Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1963)
- Date
- 1963-12-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/8553624-8558686-9194547--4063-8559023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DICIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 9 Unruhige Ruhetage in Jerusalems “reli&ioesem Naturschutzpark” VON DR. ABNER NECHUSCHTAN (TEL - AVIV) r SONDEi-BERKHT FÜR DU Leuten mit empfindlichen Gehoersnerven war es in Jerusalem waehrend des August, September und Oktober nicht zu empfehlen, sich an einem der Sonnabende vor— oder nachmittags in’s Stadtviertel d’er “Hundert Tore” zu verirren, nach Meah Schearim, wie es auf hebraeisch heisst. Die Froemmsten der juedischen Frommen, die in den schon recht alten Steinhaeusern dieser engen Gassen wohnen, schienen im ganzen Spaetsommer und Fruehherbst das biblische Gebot, dass “Du am siebenten Tage ruhen sollst”, statt beispielshalber Deine Stimmbaender im Uebermass zu strapazieren, ausser Kraft gesetzt zu haben. Aus dem Laermkonzert des allgemeinen Schimpfens und Schreiens drangen dem verdutzten Spaziergaenger, wenn er sich naeherwagte, neben dem Feldgeschrei “Schabbes” nach und nach deutlicher auch die Rufe “Nazis”, “Pogrom” ans Ohr. FROMME BESCHWOERUNGEN Das “Schabbes” — Rufen sollte den Protest dagegen zum Ausdruck bringen, dass die schnittigen Strassenkreuzer mit dem C. D. neben dem Nummerschild und Attachés oder Botschaftssekretaeren im Plafond und die weissen Wagen der Offiziere und Beamten des UN — Corps, wenn sie durch die sog. Mand'elbaum — Passage aus" dem benachbarten Jordanien ueber die Grenze kamen, auch am Schabbath die Hauptstrasse Meah Schearims entlangfuhren, die Schiftej Israel-Strasse, die “Strasse der Staemme Israels”, wie sie in deutscher Uebersetzung heisst. Der. Protest galt an den gleichen Tagen nicht anders Touren- Autobussen, die an diesem Grenzuebergang fuer christliche Pilger und ueberhaupt fuer Touristen bereitstehen, die aus dem arabischen Vorderen Orient nach Israel weiterrollen, und mit ihren Passagieren dann in eben diese Strasse einschwenken. Ebenso wenig kann der Kontroll — und Abfertigungsdienst am Mandelbaum — Dur chgang vierundzwanzig Stunden lang, vom ¿Beginn des Schabbath in der Abend- Daemmerung des Freitag bis gegen Ende des Sonnabend einfach lahmgelegt werden, wie am christlichen Sonntag oder Freitag, dem Ruhetag der Moslems. Er ist den Beduerfnissen eines recht starken, international geregelten motorisierten Verkehr s angepasst der keine Ruecksicht auf Sonn — und Feiertage nimmt, und von, bezw. zu diesem einzigen einvernehmlich freigelassenen Loch fuehrt dieserseits der langen Mauer, die die beiden Staaten leider voneinander absperrt, nun einmal kein anderer Weg als der durch besagte “Strasse der Staemme Israels”. Wirkliches Verstaen d n i s fuer diese Zwangslage war von den Superorthodoxen in Meah Schearim auch in den anderthalb Jahrzehnten eigentlich nicht zu erwarten gewesen, in denen sie sich seit Israels Staatsgruendung mit dem Einschluss des Schabbath in den Betrieb an der Mandelbaum—Sperre abgefunden zu haben schienen. Ihrem religioesen Fanatismus widerstrebt ja jedes, als noch so unvermeidlich nachgewiesen enes Abgehen vom Wortlaut des Zehngebotes, das ER auf dem Gipfel; des Sinai geoffenbart, und das eine unabsehbare Schar von Rabbinen spaeter gedeutet und bekraeftigt hat. Als sie von grollendem Geschehen-, lassen aus ziemlich unerfindlichen Gruenden im letzten Sommer zu offenem Widerstand uebergingen, konnte es deshalb eigentlich auch nicht wundernehmen, dass sie slcn auf ihre Protestrufe nicht beschraenkten. Dem Schreiben folgten bald Pflastersteine, mit denen sie unterschiedslos die “suendigen” Chauffeure der Autos, der Busse und ihre Fahrgaeste bombardierten, wie gesagt Diplomaten, Funktion a e r e der United Nations, Wallfahrer, Vergnuegungsreisende... Und wehe den juedischen Einheimischen, wenn sie in Autodroschken oder ihren Privatwagen noch nach dem “Einlaeuten” des Schabbath, Freitag Nachmittag, oder am Sonnabend schon kurz vor dem religioesen Toresschluss durch diese Strasse fuhren! Es kam mehr als einmal gegen sie zu schweren Handgreiflichkeiten, ,auch wenn es sich um Aerzte (mit dem entsprechenden Ausweis auf der Vorderscheibe des Steuersitzes) handelte, oder um Ambulanzwagen der Krankenhaeuser. LEIDENSCHAFTLICHE VERWUENSCHUNGEN “Nazis” und “Pogrom” waren die bevorzugten Schimpfworte der Meah Schearimer gegen die Jerusalemer Polizei, die zur Verhinderung solcher Ausschreitungen wie zur Freihaltung des Strassenverkehrs daraufhin wochenlang im Viertel der “Hundert Tore” am Schabbath antreten musste, der an sich selbstredend ihr dienstfreier Ruhetag ist. Man kann die disziplinierte Zurueckhaltung nur bewundern, mit der die Polizisten die Zurufe ueberhoerten, Juden auch sie, von denen viele ueberdies im Gegensatz zu den meisten Schreiern den Hitler-Terror am eigenen Leibe zu spueren bekommen hatten. Die Eiferer gingen darauf aus, ihre Schiftej ¡Israel-Strasse mit Menschen zu ueberschwemmen, um den motorisierten Verkehr am Schabbath faktisch zu verunmoeglichen. Um der Polizei ihr Eingreifen zu erschweren, bedienten s i e sich dabei mit Bedacht der Taktik, Kinder in die ersten Reihen der von beiden Strassenseiten zum Fahrdamm vorrueckenden Gruppen! zu stellen, und Maedchen und Frauen hinter ihnen. Ehe die Polizisten diese Vorhut mit der gebotenen Behutsamkeit gesprengt hatten, waren die dahinter postierten Maenner, die die Steine warfen, schon in ihren, Haeusern und Hoefen verschwunden. Kritisch verschaerfte sich dieser monatelang fortgesetzte “Wochenend-Aufruhr”, als die “Liga gegen religioesen Zwang” an einem der Sonnabende im Zentrum Jerusalems unter freiem Himmel eine Gross-Kundgebung gegen die Orthodoxen veranstaltete. Zur Abwehr des Versuchs, den modernen “Weltlichen” Zuschnitt Israels der altbiblisch — prophetischen Gottesstaatidee unterzuordnen, hatte sich diese “Liga” freidenkerischer Kreise schon vor einigen Jahren gebildet; heute zaehlt sie nach ihren Angaben in Stadt und Land ueber 10.000 Mitglieder. Zuihrer Protestversammlung gegen die Protestler der “Hundert Tore” brachte sie zugleich indessen ein ziemlich starkes Aufgebot von Siedlern einiger linkssozialistischer Kibbuzim in Lastkraftwagen heran. Als die Reden verklungen waren, marschierte der Haufen dieser .jungen Leute, notabiene stockschwingend, in Richtung auf Meah Schearim um sich —wie sie sagten— “Die Hochburg der Dunkelmaenner” einmal aus der Naehe anzusehen. Wer weiss wozu es gekommen waere, wenn die Polizei die vom Stadtinnern gehenden Aufmarschwege zu dem Bezirk der Frommen nicht vorsorglich abgeriegelt haette! So mussten die “Kibbuzniks”, wie sie der Volksmund hierzulande nennt, unverrichteter Dinge wieder abziehen. Am naechsten Tage verlautete im Lager der Jerusalemer Orthodoxie, sie werde angesichts solcher Gefahren aus ihrer eigenen Jugend jetzt eine bewaffnete Miliz bilden. Glücklicherweise ist daraus ebenso wenig etwas geworden wie aus dem polizeilich abgestoppten “Spaziergang der Kibbuzniks”. Ja, beiden Seiten scheint danach die Einsicht aufgedaemmert zu sein, dass es besser waere, den Bogen nicht noch mehr zu peberspannen. Orthodoxe Hitzkoepfe drangen zwei, drei Wochen spaeter beim Ausgang des Schabbath, als die Polizisten schon abgezogen waren, allerdings in ein nahe befindliches Regierungsgebaeude ein, richteten genug Sachschaden an und suchten das Haus sogar in Brand zu stecken, aber das war eher wohl der letzte Sturm vor der momentan in der ersten Novemberhaelfte herrschenden “Kampfpause". “FRIEDEN OHNE EINEN SIEGER UND BESIEGTE” Sie wurde vom Verkehrsminister bar—Jehuda als zustaendigem Ressortchef intensiv zu Bemuehungen um einen Kompromiss mit den Gotteseiferern benutzt. Ungewoehnliche Schwierigkeiten stellten sich nur deshalb heraus, weil der Minister, nach seiner Parteizugehoerigk eit entschiedener Sozialist, fuer seine Person als betont areligioes bekannt ist. Die Bezirks fuehrer von Meah Schearim wuerden sich auch sperren, wenn statt seiner ein Kabinettsmitglied mit noch so grosser Anhaenglichkeit an die religioese Ueberlieferurig des Judentums verhandeln wuerde; denn zuwider ist ihnen so wie der Staat Israel, den sie in Bausch und Bogen a b 1 e h n e n, dessen ganze “Regierung der Zionisten” einschliesslich der durchaus traditionstreuen, an der Koalition teilnehmenden “Religioes Nationalen Partei”. Sie verlangen die totale Schliessung der Mandelbaum Passage von jedem Freitagnachmittag bis zu jedem Sonnabend-Abend, wie an den juedischen Feiertagen. Der Regierung verbietet es schon ihr Prestige, derart vor diesen Gegnern zu kapitulieren. Sie kann sich selbstredend auch der internationalen Verpflichtung nicht entziehen, den Grenzuebergang ohne Unterbrechung offen zu halten. Deshalb arbeitete ein Minister-Comite mit der Hilfe eines Ausschusses von Polizeioffizieren und Verkehrs - Sachverstaendigen eifrig daran, eine Regelung zu finden, um die Autos und Busse des israelisch-jordanischen Grenzverkehrs ueber andere, ausserhalb dieses “religioesen Naturschutzparkes” gelegene Strassen leiten zu koennen. Aber entweder befinden die sich in unmittelbarer Naehe der Demarkationslinie, auf deren oestlicher Seite schussbereit die Legionaere des Koenigs Hüssein pausenlos patrouillieren, oder sie muessten muehesam Seitdem das im Jahre 1930 von Jehoschua Margolin s. A gegruendete Institut fuer Biologie und Paedagogik, das 1953 von der Stadtverwaltung errichtete Institut fuer Nte/turwissenschaf ten und das 1954 geschaffene Institut fuer juedische Kultur und Wissenschaft als Kern der Universitaet in einem, Rahmen zusammengefasst wurde, hat sich die Universitaet Tel-Avivs wesentlich entwickelt. , Man eroeffnete eine Mikrobiologische Abte i 1 u n g, dann unter Mithilfe des WeizmannTnstitutes eine Abteilung fuer angewandte Mathematik, Katheder fuer Philologie und das Institut fuer Theaterwissenschaften, gliederte die Tel-Aviver Musik-Akademie in den Rahmen der Hochschule ein, schuf Katheder fuer Militaergeschichte und fuer allgemeine Geschichte, usw. Aufgrund der Empfehlungen des oeffentlichen Ausschusses unter Vorsitz von Mosche Schareth raeumte die Stadtverwaltung ihrer Universitaet akademische Autonomie ein, und min konnten fuer Botanik, Zoologie, angewandte Biologie, Mikrobiologie, angewandte Mathematik, Chemie und Phyrik die asademischen Titel Ii. Sc. unri M. Sc. verliehen werden. In der geisteswissenschaftlichen Fakultaet werden Bib e 1, Talmud, hebraeische Sprache und Literatur, juedische Geschichte, Philosophie, Orientalistik, klassische Sprachen, allgemeine Geschichte, Geschichte \ und und zeitraubend erst mit Kosten gebaut werden, die man auf eine ¡Million Isr. Pfund, etwa 300.000 Dollar, geschaetzt hat. Auf eine dieser Alternativen fuer die “Strasse der Staemme Israels” —die somit bedauerlicherweise eher zu einem Symbol fuer die Uneinigkeit dieser Staemme geworden ist— wird die Sache dennoch wohl hinauslaufen. Die israelische Regierung erklaerte sich wiederholt zwar so, wie vor acht Jahrzehnten Bismarck in seinen Auseinandersetzungen mit den Ultramontanen, fest ¡entschlossen, “nicht nach Canossa zu gehen” Aber aus vielerlei Gruenden widerstrebt es ihr gleichwohl nach wie vor, in einen Kulturkampf einzutreten und so tendiert sie zur Nachgiebigkeit. Die Frage ist nur, ob der Kulturkampf ihr faktisch nicht schon aufgezwungen worden ist... Geographie Afrikas, Franzoesisch, Theater und Psychologie gelehrt. 1963 wurde fuer bereits ausgebildete Aerzte eine Ergaenzungs-Fakultaet zur Vervollkommnung des Medizinstudiums eingerichtet, die besonders eingewanderte Aerzte mit den medizinischen Verhaeltnissen und Spezial— Krankheiten des Orients' und Israels vertraut macht, und ln die sich 180 Mediziner inskribiert haben. An der Abteilung fuer Paedagogik werden vornehmlich bisherige Volksschullehrer zu Mittelschullehrern ausgebildet. Im ersten Jahre nahm die Zahl der Studenten von 17 auf 148 zu, naehert sich jetzt aber bereits den 2000, waehrend die Zahl der Mitglieder des akademischen Lehrkoerpers (Professoren, Lektoren und Assistenten) schon ueber 200 betraegt. Auf dem Gelaende des neuen Universitaets-Campus, das 400 Dunam umfasst, werden jetzt die ersten beiden Gebaeude, fuer Physik und Chemie errichtet. Als naechste sind die Gebaeude fuer Geisteswissenschaften, Soziologie Naturwissenschaften und Kunst projektiert, ein Verwaltungsgebaeude mit Zentralbibliothek, Studentenheim Restaurant und Sportplaetze, Der Gesamtrahmen der Universitaet ist fuer 12.000 Studenten geplant, was angesichts des Wachstums von Tel-Aviv und den Randstaedten gewiss nicht als uebertrieben bezeichnet werden kann. CCanfit”) FEINE MASS SCHNEIDEREI Manfred Engel Monjitae 825 Of. 204 Zwischemtock Fono 392430 Reichhaltige Amwahl erstklauiger Stoffe j DIE TEL-AVIVER UNIVERSITAET WAECHST