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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-01-01 · 1 (Enero, 1965) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
1 (Enero, 1965)
Date
1965-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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ENERO I960 BOLETIN INFORMATIVO 19 -EJ GEDANKEN M ZWISCHEN 2 UND i AUF U Ein Fahrstuhl ist ein aufschlussreiches Verkehrsmittel. Vom gemuetlichen Paternoster hat er sich durch den himmelstrebenden Hochbau zur Notwendigkeit entwickelt, die ihm Form, Ausstattung, ja Luxus erlaubt und ihn zu einer Selbstverstaendlichkeit gemacht, ueber die kein Mensch mehr nachdenkt. Es gibt ihn in ueb e r e 1 e g ant, hochfahrend arrogant und flott, selbstsicher und fast beaengstigend tuechtig. Eine Panne ist diesem Typ kaum zuzutrauen. Gera eüschlos, unerbittlich und viel zu schnell, schliessen sich seine hydraulischen Tueren, man steht, hilflos gefangen, seinem Mechanismus ausgeliefert, innerhalb seiner glaesernen und metallischen Perfektheit, alleine zwischen Himmel und Erde, oder in drangvoller Enge, hoffend, gut und sicher im ... zigsten Stockwerk ausgespieen zu werden. Ein leiser Angstmoment lebt dabei in Jedem, selbst dem tapfersten Fahrer. In den meisten Faellen kommt man heil an. Dann gibt es den knarrenden, wackelnden, stoehnend langsamen Typ, der sich in 'Schneckentempo m u e hsam durch den Schacht arbeitet, auf halber oder viertel Hoehe aechzend stehenbleibend und prompt im gleichen Moment wieder nach unten schleichend, in dem man mit brechenden Naegeln versucht, seine verklemmten Tueren zu oeffnen. Man sollte immer ein kurzes Gebet sprechen, bevor man ihn betritt. Eilige Leute ziehen vor, ihn mit Verachtung zu strafen und das Treppenhaus mit eigener Kraft zu bezwingen. Meistens kommen sie vor dem Klapperkasten oben an. Elin Fahrstuhl erzaehlt recht Aufschlussreiches von. den Hausbewohnern und ihren Besuchern. Man sieht ihm an, ob er einem kinderreichen Hause dient, ob ruhige, aeltere Leute ihn benutzen, ob viel oder wenig Betrieb um ihn herum herrscht, sogar, ob im Hause starke Raucher wohnen. Erstaunlich, ja raetselhaft ist es, wieso so viele Liftbenutzer Bleistifte, Kreide oder Kratzinstrumente zur Hand haben, um ihre kurze Reise nach oben oder unten zum Austoben ihrer pseudokuenstlerischen Gelueste zu verwenden. Man koennte den Fahrstuhl die Visitenkarte eines Hauses nennen: Gepflegt, hell, soigniert, oder b e s c hmutzt, unappetitlich und dunkel, laesst er auf die Kategorie des Hauses schliessen. Dass die feudalen Schilder; “Nur fuer Herrschaften“ und “Fuer Bedienstete“ den Text gewechselt haben oder total verschwunden sind, beweist, dass auch der Aufzug sich der sozialen Weltrevolution angeschlossen hat. Im Fahrstuhl lernt man Menschen kennen, oder besser gesagt, erkennen. Hastig, unpersoenlich, brutal sich Bahn schaffend, zwaengt ND AB sich der Egoist in den Raum. Breit und selbstsicher pflanzt er sich vor die Tuere, kaum Notiz nehmend, wenn ein Mitfahrer ein- oder aussteigen will. Einer Dame den Vor tritt zu geben, kommt ihm nicht in den Sinn, er waere eher imstande, sie beiseite zu stossen. Eigenartigerweise ist er meistens gross und dick. Der komplexierte Schuechterne betritt zoegernd den Lift. Er verkriecht sich in eine Ecke, wird von Seite zu Seite geschoben, steht immer ganz hinten und kann sich dann kaum Gehoer verschaffen, wenn er hinter einem breiten Ruecken um freien Weg zum Aussteigen bittet. Er faehrt oft in ein ganz anderes, als das gewuenschte Stockwerk -und muss dann Treppen suchen und steigen. Der Fahrstuhlfuehrer gibt ihm selten Auskunft auf seine gestammelten Fragen. Oft traegt er ein uaberlebensgrosses Paket, das natuerlich jeden stoert; er hat nie die Sympathie seiner Mitfahrer. Aus Verlegenheit schwitzt er stark. Die schoene, eitle Frau betritt selbstbewusst den Lift und findet immer Platz, auch wenn er gedraengt voll erscheint. Die Maenner verstummen bei ihrem Erscheinen und greifen sich an die Krawatte. Ist sie in Begleitung oder trifft sie —da sie Gott und die Welt kennt— Bekannte, spricht sie laut und ruecksichtslos ueber alle Koepfe hinweg, als waere niemand anderes anwesend. Gleich Vasallen winkt sie Stoerende aus ihrem Weg, wenn sie auszuste igen wuenscht, eine Wolke von Parfüm hinterlassend. Wie einem fliegenden Tennisball folgen ihr die maennlich-interessierten und weiblichneidischen Blicke und selbst die schweren Tueren scheinen sich zoegernd ¡hinter ihr zu schiiessen. Kichernde Backfische treten meist in Scharen auf; sie bringen Laecheln und frische Luft in die schale Atmosphaere eines Fahrstuhles. Sogar der immer stumpfe “Operator” riskiert ein Grinsen und bedient mit mehr Schwung seine Hebel. Jungen in Massenauftritt sind wesentlich weniger beliebte Fahrgaeste. Ihre Stimmpotenz ist bewunderungswürdig, aber anstrengend. Der Fahrstuhlfuehrer ist eine Kategorie Mensch fuer sich. Staendig im Halbdunkel, immer in verbrauchter, abgestandener, schaler Luft, wird auch sein Charakter, sein Ehrgeiz, abgeblendet und stumpf. Zwischen Fahrt und Fahrt sitzt er verkrampft auf zu kleinem Klappsitz in schlechtem Licht, Schundbuecher lesend, ewig und ungern die gleichen Fragen beantwortend. Auf und ab, in geisttoetender Gleichheit, in steter Bewegung und trotzdem am Platz klebend, ohne Blickweite, ohne Neuigkeit-Schock, stumpfer Herr ueber Hebel und Knopf, Hebel und Knopf, auf und ab, auf und ab. Wenn ein Fahrstuhl doch wenigstens auch einmal seitwaerts fahren koennte. Zu Gespraechen feht ihm, dem Lenker, die Zeit, da seine eventuellen Partner nur kurze Spannen mit ihm verbringen und die immer ungeduldig schnurrende Klingel ihn weiterruft. Zum naechsten Stock, zum naechsten und naechsten, aussteigen, einsteigen, halt und weiter, aufwaerts und abwaerts in stumpfsinnigem Gleichmass. Die Klingel — ein Kapitel fuer sich. Man tritt an die Fahrstuhltuer und betaetigt den Klingelknopf, egal ob zwei oder drei, ob zehn Leute warten, von denen bestimmt jeder schon gelaeutet hat. Da man keinerlei B e s t a e t igungslaut hoert, drueckt man ungeduldig wieder und wieder auf das gemarterte Instrument, als koenne man damit den sturen Lauf des immer eilig benoetigten Lifts beschleunigen. Nuetzt (nach unserer intoleranten Idee) ein Klingelzeichen nichts, betaetigt man saemtliche anderen Knoepfe saemtlicher anderer Fahrstuehle, egal, ob sie Auf -oder Abwaerts -Wunsch bedeuten. Im Innern der Kabine hoert das Schnurren nicht auf, wovon allerdings der abgestumpfte Herr ueber die Vertikal-Bewegung herzlich wenig Notiz nimmt. Die Eile seiner kurzfristigen Gaeste ist ihm voellig gleichgueltig; er steigt und faellt in sturer Ruhe. Sehr nervoese Menschen sollten vielleicht eine Z e i tlang Fahrstuhlfuehrer spielen; eventuell wirkt das so beruhigend wie fischen. Eine erfrischende Therapie. Ein fuehrerloser, zwischen Stock werken geklemmter Lift, dessen Lichter durch die Panne ausgegangen sind, laesst recht schnell diskret verborgene Charakterzuege seiner aengstlich werdenden Gefangenen erscheinen. Da gibt es immer einen, der persoenlich beleidigt ist, dass gerade ihm, mit seinen tollen (politischen, sozialen) Verbindungen so etwas passieren muss; er droht mit dem Gesetz und schnaubt indigniert durch die politisch oder sozial liierte Nase. Vorher kesse Leute werden mucksmaeuschenstill und bekommen angsterfuellte Augen. Mit viel “Ay-Ay-Ay” wenden sich Froemmlinge an den Gott der Fahrstuehle, ihm alles Moegliche (und nachher V e r g essene) versprechend, wenn er sie nur schnell erloest. Zur schreienden Panik kommt es meist erst nach der ersten halben Stunde. Eine beherzte Frau rettete einmal die peinlich werdende Situation, in der es nichts anderes zu tun gab als abzuwarten, indem sie ihre Mitgefangenen singen liess, bis der sowieso nie zu erreichende Hausmeister sie nach eineinhalb Stunden hoerte. Die sonst so beruhigende A1 a r mklingel funktioniert naemlich bei einer Vollpanne auch nicht. Zwischen dem dadurch verlaengerten Liederrepertoire liess sich jene Dame von ihren Leidensgenossen deren Lebensgeschichte erzaehlen, die nicht absolut stimmen musste, aber recht amuesant war. Man trennte sich spaeter als gute Bekannte, etwas verlegen, ob der durchgestandenen Angst, Drohungen, Versp rechen, Schwaechen vergessend, jeder ein Held und Retter. Noche heute, nach, Jahren, laechelt man sich auf der Strasse zu. Im allgemeinen sind Fahrstuehle wesentlich weniger gefaehrlich, als -beispielsweise Autos, denen man als Mitfahrer bedenkenlos sein Leben anvertraut. Von einem Zusammenstoss zweier oder mehrerer Lifts hoert man selten. Brav bewegt sich das mobile Zimmerchen in seinen vorgeschriebenen Bahnen; nur krasse Stoerungen koennen es zum Streik veranlassen. Glitzernd und faehig folgt es dem Knopfdruck, nur selten hat es Mucken, beweist es Eigenleben. Dass es sich gelegentlich einen kleinen Privatscherz erlaubt, macht es nur sympatisch; es bittet dadurch um Bemerkung, um Anerkennung seiner rastlosen Taetigkeit, die mit egoistischer Selbstverstaendlichkeit in Anspruch genommen wird. Waere der nunmehr so viel besprochenen Auf-und-Ab Bewegung menschliche Regung eigen, wuerde sie wohl mehr als einmal sich ins metallische Faeustchen lachen und ihre hetzenden Ausnutzer in den oberen Stockschichten braten lassen und sie an ihre von Gott gegebenen Beine erinnern. Wir armen mechanisierten Modernen haben manchmal vergessen, dass sie, ausser zum bequemen Ueber einander schlagen, auch zum laufen geschaffen wurden. | Aber wer wuenscht sich schon einen seelenvollen Aufzug, der einem eine Nase drehen koennte, wenn man im 25. Stock wohnt. K...g LILIANETTE IN ISRAEL Wieder einmal war Lilianette in Israel, wieder einmal hat sie das dortige Publikum erobert. Wir bringen nachstehend einen Aufsatz ueber ihr Auftreten in Tel-Aviv, unterzeichnet von dem bekannten Kritiker J ul l u s Sachs. Sie ist wieder das Stadtgespraech — und mit kesser Grazie und dem "gewissen Etwas”, wirft sie einem amuesierten Publikum ihre Pointen ins Parkett. Es hat alles Pfiff und Ausstrahlung, ob sie ein musikalisches “Wirtschaftswund erki,n fi” zeigt, ob sie die leichtsinnige Rosemarie in roter Peruecke zwar karikiert, aber ganz lebensecht darstellt ob sie eine boehmische Polka am Klavier hopst und dazu tschechisch in melodioeser Diktion ’’radebrecht”, aehnlich wie einst Pallenberg in der Komoedie “Familie Schimek”. Und wie bringt sie ihre Witze und Wortspiele. Man ist fasziniert von der Fuelle der Einfache, Welche minutioese Uebereinstimmung zwischen Wort, Mimik, Gebaerde, Spiel. Welche geistige Konzentration, welch nervliche Anspannung beherrscht diese interessante Frau, die einen wunderbaren Flair dafuer hat, was das Publikum von ihr hoeren will. Welch optischer Genuss, ein jedes ihrer Kostueme, wie fesselnd das komoediantische Spiel, bis zur Persiflage der heutigen Frau und des Mannes von heute, ihrer Ehe, ihrer Kauzigkeit, ihres Sex, ihrer Manieren und wieso, ja und warum es eben auf die Beine ankommt, fragt sie. Aber das alles muessen Sie selbst hoeren und sehen. Es laesst sich nicht beschreiben. Kappelmeister Eli Rubinstein war ein vorzueglich-er Begleiter, genau auf den Chansonstil abgestimmt und steuerte mit gutem artistischem Geschmack ein paar moderne Einlagen am Fiuegel bei. JULIUS SACHS NHNA BSiiSPi i&LwiwvW’ •*häiä!£ FCO. NOGUERA 32

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