Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 4 (Abril, 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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ABRIL 1965 BOLETIN INFORMATIVO 27 Die neueste Erscheinung des “Lee Baeck Instituts” (Schlomo Ruelf "Siroeme im duerren Land", Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1964) Es gehoert zu den schoensten und wichtigsten Aufgaben des “Leo Baeck Instituts”, solche Menschen zu Worte kommen zu lassen, die im deutschen, im mitteleuropaeischen, Judentum von einst an sichtbarer Stelle standen. Sie sind naturgemaess fast alle Maenner und Frauen von mehr als sechzig Jahren. Einer von diesen “deutschen Juden” von vor 1933, Rab. Dr. Schlomb Ruelf, erzaehlt sein Leben, dessen erster Teil die Erfahrungen des jungen Rabbiners in Hamburg, Bamberg und Saarbrücken enthaelt, seine Boebachtungen, waehrend der zweite Teil den ehemaligen Rabbiner zeigt, wie er, seit 1935, Pionierarbeit in Erez Israel leistet, als Lehrer, der eine Schule aufbaut, diese unter ungewoehnlichen Schwierigkeiten dem erstrebten hohen Niveau entgegenfuehrt und der nunmehr mit der altneuen Heimat so verbunden ist, wie er es einst mit dem Geburtslande gewesen war. Der Titel “Stroeme im duerren Land” ist gut gewaehlt. Ruelfs Lebensarbeit in Israel hat dazu beigetragen, das Land geistig fruchtbar zu machen, Jugend mit den Quellen lebendigen Wassers, den juedischen und den allgemeinen Geistesschaetzen, zu erfuellen. Das Buch ist schlicht verfasst und atmet Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Sein Autor uebt an sich strenge Selbstkritik und nichts Menschliches ist ihm fremd. Deshalb gewinnt sein Leserpublikum vom ersten Augenblick an staerkstes Interesse an den Schicksalen der eigenen Familie und denen der vielen juedischen Familien, die in den Gemeinden Deutschlands und dann, im Lande Israel seinen Weg kreuzen. Dr. Ruelf, dessen Vater Rabbiner der Gemeinde Braunschweig, dessen Onkel jener beruehmtgewordene Rabbiner Ruelf in Memel war, der als Zionsfreund noch vor der Jahrhundertwende in die Geschichte eingegangen und dessen Menschenliebe und Hilfsbereitschaft sprichwoertlich geworden waren, hat in Breslau studiert und sein erstes Rabbinat in Ham bürg, am “Tempel” gehabt, wo er sich —• vergeblich — bemuehte, liberal, in positiv aufbauendem Sinne, zu wirken, doch nur geringes Verstaendnis bei den damals verantwortlichen Gemeindefuehrern fand. Auch Bamberg, der zweite Rabbinatssitz, befriedigte den jungen Rabbiner nicht. “Ost—” und “Westjuden” waren hier, 1928, streng von einander geschieden; vom Geiste einer neuen Zeit war kein Hauch zu verspueren. Erst Saarbrücken gab Dr. Ruelf groess e r e Moeglichkeiten des Schaffens, aufgeschlossenen Menschen ein totales Judentum nicht nur zu predigen, sondern auch vorzuleben. Hier, schon vor 1933, ist Zionismus keine Angelegenheit, die man belaechelt oder mit Phrasen abtut. In Saargebiet sind die Juden juedischer, weltoffener, politisch — klueger. Die Epoche vor der Abstimmung, die Ruelf echildert, wirkt noch heute sehr gegenwartsnahe und ueberzeugend. Das Ergebnis der Saarabstimmung entschied ueber Leben und Zukunftsgestaltung von Juden und Nichtjuden. Mit einer Reihe seiner Gemeindemitglieder siedelt Rabb. Dr. Ruelf nach Erez Israel ueber, kaempft sich hart durch, zuerst als Lehrer in der alten Rothschild-Kolonie “Mikweh Jisrael” und dann in Naharia, der in jenen Tagen noch ganz jungen Siedlung, wo es an allem fehlte. Den Kampf um die nackte Existenz der Familie hat der Autor in vollem Umfange kennengelernt, und die Probleme des Landes, insbesondere vor der Staatsgruendung, spiegeln sich auch in den persoenlichen Schicksalen und Sorgen wieder. Der Freiheitskrieg von 1946-48 fordert von der aufstrebenden “deutsch-juedischen” Siedlung seinen Tribut, und die Familie Ruelf bringt keine geringen Opfer. Doch sie werden ertragen im Glauben an die Zukunft Israels und seiner hoffnungsvollen Jugend. Ihr ist Ruelf — und er ist zu bescheiden, um dies von sich zu sagen — ein wunderbarer Berater, Freund, Vater. So ist der zweite Teil des Buches zugleich eine fesselnde Geschichte der Entwicklung von Naharia, an der Schlomo Ruelf seinen Anteil hat. Heute lebt er im wohlverdienten Ruhestand, nachdem das von ihm gegründete Schulwerk in schoenster Entfaltung begriffen ist. In den letzten Jahren durfte er fuer laengere Zeit an der alten Wirkungsstaette, der heutigen' neuen Gemeinde Saarbruecken, als Rabbiner wirken, was ihm eine Genugtuung bereiten musste. Doch gern ging er mit den Seinen nach Israel zurueck, auch, als er einige Zeit in Amsterdam hatte arbeiten koennen. Im Lande verwurzelt, nicht kritiklos gegenueber Dingen innerhalb der Gesellschaftsstruktur, die er anders sieht und sehen muss, doch von tiefer, stiller Liebe erfuellt zum ewigen, altneuen Lande und zu seinem juedischen Volke, so schrieb Ruelf Lebenserinnerungen, die gelesen und weiter empfohlen werden sollten. Curt Wilk GEDENKBUCH DES COUNCIL OF JEWS FROM GERMANY Das von Council seit langem geplante Gedenkbuch unter dem Titel “Bewaehrung im Untergang” ist im Maerz 1965 erschienen. Es ist der Erinnerung an Maenner und Frauen gewidmet, die einst im juedischen Leben Deutschlands, in den Gemeinden, Organisationen und Institutionen fuehrend wirkten und ihr Ausharren mit dem Tode in der Deportation, in Konzentrationslagern oder unter anderen grausigen Umstaenden besiegeln mussten. Das Buch soll durch die Ehrung der darin Erwaehnten gleichsam das Andenken an die untergegangene deutsche Judenheit bewahren und igehoert in die Bibliothek jedes ausgewanderten Juden unseres Kreises. Die Herausgabe des Buches war nur moeglich, durch die Hilfe von Aufrufen in der juedischen Presse in allen Teilen der Welt und mittels unermuedlicher Korrespondenz und Forschung. Die Einzelheiten dieser Wirkungsphase hat Dr. Hans Reichmann, der eigentliche Initiator des Buches, noch kurz vor seinen Ableben im Vorwort dargelegt. Das Buch wurde im Aufträge des Council herausgegeben von Dr. E. G. Loewenthal und ist in der Deutschen VerlagsanstalS (DVA) in Stuttgart erschienen. In ihm sind 120 einzelne Wuerdigungen enthalten, mit einem Foto versehen, und ausserdem eine Liste weiterer 60 Persoenlichkeiten, fuer deren Lebenslauf und Werdegang nur wenige Angaben ermittelt werden konnten. Der Preis des Buches betraegt DM 9. Durch Uebereinkommen zwischen der Centra und dem Council besteht die Wahrscheinlichkeit, bei einer Sammelbestellung einen Sonderrabatt zu erhalten. Interessenten werden gebeten, sich bei der Gemeinde baldigst zu melden. LE O-BA E CK-PR EIS Der Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Judeji in Deutschland ist an den 37 Jahre alten Koelner Studienrat Konrad Schilling verliehen worden. Der Generalsekretaer des Zentralrates, Dr. Hendrijk George van Dam, ueberreichte den mit 3.000 DM dotierten Preis, mit dem Schillings Verdienste als Generalsekretaer der mit grossem Erfolg in Koeln veranstalteten “Monumenta Judaica”, einer Ausstellung von Zeugnissen der Geschichte und Kultur der Juden am Rhein, gewuerdigt werden. Der Leo-Baeck-Preis soll vom Geist der Humanitaet, der Religiositaet und der vorurteilsfreien wissenschaftlichen Arbeit getragene Leistungen auszeichnen. KUNST UND LITERATUR JIJEDISCHES THEATER IN NAZIDEUTSCHLAND Kuerzlich erschien in der Schriftenreihe Wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts im J. C. B. Mohr Verlag - Tuebingen, das Buch “Juedisches Theater in Nazideutschland”, dessen Autor unser Mitarbeiter Dr. Herbert Freeden (Jerusalem), ist. Eine der seltsamsten Erscheinungen im “Dritten Reich” war eine jüdische Theaterbewegung — politisch und geistesgeschichtlich ein einmaliges Phaenomen: ein Theater von Juden für Juden mit europaeischem Repertoire im nationalsozialistischen Deutschland. Die Taetigkeit des “Jüdischen Kulturbundes” — so war der Name dieser Theaterorganisation — fand unter Ausschluss der deutschen Oeffentlichkeit statt; vom Vorhangzieher und Portier über die ausübenden Künstler bis zum Intendanten und Publikum durften nur Juden teilnehmen. Die Kulturbünde unterhielten von 1933-1938 — in beschraenktem Masse waren sie noch bis zum Jahre 1941 taetig — drei Schauspielensembles, eine staendige Oper, zwei Symphonieorchester, ein Theater für die jüdischen Schulen, eine Kleinkunstbühne, Chöre, Laienorchester und zahlreiche Kammermusikgruppen. Darüber hinaus veranstalteten sie Vortraege und Kunstausstellungen. Etwa zweitausend Künstler waren in ihrem Rahmen zusammengeschlossen und an die siebzigtausend Menschen bildeten in rund hundert Staedten das Publikum. Zum ersten Mal wird in Herbert Freedens Arbeit der Vorhang vor jenen weithin unbekannten Vorgaengen gelüftet: auf der Strasse marschierte die SA. und auf der Bühne verkündeten Juden mit Lessings Worten Humanitaet und Toleranz. Als 1938 in der “Kristallnacht” die Synagogen in Flammen aufgingen, blieb das jüdische Theater unversehrt. Das Spiel musste weiter gehen — ein Spiel bis in den Tod. Der Verfasser, der selbst Mitarbeiter des Kulturbundes war, berichtet aus eigenem Erleben sowie auf Grund umfangreicher Studien des vorhandenen Materials. Er bemüht sich die Frage zu klaeren, was die Nazis bewogen hat, diese Kulturorganisation gewaehren zu lassen, ja zu fördern — eine Frage, die verquickt ist mit dem Versuch, die Welt über die Lage der Juden zu taeuschen; mit den Machtkaempfen zwischen den Parteigrössen; und mit einer Zensur, die den Juden den geistigen Lebensraum abzuschneiden suchte. Ueber dem Werk des Kulturbundes lag noch “das letzte Abendlicht der grossen Tage europaeischen Judeseins, das letzte Licht und der erste Schatten”. Der Drohung der Faust stellten die jüdischen Künstler das Bild des Menschen entgegen; ihre Antwort an die Macht war die Sprache der Dichtung und Musik. So wurde die Geschichte des jüdischen Theaters zu einem Kapitel des geistigen Widerstandes der deutschen Juden. 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