Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 10 (Octubre, 1964)
- Date
- 1964-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8559039-9194601--4320-8559270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
OCTUBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO 5 JASAGEN ZUM JUDENTUM PRODUCTOS DE CotdunwjJ SOMMIERES REVESTIDOS DE MANIO, VARIOS MODELOS 'XX/vVXZ CAMAROTES METALICOS SU PER SOLI DOS.' VARIAD OS V ATRACTIVOS COLORES. SOFA CAMA .CONVERTIBLE EN DOS CAMAS O EN UNA DOBLE. MODELO 'SIMBO" EXCLUSIVIDAD DE COLCHONES RECORD EXIJALOS en las mejores tienoas. VISITE LA EXPOSICION PERMANENTE EN LAS I ¡ DALIAS 3237-FSN0 499407 MEDIDAS ESPECIALES.! Seseares BWt-' Nur fuer wenige Tage, vom 5. bis 8. Oktober, weilte Professor Fritz Bamberger, in Ohile. Professor Bamoerger besuchte im Auftrag der centra die Gemeinden Lateinamerikas, und hat auch am Kongress dieser Institution in Sao Paulo teilgenommen. Unser Gast ist den Lesern des “B. I.” kein Unbekannter. Aus Frankfurt am Main stammend, doktorierte er in Berlin und besuchte dort anschliessend die “Hochschule fuer die Wissenschaft des Judentums”. Nach einem brillanten, durch die Nazizeit unterbrochenen Beginn seiner akademischen Laufbahn als Dozent und Bibliothekar an der “Hochschule fuer die Wissenschaft des Judentums” und als Leiter des juedischen Lehrerseminars in Berlin, emigrierte er 1939 nach den Vereinigten Staaten wo er heute am “Hebrew Union College — Jewish ¡Institute of Religion” lehrt. Er ist Vize-Praesident des “Leo Baeck Institut” und Mitglied der Exekutive des “Frank L. w^ill Institute for Studies in Religion and the Humanities”. i 'Nachdem er am Vormittag die juedische Schule besucht hatte, ivon der er ausserordentlich beeindruckt war, sprach Professor Barnberger am Abend des 6. Oktober, nach einer kurzen Begruessungsansprache des Presidenten der Gemeinde, Dr. ,Hans Reich, vor einem aussergewoehnlich interessierten Auditorium im grossen Saal der SCI ueber ‘-Probleme der juedischen Erziehung”. LERNEND LEHREN Einer ’ der wichtigsten Punkte seines Vortrages, der auch zu denen gehoerte, welche die Tonika einer spaeteren Unterhaltung bildeten, die unser Besucher dem Verfasser dieser Zeilen gewaehrte. war die Frage der Erwachsenenbil düng. Professor Bamberger hatte in ¡seinem IReferat geschildert, wie das Problem, der Jugend juedisches Wissen zu vermitteln, in einem kleinen Ort der USA. geioest wurde,- dort wurde die rosenzweigsehe Lehrhausmethode angewandt: lernend lehren. So war man dort verfahren. Mitglieder der Gemeinde, Laien — Aerzte, Anwaelte, Kaufleute — hatten sich mit dem Rabbiner zusammengefunden, um gemeinsam juedische Angelegenheiten zu besprechen, sich Antworten auf allgemeine juedische Fragen zu erarbeiten. Nicht als Selbstzweck, sondern um die so gewonnenen Kenntnisse an eine Jugend weiter zu geben die im Begriff war, dem Judentum verloren zu gehen. Und auch in unserer spaeteren Unterhaltung | kamen wir immer wieder gerade darauf zurueck: “Dies ist nicht mein erster Besuch in Lateinamerika, wenngleich es das erste Mal ist, dass ich in juedischer Mission komme. Ich sehe heute eine starke Entwicklung juediischen Gemeinschaftsgeistes. Damals sprachen i juedische Menschen als individuelle Juden. Diesmal, soweit ich das beurteilen kann, fuehlen sie sich in weitaus staerkerem Masse als frueher, als Angehoerige einer juedischen Gemeinschaft”. Und nun folgt die Frage an den Zuhoerer und an 'sich selbst: “Aber wieweit ist diese Gemeinschaft in sich gefestigt, wieweit ist die Zukunft gesichert?”. Das Interview wird zum Dialog, nicht nur wir fragen, sondern wir werden befragt, und es ist erstaunlich, wie jede Antwort sofort ueberlegt, sogleich verarbeitet wird.. ‘ Es herrscht im nordamerikianischen Judentum .eine bedauerliche Unkenntnis ueber die Gegebenheiten der Gemeinden in Lateinamerika...”. und auch wir muessen unsererseits zugeben, dass es bei uns nicht anders aussieht. Gemeinsam wird ueberlegt. Ein Austausch gefestigter, im juedischen Leben stehender Menschen waere eventuell angebracht; nicht um kritiklos zu uebernehmen, nicht um anderen etwas aufzudraengen .sondern um zu lernen, um Erkenntnisse zu gewinnen, um einander zu verstehen. So koennte vielleicht ein gemeinsamer Weg erarbeitet werden. Und ln uns taucht der Gedanke auf, ob dies nicht moeglic h e r w e ise eine Aufgabe fuer die Centra waere, fuer eben diese Centra in deren Mission uns Herr Professor Bamberger besucht. Mit Israel besteht schon ein solcher Kontakt, hat ihn die Centra auf dem Weg ueber die Jugendbewegung, den Jazit Noar, gefunden. Aber unsere Gemeinschaften liegen auch in der Attraktionszone der USA und was dort geschieht, geht uns sehr nahe. Wir muessten lernen, wie dort Juden juedische Probleme zu loesen versuchen... Lernend lehren... wie das Leitmotiv einer Wagner-Oper taucht dieser Satz immer wieder auf. DER ARBEIT EINEN INHALT GEBEN Viel war in dem Vortrag Professor Bambergers von der Notwendigkeit der Bindung die Rede gewesen. Von der Bindung an juedische Tradition, an juediscne Menschlichkeit, und auch von der. Wichtigkeit, dem Individuum juedische Bildung im hoechsten, im humanistischen Sinne zu vermitteln Der Vortragende ¡hatte gezeigt, dass, wenn der Druck in den Laendern der Diaspora wich, das Judentum nur durch Wissen und Erkenntnis bestehen blieb. Er hatte |Moses Mendelssohn, er hatte Zunz, er hatte die Wissenschaft des Judentums erwaehnt. Und er hatte auch von Franz Rosenzweig gesprochen, jenem IFruehvohendeten, der kurz ,vor der Entscheidung zum Austritt aus dem Judentum durch das Erlebnis eines Jom Kippur, zu uns zurueekgefunden hatte und einer der grossen Lehrer Israels geworden war. Tradition, Wissen um das was war. Professor Bamberger 1 s t Vize-Praesident des Leo Baeck Institut, jener Organisation, die sich in erster Linie damit befasst, die Tradition des deutschen Judentums zu erhalten, sie vor dem Vergessenwerden, vor dem Erstarren zu bewahren. Es ist kein Zufall, dass unsere Unterhaltung auch diesen Aspekt seiner Taetigkeit beruehrt. Unser Gast erzaehlt uns von den Schwierigkeiten denen sich das Institut gegenueber sieht, jetzt, nachdem die Zahlungen der ¡Quirns Conference enden. Er spricht davon, wie die verschiedenen Zweige dieser Institution sich entwikkelt haben, und er gibt einer interessanten Anregung Ausdruck, gerade -als wir versuchen, ihm zu erklaeren dass es fuer uns hier sehr schwer ist, diese Arbeit, so wie sie es verdienen wuerde, zu unterstuetzen. “Gelder aufbringen allein, kann nicht der Zweck einer Institution sein. Wir muessen unserer Arbeit einen hoeheren Sinn geben, den .Menschen an ihr interessieren, und das ist auch bei Ihnen moeglich”. Und dann entwickelt er die Idee, die ,dem Institut noch nicht zugaenglich gemachten Dokumente zu kopieren, FamiIJienpapiere, Familien geschichten zu sammeln, juedische Menschen aus ¡Mitteleuropa zu veranlassen ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Es geht nicht allein um den materiellen oder den historischen Wert. Jeder Fetzen Papier,; jede Erinnerung, alles ist wertvoll Es geht darum unersetzbare Vergangenheit festzuhalten, sie davor zu bewahren von einer Generation die sie ' nicht mehr kennt, die nicht mehr an sie gebunden ist, verloren zu werden.. Tradition muss, soll sie nicht versteinern, lebendig erhalten, nein, mehr noch, sie muss neu erlebt werden. Gerade m unserer Zelt. Sehen Sie —faehrt er fort— das was wir einst ¡hatten, die Synagogen, die Familienhaeuser, die Friedhoefe, all das ist durch die Jahre der Vernichtung zerrissen worden. Das was den; Menschen frueher gebunden hielt, was ihm das Gefuehl verlieh, in einer Kette zu stehen, ein Erbe zu haben und ¡es weiter zu geben, ist zerstoert. Es bleibt nur, all dies wieder zu erarbeiten”. Waere ‘dies nicht moeglicherweise eine Chance;wo die Erwachsenenbildung von der vorher die Rede war einsetzen koennte, wuerde dies nicht vielleicht ein Weg sein, lernend zu lehren, unsere Tradition zu erhalten und weiter zu geben, indem wir selbst sie uns erarbeiten? Es ist dies das erste Mal. dass uns gegenueber dieser Idee Ausdruck gegeben worden ist. Je mehr wir darueber nachdenken, umso bestechender wirkt sie. Vielleicht faellt diese Anregung bei uns auf fruchtbaren Boden. Dajenu —• dies allein schon waere genug, um den Besuch unseres Gasten »n Chile zu rechtfertigen. ERWIRB ES, UM BS ZU BESITZEN Das Grundthema des Vortrags Professor ¡Bambergers war das der Erwachsenenbildung, nicht im utilitaristischen, pondern im ihuma-i nistischen Sinne. Er hatte davon gesprochen wie der nur fachmaennisch geschulte Mensch in Gefahr kommt zu zerbrechen, wenn sich ihm unvorhergesehene Widerstaende in den Weg stellen. Er hatte uns sehen lassen, dass der hochgebildete Mensch, derjenige, der fragend durch die Welt geht, ueber Kraftquelle^ verfuegt die nie versiegen. Und er hatte aufgezeigt, dass es an uns laege, uns dieser Kraftquellen zu versichern. Wir unterhalten uns ueber Franz Rosenzweig, darueber, dass sein Weg vom Individuum zur Gemeinschaft ging, und nicht umgekehrt, wie der ¿so vieler unserer Grossen. Hier liegt das Problem des Menschen, in unserer Zeit, nicht nur des juedischen Menschen. Wir jieben in einer Epoche der religioesen Renaissance, einer Zeit in der, nachdem der Sturm die alten, vertrauten Begriffe ¡hin weg gefegt hat, der Mensch beginnt, sein religioeses Anliegen neu zu formulieren. “Was nuetzt das schoenste Gebaeude ohne Menschen? Nur dann, wenn der Einzelne wieder die Bindung auf sich nimmt, wenn er sieh wissend einreiht in die Kette der Generationen, ist juedische Existenz gesichert. Das “Lehrhaus”, das Ideal Franz Rosenzweigs, war auf einen kleinen Kreis beschraenkt, wenngleich seine Ausstrahlungen weithin befruchtend gewirkt haben. Es war (weltoffen, versuchte, unsere alten Weisheiten mit dem heutigen Leben in Einklang zu bringen. Einige von denen, die daran teilgenommen haben, sind fromme Juden geworden. Andere^ — obwohl Freunde Rosenzweigs — blieben unfromm. Aber alle blieben Juden und schufen im juedischen Pinne. Und nur so, vom Individum aus kann in dieser neuen Zeit und auf diesem neuen Kontinent, der keine juedische Tradition kennt -wie Europa, der geistigen Krisis Einhalt geboten werden”, Unser Gast ueberlegt, zaudert, denkt nach; . .Der Sinn juedischer Erwachsenenbildung? Vielleicht koennte ich all das so zusammenfassen: Lernen erkennen, weitergeben, lernend lehren und aldann, aus der Erkenntnis und echtester, eigenster. Ueberzeugung heraus, Jasagen zum Judentum”. Die Unterhaltung iiaehert sich ihrem Ende. Lange noch wird sie in uns nachhallen, genau wie die Worte der alten Legende, mit der Professor Bamberger seinen Vortrag in der Gemeinde schloss: “Am Rande der Stadt umdraengt vom hastenden Gewuehl der Menschen, siizt ein .alter, gebeugter Mann., Sein Gesicht ist zerfurcht. Niemand kennt ihn, jeder eilt an ihm vorueber, seinen .eigenen Geschätzten «nach, solange, bis eines Tages sieh ihm ein Mensch naehert und ihn fragt: “Auf wen wartest Du?” Und die Antwort (vernimmt: “Auf Dich”. H. E.