Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 3 (Marzo, 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 23 y \ * ZUM 25. TGDESTAGE VGN SELMA LAGERLOEF JERUSALEM von Curt Wilk Am 1. Maerz sind 25 Jahre seit dem Ableben der grossen schwedischen Dichterin vergangen, deren Werk der gesamten Kulturwelt gehoert. Wir Juden haben hieran keinen geringen Anteil; verdanken wir doch dieser beruehmten Frau den Roman “Jerusalem”, in welchem sie uns an dem Beispiel einer schwedisch—amerikanischen Kolonie Schoenes und Ergreifendes von einstiger Motto: Humor ist kein Lachreiz fuer Toren sondern allein fuer Weise. ES GESCHAH IN TEL rA VI V Chavazeleth, unsere Hausgehilfen, eine Yemenitin, ist mit buegeln beschaeftigt. Ausser dass sie mit meiner Frau hebraeisch spricht, redet sie auch etwas Yiddisch. Meine Frau bittet sie, die Pyjamas von mir zu buegeln. Darauf erhaelt sie die klassische Antwort: ,‘Fer wuus bederf ma das buegeln — wer sieht ihn schon?”. Fredi Durra, ein Komiker und Conferencier, hat zwischen Shave-Zion und Naharia ein sehr beliebtes Unterhaltungslokal. Vor kurzem bestellte er den Klaviertechniker aus Haifa, um seinen Fluegel stimmen zu lassen. Der Stimmer kommt, die (rumaenische) Hausgehilfin empfaengt ihn vor dem Hause und ruft: “Fredi, es ist jemand da, der Euch sprechen will”. Fredi kommt heraus und ruft erfreut: “Ah, a Stimmer”. Worauf das Maedchen kopfschuettelnd “Wieso a Stimmer — er redt doch!”. UND NUN NOCH Also: Druckfehler wo ein glueckliches Zusammen treffen mit einer komischen Sinngebung vorhanden ist. Manchmal sind es auch stilistische Entgleisungen. Hoeren Sie bitte: So begeht ein Herr Cohn diese Woche in Tel Aviv seinen 75. Geburtstag in voller Ruestung... (Ob er wohl General war?). Ingendjemand bekam maennlichen Familienzuwachs. Glueckselig berichtet die Familien-Chronik, dass das junge Paar nun am Ziel seiner “Sohnsucht” sei... Ein Kino zeigt an: “Die Naechte der Cabiria “air-aconditioned” und ein anderes verkuendet den “Sommernachtstraum” um 6.16 p.m. Im Zafon wird ein Haus ‘das lacht”, zum Kauf angeboten. (Vielleicht vergeht einem aber das Lachen, wenn man den Preis hoert!). In einer Einladung einer Schiffsgesellschaft heisst es in englisch:“the hostesses will be at all times ready to your every wish!”. (Diese Schiffe duerften gut frequentiert sein!). EINE ZEITUNG MELDET Zwecks Beseitigung von Elendsvierteln, die z.T. Bruststaetten der Unterwelt sind... (Man sollte sich damit nicht bruesten!). Im Radioprogramm wurde kuerzlich angekuendigt: Schoenberg “Die verkaufte Nacht” (Es sollte mich nicht wundern, wenn als Pendant dazu demnaechst Smetanas “Die verklaerte “Braut” gespielt wuerde! In einer hebraeischen Zeitung wurde anlaesslich einer Wuerdigung Schnitzlers “Reigen” mit “Geshem” uebersetzt (Kommentar ueberfluessig! Oder doch? Geshem heisst Regen!) Da hatte Bialik recht, wenn er sagte: Hebraeisch spricht man, jiddish redt sach! Julius Sachs/Tel Aviv Siedlungsarbeit im Heiligen Lande erzaehlt. Zu Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die ersten juedischen Studenten aus Russland, die “Biluim”, die sogenannte “erste Alijah”, in Erez Israel zu arbeiten begann, hatte unter ungeheuren Schwierigkeiten, erfuellt von christlich-religioesem Idealismus, eine kleine Gruppe von Amerikanern, meist schwedischer Herkunft, gefuehrt von einem schwedischen Konsul namens Larsson, in und bei Jerusalem, der “Altstadt”, zu siedeln begonnen. Larsson hatte die Tochter eines Bauern aus Dalarne in Schweden geheiratet und sich ganz der Gemeinschaft angeschlossen. Als die damals schon bekannte Selma Lagerloef um 1895 nach Palaestina kam, um Stoff fuer ihr geplantes Buch zu sammeln, fand sie diese Gruppe christlicher Siedler noch in der Bluetezeit ihrer idealistischen Arbeit. Jerusalem ergriff die Dichterin stark, machte sie aber zugleich ein wenig schwermuetig. Klima und Krankheiten setzten Im wasserarmen Jerusalem den Menschen viel zu, die Enge der winzigen und winkligen Gaesschen, die Eingeschlossenheit der “Heiligen Stadt” bedrueckte viele. Dazu kam die Unduldsamkeit der Sekten und religioesen Orden gegeneinander. Dennoch schenkte Selma Lagerloef der Welt in dem Roman “Jerusalem” ein edles, von humanem Geiste erfuelltes, Werk, das sie ihren besten juedischen Freunden widmete, ein Buch ueber die Geschichte des Kampfes einer kleinen Schar guten Willens in jener Epoche, in der sich die Ansaetze neuen juedischen Lebens im Lande noch kaum bemerkbar machten. Die Dichterin, die 1009 fuer ein anderes literarisches Meisterwerk, “Goesta Berling”, den Nobel-Literatmpreis erhalten hatte, entstammte der schwedischen Provinz Vaermland, wo sie am 1. Maerz 1940 im Alter von 82 Jahren starb. Urspruenglich Lehrerin, wurde sie 1914 Mitglied der Schwedischen Akademie, nachdem sie einige Jahre vorher Ehrendoktor der Universitaet Upsala geworden war. Ihre Werke wirken vor allem durch die Macht ihrer Phantasie und den Adel, den ihre Persoenlichkeit ausstroemte. Aus Sagen und Legenden gestaltete sie mit künstlerischer Meisterhand Menschenschicksale. Im Jahre 1933 gab sie klar und eindeutig ihrem Abscheu gegenueber dem Rassenhass Ausdruck und half fortan juedischen Fluechtlingen. Seitdem wuchs das Interesse von Selma Lagerloef an juedischen Dingen und der Hebraeischen Universitaet. Sie schloss sich der “Gesellschaft der Freunde der Hebraeischen * Universitaet” in Schweden an. Ihre Schriften fanden stets auch im juedischen Kreise Anklang, und die Autorin allgemeine Verehrung. - KUNST UND LITERATUR Die Biographie einer Strasse (Ein interessantes kulturhistorisches Werk) Unter dem Titel “Kommen und Gehen Unter den Linden” hat Walter Schimmel-Falkenau im Rembrandt Verlag, Berlin, ein Buch herausgebracht, das auch auf juedischer Seite hoechste Beachtung verdient. In 73 Szenen spiegeln sich dreihundert Jahre Geschichte der beruehmten Strasse “Unter den Linden” zu Berlin. Durch Aufzeichnung ausgewaehlter Sturm — und Sternstunden, die dem Leser menschlich nahegebracht werden, entsteht ein ziemlich vollstaendiges Panorama der wichtigsten Epochen im Ablauf der Jahrhunderte von der Pflanzung der ersten Lindenbaeume nach dem Dreissigjaehrigen Kriege bis zur Errichtung der “Mauer”, welche die Stadt teilt. Wir begegnen den Grossen der Politik, Kaisern, Koenigen, Staatsmaennern, den wichtigsten Repraesentanten von Kunst, Wissenschaft und Literatur und nehmen Kenntnis von den bedeutsamsten Ereignissen, die mit dem Leben der Strasse “Unter den Linden” verbunden sind. Der “juedische Anteil”, wenn man so sagen darf, ist sehr erheblich, und der Autor hat diesen ins rechte Licht gerueckt: Immer wieder, in Verbindung mit der Darstellung des ersten Drittels des vergangenen Jahrhunderts, wird die Bedeutung des geistigen und gesellschaftlichen Zirkels von Rahel Lewin-Varnhagen van Ense hervorgehoben; Meyerbeers erste Berliner Opern — und Dirigentenerfolge finden ruehmliche Erwaehnung, und Max Liebermanns Kuenstlertum und menschliche Eigenart erfaehrt die gebuehrende Wuerdigung. Und selbstversta endlich wird anerkannt, dass Max Reinhardt im “Kleinen Theater”, “Unter den Linden”, bescheiden begann, ehe sein leuchtender Stern aufging. Schijnmel - Falkenau verschweigt nicht den Abstieg auch dieser Strasse, inren Zusammenbruch und Zerfall durch das “Dritte Reich”, durcn die Verderber Deutschlands. Er ist auch kritiscn gegenueoer den Honenzoilern und von jedem Nationalismus weit entfernt; im Gegenteil: der freiheitlich und iortschrittlich denkende Buerger, dem diese einstige Pracntstrasse lieb und teuer war, hat seine uneingeschraenkte Sympathie. Nur einmal irrt der Verfasser des guten Buches ganz bestimmt; wenn er naemlich der Kron prinzessin von Preussen, der spaeteren Kaiserin Friedrich den Vorwurf des “Landesverrats” macht, weil sie in einem Briefe an ihre koenigliehe Mutter nach England darum bittet, dass man von dort aus alles tun moege, um einen Krieg zwischen preussen und Oesterreich zu verhindern; dies war im Jahre 1866, und es handelte sich um den von Bismarck erzwungenen hoechst unpppulaeren “Bruderkrieg”; hier denkt der Autor in Gedankengaengen der Nazizeit, als jedes eigenmaechtige Denken als “Landes — und Hochverrat” galt. Von diesem “•Schoenheitsfehler” abgesehen, verdient das Werk die beste Beurteilung. Curt Wilk .Der Keren Kayemeth Leisrael vertritt eine der konstruktivsten Leistungen des Zionismus auf den Cebieten der Wohlfahrt und Sozialentu'icklung. ” — John F Kennedy ÍF uvr» nro tnpns ^^B DrtKrn -iLP mp SITE OF THE ^B JOHN FITZ6EMID KENNÍ0YM i PEACE FOREST ^^B Smart Jiirp iip JEWISH NATIONAL FUÑO üüpp lili mmmm < .v./ 1