Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-12-01 · 12 (Diciembre, 1964) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
12 (Diciembre, 1964)
Date
1964-12-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8553624-8559039-9194605--4386-8559334
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

DICIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO 17 Ein neuer juedischer Beitrag zur Goetheforschung (RICHARD FRIEDENTHAL: GOETHE, SEIN LEBEN UND SEINE ZEIT) Bei Piper & Co., Muenchen, hat der juedische Literaturhistoriker Richard Friedenthal eine Goethe-Biographie hv.rausgebracht, die eine Luecke schliesst, die seit langem bestand: Hier ist, unterstuetzt durch eine reichhaltige Dokumen t e nsammlung, Goethes Leben erzaehlt und die Entstehung des Gesamtwerkes ln einer Form die zugleich die verschiedenen Zeitepochen wiedergibt und deren bewegende Kraefte, in die Goethes Leben hineingestellt w a r. Hier gibt es keine “Entzauberung” des Menschen, weil genug des Zaubers bleibt von diesem einmaligen Leben mit seinen Hoehen und Tiefen, das ein Dasein voller iWidersprueche und Gegensaetzlichkeiten gewesen ist. Friedenthal hat diese grosse literarische Leistung in 44 Kapitel aufgeteilt; mehr als andere Biographen vor ihm spuert er verschlungenen Pfaden nach und bringt Licht in Vorgaenge die etwas im Dunkel lagen mindestens wenig beacntet wurden. Hier sollen, unter diesen Gesichtspunkten, das “Friederike-Schicksal”.^ die Anfaenge der Ministerzeit in Weimar, Goethe im Felde, sowie de§ Dichter'' Haltung waehrend der Revolution und der napoleonischen Epoche besonders hervorgehoben werden. Mit unendlicher Liebe und Geduld gibt Friedenthal Kleimalerei, die wie ein spannender Zeitroman fesselt. Die besondere Beziehung Goethes zur Natur wird mit Ueberzeugungskrafti (behandelt. Die Bewunderung fuer Linne bildet den Ausgangspunkt dieser ¡Batrachtung. wie der Naturforscher Goethe zu den “Beitraegen zur Optik” gelangte, dann zur "Farbenlehre”, ist meisterhaft erzaehlt. Im Schreckens, jahr 1791 erwaehnt Goethe die Weltgeschehnisse mit keinem Wort, sondernschliesst Studien ab, die spaeterhin von der Wissenschaft als Beitraege zur natu r w issenschaftliohen Erkenntnis anerkannt werden. Friedenthal bemueht sich, klarzumachen, dass Mensch und Werk, Leben und Leistung Goethes sich letztlich [¡zu einer Einheit zusammen- 1 schliessen. Wie das dichterische Werk durch viele Schichten der geistesges c h i chtlichen Entwicklung hindurchfuehrt, zeigt dieser biographische Roman an einer Fuelle von Beispielen. In diesem Jahre 1964, da eine der erhabensten Dichtungen Goethes, ‘'Der West- Oestliche Divan”, auf ihre 150-jaehrige Entstehung zurueckgeht, sei auf die Schoen heit dieses Buchabschnittes besonders hingewiesen, welcher die Verbindung mit Marianne von Willemer und das Erlebnis der “Gerbermuehle” vor dem Leser neuerstehen laesst. Diese Goethe-Biographie ist eine befreiende Tat, die einen neuen Zugang zum Gesamtschaffen des Dichters oeffnet. Vielleicht musste Friedenthals juedisches Erleben, das Schicksal der vergangenen zwei, drei Jahrzehnte unserer Epoche, hinzukommen, um ein solches Buch schreiben zu koennen. CURT WELK LUDWIG PHILIPPSON (1811-1889) TODESTAGE DES GELEHRTEN) (ZUM 75. Ludwig Philippson, dessen 75. Todestag auf den 29. Dezember faellt, war eine der grossartigsten Erscheinungen des Judentums im 19. Jahrhundert. Er stammte aus Dessau, wo er am 22. Dezember 1811 zur Welt kam. Dort, unter dem Vater des “alten Dessauer”, durfte sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts abermals eine juedische Gemeinde bilden, die bald darauf der juedischen Welt einen Grossen, den geistigen Vater der Emanzipation, Moses Mendelssohn (geb. 1729), schenken sollte. Sein geistiges Erbe wurde von Ludwig Philippson erneuert und vertieft. Diesen Mann hatte seine eigentliche Lebensarbeit nach Magdeburg gefuehrt, wo er ungefaehr durch drei Jahrzehnte als Gemeinderabbiner wirkte. Er war ein hochbegabter Kanzelredner und schuf als erster in Deutschland einen Gottesdienst mit regelmaessiger Predigt und eine besondere juedische Religionsschule. Aber Philippson wurde auch zum “Vater des juedischen Journalismus”. Im Jahre 1837 begruendete er die “Allgemeine Zeitung des Judentums”, die, mit einem hohen Niveau, bis in den Ersten Weltkrieg hinein existierte, aber in den letzten Jahren einen mehr und mehr assimilatorischen und antizionistischen Charakter iannahm. Ferner stiftete Philippson eine “Israelitische Bibelanstalt", die es sich zur Aufgabe machte, aus dem juedischen Kreise die damals beliebten Bibeln der Missionsanstalten izu verdraengen. Er selbst schuf zwischen 1841-1854 eine Ueb e r t r agung der Heiligen Schrift, die lange im Gebrauch war. Ein Vertreter “gemaessigter Reform”, huetete er sich vor radikalen Loesungen in Fragen der religioesen Tradition. Als Kaempfer fuer die Gleichberechtigung der deutschen Juden trat er vor Koenig Friedrich Wilhelm IV. von Preussen mit Nachdruck und Wuerde auf, ebenso gegenueber der reaktionaeren “Landratskammer”. Zu dem Gesetz von 1869, das fuer die Juden einen Fortschritt in Bezug auf Emanzipation darstellte, hatte Philippson durch seine Aktivitaet wesentlich beigetragen. Auch fuer die entrechteten Juden in der Welt (Russland, (Ungarn, Pogrom von Damaskus 1840) setzte er sich energisch ein. Seine “Israelitische Religionslehre” sollte der juedischen Wiedergeburt auf historischer Grundlage dienen und die “Lehranstalt fuer die Wissenschaft des J u d entums”, die liberale Rabbinerhochschule zu Berlin, verdankt ihm zum erheblichen Teil ihre Entstehung. Ludwig Philippson war ¡ein vornehmer, tiefglaeubiger, Mensch. Aus der Zeit heraus sind sein “Vaterlaendisches Bekenntnis” und sein Glaube an die Synthese “Deutschtum-Judentum” i zu erklaeren. In den “Bene Berith-Lo. gen” sah er die grossen Menschheitsideale teilweise verwirklicht. In seinem Geiste wurde zu Bonn eine “Ludwig Philippson-Loge” geschaffen. Die ewigen Gedanken , der israelitisch-juedischen Propheten begleiteten ihn bis an sein Ende, das von der gesamten juedischen Welt beklagt wurde. CURT WILK EIN WORT AN UNSERE S OEHNE Von Hans Silber (Montevideo) Du lebst; Du atmest; .schreitest frei daher, Du kennst nicht Furcht noch angstverzerrtes . (Buecken Vor roher Willkuer, keine Nacht wird mehr Der Menschen Wuerde straflos unterdruecken. Du schaffst; Du erntest Deiner Muehe Lohn, Denn Deine Welt ist nicht von Hass vergiftet. Das Wort der Menschen traegt der Guete Ton, Die Liebe kuendet und die Frieden (stiftet. Du weisst nicht mehr und Du begreifst es kaum Dass man uns Juden wie das Vieh behandelt. Weit hinter Dir liegt —ein verblasster Traum— Das dunkle Grauen, das die Zeit gewandelt. Ein .Schatten nur ist die Erinnerung, Laesst sich das Leid, mein Sohn, nach Jahren (messen? Dein Fruehling wartet, Du bist stark und jung, Du blickst nach vorn — wir koennen nicht (vergessen. E2 KUNST UND LITERATUR RUECKBLICK UND AUSBLICK Von der CENTRA erhalten wir folgenden Artikel: Was brachte uns der Kongress in Sao Paulo und wie steht es um die praktische Verwirklichung alles dessen, was in den Referaten und Diskussionen von seiten der aelteren und jungen Menschen zur Sprache kam? Gundsaetzlich sind es doch immer zwei Gruppen von Menschen, die zu den Problemen Stellung nehmen, die Theoretiker und die Praktiker. Natuerlich koennen diese erst Stellung beziehen, wenn sie die prinzipielle Situation im suedamerikanischen Judentum von heute nach allen Richtungen hin diskutiert haben. Keiner der Teilnehmer des Kongresses in Sao Paulo haette behaupten koennen zur Aussprache, zur Diskussion nicht genuegend Moeglichkeiten gehabt zu haben. Wir sprachen von der Zeit Und den Laendern, die schon Jahrzehnte hinter uns liegen, von der uns mitgegebenen Erziehung im juedischen und allgemeinen Sinne, und wir gelangten so in der Diskussion zu unseren heutigen Problemen, zu den Fragezeichen, die uns unsere Jugend stellt und zu den zukünftigen Wegen, die unsere Gemeinden gehen sollen und gehen muessen. Vielleicht haben wir in den heissesten und umstrittensten Debatten zwar alle an den Faktor Zeit gedacht, aber seine wirkliche Auswirkung auf die Probleme der Zukunft nicht richtig bewertet. Sicher gibt es Fragen, bei denen es besser ist, das beruehmte “laissez faire” gelten zu lassen, aber ebenso sicher gibt es Situationen, die man nicht unter diesem Aspekt sehen darf. Die vergangenen Jahre haben uns viele Dinge erkennen lassen, wo Eile not tut, und auch wo es nicht notwendig ist, die Dinge , zu beschleunigen, aber eins steht fest und gerade das haben saemtliche Referenten und Diskussionsredner in der einen oder anderen Form zum Ausdruck gebracht: gluecklich. die Gemeinden. die in den vergangenen Jahren dem Begriff der “lateinamerikanischen Gemeinde” entscheidend nahe gekommen sind, oder sogar ihre V e r w i rklichung erreicht haben. Und hier, an diesem entscheidenden Punkt darf nicht gezoegert werden. Schon reichlich Zeit ist verloren gegangen, aber hoffentlich nicht unwiederbringlich verloren. Vieles, was zu diesem Fragenkomplex gehoert, wurde vor Wochen in einem Artikel von Erich Stern, der wie wir in Sao Paulo feststellen konnten, auch in den anderen zu uns gehoerenden Gemeinden gelesen wurde, erwaehnt, und man darf sagen, dass diese Aeusse. rungen schon mehr ein Programm darstellten. Zu unserer grossen Befriedigung sind diese Gedankengaenge nicht nur gebilligt sondern begruesst worden, und es liegt nur an uns, ihre ¡Verwirklichung herbeizufuehren. Einen erheblichen Zeitraum nahm auf dem Kongress die Diskussion, man muesste sagen, die immer wiederkehrende Diskussion ueber die Frage ein, wo stehen unsere Gemeinden im juedischen Leben, in unserer Einstellung zu Israel und zur Galuth. Am Anfang dieser Schilderung war die Rede von Theoretikern und Praktikern. Der letztere sagt: “Weniger Worte und mehr Taten”. Er sieht und will auch zum Glueck nicht die vielen wenn und aber sehen, die der Theoretiker immer glaubt anfuehren zu muessen. Fuer uns als Juden, fuer unsere Gemeinden und Organisationen liegt der Weg, bei verantwortungsbewusstem und nicht verklausuliertem Denken, in der Mitte. Es ist der Weg des gesunden Menschenverstandes, der einzige der sich dem vernuenftigen Menschen bietet. Er heisst nicht hier Israel, hier Galuth, sondern er heisst fuer Israel und fuer Galuth. Fuer unser Land Israel, fuer das nun mal unser Herz schlaegt, aber auch fuer diese Laender, die uns aufgenommen haben, wie wir in Not waren, in denen wir heimisch geworden sind, in denen unsere Kinder Familien gruenden und ihr Leben aufbauen. Lassen wir ab von Tuefteleien und zu vielem Philosophieren. Geben ^wir unsere_Kraefte fuer positive, produktive Mitarbeit an den Aufgaben, die juedische Gemeinden und Organisationen zu erfuellen sich Verpflichtet haben. Erziehen wir die Kinder zu juedischen Menschen, die wenn sie eines Tages es fuer richtig halten, ihren Weg nach Israel gehen, erziehen wir sie aber auch zu Menschen, die wissen was Pflichterfuellung, was Ethik im beruflichen Leben und letztlich auch was Naechstenliebe bedeutet. Diese Auszehrungen scheinen mir nach den Tagen in Sao Paulo notwendig. Viele gut gemeinte V o r s c h 1 aege und Ideen gingen in persoenlichen Missverstaendnissen unter, subjektive Beurteilungen glaubten manche ueberbewer. ten zu muessen. Ueberdenken und Gedankenaustausch hat es reichlich gegeben. Wir stehen in der CENTRA vor zwei neuen Arbeitsjahren, in denen wir wiederum bemueht sein werden, unsere Arbeit zu leisten, zu intensivieren und zu verbessern. Richten wir unsere Aufmerksamkeit ' auf die Verwirklichung unserer Plaene und verbringen wir nicht die Zeit mit nutzlosen Haarspaltereien. Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Arbeit schon lange genug um zu wissen, wie sehr wir letztlich alle das Gleiche wollen. HANS LESCHNITZER

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.