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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-02-01 · 2 (Febrero, 1964) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
2 (Febrero, 1964)
Date
1964-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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FEBRERO 1964 POLETIN INFORMATIVO 7 GALiLEO CALILEI und das juedische Weltbild Am 15. Februar 1964 begeht die gesamte Kulturwelt den 400. Geburtstag eines der groessten Geister der Menschheit, des genialen Naturalles auf, um ihn zu vernichten. Er wurde im Inquisitionspalast zu Rom gefangengesetzt und, bei Androhung der Folter, zum Wiforschers, Mathematikers derruf gezwungen. Am 22. und Astronomen Galileo Ga- Juni 1633 schwor Galilei oeflilei. Sein Leben und Schaffentlich und feierlich die fen waren epochemachend Kopernikanische Lehre ab; und sein Wirken, zusammen seine heiligste, innerste, Uemit den wissenschaftlichen berzeugung von deren Rich- Schoepfungen der Kopernitigkeit musste er preisgeben, kus, Kepler und Newton war von entscheidender Bedeutung fuer das Entstehen ei LILI1LÏÏL 1 ISRAEL Mit besonderer Freude veroeffentlichen wir nachstehend einen Bericht von Herrn Julius Sachs (Tel-Aviv) ueber das Auftreten in Israel der uns bestens bekannten Kuenstlerin Lilianette. Die Mentalitaet der hiesigen Menschen ist grundverschieden von der der deutschsprachigen Einwanderer z.B. in Suedamerika. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass hier in Israel Wagner oder ner neuen Weltauffassung. Bevor versucht werden soll, den Standpunkt des Judentums im allgemeinen zu den seit jenem Widerruf anhaf- Seine ihm angedichtete Richard Strauss nicht ge- oder nachgesagte Aeusserung spielt werden. Verstaendlich, “Und sie (die Erde) bewegt dass viele nicht vergessen sich doch” kann den geniakoennen. Offiziell ist auch len Mann nicht von dem die deutsche Sprache fuer Makel ganz reinigen, der ihm ' GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI Ein wenig vom Grotesk-Komischen durch die Zeit Erkenntnissen der Naturwis senschaften darzulegen, mag kurz etwas vom Leben Galileis erzaehlt werden. Zu Pisa geboren, als Sohn eines hervorragenden Mathe tet. Der Rest seines Lebens war Einsamkeit, zuletzt Erblindung. Aber es sollen bis kurz vor seinem Tode (am 3. Januar 1642 zu Arcetri bei Florenz) viele Die parodistische Nachahmung des Ernsten ist so alt, wie das Ernste selbst. Nachahmung irgendwelcher Vorgaenge und Schwaechen des taeglichen Geschehens, mit possenhafter Uebertreibung, ist einer der uralten Triummatikers, bezog Galileo mit ^e^cha™che Anregun' 17 Jahren die dortige Universitaet, wo er zunaechst Medizin, dann Mathematik und Physik studierte. An der gleichen Staette finden wir ihn gen von ihm ausgegangen sein. Doch fuer rund 200 Jajire bestand das Indexverbot der Kirche und hinderte glaeubige Katholiken daran, Darbietungen “tabu”. Nur iii geringen Ausnahmefaellen (fuer Aeltere z.B.) finden Vortraege und Veranstaltungen deutschsprachig statt. So war es ein grosses Wagnis des Tel-Aviver Impresabedeutsame rios w. Robert, die Chansonette und Diseuse Lilianette aus Chile hierher zu engagieren und einige Vortragsa- _ . . bende in Tel-Aviv,. Haifa Kunst; das Possenreissertum und in deutschsprachigen und Siedlungen mit ihr zu veranseinen Dramen fehlt diese pfiffig-witzige Figur nicht, So erleichtert der Narr, in “Koenig Lear” die tragische Spannung, in “Was Ihr wollt”, “Ende gut, alles gut” treibt er sein ausgleichendes Possenspiel. Die Komoedien phe eines Individiums ueber strotzen foermlich von lustidas andere. Spass, Witz, Ironie, ¡Satire und Verhoehnung waren und sind stets beliebte Elemente der darstellenden bereits acht Jahre snaeter sich an der aufbluehenden stalten. Das Wagnis hat sich Derejrs _ aem i_janre spaeier Naturwissenschaft zu beteilieelnhntdie Abende waren als Professor. Doch bald sie- „ TT„„ , ,q;Qc. „„„ delt er nach Florenz ueber £>'en- UM all-s dies nur descten er nacn riorenz ueDer halb> SQ lst g€fragt worden, weil die Heilige Schrift vom und von dort nach Padua. 1592 ist er mit experimentellen Untersuchungen ueber die Grundlagen der Bewegungslehre beschaeftigt; bekannt sind seine Versuche, . Frn_pn dpr Naturwissendie Erscheinungen des “freien Lauf der Sonne” sprach? Und hier entsteht fuer uns Juden die Kernfrage; War und ist die Bibel massgebend gelohnt; die Abende waren ausverkauft und fanden ausserordentlichen Beifall. Lilianette verbindet Talent, Grazie, Witz, Charme und zieht noch immer das meiste Publikum an, das in der - angekreideten Schwaeche gern den Nachdem Gesindel, sprichwoertlich gewordenen Gestalten, wie “Flink und Lanz” in den “Beiden Veronesern”, “Schaedel und Armodo” in ‘Verlorene Liebesmueh”, die sieben Handwerker im “Sommernachtstraum” und —u m nicht Viele mehr zu nenbarn und selten sich selbst nen— “Bleichenwang und verlacht. Die Geschichte des Tobias Ruelps” in “Was Ihr Falles” unter Benutzung des beruehmten schiefen Turmes zu studieren. Schon bald wurde Galilei ein Anhaenger des grossen Kopernikus, dessen Werk von den Umlaufsbewegungén der Bahnen der Himmelskoerper die Stellung unserer Erde im Weltsystem entwickelt und bewiesen hatte, dass nicht die Erde sondern die Sonne der Mittelschaft? Kennt das Judentum einen Konflikt zwischen Ueb-rlieferung und modernem “E versuchte Grotesk - Komischen fuehrt weit zurueck, ihr Ausdruck ist hur insofern mit der Kul- Geschmack (miteinander. Sie turentwicklung der Menschsteht 2 Stunden in ihrer oneheit “verfeinert” worden, als woman-show auf der Buehne er vielleicht an Schaerfe zu- und zieht die Dinge, die sich genommen hat. Die wirklich um das Thema “Frau” dre- Wilden (falls es sie in ihrer hen, in blitzgescheiter Form durch den Kakao. Ihre Darimmer die Aussoehnung zwischen Lehre und Leben, zwischen Wissenschaft und Religion. War es im Mittelalter darum zu tun, Judentum und P h i losophie auszugleichen, so sehen wir Juden von heute unsere Aufgabe darin, das Judentum aus sich heraus zu di? Erd?Sdrehe "mt ’ehiem erfassen> zu erkennen, was die Erde drehe. Mit einem das Judentum ueber Gott, wie sie alles interpretiert, sind so, dass es im Zuschau erraum Lachen Sie besitzt das “gewisse Etwas”, das angeboren sein muss. Sie vereint jede Geschmackrichtung, ihre Show wird zur Sensation. Wohl muesste man das ganze Programm nennen, das so sehr echten, primitiven Form noch gibt), die von keiner Kultur beleckt, denen die wollt”. Die typische und groteskeste Gestalt bleibt Wohl sein Falstaff, dieser zeitlose tringlustige d i c kbaeuchige, laermige Gauner, Geniesser, Prahler und Gluecksritter, der auf der Dummheit der Anderen be» quem durchs Leben reitet. Wie hochbewertet das Gror teske war, zeigt das finstere, ‘Segnungen” der Zivilisation sonst so humorlose Mittelalweder durch Missionaere, nur ¡Schmunzeln, noch durch Matrosen gelehrt, und Applaus gibt, denen Sittenapostel keine Kleider aufgedraengt und sie ihrer spontanen und sauberter, das Missgestalten, Zwerge und scheussliche Ausgeburten der menschlichen Natur zu hoechsten Hofposten berief. Diese eigenartigen natuerlichen Erotik beraubt Lieblinge ihrer Herren, jene Mensch und Welt lehrt Und an dieser unserer Erkenntnis sollen wir uns bemuehen, die Probleme unserer Zeit zu pruefen. Und da ist eine der schwierigsten F r a ge n der Gegenwart diejenige nach der Moeglichkeit, die Berlcht e der Bibel ueber die bereinstimmung zu bringen. Die Beobachtung der Naturgesetze lehrt uns, dass die Welt sicherlich viel aelter sein muss als nach dem Bericht der Bibel. Der sehr bedeutende Frankfurter Rabbiner und Repraesentant der selbstgebauten Fernrohr entdeckte der Forscher die Unebenheit der Mondoberflaeche, die Jupitermonde u.a.m. Mehr musste er gegen die Lehre des Aristoteles von der U n v e r a e nderlichkeit des Himmels auftreten, und damit geriet er in einen scharfen Gegensatz zur Kirche, welche jene Lehre ausdruekklich gutgeheissen hatte. Durch alle seine Entdeckungen war zwar sein Ruhm aussergewoehnlich gestiegen, doch zugleich begann die Inquisition (die Gerichtsbarkeit der Kirche zur Aufspuerung und Bestrafung von Ketzern) sich fuer diesen Gelehrten zu interessieren Ende 1615 begab sich Galilei freiwillig nach Rom, wo der erste Prozess gegen ihn, oder genauer gesagt, gegen die Koperni kanische Lehre, stattfand. Galilei fuegte sich damals der Ermahnung, solche Meinungen wie die, welche Kopernikus verbreite nicht mehr zu ehren. Fuer einige Jahre hatte er und konnte in der Stille weiterforschen; ja, er fand sogar Belohnungen fuer einige kleinere Arbeiten. Hierdurch ermutigt, gab Galilei im Jahre 1632 sein Hauptwerk heraus, das eine glaenzende Verteidigung des Kopernikanischen Weltsystems wurde, Schoepfers und die Gesetze sich bemuehte, die - _ haben, denen “Kultur” nicht mit Folter, Galgen, Pulver und Blei beigebracht worden ist, haben ihr Kindergemuet gefiel. Wie bringt sie Witze bewahren duerfen und, wie -sie bringt sie, sie erzaehlt sie nicht—, wie karikiert sie Typen, wie feinfuehlig holt sie Heinrich Heine hervor, wie stimmungsvoll zeigt sie uns das “Ladenmaedel” von Nelson, w'ie versprueht sie ihre Weisheiten, wie glueck- Kinder, Freude an Narreteien. Ihr oft moerderischer Kampf ums Dasein ihr staendiges hilfloses Ausgeliefertsein an die Naturgewalten, nehfen nicht diese wundervoll-harmlose, derbe Lebensfreude, diese starken Austand— und flitterbekleideten Narren, waren oft die Einzigen, die es wagen durften, die Wahrheit derb und klar zu aeussern. Ihre groteske Haesslichkeit schuetzte sie vor Strafe. Abergläeubige Scheu, die heute noch fuer glueckbringende Bucklige bei Spielern zutrifft, raeumte jenen Verunstalteten einen privilegierten Platz ein. Honoré Daumier’s herzer- Schoepfung piit der moderzaubert sie alles um die Lie nen Naturforschung m Uebe, um die Musik, um die lieh ist Optimismus, wie brueche echten, herzhaften frischende Bronzen und Gesellschaft, um den Film, um den grossen Dirigienten, und was es alles Interessantes gibt an Delikatessen ihrer Menukarte, bei der das “kleine koschere Restaurant” mit den “gefillten Fisch” nicht fehlt, und auch dem sogenannten “Separatorthoernsten Chanson “Die Tromdoxie”, Dr. Isaac Breuer s. A. aeussert sich hierzu in einer seiner Schriften: “Die Natur Ist die Welt der Erscheinungen (Kant) und zugleich die Ruhe des mel” von Tucholsky verhütt sie zu starker Wirkung. Alles ist geistreich, flott, heiter, und manches Gewagte wird zum prickelnden Vergnuegen. Eine Zille-Type legt sie echt Humors. Lachen und Anderezum-Lachen-bringen ist ihnen Lebenselement. Wie ¡unendlich viel Naturhaftes verloren ging, als solchen Voelkern mit der auferzwungenen Zivilisation die eigene, oft hohe Kultur zerstoert wurde, ist eine traurige Seite der Menschheitsgeschichte. Die unerhoert ausdrucksvollen Tanzmasken der Pre- Conquistadorenzeit aus Ber- Zeichnungen, dieser entzuekkende Quell der feinsten Verhoehnung, karikier tep mit charmanter Schaerfe das buergerliche, langweilige Milieu seiner Epoche. Kein Steinberg, Arno oder Thurber hat je sein Niveau erreicht. Was bietet unsere Zeit an erwaehnenswert Grotesk-Komischem? Viel an Geschehnissen, wenig, herzlich wenig im Kunstausdruck, obwohl Jin sind dafuer ein (Beispiel, er oft von Unverstaendigem ebenso wie die Tier— und damit verwechselt wird. Un- Teufelsfratzen, die im fernen ssre Zeitungen bringen zwar Schoepfers. In sechs Tagen berlinisch aufs Podium und schuf der Schoepfer frei aus dem Nichts heraus eine Welt. Am siebenten Tage, als der Schoepfer ruhte, ward die Natur geboren. Fuer die Natur gelten die Naturgesetze, sie sind Gesetze des ruhenden Schoepfers. Zwischen Natur und Schoepfung sind keine Widersprueche moeg alle die Eigenschaften der menschlichen Kreatur, die zur Persiflage anreizen — das ist die Quintessenz ihrer geschmackvollen Kunst. Fast pausenlos laeuft das Spiel mit Eleganz, Leichtigkeit und Verkleidungen. Man fuehlt sich angesprochen von allem, was diese kluge, Osten seit Urzeiten zu Tanz und Schauspiel benutzt wurden, groteske Schreckbilder, die nie leines gewissen Humors entbehren ganze Seiten von sogenannten “Comics”, ihr Witz ist aber meistens schal und billig, es sei denn er richte sich gegen die Politik und ihre Bei fast allen Voelkern und Verantwortlichen. “Topaze" Nationen ist der Werdegang leistet darin bemerkenswert der Mimenkunst der gleiche; Gutes. lieh, denn sie folgen zeitlich attraktive Frau sagt , und S?lSset be?chraenkunf des bringt, seien es die Bonmots wobei er kirchliche Bedingung zu er* fuellen, jene Lehre nur in hypothetischer Form zu behandeln .Doch nun war eine Entscjheidung gefallen: Waehrend seine Freunde jugu.eitig aber nur fuer die Na beiten ob dieser gigantischen s s’_ Leistung, boten seine Feinde der Natur sind nicht die Gesetze der Schoepfung. Der menschliche Verstand, selbst ein Stueck Natur, kann aus dieser nicht heraus, und was er wahrnimmt, ist wahr, ist ueber dit Europareisen, ueber die Krankheiten, ueoer die Eigenarten der Mitmenschen ueber Parteis, Teenager — kurz und gut, sie bringt das alles so entzueckend. dass kein Champagner mehr Stimmung erzeugen koennt aus der breiten, lachbereiten Masse, dem schaulustigen Volk, stieg sie ueber den Jahrmarkt muehsam ,und gequaelt in die Kreise der Gebildeten. Die Grotesk-Gestalt, der Clown, fehlte nie. Shakespeare, der Gigant, der Karikaturhaft grotesk mutet ein modernes Damenmodenblatt an, mit seinen uebersteigerten Linien in Kleidern, Hueten und Frisuren. Das war aber wohl immer so, wenn die Modeschoepfer verzweifelt nach seiner Epoche so unerreicht Neuem suchten und sich geweit voraus war, dass er vom 16. Jahrhundert bis zum heutigen Tag modern, ungealtert, unverstaubt blieb, wurde auch dieser Bedingung (Fortsetzung Seite 10) nicht mehr. Und “aus .daffke” verrat’ ich seiner Zeit und ihrem Geschmack gerecht. Selbst in genseitig zu uebertrumpfen trachteten. Und die verrueckt-komi sehe Wirkung besteht auch nur so lange (oder so kurz), bis auch dieser Unsinn akzeptiert ist. K. G.

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