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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-03-01 · 5 (Mayo, 1964) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
5 (Mayo, 1964)
Date
1964-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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MAYO 1964 BOLETIN INFORMATIVO 19 Vom weltweiten Schaffen Max Brods Am. 27. Mai vollendet Max Brod in bewundernswerter Frische das 80. Lebensjahr. Seit mehr als zwanzig Jahren im Heiligen Land ganz zu Hause, entfaltet er noch heute die hoechste Aktivitaet fuer seine vielseitigen literarischen und künstlerischen Interessen, und dem Leser seiner Schriften, betrachtet er diese in ihrer Gesamtheit, bietet sich ein umfangreiches, geschlossenes Bild dar, eine gigantische Lebensleistung. Und dieses Leben ist zugleich ein solches der menschlichen und juedischen Bewaehrung. Vor etwas mehr als zwei Jahren liess der Dichter seine Autobiographie unter dem Titel “Streitbares Leben” erscheinen, und diese umfasst zwei Generationen, von der Jahrhundertwende etwa bis zur Gegenwart. Er, der Sohn der so sehr geliebten Stadt Prag, die er, fast im letzten Augenblicke, im Maerz 1939, vor den heranrueckenden Nazihorden hatte verlassen muessen, war vielen, interessanten, Gestalten aus Literatur und Kunst, aus Philosophie und anderen Geisteswissenschaften begegnet, und seine Korrespondenzen, ueber die Diskussionen mit Kaixa und Werfel hinaus, schlossen die Brueder Thomas und Heinrich Mann, Meyrink, Rilke u. a. ein; Martin Buber wurde ihm schon fruehzeitig zum Vorbild. Immer war der Schriftsteller Brod auf der Suche nach Erkenntnis vom Siinn des menschlichen Gebens, und auf dieser Pilgerfahrt hat es kaum ein. Wissensgebiet gegeben, das er nicht durchforscht haette. In jungen Jahren war er von der Philosophie zur Astronomie gekommen, von der Mathematik zur Physik und zur Biologie. Auch die Musik beschaeftigte ihn stark; noch heute nimmt sie einen bedeutenden Platz in. seiner Taetigkeit ein. Doch alle Wege des Suchens und Forsohens fuehren schliesslich fuer ihn zur Theologie; d. h., dass letztlich der Gott suchende Dichter zu der Ueberzeugung gelangt, dass es des Menschen von Gott ihm uebertragene Aufgabe sei, das goettliche Werk weiter zu entwickeln oder, ganz schlicht und menschlich ausgedrueckt, Gott bei der Vervollkommung der Welt behilflich zu .sein. Dies ist ein eminent juedischer Gedanke, und, von dieser Grundauffassung ausgehend, dass die im Men sehen schlummernden Kraefte des Guten erweckt werden muessten, kommt man wohl am ehesten zum wahren Verstaendnis des Lebenswerkes dieses Dichters. Schon der Student hatte sich der Schriftstellerei zugewandt und als 22-Jaehriger die ersten Erfolge aufweisen ikoennen. Doch zu literarischer Beruehmtheit gelangte ,er 1916 mit dem Roman “Tycho Brahes Weg zu Gott”, jenem ersten Teil einer Trilogiem die in “Reubeni, Fuerst der Juden” (1925) und “Galilei in G e f a ngenschaft” (1948) ihre Weiterfuehrung und Vollendung erfuhr. Diesem letztgenannten Buch kommt gerade in diesem Jahre des 400. Geburtstages von Galilei besondere Bedeutung zu. Hier war Max Brod weit in die Welt der Naturwissenschaften eingedrungen, um vom neuen Weltbild Besitz zu ergreifen; doch er findet zurueck zu den grossen Fragen des Glaubens, zum Gott- Menisch i- Verhaeltnise zur menschlichen Seele, die Befreiung und Befriedigung sucht. So sind andere grosse Werke des Dichters entstanden; Waehrend des 1. Weltkrieges, in den Jahren des Zweifems der Menschen an der goettlichen Gerechtigkei, wurde sein starkes Bekenntnisbuch “Heidentum, Christe n t u m, Judentum” geschrieben, diese Bejahung des Judentums, als der “Diesseitsreligion”, und das Werk erfaehrt dann in “Diesseits und Jenseits”, inmitten der kritischen Tage des 2. Weltkrieges begonnen, seine grossartige Ergaenzung. In den bangen Stunden von 1942, da die Judenheit von Erez Israel um ihre Rettung zittern musste, denn der Feind hatte sich unweit der Grenzen befunden und die Alliierten ihren glorreichen Sieg im letzten Augenblick errungen, brachte der Dichter die Kraft auf, die Frage anzusohneiden, was haette werden koennen, wenn das Wunder von “El Alamein” nicht geschehen waere. Und dann bleibt noch die erschuetterndste aller Fragen: Sind die geretteten Juden von Erez Israel, diejenigen von Schweden undanderer Laender, wohin die Nazis nicht dringen konnten, deshalb gerettet worden, weil sie vielleicht bessere Menschen und Juden waren als all die anderen, die so grausam zugrunde gehen mussten? Brod streift diese uns alle bewegenden Fragen und unter- ISRAEL Hans Silber (Montevideo) Dein Name leuchtet auf im Firmament der dir zum Segen Deines Volks gegeben. Br ist die Flamme, die in uns entbrennt, des Dornbuschs Wunder, das wir selbst erleben. In deiner Erde keimt und reift die Saat, die Fels und Wueste, iStein und Sumpf bezwungen. Du bist das jZion-Herzl’s Judenstaat, das Lied der Hoffnung, das -wir dir gesungen. Du bist das Land, Von dem einst Moses sprach, Du bist das Reich der Priester und Propheten, Du bist die Kraft, die Goliath nicht zerbrach, Du bist Erfuellung, wo die andren beten. Dein Name leuchtet auf im Firmament, in uns’re Herzen ist er eingegraben. Dein fernster Sohn ihn dankerfuellt bekennt, Du bist die Heimat, die wir alle haben. Von CURT WILK wirft sich demuetig der unergründlichen, vom ewigen Geheimnis umwobenen Entscheidung Gottes. Es sind etwa fuenfzehn Jahre vergangen, seit Max Brod einen Schritt weit zurueck in die Vergangenheit tat, indem er die Geschichte der eigenen Jugend erzaehlte in dem besinnlichen und reizvollen Buechlein “Der Sommer, den man zurueckwuenscht”. Hier finden wir den 14-Jaehrigen, der unter einem anderen Namen erscheint, im Kreise der Familie beim Ferienaufenthalt im Ostseebad ¿Misdroy. Es ist die Epoche beginnender Erregungen und seelischer Konflikte, und wir erfahren von Freud und Leid aus Kindheits- und Jugendtagen. Und es gibt dann einen anderen Roman des eigenen Lebens, des Schriftstellers in den gluecklichen Prager Zeiten, das erinnerungsreiche Buch “Rebellische Herzen”, das die Vergangenheit aus einer Atmosphaere wachruft, die kaum noch vorstellbar ist und welcher der Dichter so unendlich, viele Anregungen und Eindruecke verdankt. Max Brod hat auch einiges geschrieben, was nicht weit ueber die Tagesgrenzen hinausreicht, nicht mehr als gute Unterhaltungsliteratur bildet. Es sind die Romane iDie Frau, nach der man sich sehnt”, “Die Frau, die nicht enttaeuscht”, “Juedinnen”. Auf weit hoeherem Niveau bewegt sich das im allgemeinen gernge 1 e s e n e Buch “Stefan ¡Rott und das Jahr der Entscheidung”. “Mara” wiederum ruft die Epoche zwischen 1933 und 1938 ins Gedaeohtnis zurueck, da die Prager Heimat in staendiger Bedrohung lebte, ihre friedlich- und freiheitlichgesinnten Buerger im Banne dieser zauberreichen Stadt zu vergessen versuchten, was sich am finstern Gewoelk um sie herum zusammenbraute. In der “Rosenkoralle”, die vor einigen Jahren erschien, wird noch einmal das alte Prag der Jahrhundertwende lebendig mit seinem Nebeneinander von Tschechen und Deutschen, Juden und Katholiken, das typische alte Oesterreich mit seinem Voelkergemisch, das sich untere i n a n der nicht mochte, haeufig einander bekaempfte, doch im staendigen kulturellen Austausch sich gegenseitig geistig beeinflusste. Auch Max Brod hat einen Christusroman verfasst. Dieser erschien vor etwa 12 Jah ren unter dem Titel “Der Meister”. Im Gegensatz zu manchen anderen, oftmals diskutierten, Werken dieses Themas von juedischer Seite aus, ist dieses Buch ganz juedisch empfunden. Allem dogmatischen Streit entrueckt, tritt uns dieser “Jeschua von Nazaret”, so heisst sein “Meister”, als edler, vorbildlicher, Mensch entgegen, dessen Blick Ewiges auszustrahlen scheint. Und vielleicht kommt man der Wahrheit am naechsten, wenn man Brods Christusroman, wie es geschehen ist, als “die Antwort des modernen Judentums von Israel aus auf die Christusfrage” bezeichnet. Das hier gezeichnete Portraet des Dichters und seines Werkes bliebe unvollstaendig, wenn man nicht noch auf sein Buch ueber Heinrich -Eh KUNST UND LITERATUR ZEITSCHRIFT FUER JUEDISCHE GESCHICHTE Von Dr. HERBERT FREEDEN (Jerusalem) In Tel Aviv (Olamenu- Verlag) erschien die erste Nummer einer Vierteljahreszeitschrift “Fuer die Geschichte der Juden”, herausgegeben von Hugo Gold Die in deutscher Sprache erscheinende Publikation duerfte sich, was nicht (nur aus dem Inhalt der vorliegenden Nummer zu schliessen ist, in erster Linie mit der Geschichte der Juden im Donau-Raum b e s c haef tigen. Dahin scheint bereits der Name des Herausgebers zu deuten, der ein Historiker der juedischen Geschichte in den Laendern der ehemaligen oesterreichischen-ungarischen Monarchie ist. Im gleichen Verlag, der eine Weiterfuehrung des 1900 gegründeten Juedischen Buchverlages Max Hickl, Bruenn ist, erscheinen eine Reihe historischer Werke unter seiner Redaktion, so eine “Geschichte der Juden in Wien”, ein “Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden in der Tschechoslowakei”; und eine “History of Czechoslovak Jews 1918-1948”, sowie aus seiner eigenen Feder eine “Geschichte der Juden in der Bukowina”. Einer der interessantesten Beitraege zur ersten Nummer der Zeitschrift ist ein Aufsatz von pr. Oskar Karbach (New York) ueber “Die politischen G r u n d 1 agen (des d e u t sch - oesterreichischen Antisemitismus”. Die treibende Kraft des oesterreichischen Antisemitismus war, nach dem Verfasser,! das Streben eines Teiles der oesterreichischen D e u tschen nach Vereinigung mit dem Reich. ( “Sie strebten nicht den Anschluss an das Reich deshalb an, weil sie nur auf diese Weise einem ihnen angeblich nachteilig erscheinenden Einfluss der Juden ein Ende zu setzen glaubten, sondern sie wunden... Anti- Heine hinwiese und den Dienst am Werke Franz Kafkas, des Freundes und fruehvollendeten Dichters. Die Gesamtausgabe Kafkas gesammelter Schriften ist bereits erfolgt, und viel unveroeffentlichtes Nachlassmaterial aus der Schar der vielen Anhaenger Kafkas in aller Welt ist durch Max Brods Vermittlung der Oeffentlichkeit zugaenglich geworden. Er hat dann seinen treuen Entdekkungsdienst am Werke Kafkas gekroent durch eine andere grosse Leistung, naemlich des verewigten Freundes Schaffen zu deuten: “Franz Kafkas Glauben und Lehre” ergaenzt in grossangelegter Form die zuvor entstandene Kafka-Biographie von Brcd, der auch in den letzten Jahren jenes Werk seines Freundes dem hebraeisch-sprechen Leserkreis Israels mehr und mehr erschlossen hat. Max Brod der ausser mit seihen eigenen literarischen Schoepfungen,' i i n s g e samt semiten, weil sie glaubten, durch ein geschicktes Ausspielen der antisemitischen Karte die Verwirklichung ihrer grossdeutschen Ideale... foerden zu koennen. “Wie die alldeutsche Bewegung, zu deren Mitgliedern jm Anfang auch Juden gehoeren, den Antisemitismus weniger aus Ueberzeugung als aus Opportunismus einfuehrt, mit so weitgehenden und i verheerenden Konsequenzen fuer die Jahrzehnte die ihr folgten, duerfte in einem zweiten Artikel 'weiterhin analysiert werden. Aus einem Essay-Band von Prof. Harry Zohn “Wiener Juden in der deutschen Literatur” ist der Aufsatz ueber Richard (Beer-Hofmann entnommen. Ein lesenswerter Beitrag von Reg. Rat I. Oehler hat die Geschichte des “Leopoldstaedter - Tempels” in Wien zum Gegenstand. Rabb. Dr. B. Brilling (Muenster) hat ein bisher unbek a n ntes Dokument beigesteuert, einen “Interventionsbrief der Hamburger Gemeinde fuer die Prager Juden vom Jahre 1745”. Mit den r u m a e nischen 1 Juden beschaeftigen sich zwei Artikel, “Historische Betrachtungen zur Hitleraera in Rumaenien” von Dr. Josef Ebner, Tel Aviv, und eine Untersuchung von Dr. Th. Lavi-Loewenstein, J,e r u salem “Rumaenische Doku mente zur Geschichte der Juden in der Bukowina”. Aus einer groesseren Arbeit von Dr. Ch. S c h i e ber, Frankfurt- Main, ueber “Die Lage der Juden in den boehmischen Laendern unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia” ist die Einleitung abgedruckt. B u c hbesprechungen und eine reiche Buecherschau beschliessen die 72 Seiten starke Zeitschrift. zaehlt man neunzehn Romane, auch als Uebersetzer, Komponist, Dramaturg “Habimah”, die fuehrende Buehne Israel wird von ihm seit langem entscheidend beraten) und Musikkritiker der deutschsprachigen Zeit u n g “Jedioth Ohadaschoth” hervorgetreten ist, fuehlt sich im Staate Israel ganz verwurzelt.. Juden und Nichtjuden erblicken in ihm einen der sohoepferischsten Menschen unserer Zeit, einen unermuedlichen Kaem p f e r fuer die Verwirklichung des Guten auf Erden. Der national uedische Dichter gehoert zugleich der Menschheit, und in allen Weltteilen wird seines 80. Geburtstages gedacht werden. Wir Juden, ueber Anerkennung und Dank hinaus, huldigen ihm als einem der groessten Geister unserer Epoche, dem wir wuenschen, dass ihm noch ungezaehlte gute Jahre der Ernte eines Lebens der Bewaehrung zuteil werden inoegen.

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