse ist, wenn man ihn in Gemeinsamkeit wachrufen, kann. Erfuellte Momente suessen Gedenkens, von Waerme durchflutete Stunden der schoensten und reinsten Sentimentalitaet sind sie, diese mehrenden Erinnerungsfra gen, “weisst Du noch...?“, “das ist, wie damals, als wir...“, “koenntest Du je vergessen. ..?“. Romantik, diese “romanhafte“ Gefuehlsempfindung, ist nur entfernt mit Sentimentalitaet verwandt. Sie erfordert mehr Fantasie, mehr Tiefe. Sie ist absolut persoenlich. Was auf den Einen romantisch wirkt, laesst den Anderen voellig kalt. Sie ist momentgebunden, hat mit Erinnerung nichts zu tun, wird durch einen aeusseren Reiz hervorgerufen und verschwindet sofort, wenn der romantische Augenblick vorueber ist. Was davon an Gefuehl bleibt, ist Sentimentalitaet. Eine Landschaft, eine ansprechende Melodie kann man als romantisch empfinden; man traegt das Bild, den Ton wohl im Gedaechtnis weiter, nicht aber die entsprechende Gefuehlsregung. Sie muss durch Wiedersehen, durch wiederhoeren neu geweckt werden. Eine “Homanze“ zu erleben, ist eine situationsgebundene Empfindung, deren Suesse, sich die Sentimentalitaet erinnert. K...g