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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-11-01 · 11 (Noviembre, 1966) · p. Seite 27

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
11 (Noviembre, 1966)
Date
1966-11-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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NOVIEMBRE 1966 BOLETIN INFORMATIVO 27 DICHTER UEBER NELLY SACHS (Schluss von Seite 4) Unvollkommenheit, wie es wohl vollends der Sammelband ihres poetischen Werkes, "Fahrt ins Staublose” (1961) erkennen liess. Es ist ein kosmischer Schmerz, der den irdischen Zustand als ein Interim erkannt hat, als eine zeitweilige “Ruhe auf der Flucht” durch soviele Verwandlungen. Die koerperlichkeit kann nicht mehr mit Sorge erfuellen. Das “Schlafgewand Leib” wird abfallen. Das dreimal in einem Gedicht wiederholte “Wie leicht wird Erde sein” ist Ausdruck solcher Hoffnung . .Die lastende Materie entstofflichte sich so weit, dass sie zu toenen begann...” aus zeitverfallendem Stern toent Musik fuers Ohr”. (“Jenseits der Qual”, von Kurt Schwerdhelm) EINE VISIONAERE DICHTERIN... Mich faszinierten diese Gedichte, weil sie in Ton und Form anders waren als das, was die Lyriker unserer Zeit schrieben. Der Ton der Gedichte von Nelly Sachs ist von hohem Pathos gepraegt, er ist ekstatisch und beides, das Pathetische und das Ekstatische kennen wir in unserer Lyrik nicht mehr. Allmaehlich oeffnete sich mir ihr Werk, ich sah in ihm das einzige geschlossene lyrische Oevre, ein poetisches Gesamtwerk, das einmalig ist in unserer Zeit. Auch ihre dramatischen Dichtungen haben eigenen Charakter. Sie liegen fern ab alles Ueblichen und stellen durch ihre souveraene Verwendung von Mimus, Tanz und Musik unsere Theater vor Aufgaben, denen sie vorerst nicht gewachsen scheinen. So scheu Nelly Sachs ist, so erschliesst sie sich ihr<m Freunden im Gespraech, 4as immer wieder blitzartig von Einsichten die , ungewoehnlich sind erhellt wird. Wenn Nelly Sachs ihre Gedichte liest, gewinnt ihre leise fast gebrechliche Stimme prophetische Kraft und Klarheit. Sie ist, und auch dies macht sie einmalig, eine visionaere Dichterin. “Das Gesicht des Alltags solange und schmerzhaft betrachten, bis sich des Mystikers meerhafter Ausdruck einstellt”. In dieser Anmerkung zur Lyrik Gunar Ekeloefs definiert sie auch die Motive des eigenen Denkens und Schaffens. In ihr zeigen sich auf Wege der Versoehnung und Rettung. Sie ist “eine Schwester Kafkas” wie sie der schwedische Kritiker und Lyriker Ragnar Thoursie bezeichnet hat... (“Begegnung m i t Nelly Sachs”, von Siegfried Unseld) UND DASS KRUMME (Schluss von Seite 5) den, wer die Frau war die gekommen war, einen Grabstein fuer Menasche Chajim aufstellen zu lassen. Und von nun an und weiter sprach Menasche Chajim kein Wort mehr, sondern staerkte nur mit dem Ueberbleibsel seiner Kraft sein Herz in Gott. Und manchmal verliess er seinen Platz und ging an den Zaun des Friedhofs, um von ,ferne das Grab dieses Schnorrers, des vermeinten Menasche Chajim zu sehen. Dieser ist es, der ihn zu suendigem Tun verfuehrte, dieser, der ihm sein Weib genommen und seinen Namen fuer ewig aus Israel getilgt hat. Und Menasche Chajim dachte, wie leicht es moeglich waere, dass die Geschichte nicht geschehen waere. Aber alsbald dachte er daran, dass das was geschehen ist, geschehen ist, und er zwang sein Seufzen mit einem leisen Lachen und sang sich mit seiner heiseren Stimme einen Vers aus den Psalmen: “Du fuehrst den Menschen bis zur Zermalmung und sprichst: “Kehrt zurueck, ihr Menschenkinder”. Und von Tag zu Tag ging sein Koerper immer mehr zu Ende, bis seine Seele erlosch. Und der Waechter, der in der Geschichte Bescheid wusste, verstand es, den Grabstein fuer den aufzustellen, der seiner wuerdig, und gab Namen und Andenken in Israel Menasche Chajim, dem Priester, der dahinging ohne Kinder, Und als der bestimmte Tag kam, da stand Kreindel Tscharne auf Menasche Chajims Grab und ihre Traenen fielen auf seine Asche. Seine Seele sei gebunden in das Buendel des Lebens! ZWEI MAL SCHWARZ (Schluss von Seite 6) zweite Teil innerhalb einer huebschen Rahmenhandlung verfasst von Frau Lisa Scott- Schwarz, in deren Verlauf sich Kitty Schwarz und Jorge Freind hervortaten, mehr ein Konzert darstellte, an dem Spitzenkraefte der lokalen Corporación Lírica teilnahmen wie die Damen Hanne Filp und Sylvia Wilkens und die Herren Carlos Clerc, Enrique del Solar und Mariano de la Maza, alle begleitet am Klavier von Herrn David Goldstein, waehrend sich als Ansager Herr Peter Schwarz und als einleitende “Elfe” Frl. Nancy Grauer hervortaten, unter Regie von Kitty Schwarz, war der erste Teil. “Lauter Schwindel” ein Schwank von H. Mink, bearbeitet und geleitet von Frau Lisa Scott Schwarz, die verstand, das Moeglichste aus ihren Schauspielern herauszuholen. Die Damen Rose Dahl, und Gerda Wolff, sowie die Herren Ricardo Bendit, H7inz Britzmann, Lutz Ehrenhaus und Peter Schwarz gaben ihr Bestes und bereiteten dem zahlreichen Publikum einen schienen Abend. Ludwig Weidner... (Schluss von Seite 11) gentlich als Leichenwaerter. Ein Jahr lang wurde er auf der Isle of Man interniert. Waehrend der Emigrationszeit entstanden ueber tausend Zeichnungen, Meditationen ueber den juedischen Glauben und die Propheten. In j,ungen Jahren hatte sich der Kuenstler als Atheist bezeichnet. Seit der NS-Zeit signierte er viele Bilder mit hebraeischen Initialen. Im Jahre 1952 kehrte Ludwig Meidner nach Deutschland zurueck, war zunaechst Gast bei Generalstaatsanwalt Buchholz in Hamburg, danach bei Dr. Adolf Arndt (Mitglied des Deutschen Bundestags): eineinhalb Jahre lang wohnte Meidner im juedischen Altersheim Frankfurt urfd bezog spaeter ein Atelier bei Hofheim im Taunus. Zuletzt wohnte er in Darmstadt. Von Meidners Liebe zur deutschen Sprache kuenden zahlreiche autobiographische Aeusserungen, von denen sich einige in Grochowiaks Gesamtdarstellung fin den. Ludwig Meidner verfasste auch Buecher in hymnischer Prosa, darunter sind “Im Nacken das Sternemeer” (1916) und “Septemberschrei” (1918) wohl die bekanntesten. (in hebraeischer... (Schluss von Seite 5) neuen Heimatgefuehls. Nicht mehr um die juedische Diaspora, das osteuropaeische Exil, geht es in der Rueckschau eines der bedeutendsten Werke, das nun entstand, dem Roman: “Gestern und vorgestern”, sondern .um die freud— und leidvoilen Erlebnisse der kleinen Schar zionistisch gesinnter Palaestina-Einwanderer nach der letzten Jahrhundertwende. Zu den gelungensten, sinnbildlich gemeinten und ziselierten Figuren, die dieser Dichter geschaffen hat, gehoert dort der Alltagsheld Jizchak Komer, und sein allzeit getreuer Begleiter, der Hund Balak, ein Gegentyp, wenn man so will, des mephistophelischen Pudels im Goetheschen ‘’‘Faust’1’. jMfehr und mehr wird das schlichte, von Vertrauen in den Mitmenschen getr a g e n e Glueck der Nachbarschaftlic-hkeit, des Zuhauseseins, zur Quelle seiner Inspiration und Einfaelle in zahllosen Kurzgeschichten, die haeufig von den Beamten, Akademikern und anderen Mittelstaendlern des Jerusalemer Vorortviertels Talpioth handeln, in dem er selber sich sein Heim hinter einem kleinen, sorgsam gepflegten Vorgarten gebaut hat. Er wird nicht muede, diese Idylle wieder und wieder mit beschaulicher Versenkung in jedes Detail abzukonterfeien, und mit dem Kunstgriff einer so federleichten Ironie, dass man Thomas Mann’s gedenkt, umzugestalten. Wie hier am Rande bemerkt sei, stehen Agnon’s Bekannte deutschsprachiger Landesherkunft und deutscher Sprache auffallend haeufig im Mittelpunkt oder doch am Aus- S. J. AGNON (Schluss von Seite 5) der Entfremdung zwischen dem Menschen und seiner Unwelt. Agnon sieht in ihm den Traeger einer geistigen Mission, (der Suche nach dem Weg der Rueckkehr zum Glauben. Der Einfluss Agnons aui die moderne hebraeische Literatur ist betraechtlich. Sein Schaffen war der Einbruch modernistischer Tendenzen in eine traditionsgebundene, oftmals dekadente literarische Kultur. Heute ist er ein “Klassiker”, ohne Zweifel die Gipfelfigur zeitgenoesssischen hebraeischen Literaturschaffens, ein Schriftsteller internationalen Ranges, obwohl er ausserhalb des naturgemaess reduzierten Kreises der Kenner der hebraeischen Sprache nicht sehr bekannt ist. Sein Stil, wenngleich ausserordentlich persoenlich und unverkennbar, ist fest in der hebraeischen Tradition verwurzelt, und der erste Eindruck einer verblueffenden Einfachheit gibt bald der Erkenntnis tiefer Symbo 1 i k Raum. Vielleicht erklaert sich daraus, dass seine Werke alle Arten von Lesern ansprechen. Der einfache Leser findet in ihnen sprachlich schoen dargestellte, fesselnde und leicht verstaendliche Erzaehlungen vielfach folkloristischer Art. Der Anspruchsvollere wird dagegen immer wieder von der Tiefe seines Geistes und der Schaerfe seiner Auffassungsgabe ueberrascht sein. Die Faszination die sein Werk nun schon seit mehr als zwei Generationen auf den Leser ausuebt, erklaert sich wohl auch durch den ihm innewohnenden Reichtum juedisch - osteuropaeischen Lebens, dass er mit all seinen religioesen und volkstuemlichen Traditionen und Braeuchen festzuhalten verstau-, den hat. Nichtsdestoweniger aber, und trotzdem er oftmals geradezu von der Vergangenheit besessen scheint, lebt Agnon in Uebereinstimmung mit der Gegenwart. Sein Schaffen spiegelt die Not und die Angst unserer Zeit wider, einer Epoche des Ueberganges in der der Glaube verloren gegangen ist. Nicht Religion, nicht Wissenschaft, nichts bietet mehr Schutz und Trost. Der Geist des Menschen ist krank, die menschliche Gesellschaft leidet. Brutalitaet und Gewalt sind der Reflex des Zusammenbruchs der alten Ordnung. Das Problem des modernen Menschen ist es, dass er gezwungen ist, in einer traditionslosen Gesellschaft zu leben. Agnons Werk, und das sichert ihm seinen Platz in der zeitgenoessischen Literatur, fst die Spiegelung all dieses. Aber seine Originalitaet liegt darin, dass er diese allgemeinen Probl e m e durch das Prisma seines juedischen Verstaendni s s e s, durch seine Verbundenheit mit unserer Vergangenheit sieht und versteht. Die Flut der neuen Zeit hat das Fundament des juedischen Menschen unterspuelt. Allein, schiffbruechig und kraftlos steht er vor 'Gott, der Welt und dem Universum. Eines nur ist unveraendert geblieben: Jerusalem, in den Schriften Agnons das Symbol alles Bleibenden und Harmonischem im Leben. Nur die Heilige Stadt 'enthaelt den Keim, das Zerbrochene wieder zu kitten, das Krumme wieder gerade zu machen, die Einheit des Universums, die zwischen den Fingern des Menschen zerrann, wieder herzustellen. gangspunkt dieser Geschichten, wie “Gerhard Greifenbach und seine Frau Gerda, meine .beiden guten Freunde”, in dem erzaehlerischen Kleinod “Ido und Enam”. Auch dort zwar verklaert sich — wie oft in den Alterswerken Agnon’s — die Diesseitigkeit des Milieus unversehens zur Mystik der Kabbala; denn Magie kann und will er, wie jeder wahre Dichter, “nicht von seinem Pfad entfernen”. Aber die Sprache hat sich laengst der spielerischen Verzierun gen begeben, mit denen der junge Agnon, sichtlich unter dem Einfluss des hebraeischen Stils der talmudisch;— nachbiblischen und der mittelalterlichen Leg endensammlungen, beispielshalber sein “Und das Krumme wird gerade” mit einem foermlich sakralen Pathos wie folgt eingeleitet hatte: “Geschichte eines Menschen mit Namen Menasche Chajim, aus der heiligen Gemeinde Buczacz (fest gruende sie der Hoechste, Amen) der von seinen Guetern herabsank, und die Armut (der Barmherzige bewahre uns) Hess ihn weichen vom Wege seines Herrn, und er warf einen Makel auf Israel, und war gescholten und verstossen und umhergetrieben, und verstoerte doch nicht das Leben anderer, und wurde mit Namen und Andenken begnadet, wie es in diesem Buche des laengeren erklaert wird. Und auf ihn und seinesgleichen sagt die Schrift: “und dann tilgen sie ihren Frevel...” Hat sich das Hebraeisch des alten Agnon in der Wahl der Worte und im Bau der Satzperioden auch seinen archaischen Klang bewahrt, gleitet es dennoch in ruhigem Fluss dahin, o hne Verschnoerkelungen. Aber darum ist es mit seiner Unzahl feiner und feinster, oft nur dem Kenner verstaendlichen Andeutungen und sprachlichen Verschluesselungen von,einer heutzutage sonst nie mehr erreichten, einmaligen Volle n d u n g. Samuel Josef “Schai” Agnon, wie er im Volksmund genannt wird — “Schai” als Zusammenziehung der Anfangsbuchstaben seiner beiden Vornahmen, schoepft bibelglaeubig und streng gesetzestreu, wie er ist, aus dem “Born Judas” den altehrwuerdigen und manchm a 1 verborgen abseitigen Quellen des Schrifttums seines Volkes und Landes. Ganz in diesem Sinne erklaerte er in einem der Radio-Interviews, das er in diesen Tagen gab: “Ob ich mich geehrt fuehle? Gewiss. Aber es ist ja mein Volk, {nein Land, das dieser Ehrung in Stockholm teilhaftig werden wird.

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