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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-12-01 · 12 (Diciembre, 1965) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
12 (Diciembre, 1965)
Date
1965-12-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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DICIEMBRE 1965 9 BOLETIN, INFORMATIVO VERGLEICHE DRAENGEN SICH AUF MAX BROD: “Johannes Reuchlin und die Gestalt des guten Juden” --K KUNST UND LITERATUR ,_Jgj t * Prof. Leopold Jessner (Zum 20. Todestage Es gibt ein Dreigestirn am Buehnenhimmel des ersten Drittels dieses Jahrhunderts unter den grossen Theaterleitern und Regisseuren, welche den deutschsprachigen Buehnen einen neuen geistigen Gehalt, neue Anregungen und Inspirationen einfloessten; dieses Dreigestirn wird durch die Namen von Max Reinhardt. Otto Brahm und Leopold Jessner gekennzeichnet. Heute, anlaesslich seines 20. Todestages, sei von Jess ner die Rede der von 1919 bis 1930 Generalintendant des Staatlichen Schauspielhauses am Gendarmenmarkt zu Berlin gewesen ist und schon dadurch, dass er aus dem veralteten ausgesprochenen “Koeniglichen Hoftheater”, das seit Jahrzehnten hinter seiner Zeit zurueckgeblieben war, eine moderne Buehne geschaffen hatte, die waehrend seiner Amtszeit eine ganze Reihe hervorragender Auffuehrungen herauszubringen vermochte, diesem Theater zu neuem Glanz verhalf. Jessner stammte aus Koenigsberg-Pr.,wo er im Jahre 1878 zur Welt kam. Als er im Jahre 1919 von der neuen republikanischen Preussischen Regierung nach Berlin berufen worden war, ging ihm bereits die Anerkennung seiner Leistungen voraus, die er am Neuen Theater seiner Heimatstadt vollbracht hatte. Als 40-Jaehriger, mit Enthusiasmus, ging er an seine neue Aufgabe heran. Wohl fand er viele bewaehrte alte Kraefte vor, unter ihnen, grosse Kuenstler wie Max Pohl, Otto Sommerstorff, Arthur Krausneck, Paula Gonrad u. a., doch der bisherige Spielplan, dem Geschmack Wilhelm II. angepasst und fast nur aus Wildenbruchschen und anderen patriotischen, mittelmaessigen, Dramen bestehend bedurfte einer voelligen Um- und Neugestaltung. jessners Inszenierungen, nicht zu trennen von seiner demokratischen und sozialen Grundhaltung, seinem Willen, dem Volke, dessen breitesten Schichten zu dienen, wurden echte kluenstlerische und gewissermassen' auch bekennende Manifestationen, so sein genialer “Wilhelm Teil” der aufruettelnde “Koenig Richard III”, die folgenden Inszenierungen klassischer und moderner Dramen. Er reinigte die Klassiker von allzu engherziger Traditionstreue und brachte sie dem Zeitempfinden wie d e r u m nahe. Besonders gluecklich war dieser Regisseur in seinen Wedekind-Auffuehrungen (“Marquis von Keith”, Hidalla), die er in rasendem Tempo eines Besessenen spielen liess. Von Anam 13. Dezember) fang an stand ihm der damals noch junge Fritz Kortner zur Verfuegung, dessen schneidend - scharfes Organ und geballte Kraft fuer mehrere Jahre die staerkste schauspielerische Anziehungs kraft dieses neugestalteten Staatstheaters gewesen ist. Es gelang Jessner andere ganz Grosse wie Albert Bassermann, Lucy Hoeflich, Elisabeth Bergner, Eduard von Winterstein zu Gastspielen an seiner Buehne zu verpflichten. In Alexander Granach hatte er in den spaeteren Jahren eine wichtige Kraft dessen “Mephisto” neben Gruendgens bestehen konnte. Seine neuartige Inszenierungskunst (die “Treppe” als Spielflaeche fuer gesteigerte Bewegungen), fand keine ungeteilte Aufnahme, doch waren es vor allem die packenden Massenszenen und die grossartige Sprechkunst des jessnerschen Ensembles, welche sein Theater bis zum Jahre 1928 etwa zu einer der angesehendsten Buehnen im damaligen Deutschland werden liessen. In den letzten Jahren steigerten sich die reaktionaeren politischen Widerstaende gegen seine Leitung, welche bei den Behoerden Preussens nicht mehr diejenige Unterstuetzung finden konnte, deren sie bedurft haette. 1930 zog sich Jessner von der Generalintendanz zurueck und beschraenkte sich auf gelegentliche Inszenierungen bis zur Machtuebernahme durch die Nazis. Die Emigration wurde fuer diesen juedischen Kuenstler, der mit der deutschen Theaterkultur so innig verbunden gewesen war, nicht leicht. Im damaligen Palaestina bot sich ihm keine neue Moeglichkeit des Schaffens. Er ging nach USA; wo er von Zeit zu Zeit eine Theaterauffuehrung zustandebrin gen oder sich an einer Filmgestalr tung beteiligen konnte. Es wurden schwere Jahre und solche physischen Leidens. An einem Herzanfall starb er im Alter von 67 Jahren. Ais bewusster und religioeser Jude empfand er die ganze Schwere des Judenleids jener Jahre mit. Vieles aus seinen Erinnerungen soll er aufgezeichnet haben, doch kam es nicht zu Veroeffentlichungen. Er gehoerte zu den zahlreichen deutschen Juden, die ihren Judenstolz mit aufrichtiger Hingabe an die Kultur der Umwelt vereinten. Zwei Jahre nach Reinhardt schloss Jessner die Augen fuer immer der letzte grosse juedische Regisseur, der ein Kapitel deutscher Theatergeschichte mitgeschrieben hatte. CURT WILK Dr. Max Brod, (Tel Aviv), gehoert zu jenen Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg Bruecken zwischen Deutschland und der Judenheit geschlagen haben. Seit vielen Jahren besucht der nun Sljaehrige die Bundesrepublik, wo seine Vortraege stets ein zahlreiches Publikum finden. In Duesseldorf erhielt der Dichter kuerzlich eine von der dortigen Heinrich Heine-Gesellschaft gestiftete Ehrengabe ,ein Heine-Relief, “in Wuerdigung der Verdienste, die er sich als Schriftsteller und als unermuedlicher Streiter fuer Toleranz, Versoehnung und Voelkerverstaendigung erwarben hat’’. In diesen Tagen erschien Brods wissenschaftliches Werk “Johannes Reuchlin und sein Kampf” im Stuttgarter W. Kohlhammer Verlag. Wir erinnern uns aus diesem Anlass an ein Gespraech vor fast einem Jahr, als Brod ueber dieses Reuchlin-Buch sagte: “Ich wollte einen Deutschen zeigen, der in gefaehrlicher Zeit fuer das Judentum eingetreten ist. Er war das Seltenste, was es gibt: ein anstaendiger Mensch Ich glaube, dass dieses Buch, mit dem ich vielleicht meine literarische Laufbahn abschliesse, einiges dazu beitragen wird, um die Dunkelheiten und Duesternisse zu verscheuchen”. “Johannes Reuchlin und die Gestalt des guten Juden” nannte Max Brod sein Referat, das der Duesseldorfer Verleihungszeremonie folgte und als Einstimmung auf sein Reuchlin-Werk gelten kann. Wer war Johannes Reuchlin? ein frommer Katholik war, der zum Beispiel die Hinwendung seines Grossneffen Philipp Melanchthon zur Lutherischen Lehre als schmerzlich empfand. Nein, Reuchlin war kein Philosemit. Er teilte sogar die Vorurteile seiner Zeit ueber die Juden. Das Eintreten fuer juedisches Geistesgut wurde ihm vielmehr aufgezwungen. In ihrem Kampf gegen die juedische Religion bedienten sich die Dominikaner jener Zeit des Renegaten Johann Jos e p h Pfefferkorn. Dieser zeichnete mehrere Schmaehschriften gegen seine ehemaligen juedischen Glaubensgenossen mit Namen, um durch den Anruf niederer Instinkte die Vernichtung des hebraeiseben Schrifttums zu erreichen. Auf Verwendung der Herzogin Kunigunde von Bay ern der Schwester des Kaisers Maximilian ,erliess dieser 1509 ein Edikt, in welchem Pfefferkorn ermaechtigt wurde, den Juden alle hebraeischen Buecher wegzunehmen und die ihm schaedlich erscheinenden zu vernichten. Pf efferkorn wandte sich auch an Reuchlin um ihn fuer die Konfiskation zu gewinnen. Doch ohne Erfolg. Mehrere Beschwerden gegen die Buechereinziehung veran’assten den Kaiser 1510 zu einem neuen Erlass. Unter anderem wurde darin auch von Reuchlin ein Gutachten ueber den Charakter des juedischen Schrifttums gefordert. Reuchlin redete den Judenfeinden nicht nach dem Munde. Vielmehr verteidigte er die juedischen Schriften mit dem “Augenspiegel” und zog sich damit den Zorn religioeser Eiferer zu. Ein jahrelan- Von Joachim Hemmerle ger Kampf begann. Nachdem sich das Laterankonzil 1516 fuer Reuchlin ausgesprochen hatte, entschied Papst Leo X. im Jahre 1520 gegen dessen Verteidigungschrift. Intoleranz und Verblendung hatten gesiegt. Vergleiche draengen sich auf: Unerschrocken, wenn auch fast widerwillig, hatte sich Reuchlin fuer eine missachtete weil schwache Minderheit eingesetzt. Selbst durch Verleumdung und Drohung liess er sich nicht davon abhalten, fuer Gerechtigkeit und Wahrheit einzutreten. Erinnern wir uns an Brods Ausspruch: “Ich wollte einen Deutschen zeigen, der in gefaehrlicher Zeit fuer das Judentum eingetreten ist Etwas mehr als 400 Jahre nach Reuchlins Tod (1552) wuetete in Deutschland abermals der Judenhass. Maenner und Frauen humanitaerer Gesinnung Reuchlins waren es, die auch in dieser Schrekkenszeit die Menschenwuerde verteidigten. In der Literatur finden wir viele Beispiele dafuer, dass Schriftsteller eine Botschaft an ihre Zeit durch den Mund historischer Gestalten verkuenden. Zeitgeschichtliches kann dergestalt verfremdet, neutralisiert werden. An Johannes Reuchlin und seinen Kampf gegen Hass und Verblendung gerade in unseren Tagen erinnern, bedeutet zugleich, an eine erst kurz vergangene Zeit deutscher Geschichte gemahnen. Brods Darstellung eines Deutschen der in dunkler Zeit fuer das Judentum eintrat, ist ein versoehnendes Geschenk des juedischen Humanisten an die Deutschen guten Willens. , Er wurde 1455 in Pforzheim geboren. Seine Bedeutung fuer das Judentum liegt darin, dass er sich als erster christlicher Wissenschaftler des Mittelalters dem Studium der hebraeischen Sprache widmet. , Reuchlins erster Lehrer des Hebraeischen war der Leibarzt von Kaiser Friedrich III, Jakob ben Jechiel Loans- Ihm verdankt Reuchlin Erkenntnisse, die ihren Niederschlag fanden in dem Buch “Rudimenta Hebraica”, Dieses Werk wandte sich an christliche Theologen, die sich bislang mit griechischen und lateinischen Bibeluebersetzungen begnuegt hatten. Es folgte Reuchlins ,erste hebraeische Grammatik im lateinischen Sprachraum “De accentibus et orthograjphia Hebraeorum”. In dem Buch “De arte cabalística”, einem Dreigespraech mit einem gebildeten Juden Simon, der die Zuege Loans traegt, fuehrte Reuchlin die Gestalt des guten Juden in die Literatur ein. Sie ist allerdings nur zu gern in Vergessenheit geraten, waehrend Shakespeares Shylock den antijuedischen Ressentiments lange Zeit entgegenzu kommen schien. War nun dieser Johannes Reuchlin, was heute nicht sonderlich gluecklich als Philosemit, d. h. Judenfreund, be zeichnet wird? Brod verneint dies. Er kann darauf verweisen, dass Reuchlin zeitlebens ‘tmw ‘np wmn I / 1 £ ut; la CANCION ISRAELI 1965 a la venta en SERRANO -144 KV 2774311

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