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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-03-01 · 3 (Marzo, 1964) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
3 (Marzo, 1964)
Date
1964-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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MARZO 1964 BOLETIN INFORMATIVO Kleiner Mann... (Schluss von Seite 4) sein, denen noch eine weitere Lebensfrist gesetzt war. Und dieser Zumutung habe er —so die Belastungszeugen zur Zufriedenheit seiner deutschen Auftragsgeber entsprochen, statt den um ihr Leben zitterden Juden unter der Hand vielmehr zum Uebergang von Gruppe zu Gruppe zu ¡helfen. Zweitens —gleichfalls im Sommer 1942 habe er mit seinen Polizisten 50—60 Kinder im Alter von 8—15 Jahren aus ihrem Versteck auf dem Dachboden des Juedischen Waisenhauses in Bendzin heraus geholt, um “das Soll der Deportationsquote dies'es Tages zu erfuellen”. Im Durcheinander ,haetten manche von den groesseren der Kinder auf dem verwinkelten Treppenhaus' des alten Gebaeudes;zwar neue Verstecke gefunden; die kleineren jedoch seien den Moerdern von der Miliz Barenblatts ausgeliefert worden. Schliesslich wurde er -drittensbeschuldigt, mit Brachialgewalt gegen Juden, die ihm mit verzweifelten Bitten laestig fielen, brutal vorgegangen zu s'ein und, in einem besonders schwer wiegenden Palle, eine Frau den Nazischergen ans Messer geliefert zu haben. “IM auftrage: DES JUDENRATS” Allein, das Gericht liess es nicht genug damit sein, diese —und andere— belastende Aussagen zu pruefen und zur Bemessung des Schuldspruchs zu werten. Es eroerterte auch die Frage, ob iBarenblatt unter “Befehlsnotstand” gewesen s'ei; aber es verneinte sie, als er erklaerte, dass' es ihm ohne Lebensgefahr moeglich gewesen waere .seinen Posten als Leiter dieser Ghettopolizei aufzugeben. Diese seine Erklaerung wurde foermlicb zum juristischen Angelpunkt des Ganzen. Zugleich aber verschloss sich das Bezirksgericht auch der Moeglichkeit nicht, dass fuer den “juedischen Ordnungsdienst” eher vielleicht als die Gestapo vielmehr der “Judenrat” von Bendzin oder der diesem Ortsausschuss uebergeordnete Bezirks-Juden: rat als Vorgesetzte Behoerde die eigentliche Verantwortung getragen habe. Musste dem Angeklagten nicht gegebenenfalls auch dies Abhaengigkeitsverhaeltnls als strafmildernd zugute gehalten werden? Moeglicherweise aber mit (Recht oder jedenfall im begreiflichen Wunsch, sich nicht auf ein so unsicheres Terrain zu begeben, erklaerten die drei tel-aviver Richter, spaeteren Geschichtsschreibern die endgueltige Klaerung der so heftig umstrittenen Frage ueberlassen zu wollen, ob Kollaborationisten oder tatentschlos- - se ne Widerstaendler den Ton in diesen juedischen “Selbstverwaltungs” —• Ausschüssen angaben, die von den deutschen Besatzungsbehoerden im Krieg der juedischen Bevoelkerung des' europaeischen Osten allerorten aufoktroyiert , worden waren. Haben sie die Not und das Elend soweit wie moeglich gelindert, oder mit den ihnen jieigegebenen Ghettomilizen den Nazis nur Zutreiberdienste geleistet, wie das von der deutsch-juedischen, in Amerika lebenden Staats— und GeSchichtsphilosophin Hannah Arendt vor kurzem In ihrem sensationellen Buch ueber den jerusalemer Eichmannprozess behauptet worden ist? Ebenso wie —nach Frau Dr. Arendt— Adolf Eichmann in Jerusalem, waere Hirsch Barenblatt dann von den tel-aviver Bezirksrichtern “diabolisiert” worden . Sein Hauptverteidiger behauptete eben dies im Plaedoyer. KEIN VERBRECHER, NUR EIN EGOIST Darauf antworteten d i e Richter: “Nein, wir sind weit davon entfernt, in ihm ein sadistisches Scheusal zu sehen. Er hat erwiesenermassen manchen seiner bedraengten Glaubensgenossen auch geholfen, obwohl wir nicht bereit sind, dem Vorschlag der Verteidigung zu entsprechen und diese guten Taten Barenblatts gleichsam im Kontokorrentverkehr gegen seine schlechten Taten aufzurechnen. In normalen Zeiten ist gegen Menschen wie ihn, intelligente Leute, musikliebende .nichts zu sagen. Sie wirken dann eher sympatisch. Aber in den katastrophalen Verhaeltnissen jener Jahre versagte er, weil er aus nackter Selbstsucht nur an seine persoenliche Sicherheit und allenfalls an 1 die seiner naechsten Familienangehoerigen dachte, und dadurch hat er sich im Sinne des Strafgesetzes ueber “Helfershelfer der Nationalsozialisten” schuldig gemacht”. So die Tel-Aviver Richter. Indem sie Hirsch Barenblatt nur zur Haelfte der in diesem Gesetz vorgesehenen Hoechststrafe von 10. Jahren Gefaengnis verurteilten, trugen sie dem Umstand Rechnung, dass er in das teuflische Raederwerk der Hitler- Himmlerschen “totalen Loesung der Judenfrage” nicht aus verbrecherischer Veranlagung geraten war, sondern als kleiner Mann - in diametralem Gegensatz zu den seinerzeitigen “Herren von Auschwitz” die dem Frankfurter Schwurgericht i jetzt weiszumachen suchen .dass sie kleine Leute und keirie Verbrecher grossen Stils gewesen seien... AN ZWEITER STELLE IN DER DIAMANTENINDESTRIE Der Grundstein fuer die Diamantenboerse in Ramat- Gan ist feierlich gelegt worden. Das Gebaeude soll 25 Stockwerke, davon drei unterirdische enthalten In letz teren sollen u.a. die Safes der verschiedenen Diamantenhaendler und ¡Banken eingerichtet werden. Das neue Gebaeude, dessen Herstellung ungefaehr 15 Millionen IL kosten soll wird das zweitgroesste Haus im Bezirk von Tel-Aviv, und die groesste Diamantenbor&'e der Welt sein. In der neuen Boerse sollen alle Institutionen, die sich mit der Diamantenindustrie Es'raels, dem Export, etc. befassen, untergebracht werden. Es handelt Sich u. a auch um Banken, Bueros des Handels und Industrieministe -> riums, Diamantenimporteure, —Exporteure und —Produzenten, Diamantenhaendler, und -makler sowie Vertretungen von ca. 50 auslaendischen Diamantenfirmen, die sich bereits in dem noch nicht gebauten Gebaeude Bueros gemietet haben. Der Streit zwischen Ramat- Gan und Tel-Aviv ueber die Plazierung der Diamantenboerse wurde nun endgueltig zu Gunsten Ramat-Gans, und man koennte besser sagen, zu Gunsten der Diamantenboerse entschieden. Durch den Konkurrenz-Kampf zwischen den beiden Staedten erhielt die Boerse Privilegien, die sie Sich vor einigen Jahren nicht einmal ertraeumt haette. Israels Diamantenindustrie beschaeftigt ca. 8000 Angestellte und Arbeiter und noch weitere 600 bis 800 Importeure, Exporteure und Diamantenhaendler und -Produzenten, die alle eingeschriebene Mitglieder der Diamantenboerse sind, und eine Regierungslizenz fuer den Handel und die Bearbeitung von Diamanten besitzen. Der Import von Rohdiamanten belief sich im Jahre 1963 auf 93 Millionen Dollar und der Diamantenexport auf ca. 104 Millionen Dollar. Israel versucht nun, in den kommenden Jahren an die erste Stelle der . Diamantenindustrie- Laender zu gelangen nachdem die belgische Diamantenindustrie, die heute ca. 14.000 Angestellte und Arbeiter beschaeftigt mit einer ueberalt e r t e n Belegschaft arbeitet: Israel bearbeitet 80% der gesamten Diamanten der Welt, die zum Schmuck verwendet werden. Man findet israelische Diamanten auf der ganzen Welt und insbesondere in den exklusiven Laeden von New York, Paris, Zuerich und Wien. Mit der Entwicklung der elektronischen Industrie wird Israel in den kommenden Jahren auch mit der Massenproduktion von Industriediamanten beginnen. Rechtsanwalt Michael Cohen, der Generalsekretaer der Diamantenboerse, erklaerte dass die Diamantenindustrie und der : Diamanten-Handel in Israel ohne die (Boerse nicht bestehen koennte. Der Diamanten-Handel in Israel, wie auf der ganzen Welt, beruht nur auf gegenseitigem Vertrauen, da alle Transaktionen nur muendlich abgewickelt werden und es kaum schriftliche Vertraege gibt, obwohl die einzelnen Abschluesse sich oft auf zehntausende von Dollars belaufen. Ein Boersen mitglied, das seine muendlichen Verpflichtungen nicht einhaelt, wird automatisch aus der israelischen und allen anderen Diamantenboersen der (Welt (New York, Antwerpen, Amsterdam, Mailand, Wien, Johannesburg) ausgeschlossen. Erst kuerzlich erhielt die israelische Diamantenboerse eine Liste mit fuenf Namen von Personen, die notgedrungenerweise die New Yorker Boers'e verlassen haben. Zu dem Boersenlokal haben nur Boersen-Mitglieder Zutritt. Ein Teil der Diamantenmakler, — Produzenten, etc. bringt in geschlossenen Kuverts' das oft Hunderte von Steinen enthaelt, seine Ware mit. Andere dagegen verkaufen ihre Ware nur nach Listen .ohne sie ueberhaupt vorzuzeigen. Obwohl die Preise mehr oder weniger nach den Preisen auf dem Weltmarkt berechnet werden aendern sie sich natuerlich trotzdem auch gemaess Angebot und Nachfrage Hierbei ist zu hoffen, dass besonders schoene Diamanten ihre eigenen besonderen Preise haben und nicht nach dem Weltmarktpreis bewertet werden. Selbstverstaendlich ist die Diamantenboerse schwer. bewacht und in ihr selbst is noch nie ein Raubueberfall vorgekommen. Die Diamantenboerse hat ein eigenes internes Gericht mit zwei Instanzen, vor das die Haendler ihre Konflikte bringen. Nur ein einziges Mal ist es vorgekommen, dass sich Diamantenhaendler an ein ziviles Gericht wandten. Aber nach zweijaehrigen Gerichtsverhandlungen kehrten sie dann reumuetig zu Ihrem eigenen Gericht in der Diamantenboerse zurueck. Im allgemeinen ist es sogar ueblich, dass ein Diamantenhaendler, der sich an ein ziviles Gericht in Boersenangelegenheiten wendet, automatisch von der Boerse ausgeschlossen wird. (“Canfit”) REGIERUNG KAUFT SOWJETBESITZ FEINE MASS SCHNEIDEREI Manfred Engel Moitjitas 825 Of. 204 Zwischeiwtock Fono 392430 Reichhaltige Auswahl erstklassiger Stoffe Israel und die Sowjetunion gelangten nach laengeren Verhandlungen zu einem Abkommen über den russischen Besitz in Israel. Diesem Abkommen gemaess wird die Regierung einen Teil des Besitzes gegen einen Preis von 4,5 Millionen Dollar erwerben. Es handelt sich dabei nicht um den Kirchenbesitz im engeren Kinne des Begriffes, wie Kirchen, Klöster und dergleichen, welche der kirchlichen Mission des russisch-orthodoxen P a t r i archats in Moskau gehören, sondern ,um Gebaeude und Laendereien, die ursprünglich von mehreren Grossfürsten aus , dem Zarenhause (Nikölei, Sergej und anderen) eingetragen waren und zwar als Stiftungen für die damalige russisch-orthodoxe Palaestina-Gesellschaft. Diese beschaeftigte sich einerseits mit Pilgerbetreuung und andererseits mit arc h a eologischer Taetigkeit. Waehrend unmittelbar vor Ende des Mandats die damalige Regierung die Rechtstitel des Moskauer Patriarchates anerkannte und 1 Israel sich dementsprechend e b enfalls verhielt, blieb das Schicksal des anderen Besitzes, der sehr umfangreich ist, noch einige Jahre im Unklaren. Vor etwa vier Jahren erkannte Israel die russische Palaestina- Gesellschaft bei der Sowjet-Akademie der Wissenschaften, d. h. praktisch die Sowjetregierung, als Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Eigentümer an, und die Sowjetregierung erklaerte sich ihrerseits bereit, in Verhandlungen über den Verkauf zu treten. Eine sowjetische Sonderdelegation traf in Israel ein, und die Verhandlungen wurden mit laengeren (Unterbrechungen geführt, bis sie jetzt zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wurden. Die Sowjetregierung liess sich offenbar nicht von gelegentlichen arabischen Protesten beeinflussen. Uebrigens gibt es auch in der Altstadt bzw. in Jordanien betraechtlichen russischen Besitz und nach E r ö f fnung , diplomatischer Beziehungen zwischen Amman und Moskau dürfte auch dieses Problem angeschnitten werden. In Israel handelt es sich hauptsaechlich um den Jerusalemer Russenplatz mit seinen monumentalen Gebaeuden, in denen zur Zeit u. a. die Polizei, der Oberste Ger i c h tshof, das Landwirtschaftsministerium u. andere Behörden untergebracht sind und i der für die Entwieklungsplaene der Hauptstadt von entscheidender Bedeutung ist. Ferner gibt es gegenüber dem Stadtpark; in der King George Ave. neben der Jeschurun-Synagoge einen schmalen, jetzt vernachlaessigten, aber a e u s serst l wertvollen Streifen. Dazu kommt) die sog. Moskobie in Nazareth sowie Besitz in Afuleh und Tiberias. Dies , alles ist, wie gesagt, unter Ausschluss des kirchlichen Besitzes. Wie verlautet, wurde das Problem auf der letzten Besprechung des Ministerpraesidenten Levi Eschkol mit dem Sowjetbotschafter Bodrow zur endgültigen Klaerung gebracht. Man haelt es nicht für ausgeschlossen, dass Israel einen Teil des Kaufpreises in Zitrusfrüchten bezahlen wird, was eine Wiederanknüpfung von Handelsbeziehungen bedeuten würde, die bekanntlich nach dem Sin ai-Feldzug abgebrochen wurden. (“Canfit”)

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