Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 2 (Febrero, 1967)
- Date
- 1967-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8559960-9195057--5069-8559991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
FEBRERO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 13 Zum 25. Todestage des Dichters ERINNERUNG AN STEFAN Im stillen Petröpolis, dem lieblichen Sommeraufenthalt vieler Brasilianer, bereitete der Dichter Stefan Zweig am 22. Februar 1942 seinem Leben ein Ende. Mit ihm waehlte seine junge, zweite, Lebensgefaehrtin den Freitod. Wenige Wochen zuvor hatte der weltberuehmte Autor, der in Brasilien eine neue Heimat zu finden geglaubt hatte, den 60. Geburtstag gefeiert, geehrt wie kaum je ein auslaendischer Schriftsteller auf di e s e m Kontinent. Einen Ungeduldigen hatte sich Zweig in seinen Abschiedsbriefen genannt und seine letzte: Erklaerung lautete: "Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, draengt es mich, eine letzte Pflicht zu erfuellen, diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, das mir so gute und gastliche Rast gegeben. Mit jedem Tage habe ich das Land mehr lieben gelernt, und nirgends haette ich mir mein Leben lieber von Grund aus neuaufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache fuei mich untergegangen i s t und meine geistige Heimat Europa sich selbst vernichtet. Aber nach dem 60. Jahre beduerfte es beson d er e i Kraefte, um noch einmal neu zu beginnen. Und d.e meinen sind durch die Jahre heimatlosen Wanderns erschoepft. So halte ich es fuer besser, rechtzeitig und ln aufrechter Haltung mein Leben abzuschliessen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und pexsoenliche Freiheit immer das hoechste Gut dieser Erde gewesen. Ich gruesse alle meine Freunde. Moegen sie die Morgenroete noch sehen nach der langen Nacht. Ich allzu Ungeduldiger gehe innen voraus”. Niemand wird diese Worte ohne Ruehrung lesen, auch nicht nach 25 Jahren. Zweifellos hatte der heimatlos - gewordene Wanderer nicht mehr die Faehigkeit zu innerer Sammlung, um die Plaene realisieren zu Koennen, die ihm vorschweoten. Er gedachte, in Brasilien das reichhaltige Material zu verarbeiten, das er einst in den von ihm so bewunderten amerikanischen Bibliotheken gesammelt hatte, und einiges konnte er auch ganz oder fast ganz zuendefuehren wie den Balzac-Roman und die Studie ueber Americo Vespucci. In den letzten Lebensmonaten soll Zweig von einem “oesterreichischen Roman” getraeumt haben, der jedoch die Benutzung einer damals unerreichbaren Bibliothek zur Voraussetzung gehabt haette. Hierbei duerfte sich das Gefuehi der Unfreiheit, seit dem Kriege noch mehr als frueher, bemerkbar gemacht haben. Persoenliche Freiheit, fuer ihn der Welt hoechstes Gut, fuerchtete er niemals wiedergewinnen zu koennen. Ein unendliches Heimweh ZWEIG nach dem Geburtslande Oesterreich, das fuer ihn eine Quelle schoepferischen Wirkens gewesen war, kam hinzu. Der Gedanken an das Salzburger Idyll, sein Haus Inmitten einer bezaubernden Landschaft, in welchem er von 1919 bis 1933 .durch gelegentliche Reisen unterbrochen, gelebt und geschaffen hatte, jenes Heim, das eine fast einzigartige Bibliothek von zehntausend erlesenen Buechern beherbergte und eine beruehmt-geworde ne Autographensammlung, Diese Erinnerung an vergangene Salzburger Tage liess ihn niemals los und duerfte zum Zusammenbruch aller Lebenshoffnungen beigetragen haben. Auch in seinem Judentum, das im literarischen Wirken keine kleine Rolle gespielt hatte, fand Zweig in der kritischsten Epoche seines Lebens keinen Halt. Der Autor des “Jeremias", seines “persoenlichsten Werkes”, wie er es genannt hatte, des “Hohen Liedes des Friedens und der Menschlichkeit”, i m Waffenlaerm des I. Weltkrieges gleichsam als Aufschrei, als Protest, entstanden, er vermochte sich weder an sein juedisches Volk, noch an die erhabenen biblischen Gestalten anzulehnen. Und Obwohl er die juedische Tragoedie seit neun Jahren miterlebt, viele seiner besten und ergebensten Freunde als Opfer der Nazityrannie verloren und das juedische Schicksal tief beklagt hatte, war es letztlich nicht sein Judentum, das ihm das Leben verleidete, sondern der Verlust der oesterreichischen Heimaterde ist es gewesen, den er nicht verwinden zu koennen glaubte. “An dem Tage, an , welchem ich meinen Pass' verlor, entdeckte ich, dass der Verlust des Heimatlandes mehr ist als das Abschiednehmen von einem begrenzten Stueck Boden”. In der von ihm so geliebten Stadt Rio de Janeiro hatte der Dichter seine, heute nicht ohne innere Ergriffenheit zu lesende, Selbstbiographie “Die Welt von Gestern” vollenden koennen, die mit dem Jahre 1939 abschliesst. ln dieser “zerbrochenen Welt”, wie er die Selbstzerfleischung Europas seit dem Jahre 1914 nennt, enthuellt er den ganzen, an dieser Welt leidenden, Menschen. Hier liegt der Schluessel zur Oeffnung seines grossen Geheimnisses. Vierzig Jahre beispielloser Anspannung der geistigen und moralischen Kraefte kamen zum Abschluss, als Stefan Zweig mit 60 Jahren aus dem Leben schied. Mit zahlreichen Werken dramatischen, erzaehlend-biographischen, lyrischen Charakters war die Welt von ihm beglueckt worden. Fast nichts von dem, was er geschaffen, ist der Vergaenglichkeit anheim gefallen und die Fuelle der Gestalten, der Reichtum des Erlebten, zwingen immer wieder zur Bewunderung. Lebendig wie eh und je, um einige wenige seiner bedeutendsten Buecher herauszugreifen, blieben sein “Erasmus von Rotterdam”, “Maria Stuart”, “Fouché”, “Die Heilung durch den Geist”, “Verwirrung der Gefuehie”, “Sternstunden der Menschheit”, “D i e Augen des ewigen Bruders”, “Balzac”. Der Dichter, der Millionen von Menschen Lebensbereicherung geschenkt hatte, fand fuer sich keinen Ausweg. “Die Welt von Morgen”, von . ihm ersehnt, konnte und wollte er nicht erwarten. So bleibt nur der Dank der Ueberlebenden fuer ein weltweites Werk, das seinen Verfasser fuer sehr lange Zeit ueberdauern duerfte. CURT WILK Ehrung chilenisch ■'' Kuensllers Professor Claudio Spies, der im völligen Jahr vom Committee of Humanities als Anerkennung seiner musikalischen Leistungen und Taetigkeit als Gastprofessor an die Princeton Universitaet berufen wurde, hat dieses Jahr eine neue Ehrung erfahren, indem er die “Creative Art Citation” fuer 1967, die von der juedischen Brandeis-Universitaet zwei hervorragenden Kuenstlern alljaehrlich zugesprochen wird, erhielt. Die Ueberreichung des Ehrendiploms erfolgt in New York am 12. Maerz 1967. PA RIS y EUROPA coiTLA CROIX DU SUD” —PARIS— con dos escalas todos los viernes -MADRIDcon tres escalas todos los mie'rcoles ■ Europa y el Cercano Oriente, desde Orly, con inmejorables conexiones a 52 ciudades, gracias a la extensa red Caravelle de Air France. ■Y, en breve, música, televisión y cine en todos los Boeingde Air France. a votre service LA RED AEREA MAS EXTENSA DEL MUNDO 4041