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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-09-01 · 9 (Septiembre, 1967) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
9 (Septiembre, 1967)
Date
1967-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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1 SEPTIEMBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 11 r GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI V. WALTHER RATHENAU ALS STAATSMANN UND LUDE DIE FRAU UND DER KRIEG Seit Urzeiten war es der nichts Aehnlichem der Ge- Mann, der zu den Waffen schichte vergleichbar. Wohl griff, wenn es galt, gegen den wird die weibliche Jugend Feind das zu verteidigen, was der kommunistischen Laenangegriffen wurde. D a s der auch in Waffengang und konnte die enge Familie sein, Verteidigung erzogen, aber Besitz, Ideal oder spaeter, in sie ist durch ein politisches Zeiten der gegruendeten Ge- System dazu gezwungen, meinschaften, der Boden, der waehrend in Israel neben Nahrung spendete. Der grosdem staatlichen Befehl als se Begriff der Vaterlandsvererstes das hohe Ideal steht, teidigung erwuchs aus geodas die Frau ohne Zaudern graphischen Bedingungen zur zur begeisterten und uner- Selbstverstaendlichkeit. hoert tapferen Mitkaempfe- Die Rolle der Frau war in rin stempelt. Ihrem Mut, ih~ Kriegszeiten lange Epochen rer uneingeschraenkten Tateine recht passive. Ihr fiel kraft und Hilfe kann kein die oft harte Aufgabe zu, das Denkmal hoch genug errich- Heim zu wahren, den Kintet werden, dern Mutter und abwesender Die Aufgabe der juedischen Vater zu sein. In der Ge- Frau in der Galuth ist beschichte ist die resolute Amaschraenkt, aber definitiv zone wohl die einzige, wafvorhanden. Viele wollen sie fenfuehrende, bek a n n t e leider nicht erkennen; sie Frauenfigur. Sie verstuemverstecken sich hinter dem melte ihre Brueste, um den zoegernd geoeffneten Geld- Sehnenbogen besser spannen beutel des Ehemannes. Wenn zu koennen und duldete den jede Frau ein wenig nur ih- Mann nur als Objekt zur res privaten Wohllebens op- Fortpflanzung. Ihre Existenz fern wuerde, —sei es in ist sagenumwoben, aber Kleidung, Friseur, Spielnachdurch Forschung und Funde mittagen, Kino, aeusserem bewiesen. Tand und Vergnuegungen, Solange die Menschheitsgewuerde, Tropfen auf Tropschichte besteht, ist sie blufen, ein Gran Hilfe zusamtig durchzogen von Kampf menfliessen, das an essen- und Krieg. Machtgelueste, tielstelle wesentlich wichti- Religionsfanatismus riefen ger angebracht ist, eventuall zu den Waffen, mordeten von sogar von momentaner aus- Geschlecht zu Geschlecht, schlaggebender Bedeutung Die “passive” Frau opferte sein kann. Mann und Sohn, Bruder und Es genuegt nicht, zu wei- Geliebten, ohne die zynische nen, zu hoffen, 'sich guter Ehrung des Heldentums zu Nachrichten zu freuen, erfahren. Sie verzichtete auf schlechte Berichte zu be- Eitelkeit, gab Zierrat und trauern. Es kaempft nicht den Schmuck ihrer langen, nur der Landstreifen Israel, seidigen Haare. Sie duldete es ist der Lebenskampf des still und gefasst das bittere gesamten Judentums, den Los der Verlassenen. unsere Brueder und Schwe- Heute erwartet und erhaelt stern taetig austragen muesder Staat von der weiblichen sen mit ihrem Blut und Le- Bevoelkerung taetige Hilfe, ben. Sie kaempfen fuer uns Die beispiellose Tatkraft der alle und sie erwarten mit israelischen Frau, die im Recht unsere Hilfe, wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann steht, ist mit K.g TARJETAS RÛSH HASCHANA Taleizim Kaepchen Mezuzoth Majzdrim Sidurim Librería Agustinas Agustinas 631 Fea. de Confecciones Finas Para Señoras HERMANN Y NEUMANN LTDA. Arturo Prat 368 Fono 36900 Santiago wuenscht allen seinen Freunden und Bekannten ein gesundes Leschono Tauwo Es war in den Mittagstunden des 24. Juni 1922, eines Schabbat, als die Extrablaetter die Schreckensnachricht verbreiteten, dass der deutsche Reichsaussenminister Dr. Walther Rathenau im Augenblicke, da er im Begriffe stand, von seinem Heim zu Berlin-Grunewald ins Auswaertige Amt zu fahr e n, einem Mordanschlag zum Opfer gefallen sei. Unter dem Eindruck des Grauens, das diese Meldung hervorrief, trat sofort der deutsche Reichstag zusammen, um eine Trauersitzung durchzufuehren und eine Regierungserklaerung entgegenzunehmen. Reichskanzler Dr. Wirth, tief ergriffen, brachte damals u. a. einen Gedanken zuih Ausdruck, der seither nie wieder in der Weimarer Republik vernommen wurde, weil er allzu sehr der Wahrheit entsprach: “Der Feind steht rechts”. Schon bei Beginn jener historischen Sitzung war dem deutschnationalen Parteifuehrer, Dr. Karl Helferich, einem der Hauptverantwortlichen der infamen Hetze gegen Rathenau seit Monaten, von der linken Seite des Hauses das Wort Moerder zugerufen worden. Jetzt hatte der Kanzler mit seiner scharfen Formulierung der Hintergruende jener Bluttat die ueberwaeltigende Parlamentsmehrheit hinter sich. Wenige Tage spaeter veranstalteten die Gewerkschaften einen machtvollen antifaschistischen Protestmarsch, und bei der off i z i e 11 e n Trauerfeier hielt Gerhart Hauptmann dem toten Freunde die Gedaechtnisrede. Doch bald war das Interesse der weiten Oeffentlichkeit durch andere Geschehnisse abgelenkt: Es folgten das Ruhrabenteuer, der sogenannte “passive Widerstand”, der voellige Waehrungsverfall und der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft, die im November 1923 ihren tiefsten Stand erreichte. Der innere Zusammenhang zwischen dem Rathenaumord und dem Misstrauen des Auslandes wurde von der Mehrheit des deutschen Volkes nicht erkannt. Rathenaus Leben ist im allgemeinen bekannt. Der am 29. September 1867 zu Berlin geborene war im Alter von 32 Jahren in die Leitung der von seinem Vater Emil Rathenau begründeten A. E. G. eingetreten und im Jahre 1915, nach des Vaters Ableben, Aufsichtsratspraesident jenes gewaltigen Unternehmens geworden. Bei Ausbruch des Weltkrieges hatte der weitsichtige Walther Rathenau den Militaerbehoerden den Rat erteilt, sich fuer den Fall einer laengeren Kriegsdauer auf die Sicherstellung der deutschen Rohstoffversorgung ein z urichten, und so hatte er wesentlich zur Schaffung der Kriegszwangswirtschaft beigetragen. Diese sehr nützliche Handlungsweise war nie voll gewuerdigt worden. Dann, nach dem Kriege und der Niederlage, veranlassten seine internationalen Beziehungen und seine Sprachkenntnisse, sein angesehener Name, die Berufung zum “Wiederaufbauminister” i m ersten Kabine t Wirth; bald danach, zu Anfang des Jahres 1922, warer Reichsaussenminister. Nunmehr vertrat er Deutschland auf den internationalen Konferenzen mit sehr viel Geschick, indem er gleichzeitig eine Milderung der harten Friedensbedingungen von Versailles zu erreichen versuchte. In Rapallo schloss er den ersten Wirtschafts— und Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion, der fuer beide Teile sehr vorteilhaft werden sollte. Die Welt erblickte in Rathenau einen wuerdigen Reipraesentanten der jungen deutschen Republik. Doch, kaum heimgekehrt, sah sich der Minister einer verstaerkten nationalistischantisemitischen Hetze gegennueber, die vor nichts Halt machte; in jener Zeit wurden die ersten spaeteren Nazimoerder aktive Zer- . stoerer der Republik, und der von langer Hand vorbereitete Anschlag sollte leider Erfolg haben; zwei der Moerder, verfolgt, machten ihrem Leben selbst ein Ende, der Dritte der nur Mithilfe geleistet hatte, erhielt eine laengere Freiheitsstrafe. Der hochkultivierte Mann, der Naturwissens c h a f t e n, insbesondere Chemie, studiert und mit 22 Jahren promoviert hatte, war auch schriftstellerisch hervorgetreten: “Zur Mechanik des Geistes”, “Von Kommenden Dingen”, “Die neue Gesellschaft”, “Der Kaiser” sind seine bekanntesten Buecher; auch gibt es aus seiner Feder Schriften ueber Planwirtschaft und Essays ueber kulturelle Fragen. Ein von ihm schon 1897 in Hardens “Zukunft” herausgebrachter Aufsatz “Hoere Israel” hatte sich gegen seine Gemeinschaft gewandt, deren voellige Assimilierung an das deutsche Wirtsvolk er damals verlangte. Doch von jener vernichtenden KritiK alles Juedischen war er spaeter abgerueckt; im Christentum sah er ein “gehobenes und gelaeutertes Judentum”. Doch wollte er sich von diesem nicht loesen und lehnte den Gedanken an Taufe entschieden ab. Er nannte sich einen “Deutschen juedischen Stammes”. Volk und Land, die deutsche Umwelt, standen ihm hoch ueber jeder Art von Bekenntnis. So hatte er an der Peripherie des Judeseins gelebt, ohne ein Abtruenniger werden zu wollen. Was er in der Karriere erreichen wollte, hoffte er, als Jude zu erreichen, was ihm auch gelang. Aber der ersehnte Zusammenklang “Deutschtum- Judentum” scheiterte. Doch ein “Religionswechsel” erschien ihm unehrlich und unwuerdig, schon, weil dieser mit materiellen Vorteilen in Verbindung gebracht worden waere. Aber die deutschen Juden, in ihrer Mehrheit, verstanden damals und noch spaeter nicht, dass die Antisemiten in diesem einen Rathenau die gesamte deutsche Judenheit, wenn nicht gar das ganze juedische Volk, hatten treffen wollen. So war er, der zeitlebens mit dem inneren Zwiespalt zwischen Geburt und Lebensauffassung rang, doch ein Opfer seines Judenseins geworden, eine tragisch^ Gestalt, gemordet von Angehoerigen desjenigen Volkes, dem er sich restlos auf Gedeih und Verderb verbunden fuehlte. Upton Sinclair, in dem grossen Zeitroman “Zwischen zwei Welten” schreibt ueber Walther Rathenau: "Dieser Mann, den die preussischen Junker verachteten, trug alle Lasten fuer, sie buesste ihre Suenden ab, erflehte Barmherzigkeit von den Gegnern, die sie so leichfertig gekraenkt hatten. Er war der Suendenbock fuer ein anderes Volk; den Juden war dieser Luxus nicht einmal fuer sich gestattet. Das Opfer, das Walther Rathenau gebracht hatte, war ein nutzloses; ihn davor gewarnt zu haben, lag in den Haenden hervorragender Juden wie u. a. Prof. Albert Einstein. Doch dieser grosse deutsche Jude ging seinen selbstgewaehlten Weg bis zum bitteren Ende. An seinen 100. Geburtstage gedenken wir dieses bedeutenden Menschen, der, wenn er es vermocht haette, der juedischen Sache weit besser haette dienen koennen als dem Volk dem sich zugehoerig fuehlte. Curt Wilk Perfumería Rose Lfda. wuenscht allen Kunden, Freunden und Bekannten ein glueckliches, gesundes Neues Jahr AU meiner w. 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