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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-01-01 · 1 (Enero, 1965) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
1 (Enero, 1965)
Date
1965-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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ENERO 1865 BOLETIN INFORMATIVO 21 DEM KOENIG DER KANTOREN (ZUM 75. TODESTAGE VON SALOMON SULZER) Von OURT WILK Am 18. Januar sind 7ä Jahre vergangen, seit Salomon Sulzer im Alter von 86 Jahren die Augen fuer immer schloss. Da es, wie die Sachkundigen uebereinstimmend behaupten, einen Menschen seiner besonderen Art vor ihm nie gegeben hatte duerfte fuer i die Nachwelt, die sich gern an seinen religioesen Gesaengen, seinen “Nigüpim” erfreut, die Verpflichtung bestehen, dieses grossen Kantors zu gedenken. Im Jahre 1804 war Sulzer zur Welt gekommen in Hohenems (Vorarlberg), wohin der Urgrossvater nach einer allgemeinen Judenau s tr e ibung aus dem Wuerttembergischen gelangt war. Welch wunderbare “Heimattreue” der Juden: Aus Anhaengliehkeit an das Staedtchen Sulz, woher man gekommen war, aenderte man den Familiennamen Levy in “Sulzer” ab. Schon der kleine Salomon zeigte eine hohe Begabung fuer den Vortrag des Gebotes, und so konnte der Bärmitzwa an jenem Schabbai vor der Gemeinde als Vorbe ter fungieren. Man wollte ihn sogleich verpflichten, bewilligte ihm dann doch einen laenseren Ausbildungsurlaub, um bei dengroessten Kantoren der Zeit zu lernen, und dann, 18-jaehrig, war er Chasan der Gemeinde Hohenems. Vier Jahre spaeter, waehrend seiner Ferien, die er in Wien verbrachte, trat der Vorstand der dortigen Kultusgemeinde an den jungen Mann heran mit dem Wunsche, dass er das Amt des Oberkantors uebernehmen moege. Sulzer loeste seine Verbindung mit der Heimatgemeinde zum Segen fuer zwei Generationen juedischer Menschen, denn nun, von 1826 bis 1881, also fuer 55 Jahre, durfte er in der grossen Gemeinde Wien wirken, von welcher der Ruhm seiner glanzvollen Leistungen in die gesamte juedische Welt ausstrahlen sollte. Vom oesterreichischen Kaiser Ferdinand, dem Vorgaenger Franz Josephs, ist bekannt, dass er zuweilen in den Seitenstetten — Tempel kam, um dem gottbegnadeten Sulzer zu lauschen. Die Macht und Schoenheit der Toene in Sulzers bester Zeit, so berichten die Zeitgenossen, wirkte so verzaubernd, dass man sie geradezu physisch fuehlte. Doch neben der Vorbetertaetigkeit ging das Musikstudium weiter. Im Jahre 1841 ueberraschte Sulzer die juedische Welt mit einer Sammlung religioeser Gesaenge, die er unter dem Titel “Schir-Zion” herausgab; ein Vierteljahrhundert danach erfolgte ein zweiter Teil dieses imposanten Werkes, das zum unentbehrlichen Bestandteil der synagogalen Musik geworden ist. Man erzaehit von Sulzer, dass er, gleichsam “goettlich inspiriert”, einen eigenen heiligen Synagogenstil geschaffen habe. Der von ihm geschaffene Gottesdienst hat weitgehende Verbreitung gefunden, und die Kantorenwelt nahm seine Schoepfungen mit Begeisterung auf. Auch an hohen Ehrungen durch die nichtjuedische Umwelt hat es nicht gefehlt. Bis ins hoechste Greisenalter vermochte dieser Kantor seine Zuhoerer in eine heilige, dem Irdischen entrueckte, Sphaere zu fuehren. Sem Goldenes Amtsjubilaeum in Jahre 1876 war ein Festtag der Wiener Judenheit. Als er am 18. Januar 1890 starb, trauerte man ueberaü um diesen Grossen in Israel, und Oberrabblnsr Dr. Jelilnek soll ihm eine ergreifende Trauerrede gehalten haben, aus der folgende Saetze ueberliefert, sind: “Die Stimme, welche entzueckte, ueberwaeltigte, begeisterte, ist nun verstummt. Sie war das Echo einer inneren Stimme, eines Seelengesanges. Was Sulzer im Reiche der Toene geformt, gedichtet und umgestaltet hat, das bleibt, das klingt und singt durch das Abend- und Morgenland, durch die Alte und Neüe Welt, zu seinem ewigen Ruhme und zur Ehre des Judentums”. Genie der Menschlichkeit (ZUM 90. GEBURTSTAGE ALBERT SCHWEITZERS) Von CURT WILK “Genie der Menschlichkeit” nannte einmal der ungefaehr gleichaltrige Winston Churchill den grosen Arzt, Theologen, Philosophen, Musiker und vor allem den Menschenfreund Albert Schweitzer, der im fernen Lambarene, im tropischen Afrika, am 14. Januar das '90. Lebensjahr vollendete. Ueber diesen ausserordentlichen Menschen gibt es eine ganze Literatur, und vor einigen Jahren ist sogar ein Film geschaffen worden, der sich “Zwischen Eisass und dem Urwald” nennt, und die Geschichte eines Lebens einzufangen sich bemueht, das im Grunde die Erfuellung einer “Sendung”, einer Aufgabe, darstellt, die sich bis zu einem gewissen Grade mit derjenigen der altisraelitisch-juedischen Propheten vergleichen laesst, denn auch Albert Schweitzer ist zeitlebens der! grosse Warner vor dem Schlechten und Mahner zur Mensch lichkeit zur Naechstenliebe, gewesen. Der aeussere Ablauf dieses Lebens ist bekannt. Der Pfarrer und Theologieprofessor von dreissig Jahren, der Sachverstaendige fuer Orgelbau und Kirchenmusik, entsohliesst sich, Medizin zu studieren, um das Gotteswort nicht nur zu lehren, sondern im praktischen Leben zu verw i r k 1 ichen. Waehrend er lehrt, studiert er sieben Jahre lang, um Arzt, Chirurg, zu werden. Mit 38 Jahren ist er am Ziel und errichtet ln Lambarene sein erstes Hospital, dort, wo die primitivsten Menschen den schlimmsten Krankheiten ausgesetzt sind, wo dumpfer Aberglaube und Zauberei das Leben der Eingeborenen beherrschen. Und er beginnt unter unendlichen Schwierigkeiten, da er M i s s t r auen ueberwinden muss. Erst nach dem 1. Weltkrieg, der ihm Gefangenschaft und Entbehrungen bringt, kann er das Werk f o r tsetzen. Zwischendurch, in der Zeit zwischen 1920 und 1932, reist er nach Europa, um fuer Frieden und Voelkerversoehnung zu wirken, gefaehrüchen politischen und lebensverneinenden Philosoph i e e n entgegenzutreten. Als er dann, nach dem 2. Weltkriege, den er mit all seinen Warnungen nicht verhindern konnte, wiederum, um 1948, nach Europa kommt, findet er einen aus tausend Wunden blutenden Kontinent vor. Doch er richtet den Blick nach vorn, und jetzt begreifen ihn weit mehr Menschen als ehedem. Damals h a tte Albert Schweitzer auch eine Begegnung mit Leo Baeck, die ein Foto wiedergibt; zwei Grosse im Reiche des Geistes verstanden sich. Der Nobel-Friedenspreistraeger von 1953 begruesste auch die Errichtung des Staates Israel mit Freude, weil er, glaeubiger Christ und Kenner der Bibel, um die ewigen Gesetze weiss, und weil ihm Wiedergutmachung von Unrecht als eine der edelsten Lebensaufgaben gilt. Auch gegenwaertig, inmitten des “Kalten Krieges”, richtet Albert Schweitzer den Blick auf die Menschen guten Willens, von denen er erwartet, dass sie eine bessere Welt hersteilen werden. Curt Wilk I Das bekannte RESTAURANT BELLEVUE (im Edificio Astor Kino) Huérfanos 886 Fono 392034 Piso 12 empfiehlt seine gute Kueche. “Narben bleiben zurueck” (ZUM TODE PROF. PAUL ROSENSTEINS) Kuerzlich verschied in Rio de Janeiro in seinem .89. Lebensjahre der ehemalige aerztliche Direktor des Krankenhauses der Juedisehen Gemeinde zu Berlin, Prof. Dr. Paul Rosenstein, der internationalen Ruf als Chirurg. Urologe und Krebsforscher besass. Bis ins hohe Alter hinein wurde dieser grosse Borscher zu Konsultationen hinzugezogen. Vor etwa 10 Jahren hatte Prof. Rosenstein unter dem Titel “Narben bleiben zurueck” seine Lebenserinnerungen veroeff entlieht, die so wohl einen Beitrag zur Kulturgeschichte der deutschen Juden bilden, als auch die unendliche Tragik eines Juden zeigen, der seinem Geburtslande sehr bedeutende Dienste in Kriegs- und Friedenszeiten geleistet hatte. (Im ersten Weltkriege ist er Stabsarzt gewesen). Rosenstein, dessen Vater etwa 45 Jahre lang als Rabbiner der Gemeinde Graudenz gewirkt hatte, war nicht nur ein grosser hilfsbereiter Arzt, sondern auch ein guetiger Mensch mit Freude an der Natur und Sinn fuer aiies Schoene und Wahre, So stellen seine Memoiren auch interessante Begegnungen mit anderen beruehmten Aerzton (Bier, Sauerbruch), mit Schriftstellern und Buehnenkuenstlern (Albert Bassermann u. a.) dar. Die Nazis liessen den genialen Chirurgen in den ersten Jahren unbehelligt, zwangen ihn aber dann doch zur Emigration, die ihji schliesslich nach Brasilien brachte. Die Erinnerung an die Schwere der Jahre nach 1933 ist in seinem Buche etwas verblasst, doch die Rueckschau auf das eigene Leben macht deutlich, dass Narben zurueckblieben. Die Erzaehlung dieses Menschenlebens sollte jetzt abermals von allgemeinem Interesse sein. CURT WILK. 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