Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 5 (Mayo, 1965)
- Date
- 1965-05-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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MAYO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 21 CISROCO-ALTERSHEIM D i e Generalversammlung von Cisroco fand am Sonntag, den 28. Maerz unter sehr geringer Beteiligung statt. Aus dem Geschaeftsbericht, den der Praesident, Herr Bruno Lichtenstein, und dem Kassenbericht, den der Schatzmeister, Herr Federico Leiser, gab, ist zu ersehen, dass im Jahre 1964 monatlich etwa 71 Faelle mit 96- Personen unterstuetzt wurden. ES WURDEN IM JAHR 1964 VERAUSGABT: fuer aerztliche u. pflegerische Betreuung, Medikamente, Hospital, etc. . . . E° 18.877.-26 fuer alleinstehende Frauen und Kinder 12.049,00 fuer Altersfuersorge Durchwanderer - und voruebergehende Fuersorge . 38.717,65 Cisroco hatte eine umfangreiche Arbeit zu leisten, um all die Faelle, die an das Comité herantraten, ordnungs — und sachgemaess zu bearbeiten. Ausserdem wurden allgemeine und spezielle Beratungen erteilt, Stellen vermittelt und vor allem auch juedische Kranke besucht, die in den hiesigen Hospitaelern liegen und keine Ängehoerigen haben, die sich um sie kuemmern koennen. Die Arbeit ist eine ungeheuer grosse, und es ist zu bedauern, dass sie nicht groessere Anerkennung in der Allgemeinheit unserer Gemeinde findet. Es ist die irrtuemliche Ansicht verbreitet, dass es in unserer Gemeinde keine armen und hilfsbeduerftigen Menschen mehr gibt, aber die obigen Zahlen, die fuer Wohlfahrtszwecke ' ausgegeben werden, beweisen das Gegenteil, und wir empfinden es als eine Genugtuung, dass wir in unzaehligen Faellen beduerftigen Menschen zur Seite stehen konnten. Die Taetigkeit von Cisroco bedingt naturgemaess eine ausserordentliche Diskretion, und es ist hoffentlich darauf zurueckzufuehren, dass seine Popularitaet nicht so gross ist, wie er sie verdient. Wer in der Gemeinde — und Wohlfahrtsarbeit taetig ist und sie versteht, wird volles Verstaendnis fuer diese Zeilen haben, und wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr in den weitesten Kreisen unserer Gemeinde Unterstützung fuer unsere Taetigkeit finden werden,- die wir im Interesse der juedischen Allgemeinheit vollziehen. Ueber das Altersheim, eine Gruendung des Cisroco, gab der Vorsitzende des Comités des Altersheims, Herr Ebstein, seinen Jahresbericht, und wir koennen stolz darauf sein, in unserer Gemeinde ein solches Heim zu besitzen, das etwa 60 Menschen ¡einen behaglichen Lebensabend gestaltet. Die Fuehrung des Heims ist unter den heutigen Verhaeltnissen eine aeusserst schwierige; die Teuerung, nicht nur der Lebensmittel, sondern auch der anderen Faktoren wie Licht, Gas, Heizung und Regiekosten, ist eine so enorme, dass wir zeitweise grosse Sorgen haben, unseren État einigermassen auszugleichen. Dabei liegt uns immer in erster Reihe am Herzen, den uns im Heim anvertrauten Menschen alles erdenklich Schoene und eine wohltuende Behaglichkeit zu bieten. Die ausserordentliche Arbeit des Altersheims erkennen Sie wenn wir Ihnen vor Augen fuehren, dass wir taeglich 105 - 110 Mittagessen und ebenso viele Abendessen ausgeben. Es handelt sich um einen richtigen Hotelbetrieb mit Diaeten fuer jede Krank--,, heit. Ausser den Insassen werden etwa 15 Hilfsschwestern, die von den einzelnen Alten und Kranken angestellt sind, versorgt, dazu kommen- 20 weitere Angestellte, die fuer den Betrieb des Heims unbedingt erforderlich sind; und es werden auch Essen nach ausserhalb an Beduerftige oder Kranke mit Diaetvorschrift verschickt, Unsere Insassen erfreuen sich im allgemeinen durch die staendige und fachgemaesse Pflege einer guten Gesundheit. Unser Wunsch besteht einzig und allein darin, unser Heim bald vergroessern zu koennen, denn die ueberaus grosse Zahl von Anmeldungen, die wir vorliegen haben, koennen wir leider nicht beruecksichtigen, da wir effektiv keinen Platz fuer weitere Unterbringungen haben. Beide Oraranistionen muessen, der Not der Zeit Rechnung tragend, ihre monatlichen Beitraege erhoehen: Der Mindestbeitrag fuer Cisroco betraegt ab 1-4-1965 E° 4,50, der fuer das Altersheim E° 2,50 monatlich, insgesamt also E° 7.— Unsere Mitglieder werden, nachdem sie diesen Bericht gelesen haben, vollstes Verstaendnis fuer diese kleinen Erhoehunsen a u f b r i ngen, und wir bitten sie nicht nur, uns diesen Beitrag zu bezahlen, sondern auch neue Mitglieder fuer uns zu werben. Wer noch nicht Mitglied unserer Organisationen ist, sollte es noch heutewerden. Es ist eine juedische Pflicht jedes Mitgliedes unserer Gemeinde,- auch Mitglied des Cisroco und Altersheims zu sein. Cocktails—Banquetes Recepciones bei HochzeTen, Geburtstagen, Barmizwahs, etc. Werner Spiegel Irarrázaval 1232 Tel. 460755 Als unser Schoepfer be schloss, die Menscheit ins Leben zu rufen, liess er zur Strafe fuer den Suendenfall die Urmutter Eva und alle zukuenftigen Muetter ihre Kinder unter Schmerzen gebaeren. Reizende, runde, rosige Babies wurden der ermatteten Mutter in die beglueckten Arme gelegt. (Vermutlich war selbst Kain, der sich spaeter so cholerisch entwickelte, auch ein solches suesses Geschoepfchen). Grossaeugig, unschuldig, blickten die geliebten kleinen Wesen in die verdorbene Welt, zahnlos laechelte fuer lange Monate das lallende Muendchen. Ja, zahnlos — und das ist der springende Punkt. Wir kommen grossartig im, rund gesagt, ersten Lebensjahr ohne diese eigenartigen, knochenfoermigen Gebilde aus, essen, stammeln und lachen und niemand wuerde ein rosig-zahnloses Baby-Maeulchen fuer haesslich erklaeren. Und dann, auf einmal faengt es an, in der Mundhoehle zu gaeren, zu rumoren und zu stoeren. Schmerzen, Apetitlosigkeit, Fieber stellt sich ein. Kind und Eltern schlafen kaum und sehen miserabel aus. Der Chef im Bureau muss viel Geduld aufbringen, weil der geplagte Papa Fehler ueber Fehler wegen abgekaempfter Nervenkraft macht und nur, wenn er selbst Vater ist, bringt er fuer die erschoepfte Erklaerung, ‘‘Unser Baby zahnt”, Verstaendnis auf. Schoen, auch das geht vorueber und das Kind hat letzten Endes alle stolz gezeigten Hacker - chen und rennt vergnuegt im Garten, Hausflur, Treppenhaus oder wo immer es gerade stoert, herum. Natuerlich plumpst das Balg. laen-gelang hin und bricht sich den linken (oder rech ten) Vorderzahn aus. Traenen, Schreck und Schmerz. Zum Trost weiss man ja, dass schliesslich alle diese niedlichen Milchzaehnchen einmal verschwinden, um den wahren, bleibenden, neuen und definitiven Platz zu machen. Und sie kommt, diese Zeit, die wieder einmal den geplagten Mund leer raeumt, und um jeden lockeren Milchzahn gibt es Theater. Tolle Geschenke muessen versprochen werden, wenn das ¡aengstliche Kind sich den stoerenden Wackelzahn ziehen laesst. Er faellt aus, gezogen oder nicht, verschwindet, wird auch schon mal geschluckt, er, wie nach und nach alle, die so schmerzvoll gewachsen waren. Das reizende, volle Kinder gesicht - chen ist fuer Monate ent - stellt und jeder charmante Erwachsene glaubt, den ueberalterten, ewig gleichen Scherz machen zu muessen, das junge Geschoepfchen mit einem Mummelgreis oder alten Muetterchen zu vergleichen. Die Kinder “lo tienen guatón”. Wie man hier so huebsch sagt. Aber auch diese haessliche Epoche geht zu Ende und — schief und krumm und voellig aus der Reihe, blickt uns die neue Zahngeneration, die nun einige Jahre halten muss, an. Und .dann kommt die ueble Zeit der “frenillos”, der Zahnspangen und Gaumenformer. Grauslich sehen sie aus damit, die armen, nicht mehr so Kleinen; in der Schule werden sie auseelacht, das Essen macht Beschwerden, die Sprache leidet, die Augen blicken irgendwie traurig und komplex-beladen. Der Erfolg ist allerdings GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND das Opfer wert, stolz lachen die, Wie Soldaten ausgerichteten Zaehne uns an. Der Schaden im Mund ist behoben, das Loch im Geldbeutel bleibt etwas laenger spuerbar. Aber der Leidensweg hat erst begonnen. Saemtliche nunmehr vorhandenen 32 Zaehne fangen systematisch an, mal da, mal dort weh zu tun. Calugas und Schokolade helfen dabei enorm — zum wehtun natuerlich. Man schleppt das Kind auf den dentalistischen Marterstuhl, der, mit vielen mysterioesen Mechanismen geschmueckt, mit sadistisch geoeffneten Köpfst u e t z e n bereitsteht. Und der sonst so sympathische Zahnarzt faengt an zu graben und zu schaben, zu bohren und zu kratzen und findet da, dort und ueberall ein kleines, ein grosses, ein winziges Loch. Zement wird gemischt, wie fuer einen Hochbau, der Speichel sammelt sich unangenehm in der dafuer immer zu kleinen Mundhoehle, d i e Kiefern schmerzen und klaffen hilflos offen, man kann noch nicht einmal protestieren, weil man sozusagen mundtot ist. Nach wochenlangen Misshandlungen wird man als ausgebessert entlassen. Fuer wie lange? Ein Vierteljahr, ein halbes Jahr, und dann faengt der Tanz von neuem an. Mittlerweile ist unser “Baby”, sagen wir mal, 17 Jahre alt und — ist es ein Maedchen — die ersten Verehrer stellen sich ein. Die Eitelkeit kommt mit Naturgewalt ueber die bisher leicht nachlaessige Tochter, sie kaemmt sich pudert sich, schminkt sich und —ploetzlich sind der jungen Dame die Zaehne nicht weiss genug, vielleicht nicht gross genug oder zu gross die Freundin hat SIE schon, kurzum, sie muss Jacket-Crown haben. Traenen, Auftritte, Nahrungsverweigerung, Familienzwist — und letzten Endes Kapitulation der entnervten Eltern. Der beste (und damit teuerste) Zahnarzt wird beauftragt, die Schoenheits-- operation vorzunehmen, eine gTaessliche Sache, schmerzhaft und zeitraubend. Wer behauptet, das beruehmte Gold der nicht minder beruehmten Morgenstunde sei das kostbarste, was es materiell gaebe, hat nicht Jacket- Crowns durch die Brieftasche geblutet. In Gold waere dies geradezu geschenkt. Aber der Endeffekt ist toll. Ein Filmstar-reifes Laecheln blueht aus dem jungen Mund und Opfer wie Anschauer sind begeistert. (Der Papa hat um Vorschuss in der Oficina bitten muessen, zeigt aber, mit Stolz geschwellter Brust, das Bild der neubezahnt-laechelnden Tochter ueberall herum). Hat man nun Ruhe im Mund und kann sich seiner DER ZEIT Beissinstrumente freuen? Nein, gerade das ■— naemlich beissen — kann man garnicht. Ein leckerer, krachsaftiger Apfel lockt umsonst, ein knuspriges Broetchen wird resigniert beiseite geschoben, ein ohilenisch-hartes Steak kann eine leichte Katastrophe ausloesen. Man muss fuer die Schoenheit leiden. Und dann faengt es ploetzlich ganz, ganz hinten im Mund an zu schwellen und zu treiben, zu klopfen und zu toben, an allen vier empfindlichen Ecken. Die letzte Hoffnung zu Klugheit und Vernunft bohrt sich schmerzhaft an die Oberflaeche, die Weisheitszaehne wachsen, diese letzte, unsinnige Erinnerung an die Kindheitsqualen. Geschwollenen Gesichts, m i t Selbstmordgedanken, sagt man die verführerischsten Einladungen ab; man moechte wieder an der Milchflasche saugen, u m nicht kauen zu muessen. Wenn sie wenigsten kraeftig, gesund und stark durch das gemarterte Fleisch brechen wuerden, diese unnuetzen vier Gesellen. Meist werden sie, kaum unter Schmerzen geboren, qualvoll gezogen und die ganze “Weisheit” wandert in den zahnaerztlichen Muelleimer. Ist das nun der letzte Schrecken? Beileibe nicht! Man kommt “in die Jahre”, wird reifer (um es liebenswuerdig auszudruecken). Die bestgepflegten Zaehne fangen an zu wackeln, der Arzt schuettelt zungenschnalzend den Kopf. ¡Der und der muss raus, da hilftnichts mehr. Mit Stiftzahn faengt es an, dann kommt ein neuer da, ein neuer dort, fein einzementiert und taeuschend echt aussehend. Dann kommt die erste Bruecke mit 2, mit 3 neuen Beissern, mit staerkender Spange ueber den Gaumen, unter der Zunge. Dahn bricht so ein Ding im ungeeignetsten Moment (auf der Reise, bei einem offiziellen Essen), man schliesst beschaemt und schnell den laedierten Mund, da man, abgesehen von dem Anblick, der man bietet, nur zischend sprechen kann. Ja, und zuletzt kömmt also das vielgefuerchtete Gebiss, diese ganze weite Reihe meist viel zu schoener Zaehne, an die man sich nun gewoehnen muss. Die Mundform, die Sprechweise, das ungezwungene Lachen veraendert sich, jede Speise schmeckt gleich langweilig, — resigniert haelt man die Klappe. So sieht man also wieder aus, wie am ersten Tag des Lebens, zahnlos, hilflos, lallend. Ein perfektes Rondo. Wozu nun aber dieser ganze Kreis des Leidens? K...g