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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-06-01 · 6 (Junio, 1964) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
6 (Junio, 1964)
Date
1964-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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JUNIO 1964 BOLETIN INFORMATIVO 9 ES RAUSCHT IM BLAETTERWALD Die deutsche Presse ist in den letzten Wochen wieder einmal voll mit Nachrichten gewesen, die, glauben wir, auch fuer uns von mehr als nur allgemeinem Interesse sind. Neben den dauernden und ausfuehrlichen Reportagen ueber die Prozesse gegen die Auschwitz-Moerder, Informationen und Kom mentaren ueber die Flucht prominenter Nazi-Verbrecher, waren es besonders zwei Ereignisse ueber die berichtet wurde, und die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. So schrieb die H a m b u rger Zeitung “Die Welt” unter dem Titel SPIONAGE ZUR RETTUNG DES FRIEDENS? ueber die nunmehr beginnenden Spionageprozesse in der Schweiz: “Zwei Prozesse, eine Berufungsverhandlung in Basel und ein aeusserlich unscheinbarer Spionagefall in Zürich, werden die Rolle der neutralen Schweiz als Arbeitsfeld internationaler Waffenhaend ler und ihrer Gegner beleuchten. Zunaechst wird von dem Basler Appelationsgericht das Verfahren gegen die israelischen Agenten Joseph Bengal und Otto Joklik wieder aufgerollt, die im Juni 1963 wegen Nötigung zu je zwei Monaten Gefaengnis verurteilt worden waren Zur Verhandlung steht' jetzt die Berufung Jokliks gegen das damalige Urteil. Zusammen mit Bengal soll er der Tochter eines in Aegypten taetigen deutschen Wissenschaftlers, Heidi Görcke aus Freiburg, gedroht haben, ihr Vater sei in Gefahr, solange er an der Aufrüstung der Verein igten Arabischen Republik mitarbeite Ausserdem wurde Joklik vorgeworfen, er habe ein Auf e n t h a 1 tsverbot für die Schweiz missachtet. Die Waffenpr oduktion Aegyptens fuer eine angekündigte Auseinandersetzung mit Israel steht auch im Hintergrund des vor dem Zürcher Bezirksgericht angekündigten Prozesses gegen den kaufmaennischen Angestellten Johann Nesser und den Mechaniker Wilhelm Naef. Die beiden Schweizer werden des wirtschaftlichen und militaerischen Nachrichtendienstes zugunsten Israels und der V e r 1 e tzung von Geschaefts und Fabrikationsgeheimnissen beschuldigt. Nach eingehender Schilderung der diesen Prozess umgebenden Umstaende, weist der Berichterstatter darauf hin, dass Neeser in den Voruntersuchungen versicherte, “er habe nicht aus eigensüchtigen Motiven gehandelt, sondern um Israel vor einem Ueberfall der von Nationalsozialisten unterstüzten Aegypter zu schützen. Sein Verteidiger Manfred Kuhn will demzufolge das Prozessthema auf die Frage ausweiten, ob nicht Vergehen gegen die Nachrichtendienst - Paragraphen des Schweizerischen Strafgesetzbuches dann straf los bleiben müssten, wenn sie in einem übergesetzlichen Notstand begangen wurden— mit anderen Worten: wenn die Spionagetaetigkeit sich gegen eine Handlung richte, die einen Angriffskrieg und Völkermord ermög liehen könnte. In den politischen Kreisen der Schweiz hat; dieser Aspekt des Waffenhandels und der Spionage-Taetigkeit ebenfalls schon Aufmerksamkeit erregt. Sowohl im eidgenössischen Parlament, dem Nationalrat, als auch im Zürcher Kantonsrat wurden entsprechende Anfragen gestellt. So forderte im Nationalrat der Abgeordnete Jakob Baechtold, Praesident des Schweizerischen Naturschutz bundes, Straffreiheit für Spione, die nachweislich zur Verhinderung eines Krieges gehandelt haetten. Die Regierung sprach sich zwar gegen eine Gesetzesaenderung aus, verwies aber darauf, “dass der Richter die Strafe mildern kann, wenn der Taeter aus achtenswerten Beweggründen gehandelt hat”. Im Zürcher Kantonsrat stellte der Abgeordnete. Werner Schmid besorgte Fragen über die Haltung der Kantonalregierung gegenüber der Taetigkeit des Waffenhaendlers Kamil, dessen Firmen ein aegyptisches “Einkaufszentrum” seien. “Wer sich an der aegyptischen Aufrüstung beteiligt”, erklaerte Schmid, “verletzt unsere politische Neutralitaet, der leistet Beihilfe zu geplantem Mord.” Regierungsrat Günt h a r d antwortete auf die Interpretation mit der Feststellung, dass das von Kamils Firma “Meco” beschaffte “für Aegyp ten bestimmte. Kriegsmaterial aus dem Ausland bezogen wird und das Gebiet der Schweiz nicht berührt”, dass aber andererseits die von der Gesellschaft MTP aus der Schweiz nach Aegypten ausgeführten Erzeugnisse nicht zum Kriegsmaterial im Sinne eines Bundesratsbeschlusses gehörten, der die Waffenausfuhr untersagt. Somit fehlen nach Ansicht der Kantonalregierung die rechtlichen Voraussetzungen, Kamils Geschaefte zu unterbinden oder hin auszuweisen. “Der Regierungsrat”, so stellte Günthard dennoch fest, “erachtet aber die ganze geschaeftliche Taetigkeit Kamils und seiner Gesellschaften als unerwünscht”. EIN GEWISSER HOGGAN Gelindes Aufsehen verursachte auch die “Ehrung” die gewisse Kreise dem amerikanischen “Historiker” David L. Hoggan, fuer seine Weisswaschung der Nazis erwiesen. Es ist unseren Lesern vielleicht in Erinnerung, dass Hoggan im Rahmen eines Instituts fuer deutsche Nachkriegsgeschichte i ein Buch unter dem Titel “Der erzwungene Krieg” veroeffentlichte, in welchem versucht wurde, durch Geschichtsklitterung, willkuerliche Interpretation von Dokumenten, und, vorsichtig ausgedrueckt, abenteuerliche Theorien, den Nachweis zu erbringen, dass nicht Deutschland, sondern England, die Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges truege. Historiker von Rang in Deutschland und in der ganzen Welt distanzierten sich sofort von Herrn Hoggan und dem “Institut”, das, trotz des serioes klingenden Namens keinerlei Beziehungen zu wissenschaftlich ernst zu nehmenden O r g anisationen aehnlicher Natur hat, und stellten fest, dass Herr Hoggan und die ihn umgebenden Kreise keinen Anspruch darauf erheben koennten, (vor einem akademischen Gremium ernst genommen zu werden. Nicht sdestoweniger, oder vieleicht gerade darum, haben es aber bestimmte unbelehrbare Kreise in Deutschland fuer noetig gehalten, ihm einen Preis zu verleihen, der, Ironie des Schicksals, den Namen zweier Grosser der deutschen Geschichte und Geschichtswissenschaft traegt, naemlich Leopold von Ranke und Ulrich von Hutten. Die Preisverleihung selbst fand in einem obskuren Biergarten statt, nachdem die Stadt Heidelberg, die urspruenglich das Schloss zur Verfuegung gesteift hatte, die Genehmigung zurueckzog, als sie von der wahren Natur der Veranstalter und des zu Ehrenden erfuhr. Symptomatisch fuer die Reaktion der deutschen Pres se bringen wir nachstehend einen Artikel aus “Die Welt”: HISTORIKER? W. G.— Dieser Tage werden in Deutschland zwei Preise für eine sogenannte historische Arbeit verliehen, der eine ist mit 10.000 und der andere mit 5.000 Mark dotiert. Der eine betitelt sich “Ranke-Preis” und wird in Düsseldorf von der Gesellschaft zur Förderung geschieh tswissenschaftl i c h e jr Forschung e. V. vergeben. Der zweite traegt den Namen Ulrich v. Huttens. Dahinter steht die Freie Gesellschaft, für Publizistik in Neustadt, für die unter anderen der Ministerialrat z. Wv. Peter Kleist und der Heidelberger Verleger Vowinckel zeichnen. Wer aber wird mit diesen Preisen geehrt (oder gar finanziert?), mit Preisen, die immerhin den Namen des grössten deutschen Historikers, Leopold v. Ranke, und eines der mutigsten Humanisten, Ulrich v. Hutten, im Wappenschild führen? Für manche Deutsche, die nichts gelernt und alles vergessen haben, ist es der grösste Historiker aller Zeiten und obendrein — welche Fügung des Schicksals - noch ein waschechter Amerikaner: Prof. David L. Hoggan. Besagter Profesor, bei dem nicht ganz deutlich ist, an welchen berühmten amerikanischen Colleges oder Universitaeten er doziert hat, hat 1961 im Verlag der Deutschen Hochschullehrer z e itung zu Tübingen im Rahmen der Publikationen eines Institutes für Deutsche Nachkriegsgeschichte sein epochales Werk “Der erzwungene Krieg” veröffentlicht. Das ist ein dickleibiger Waelzer von fast 900 Seiten, gespickt mit einem ansehnlichen Belegmaterial und einem ungeheuerlich reichen Literaturverzeichnis. Und wenn der deutsche Mitteleuropaer liest, was da geboten wird, dann sagt er sich zunaechst einmal: Na, wenn das gedruckt wird und wenn das alles belegt ist, dann muss es wahr sein —. dann muss es doch wahr sein — dann sind wir eben einmal wieder die unschuldig zu Schuldigen gestempelten Engel in der Welt geschichte. So etwas geht gewissen Leuten noch heute wie Honig ein. Deijn der Professor Hoggan, dessen Epochalwerk in Amerika nicht gedruckt worden ist (warum wohl nicht?), beweist naemlich klipp und klar, dass picht Adolf Hitler und damit die deutsche Reichsführung 1939 bewusst den zweiten Weltkrieg mit der kriegerischen Aktion gegen Polen ausgelöst hat, sondern dass — wir vereinfachen jetzt bewusst — der friedliebendé “Führer” durch einen britischen Erzschurken, den Aussenminister Lord Halifax, in den Krieg hineingetrieben worden ist. Tableau! Wie beweist man solches? Das ist gar nicht schwierig, hat man eine vorgefasste Meinung, eine “Idee”, und verfertigt sich dazu mit Fleiss einen ausgezeichneten Zettelkasten, in dem alle Zitate gesammelt werden, die zur Idée fixe passen, und der Rest ausgelassen wird. Man wird stets die gewünschten Ergebnisse erzielen und den Leser mit der Fülle von Fussnoten verblüffen. Das ist dann nicht Geschichtsfaelschung, sondern Rattenfaengerei in der Historie. Und das hat gar nichts damit zu tun, dass angesehene amerikanische Historiker nach dem ersten Weltkrieg ihre Stimme gegen die Alleinschuld Deutschlands 1 am ersten Weltkrieg erhoben haben — zu vollem Recht. Diesen haben wir noch heute zu danken. Der Prof. D. L. Hoggan aber hat nur pseudohistorischen Unfug an gerichtet, der unter urteilslosen Gemütern nahezu immer Parteigaenger findet. Dassurteilslose Gemüter sich bereit finden, ihm dafür noch hochdotierte Preise zu verleihen, ist leider ein Beweis mehr für jene Instinktlosigkeit, an der unser armes Volk immer reich gewesen ist”. Ebenfalls erfreulich ist die Reaktion der Vereinigung der deutschen Schriftsteller, die sofort Einspruch erhob dass der amerikanische Historiker David L. Hoggan ¡mit einem “Ulrich-von-Hutten- Preisl” und einem “Ranke- Preis” ausgezeichnet werden soll. Die deutschen Schriftsteller verwahren sich dagegen, dass die grossen Namen Ulrich von Huttens und Leopold von Rankes dazu missbraucht werden, die Arbeit eines Mannes zu ehren, die der Rechtfertigung Adolf Hitlers dienen soll. In gleicher Weise hat die Ranke-Gesellschaft, Vereinigung für Geschichte im öffentlichen Leben, in Hamburg erklaert, sie habe mit der Verleihung des in Düsseldorf gestifteten “Ranke-Preises” , überhaupt nichts zu tun. So angenehm aber auch die . Reaktion des verantwortlichen Teils des deutschen Volkes ist, bleibt es doch bedauerlich, dass noch heute, im Jahre 1964, aine Handvoll “Unentwegter”, ,es fertig bringen kann, die gesamte Presse in Aufregung zu versetzen und gerade damit; diesem Machwerk die Gra tispropaganda zu verschaffen, die ihm nicht gebuehrt. Hoffen wir, dass diese Sumpfblueten des Ungeistes zu den letzten gehoeren, die aus den vergangenen “Tausend Jahren” in unsere Zeit hinueberklingen. Hans Engel. Das bekannte RESTAURANT BELLEVUE (im Edifieio Astor Kino) Huevfiaaio« 886 Fono 392034 Pteo 12 empfiehlt seine gute Kueche. YESO ROMERAL TABIQUE PROMONTA Progreso y Economía para las Construcciones Dístríb.: SODIMAC — S.A.C. SAAVEDRA BENARD MAURICIO HOCHS CHILD Y CIA. LTDA.

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