Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 7 (Julio, 1965)
- Date
- 1965-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JULIO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 5 “DIE WELT” ZUM ANDENKEN AN MARTIN BUBER AUS "DAS VERBORGENE LICHT” MARTIN BUBER VON GOTT UND DEN MENSCHEN gaz.—“Geplauder mit dem Nachbarn kann das Gefaess tiefer Meditation sein”, sagte der Baalschem. “Sogar durch ¡politische Kannegiesserei und Unterhaltungen über die Kriege der Völker kann ein Mensch es dazu bringen, innige Verbindung mit Gott zu erlangen”. Martin Buber, der Wiedererwecker des Chassidismus, gestorben im Alter von siebenundachtzig Jahren in Jerusalem, in der “neuen Heimat”, fern von Podolien — Martin Buber zitiert den Baalschem zustimmend, voll der brüderlichen Sympathie mit jenem “Meister des guten Namens” Israel Ben Elieser, der einstmals — im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts — die Treue und den Glauben an die Herrlichkeit Gottes, “Schechina”, wie eine Fackel aufgerichtet hatte, inmitten enger Gassen und dumpfer Kammern, inmitten der Angst vor dem Pogrom und der Furcht vor den gestrengen Gesetzen, der Thora, noch im niedrigsten Geschöpf, in der nichtigsten Begegnung die kosmische Ausserordentlichkeit und Einmaligkeit unserer menschlichen Existenz erkennend: unsere Erwaehltheit. Martin Buber war ein grosser Philosoph und Gelehrter, ein Schüler von Dilthey und Max Weber, eine Saeule der Urbanitaet offenbar — so berühmt, dass er in den vergangenen zehn Jahren wie ein Geschenk von Festversammlung zu Festversammlung gereicht wurde; um ihn war zuletzt oft die etwas peinliche Atmosphaere von “Friedenspreis des Buchhandels”, von chrysanthemengeschmücktem Rednerpult und stehender Ovation. Doch dies Wesen wird nicht in der Erinnerung haften. Der wirkliche Martin Buber wird — nun, da die Ghettos von Galizien und Podolien verschwunden sind, zerstreut und vernichtet, die meisten der Gemeindeglieder — bald nur noch im Gedaechtnis von ganz wenigen wohnen. Denn der wirkliche Martin Buber, der einzig originale war der Autor der “Legende des Baalschem” und der “Geschichten des Rabbi Nachmann”, mit einem Wort: der Biograph der alten Chassidim. Dieser war in Wien geboren worden — seine Kindheit verbrachte er aber in der Naehe von Lemberg auf dem Gut seines gelehrten Grossvaters Salomon Buber, eines Kenners der “Midraschim”, der alten hebraeischen Kommentare zur Bibel und ihrer Geschichte. Mit den letzten Anhaengern des damals verdaemmernden Chassidismus wurde der junge Buber im nahen podolischen Landstaedtchen Sadagora bekannt: ihr Erbe war ihm immer wichtiger als der Zionismus des Theodor Herzl, der spaeter den Wiener Studenten der Philosophie zeitweilig in seinem Bann zog. Das Judentum war für Buber demzufolge niemals eine religiös-nationale Enteleehie, die ihre Erfüllung dereinst in einem weltlichen Staat finden könnte. Er sah in ihm vielmehr — in gut chassidischer Weise — die ideale Form der menschlichen Auserwaehltheit die ideale Form des Zugangs zu Gott. Wer bei jeglicher Lebensaeusserung von den “anderen” als “Jude” auf seinen Gott festgelegt wird, der muss es eben am Ende notwendig mit dem Rabbi von Polonoje halten, einem Schüler des Baalschem, der gesagt hat: “Es gibt nichts Grosses und nichts Kleines auf der Welt, das von Gott isoliert waere... Daher vermag der vollkommene Mensch tiefe Handlungen zu vollbringen, wie etwa durch Essen, Trinken und Beischlaf, ja sogar durch geschaeftliche Transaktionen”. Analog zu dieser Ueberzeugnug verfaehrt Buber, in seinen besten Buechern: Er schafft den Typ der anekdotischen Legende, welche allein durch die Kraft und Eindringlichkeit ihres archaischen Inhalts zur dialektischen Parabel aufsteigt und die Welt so für die Wahrheit durchsichtig macht. Es ist etwas Zartes und Ehrwürdiges, etwas Heimliches und Geheimnisvolles, etwas Ausgelassenes und Paradiesisches um die Atmosphaere des “Stuebels” in dem die Chassidim mit weisem Mund das Maerchen und das Mysterium austei¬ Aus dem Vorwort zu den “Gkassidischen Buechern ” Allem (Menschentum ist die mitwirkende Kraft zugeteilt, alle Zeit ist erlösungsunmittelbar, alles Handeln um Gottes willen darf messianisches Handeln ¡heissen. Aber nur absichtsloses Handeln kann ein Handeln um Gottes Willen sein. Die Selbstunterscheidung, die Rueckbiegung des Menschen auf einen messianischen Vorzug dieser Person, dieser Stunde, dieser Handlung, zersetzt die Absichtslosigkeit. Die Ganzheit seines Weltle'bens Gott zuwenden und es dann in all seinen Augenblicken bis auf den letzten sich auftun und abfolgen lassen, das ist Wirken des Menschen an der Erlösung. Wir leben in einer unerlösten Welt. Aber aus jedem willkuerlich weltverbundnen Menschenleben faellt in sie ein Samen der Erlösung. Und die Ernte ist Gottes. MARTIN BUBER len... Nach Wuerdigung der religionsphilosophischen Bedeutung und der Ubersetzungstaetigkeit Martin Bubers, insbesondere seiner Bibelübersetzung, faehrt die Zeitung fort: “Gershon Scholem, der treue Freund und scharfe Kritiker des Meisters, sagte auf einer Feier zum Abschluss der beruehmten Buber- Rosenzweigschen Bibelübersetzung in Bubers Hause: Fuer wen wird diese Uebersetzung nun bestimmt sein? Historisch gesehen ist sie nicht mehr ein Gastgeschenk der Juden an die Deutschen, sondern — und es faellt mir nicht leicht, das zu sagen — das Grabmal einer in unsagbarem Grauen erloschenen Beziehung. Die deutschen Juden, für die sie übersetzt haben, gibt es nicht mehr. Die Kinder derer, die diesem Grauen entronnen sind, werden nicht mehr Deutsch lesen. Was die Deutschen mit ihrer Uebersetzung anfangen werden — wer möchte sich vermessen es zu sagen?”. MARTIN BUBER Das Wesentliche an der Zionsidee ist eben das, was sie von anderen nationalen Ideen unterscheidet. Es ist kennzeichnend fuer den Sachverhalt, dass diese nationale Idee sich nicht wie die anderen nach einem Volke, sondern nach einem Orte benannte. Damit ist die Tatsache zum Ausdruck gebracht worden, dass es hier nicht um ein Volk an sich, sondern um seine Verbindung mit einem Land, mit seinem heimatlichen Land geht. Von Uranbeginn steht die einzigartige Verbindung zwischen diesem Volk und diesem Land im Zeichen dessen, was sein soll, was werden, was verwirklicht werden soll. Zu dieser Verwirklichung kann das Volk nicht ohne das Land und das Land nicht ohne das Volk gelangen: nur die getreue Verbindung beider fuehrt zu ihr. Es ist dies aber eine Verbindung» in der das Land nicht als toter, passiver Gegenstand, sondern als lebendiger und taetiger Partner erscheint.. Dies ist das auf einen kleinen und veroedeten Teil des Erdballs bezogene und doch weltenweite Motiv, das sich jm Namen Zion birgt. Das Volk Israel mag sonst als ein Volk unter den Voelkern, als ein Land unter den Laendern angesehen werden: in ihrer Beziehung zueinander und in ihrer gemeinsamen Aufgabe sind sie ein Einziges und Unvergleichliches. Taeglich frisches GEFLUEGEL STRENG KOSCHER Lieferung frei ins Haus SCHWARTZ TeL 397704 Pasaje Fernández 1044 DIE FUENFZIGSTE PFORTE Ein Schueler Rabbi Baruchs von Misbiz hatte, ohne seinem Lehrer davon zu sagen, der Wesenheit Gottes nachgeforscht und war in Gedanken immer weiter vorgedrungen, bis er in ein Wirrsal von Zweifeln geriet und das bisher Gewisseste ihm unsicher wurde. Ais Rabbi Baruch merkte, dass der Jüngling nicht mehr wie gewohnt zu ihm kam, fuhr er nach dessen Stadt, trat unversehens in seine Stube und sprach ihn an: “Ich weiss, was in deinem Herzen verborgen ist. Du bist durch die fuenfzig Pforten der Vernunft gegangen. Man beginnt mit einer Frage, man gruebelt, ergruebelt ihr die Antwort, die erste Pforte oeffnet sich: in eine neue Frage. Und wieder ergründest du sie, findest ihr die Loesung, stoessest die zweite Pforte auf-und schaust in eine neue Frage. So fort und fort, so tiefer und tiefer hinein. Bis du die fünfzigste Pforte aufgesprengt hast. Da starrst du die Frage an, deren Antwort kein Mensch erreicht, denn kennte sie einer, dann gaebe es nicht mehr die Wahl. Vermissest du dich aber weiter vorzudringen, stuerzest du in den Abgrund. “So muesste ich also den Weg zurueck an den Anfang?” rief der Schueler. “Nicht zurueck kehrst du”, sprach Rabbi Baruch, “Wenn du umkehrst: jenseits der letzten Pforte stehst du dann und stehst im Glauben”. rspi'. VON LEID UND FREUDE RECHTES LEID UND RECHTE FREUD Befragt, welches der rechte Weg sei, der des Leidens oder der der Freude, sagte der Berditschewer Rabbi: “Es gibt zweierlei Leid und zweierlei Freude. Wenn einer sich ueber das Unglueck, das ihm betraf, vergraemt, in seinem Winkel hockt und an der Hilfe verzweifelt, das ist die widrige Truebsal; von der es heisst: “Die Schechina wohnt nicht am Ort der Schwermut. Das andere ist der redliche Kummer des MARTIN (SCHLUSS V( Menschen der weiss, wessen ihn ermangelt. So auch die Freude. Wem am Wesen fehlt, und er verspuert es in seiner leeren Lust nicht und sorgt nicht es zu fuellen, der ist ein Tor. Der wahrhaft Freudige aber ist wie einer, dem das Haus verbrannte und der seine Not in der Seele erlitt, dann aber begann er ein neues zu bauen, und ueber jeden Stein, der gelegt wird, freut sich sein Herz. SEITE 4) gleichen Stelle keinen Zweifel daran, dass “ich die aus dem Krieg hervorgegangene Form des neuen juedischen Gemeinwesens, den Staat Israel, als den meinen akzeptiere”. Es konnte nicht ausblelben, dass zumal die nationalistischen Kreise des Rechtsfluegels Anstoss an einem von solchen inneren Reservationen begleiteten Ja nahmen. Ihnen war der in seiner Grundhaltung weltbuergerlich gesinnte, jeder nationalen oder gar chauvinistischen Selbstbeweihraeucherung abholde “Schwaechling” Martin Buber so zuwider, wie der Freidenker Buber der hiesigen juedischen Orthodoxie suspekt war, weil die rabbinische Formenstarre seinen religionsphilosophischen Anschauungen widersprach und in seiner privaten Lebensfuehrung keinen Platz gefunden hatte. Diese zwei Gruppen, die der hurrapatriotischen Scharfmacher und der bibelfesten Buchstabenglaeubigen, waren es denn auch, die vor wenigen Wochen, als sich die Schatten des Todes schon auf den “hebraeischen Weisen im modernen Gewand “herabzusenken begonnen hatten, im Jerusalemer Stadtverordneten-Ausschuss gegen den Antrag der Mehrheitsfraktionen aufbegehrten, ihn zum Ehrenbuerger der Hauptstadt Israels zu machen. Mit der Ueberreichung der Urkunde, der letzten Huldigung, die ihm nach so vielen internationalen in diesem Leben zuteil wurde, hat Jerusalem sich selbst mehr geehrt als ihn. Zweifellos, zur schmerzlichen Enttaeuschung seiner Verehrer hier in Israel, eine gluecklicherweise denn doch betraechtliche, fortschrittlich denkende Schar mit verstaendnisvoller Liebe z u menschlichen und geistigen Werten, und vielleicht auch zu seinem eigenen verschwiegenen Leidwesen, war er in mancher Hinsicht hierzulande vereinsamter als draussen in der Welt, die den groessten lebenden Repraesentanten des Judentums in ihm sah und bewunderte. Aber wo hat, seit eh und je, der Prophet in seinem Vaterlande wirklich gegolten? Besonders, wenn dieser Prophet es, mit dem bezeichnungsreichen Titel eines seiner entscheidenden religionspolitischen Werke, in ein “Koenigtum Gottes” verklaert wissen wollte! Um der Menschheit willen, der mit einem solchen “Koenigtum Gottes” das denkbar kostbarste Geschenk ¡gemacht waere, entsagte Martin Buber der provinziell engen Idylle des “Volkslieblings”, der sich im Beifall der Menge sonnt. Wie uns, seinen Juden, sei mithin ihr, der Menschheit, sein Andenken zum Segen!