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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-02-01 · 2 (Febrero, 1964) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
2 (Febrero, 1964)
Date
1964-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO /*/^r-irrkAPk /- I I I T M D A I ICDACIITA « O ' NJ P 1 I < R O P L * REDACCION: S.C.I. ß'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 - SANTIAGO CHILE AÑO XXVI N.o 2 SANTIAGO DE CHILE FEBRERO 1964 ELF STUNDEN. DIE ISRAEL ERSCHÜTTERTEN Von Dr. ABNER NECHUSHTAN, Tel-Aviv Unter dem denkbar herrlichsten Winterhimmel hatten wir alle, vom Staatspraesidenten Salman Scliasar bis zur Meute der Reporter, bei einer Kaelte von kaum ueber Null Grad, die uns seit den fruehen Morgenstunden des 5. Januar nicht schlecht zugesetzt hatte, seiner geharrt; und dann bog die schwarze Limousine, die den Oberhirten der Christenheit von der Jerusalemer Altstadt quer durch das jordanische Samaria ueber die Grenze zwischen den zwei Staaten gebracht hatte, mit mehr als einstuendiger Verspaetung schliesslich in die Auffahrt zum Hof# des Museums von Megiddo ein. Trommelwirbel, Trompetenstoesse — der Papst trat in Erscheinung, wie segnend breitete er die Arme aus, und begab sich mit Herrn Schasar unter den Baldachin auf der Tribuene. Der Praesident, der liebraeisch sprach, wies in herzlich gehaltenen Begruessungsworten auf die nahegelegenen gut sichtbaren Siedlungen des juedischen Staates als “lebende Beweise fuer die Erfueilung der biblischen Prophezeiung“ hin. Paul VI. seinerseits berief sich in seiner ebenso warmherzig formulierten Antwort, auf franzoesisch, “auf Gott als Unseren Zeugen, dass Wir bei diesem Besuch nur von geistliehen Gedanken beseelt sind”. Wahrscheinlich vermied er eben deshalb das Wort “Israel” ,seines heutigen politischen Klanges wegen. Und auch, dass er S. Schasar etwas zu gekuenstelt a 1 s “Exzellenz“ statt a 1 s “Staatspraesident” anredete, wurzelte vermutlich gleichfalls in politischer Sprachregelung. Nur als Pilger wollte er aufgenommen werden und genommen sein. Der paepstliche Walfahrer und kein Kirchenpolitiker war es denn auch, der etwas spaeter in der Verkuendungs-Grotte N a z a r e ths, nachdem er die Messe zelebriert hatte, in seiner Predigt hoechst eindrucksvoll vom Unterschied zwischen dem Buchstabenglauben an die Bibel und der “innere Erleuchtung durch die uebernatuerliche Wahrheit des Heiligen Wortes” sprach. Wie vor Jahren, als er mit dieser Losung als Erzbischof von Mailand keine geringe Sensation gemacht hatte, wandte er sich zugleich jetzt wieder betont an “alle Arbeiter der Welt”. In Nu hatte sich aus dem Verkuender zeitloser Werte damit ein Zeitgenosse von intensivem sozialreformerischen Wollen herausgeschaelt, ein Mensch aus dem feierlichen Traeger der Tiara Ja, der Mensch. Er ueberlichtete im weiteren Wirbel dieses bis an den aeussersten Rand mit mehr oder minder raschen Besuchen und Besichtigungen gefuellten Tages immer wieder und immer mehr das Symbol des christkatholischen Glaubens. Selbstredend, ueberall verharrte der Papst inbruenstig im Gebet. Im Dorf Kana, in dem Jesús das erste seiner wunder getan haben soll, die Verwandlung Wassers in Wein. Im Kloster Tabcha, am nordwestlichen Ufer der Genezareth, vor und in der “Kirche der Brote und Fische“, die ueber bildschoenen Mosaiken byzantinischer Herkunft errichtet ist. In der 1934 aus schwarzem Basalt gebauten dortigen Franziskanerkirche des Heiligen Petrus. Auf dem benachbarten Huegel, auf dem der Gottessohn des christlichen Glaubens die Bergpredigt gehalten hatte. Und immer noch am noerdlichen Seeufer: in Kapernaum, dem Kfar Nachum der Juden, mit der seit ihrer Wiederausgrabung weltberühmten -Synagoge; tief unter ihr sollen sich die Reste jener anderen befinden, in der, der junge Jesus die Schriftgelehrten durch seine Weisheit und Kenntnisse verblueffte. Spaeter auf dem Berge Tabor, den das Neue Testament eigenartig genug nicht erwaehnt — der Nazarener bestieg ihn mit drei seiner Apostel, war transfiguriert und erschien ihnen dann, wie er mit Mo¬ AUS DEM INHALT Seite Gottesdienstkalender. 2 Die Verwuenschung Amaleks. 3 Ein bewegter Jahreswechsel. 4 Monatsspiegel. 5 Galilaea wird neu ^entdeckt. 9 La Voz Infantil. 11 La Comunidad Judía de México. 13 ses und dem Propheten Elia plauderte. Und am Abend, nach stundenlanger Fahrt auf der Chaussee der Scharon Ebene, durch dutzende juedische Staedte, Doerfer, ¡Siedlungen —in der “Kirche des Entschlummerns” der Jungfrau Maria, auf dem festlich beleuchteten Zionsberg Jerusalems ... Selbstredend, alle r o rt e n toenten die Glocken, wurden alte nestorianische -Chorgesaenge von oft faszinierend schoener Klangfuelle auf lateinisch — und gelegentlich auch arabisch— angestimmt; der Papst beugte seine Kniee. Weihrauch umhuellte ihn; er verharrte in Andacht; er empfing und gab vor allem Weihegeschenke in Fuelle, so zwei seiner purpurroten, Rermelingesaeumten Stolen, die er sich von den Schultern nahm; er sparte nicht mit Segnungen, die ihm augenscheinlich vom Herzen kamen. In seelengewinnender Ungezwungenheit Doch zeigte er sich menschlich nicht minder als paepstlich. Ais die Autokolonne bei der Fahrt durch Tiberias einige Momente pausierte, neigte er sich aus dem Wagen und kuesste einen Saeugling, den ihm die tief erroetende Mutter entgegenhielt, unter dem Jubel der Menge. Vom Kloster Tabcha ging er zum Tiberiassee herunter, um sinnbildlich einige Handvoll des Wassers zu schoepfen, auf dem sein Heiland trockenen Fusses gegangen war, und wiederholte diese Handlung nachsichtig laechelnd (aber sicher auch im Wissen um den Wert der Telekommunikation fuer die Kirche von heute) nicht weniger als zwei mal auf Bitten der TV-Operateure, die mit ihren Apparaten, um ihn moe glichst guenstig zu “schiessen”, in den See getappt waren. Ein italienischer Pressephotograph kniete dort mit der Bitte um den Segen vor ihm nieder und liess, als ihm Paul VI. willfahrte, seine Filmkamera von unten surren; er liess es schmunzelnd geschehen. Ein Taesschen tuerkischen Kaffees, das ihm ein Araber am gleichen Ort vor der “Kirche der Vervielfaeltigung” a n b o t, nahm er dankend entgegen; da ihm der Kaffee zu heiss war, goss er ihn eigenhaendig in eine zweite Tasse um. Und einen juedischen Polizeisergeanten, der ihn als Schutzgarde von morgens bis abends eskortierte, verwickelte er unversehens in ein Gespraech ueber die Mosaiken der Synagoge von Kapern a u m. Erfreulicherweise wusste der Mann recht gut Bescheid gleich zahllosen Israelis, fuer die Archaeologie ein Nationalsport geworden ist... Passe es im Grunde nicht zu diesem Bild, dass die juedischen Einwohner der Provinzstaedte Chedera. Petach- Tikwa, L o d, Ramie, die Bauern der vielen dazwischenliegenden Orte an all den vielen Kilometersteinen der durch halb Israel -gehenden Ueberlandstrassen so erwartungsvoll wie wohlgesinnt Aufstellung genommen hatten, als der Papst nach dem Besuch seiner Heiligen galilaeischen Staetten nachmittags gen Jerusalem fuhr? Wallfahrt als Wendepunkt? Als Paul VI. das Portal der Dormitiokirche abends auf dem Zionsberg durchschritt, sonderte sich der greise Eugenio Tisserant, als Dekan des Kardinalskollegiums, der zweitwichtigste Mann des Vatikkans, von der Seite des Gastes ab, und begab sich, gleichsam als “Stellvertreter des Stellvertreters” in das daneben liegende “Gewoelbe der Maertyrer” der Hitlerzeit. Aufs Tiefste erschuettert von den Aufschriften der Wandtafeln, “Maidanek“, “Treblinka”, “Auschwitz”, Namen die er im Fluesterton mehrmals wiederholte, entzuendete er sechs Kerzen, fuer die sechs Millionen der von den Nazis ermordeten Juden. Er sei hierher gekommen, erklaerte er namens des Papstes, “um dem juedischen Volk unser Beileid zu bezeugen”. Bittere Traenen rannen ihm in seinen lang herabwallenden schlohweissen Bart. Haette sich Paul VI. —so wurde er juedischerseits mit Befremdung kritisiert— nicht selber zu dieser Geste verstehen sollen? Aus seiner Umgebung wurde Zeitmangel geltend gemacht — oder vorgeschoben. Wahrscheinlich geschah es, um den arabischen Feinden des juedischen Staates keinen Vorwand zur Behauptung zu liefern, dass der Vatikan den Juden “ueber Gebuehr gefaellig” sei. Deshalb hatte die Kurie es zur Enttaeuschung der hiesigen Regierung und Oeffentlichkeit es ja auch vermieden, ihr Oberhapt gleich zu Beginn in der Hauptstadt Israels mit dem Staatspraesidenten Schasar Zusammentreffen zu lassen, und ,das doppelte Kompromiss der Begruessung in Megiddo und des abendlichen Abschiednehmens in Jerusalem gewaehlt. Allein, Paul VI. liess darum nicht weniger Zweifel darueber aufkommen, wie er denkt und empfindet, als er sich um 9 Uhr abends nach elfstuendiger Pilgerfahrt durch Israels Heilige christliche Staetten an der Jerusalemer Grenzperre schliesslich vom Staatspraesidenten Schasar in einem Staatsakt verabschiedete, der an Feierlichkeit nichts ihrer ersten Begegnung in Megiddo nachgab. Indirekt, doch unmissverstaendlich tat er es: er verwahrte sich ueberraschender Weise mit geradezu “undiplomatischer” Schaerfe gegen “gewisse, in letzter Zeit laut gewordene Verdaechtigungen“ seines vorletzten Vorgaengers, also gegen Hochhuths -bekanntes Buehnenstueck. Pius XII habe im vorigen Krieg vielmehr alles zugunsten der Juden getan, was in seiner Macht stand. Wie es seine sittliche und kirchliche Pflicht gewesen sei. Auch diese Abschiedsworte also liessen sich so wie vieles an jenem ereignisreichen Tag als Beitrag Roms zu dem oft vertretenen Gedanken christlich-juedischer Annaeherung deuten. Dennoch versagt der Vatikan die de-Jure Anerkennung weiterhin diesem Staat hier, in dem er durch keinen apostolischen Delegaten vertreten ist, teils aus kirchenpolitischem Opportunismus, mit dem Blick auf die Dioezesen in den israelfeindlichen moslemischen Laendern, teils aus starrem Festhalten an gewissen, von Augustinus stammenden Dogmen. Bis zum wirklichen christlich-juedischen Bruekkenschlag duerfte es noch gute Weile haben. -oOo— Und dennoch. Am Abend dieses 5. Januar kam jemand von der Garde der ganz alten Zionisten zu mir. Nahm vom Buecherschrank den dritten Band der Tagebuecher des Wiener Schriftstellers Theodor Herzl, der diese Bewegung geschaffen hatte, bevor sie ein halbes Jahrhundert spaeter in den juedischen Staat einmuendete. Schlug Herzls Notizen ueber seine Audienz bei einem frueheren Papst, Pius X. am 15. Januar 1904 auf, und las: “Ich unterbreitete i h m kurz mein Anliegen. Er aber antwortete streng und gereizt. Noi, non possiano favorire questo movimiento... Wenn Sie nach Palaestina kommen und Ihr Volk ansiedein werden, wollen wir Kirchen und Priester bereithalten, um Sie alle zu. taufen. Mein F*reund Klappte das Buch zu. Er laechelte und sprach den fromm juedischen Segensspruch: “Gelobt sei rpo ¿21* dio Zeiten cicnd^rt*5.

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