Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 3 (Marzo, 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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MARZO 1965 BOLETIN INFORMATIVO 21 EIN FOTO-ALBUM AUS TREBLINKA ZU PURIM 5725 Die Lebenswahrheiten der Estherrolle Im Düsseldorfer Treblinka Prozess haben die Staatsanwaelte Spiess und Gnichwitz ihren ersten grossen Tag gehabt. ihnen war gelungen, was in den KZ-Prozessen der Nachkriegszeit bisher nur selten vorgekommen ist. Sie hatten rechtzeitig ein Fotoalbum des Hauptangeklagten Kurt Franz, der als SS- Untersturmführer stell vertretender Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka gewesen sein soll, beschlagnahmen koennen. Ob dieses Album von Franz angelegt wurde oder ob er es 1943 beim Schleifen des Lagers nur an sich nahm, ist noch unklar. Aber es zeigt Seite um Seite Bilder aus dem Lagerleben, zuweilen mit handschriftlichen Kommentaren von Franz: “Herrliche Zeiten”. (Das Wort, “herrliche” wurde spaeter mit einem Radiergummi fast un kenntlich gemacht). Franz, fast immer mit einetm Leichten Sbaecheln im Gesicht, hat im verdunkelten Schwurgerichtssaal keine Schwierigkeiten, seine auf eine Leinwand projizierten Fotos wiederzuerk ennen. “Das ist Sturmbannführer Wirth”. Ein Mann mit Menjou-Baertchen und dünner Brille, noch vor Kriegsende in Triest gestorben. Er war der Inspektor der drei. Vernichtungslager Trebl i n k a, Sobibor und Belzec, “Das ist Dr. Eberl”. Das Foto zeigt den SS-Offizier, der Treblink a einrichtete, freundlich laechelnd, in jedem Arm eine Krankenschwester. “Das sind Stangl und ich”. Dieses Foto gibt den Treblinka-Kommandanten Stangl mit der Peitsche in der Hand wieder, einen schmaechtigen Mann der von Franz am Eingang der Kommandanten baracke mit kraeftigem Lachen begrüsst wird. Es folgt ein Gruppenfoto von vier SS-Maennern am Lagereingang. Die Angeklagten identifizieren die Namen Bredow, Mentz, Müller und Hirtreiter. Mentz sitzt in Düsseldorf auf der Anklagebank. Hirtreiter wurd-d 1950 in Frankfurt verurteilt. Nach den beiden anderen wird noch gefahndet. Dieses Bild hat das Gericht erst vor zwei Tagen von einem Einsender erhalten, der es aus dem Besitz einer ehemaligen Freundin von Mentz bekommen haben will. Weitere Bilder spiegeln makabre Situationen wider. Füchse und Tauben erscheinen auf Fotos, die im Lagerzoo gemacht wurden. Wenige hundert Meter davon entfernt wurden mit grossen Baggern die Leichengruben ausgehoben. Aufgeschüttete Waelle sind zu sehen, die als Sichtblenden dienten. Da spricht der Angeklagte Rum in die Stille des Gerichtssaales hinein: “Das Fotografieren im Lager war verboten”. Das stimmt, wie eine Verpflichtungserklaerung des S S- und Polizei - führers in Lublin beweist. Dennoch wurde in Treblinka eifrig fotografiert. Der Lagerhund Barry, den Franz auf die Haeftlinge gehetzt, haben soll, erscheint auf zwei Bildern. Erst als die Staats anwaltschaft Lagerfotos aus einer polnischen Dokumentation vorführen laesst, die Gruben voller Leichen zeigen. wehren die ehemaligen SS-Unterführer ab. Das koenne nicht Treblinka sein, weil es dort in den Gruben keine bekleideten Leichen gegeben habe. Und Grubenholz habe man in jener sandigen Gegend auch nicht gehabt. Daran koennen sie sich genau erinnern. Trotzdem bleibt der Staatsanwaltschaft ein entscheidender Vorteil. Die hundert Zeugen werden es mit Hilfe der Bilder aus dem Fotoalbum von Franz leichter haben, die gealterten Ange klagten bei der Gegenüberstellung im Gerichtssaal zu identifizieren. Wo aber sind heute die hoeheren SS-Offiziere, die diese Treblinka-Mannschaft zusammenstellten . und die auch die Vernichtungsaktionen vom Sommer 1942 bis zum Herbst 1953 mehrmals inspizierten? Das Schwurgericht behandelt diese Frage ebenfalls wenn auch nur um der vollstaendigen Information willen. Der Lagergründer Untersturmführer Irmfried Eberl, nahm sich um Februar 1948. in Ulm das Leben. Vom Kommandanten des Arbeitslagers Treblinka, das vor der Einrichtung des Vernichtungslagers schon existierte, Sturmführer van Eugen, weiss man nur, das.« er in Düsseldorf war. Der Angeklagte Lambert, der die Gaskammern in Treblinka gebaut haben soll, traegt die groesste Ueberraschung bei; Lambert begegnete nach dem Krieg in Stuttgart auf der Strasse einem Mann, in dem er den SA-Standartenfuehrer Blankenburg wiedererkannte. Blankenburg lebte unter dem Namen Bielecke, bis er vor sechs Jahren unerkannt starb. Er gehoerte zu den Leitern des Euthanasie—Programms und spielte vermutlich auch bei der Vernichtung der Juden in Polen ei- Ine entscheidende Rolle. Lambert aber hatte keinen Anlass, ihn zu entlarven, denn der Angeklagte lebte damals gleichfalls unerkannt als Fliesenleger in Stuttgart. (“Semana Israelita”) ft -Banquetes Recepciones bei HochzeTen, Geburtstagen, Barmizwahs, etc. Werner Spiegel Irarräzaval 1232 Tel. 460755 “Bilde Dir nicht ein, dass Du allein im koeniglichen Palaste von allen Juden der Gefahr entgehen wirst; ziehst Du Dich jetzt zurueck, so wird den Juden von anderswo her Hilfe und Rettung werden; Du aber und Dein Vaterhaus, Ihr werdet zugrundegehen”. (Estherrolle IV, 13, 14) Diese Worte aus Megillat Esther, von Mordechai zur Koenigin Esther gesprochen, zeigen, dass selbst ein Mensch, der, vom Glueck beguenstigt, auf den Herrscherthron gelangt ist, sich nicht in absoluter Sicherheit wiegen und Bedrohung von Leben und Eigentum als undenkbar abtun duerfe. Selbst ein Dasein auf der Menschheit Hoehen, unter der Gnadensonne eines der Maechtigsten der antiken Welt, stellte etwas sehr Fragwuerdiges dar, und es ist die menschliche Groesse Esthers, dass sie in jenem kritischen Augenblicke, da sich ihr Volk in schwerer Gefahr befand, erkannte, wo ihr Platz sei, und dass sie das Risiko auf sich nehmen muesse, ungerufen zum Koenige zu gehen, einer Notlage gehorchend. Wenn sie dann zu ihrem Pflegevater spricht: “Geh hin und versammle alle Juden”, so will Esther damit ausdruekken, dass der gewagte Schritt nur dann Aussicht auf Erfolg haben koenne, wenn die gesamte Judenheit des Landes geschlossen hinter der Koenigin stuende. VERMIETE j ein moebliertes Zimmer sehr zentral gelegen, an berufstaetige Dame, mit Fruehstueck u. evtl, auch Mittagessen. Anfragen Tel.: 371560 RUBI JELEN Feine Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksachen Edif. Pza. de Armas Local 136, (entrepiso) Eingang MONJITAS 879 y 21 DE MATO 583 Telefon privat 54368 Dies ist eine der vielen Episoden aus der biblischen Estherrolle, die so haeufig ihre Aktualitaet erwiesen. Nur wenn Juden begriffen, dass es unklug und gefaehrlich ist, sich auf bestimmte politische und oekonomische Positionen zu stuetzen, die ihnen angeblich Sicherheit garantierten, konnte an die Rettung aus Gefahren gedacht werden. Oftmals, in frueheren Zeiten, sprachen verantwortungsbewusste Juden im Sinne von Esther und Mordechai zu ihren Stammes— und Glaubensgenossen, ohne Aufmerksamkeit bei ihnen zu finden. Zuweilen verstand man bei uns: Unsere Verteidigungsreden sind erfolglos und sinnlos, wenn nicht eine grosse Persoenlichkeit gleich Mordechai unsere Sache fuehrt. Unsere besten Prediger, Denker, Dichter und Wortfuehrer koennen nicht die judenfeindlichen Argumente entkraeften, wenn nicht das juedische Volk da ist, dessen Lebensfuehrung eine einzige Widerlegung der antisemitischen Angriffe bildet. Medinat Israel, der neue juedische Staat, ist ein solcher lebendiger Gegenbeweis fuer die Unwahrhaftigkeit der feindlichen Anklagen. Von Haman, dem Judenfeinde, sagen unsere alten Lehrer, dass er “ein Kuenstler der vieldeutigen Rede” gewesen sei. “Da ist ein Volk”, so sagt er zum Koenig Achaschverosch, “das ueber- |all zerstreut lebt”, (d. h., das kein Interesse am Wohnlande habe); “in allen Provinzen findet man sie”, was so verstanden werden soll, dass sie sich ueberall vordraengen wuerden. Und schliesslich: “Sie haben eigentümliche Gesetze". Was liegt da naeher, als dass man die persischen Staatsgesetze unbeachtet lassen und sich gegebenenfalls der Landesverteidigung entziehen wolle? Diese Beschuldigungen, geschickt formuliert, sind immer wieder gegen uns Juden vorgebracht worden. Auch sie zeigen die Echtheit und Weisheit der Estherrolle. Die Erzaehlung stellt ein Zusammentreffen von Umstaenden dar, an denen nichts Uehernatuerliches wahrgenommen werden kann. Kein unmittelbares goettliches Eingreifen wird erkennbar, aber gerade diese Natuerlichkeit im Ablaufe der Geschehnisse verleiht dem Buche seine besondere Bedeutung. Es ist, als ob die Juden lernen sollten, dass andere Zeiten, veraenderte Lebensbedingungen auch andere Beweise fuer die goettliche Hilfe erheischen wuerden. Nicht mehr, wie einst in Mizrajim, verwandelt sich Wasser in Blut und Licht in Finsternis. Vielmehr sollen die Juden erkennen, dass die Rettung innerhalb der geschichtlichen Ent Wicklung liege, dass Gottes schuetzende Hand sich auch im natürlichen Ablaufe der Begebenheiten offenbaren koenne. Das Wunder von Purim liegt im Willen zur Selbsterhaltung: Die juedische Existenz ist der sichtbarste Ausdruck vom Vorhandensein der goettlichen Wunderkraft. Esther und Mordechai waren entschlossene Menschen, deren politische Tatkraft von religioesem Geiste erfuellt war, und deshalb durften sie triumphieren. Und wir Juden ueberwanden alle Hamans unserer Geschichte und feierten immer wieder Purim zur Erinnerung an die Befreiung aus Not und Gefahr, die freilich manchmal erst im allerletzten Augenblicke erfolgte. Doch das juedische Weiterleben wird gewaehrleistet durch dieses Vertrauen auf die eigene Kraft und die Sammlung aller Juden zu gemeinsamen Aufgaben. Auch dies ist eine der ewiggueltigen Lehren der Estherrolle. Curt Wilk. RABBINER-BERUFUNG Die “Congregación Israelita de la República Argentina” (Libertad-Tempel), die aelteste und bedeutendste Gemeinde Argentiniens waehlte den aus Ungarn stammenden Rabbiner D. Jstvan Miklos Veghazi zu ihrem 2. Rabbiner, dessen Funktionen sowohl in der Unterstuetzung des Oberrabbiners Dr. Guillermo Schlesinger in seinen vielfachen Aufgaben als auch in der besonderen Betreuung der diversen Jugendgruppen liegen sollen. Rabb, Dr. Veghazi, der 42 Jahre alt ist, studierte von 1942 bis 1950 an der Landesrabbinerschule von Budapest und an der dortigen Universitaet. Seine Doktorarbeit schrieb er ueber das Thema “Die Geschichte des Antisemitismus im Altertum”. Er bekleidete dann mehrere Rabbinate, zuletzt in Budapest selbst, und entschloss sich vor 2 Jahren zur Auswanderung nach Brasilien (Belo Horizonte), von wo seine Berufung nach Buenos Aires erfolgte. c. w. Wir suchen Erstklassige Buerokraft und erbitten schriftliche Bewerbungen, die streng vertraulich behandelt werden von Damen und Herren, die die spanische und deutsche Sprache in Wort und Schrift perfekt beherrschen, Erfahrung in Bueroarbeiten haben und sich befaehigt fuehlen, Vertrauensposten auszufuellen. S.C.I. "B'ne Jisroel" Casilla 2487 514