Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-11-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/8553624-8558686-9194545--4050-8559011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 NOVIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 25 GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DIE ZWEI GESICHTER VIÑAS Ausnehmend vorne hme Leute wohnen in Viña del Mar —nein, Verzeihung, ich rektifiziere: die GANZ Vorquillos— und Coca Cola-Verkaeufer entonieren ihren Sing-Sang am Strand und Photographen b a 1 a nzieren Wohnung nach Wohnung anzusehen, . bis sie Anfang August glaubte, das Richtige gefunden zu haben. Ein 8.65 Escudos-Gespraech zitierte die Freundin aus Santiago, die sich mit ihrer Familie (Mann, 3 Kinder, Mutter un<J Bruder) fuers naechste Wochenende ansagte. Sie kamen und mit ihnen 2 befreundete Ehepaare, die sehen wollten, ob sie im Sommer in der zu mietenden Wohnung ab und zu fuer ein W e e k end unterschluepfen koennten. “Alle fuehlten sich in unserer kleinen Wohnung sehr wohl“, schreibt Eva. “Alle, ausser uns selbst. Der Riesenbraten, die Unmenge Wuerstchen, die ich vorbe- - KUNST UND LITERATUR LILIANETTE: VON EINST UND VON HEUTE Wenn jemand daran genoetigt sie dem Zuschauer nehmen wohnen natuerlich mit ihren vorsintflutlichen reitet hatte, reichten nicht; zweifelt haben sollte, dass die mehr Bewunderung ab: mit in Santiago, haben aber ein Maschinen zwischen langsam ich stand die ganze Essens- Zeiten sich aendern: jahrdem exquisiten Geschmack, Departamento m Vina und braeunenden und schmorenzeit ( ueber in der Kueche, aus, jahrein hat uns Lilia- - — die, welche staendig in Vina den Masse nanhaeufungen Konserven - oeffnenderweise nette anhand vieler Beispieleben, sind nur die ordinaehalbnackter Koerper hinwas insofern ein Glueck war, le erzaehlt, dass der Novak durch. - - - - . . - ren “Vornehmen”. Viña, die Perle des Pazifik, hat zwei Seiten, was allerdings den Vergleich mit der Perle, die ja schliesslich rund ist, hinfaellig macht. Auf jeden Fall als ich in unserem Living- Und fuer die echten Viña- Comedor sowieso keinen marinos beginnt die Platz mehr gefunden haette. schlimmste Epoche des Jah- Nach der Siesta, die meine res. Die “Fremden” nehmen lieben Gaeste hielten, zogen ihre Stadt in Besitz, ihre wir los, um die drei besten hat es zwei Gesichter Das Rechte , und Gewohnheiten, Wohnungen, die ich gefunnormale Durchschnittsge sicht dieser eigenartig diskrepanten Stadt, das sie rund 9 112 Monate im Jahr traegt, ist verschlafen, längste nicht verkommen laesst. Und jetzt ist es soweit: Sie laesst den Novak nicht verkommen! Vor allem, berichtete sie uns, hatte sie zu verhindern gewusst, dass! er... Kriegsminister in England wurde. ihre Ruhe und ihr Privatleden hatte, zu besichtigen, ben smd voellig aus der Rou- Bei der ersten stoerte die tmebahn geschleudert, poen Morgensonne, die der Makler lange bevor diese hektische als Attraktion anpries (auf _ Zeit anfaengt, gibt es fuer iCh _unverzeihliches weilig und untypisch, DIE viele , “Ureinwohner” eine Versaeumnis— bei dem stroe-_„„„ Trasse, die man notgedrun Nervenprobe zu bestehen, menden Regen nicht geachdank derer “Die Dame von gen abmarschiert, wenn man von der hier Streiflichter aus tet hatte), da die erholungseinst - die Dame von heut” Aber nicht nur die vertauschten Rollen im Novak’ sehen Konkubinat, nein, ein wahres Feuerwerk von Wandlungen und Verwandlungen, Schwarzbrot, Autoreifen, Plastik-Artikel, Struempfe oder Gas licuado kaufen muss, die famose Calle Valparaiso, ist ausserhalb der Saison das unoriginelle Zentrum irgendeiner Provinzstadt. Viña ist nicht Fisch und nicht Fleisch; es ist nicht Stadt und nicht Seebad; fuer beides! ist es nicht ausgepraegt den die aeusseren Verwandlungen ihrer prachtvollen Garderobe verraten, oder mit der inneren Wandlungsfaehigfceit, die ihr gestattet, einst und heut, reich and arm, kokett und verachaemt, raffiniert und naiv ¿eich perfekt darzustellen? Dagegen laesst sich eine Frage andeutungsweise beantworten: der Vortrag “Die Trommel” —Text Kurt Tucholsky, Musik Werner Richard Heymann—, bei dem sich die Kuenstlerin selbst am Fluegel begleitete, bestaetigte, dass ihre Faehig&eiten gedachte. In der 2. Wohnung vorueberf logen, belehrte uns —aI1 ^as, was “Kleinkunst dem selbsterlittenen Tatsab e d uerftige Santiaguinerin in zwei mit Musik, Witz und we.lt: u?ber das ¡Pikante, das chen-Bericht einer heben morgens lange zu schlafen Geist gewuerzten Stunden Spielerische oder Geistreiche Sie schreibt: “Das erste Zeichen unserer beginnenden Leidenszeit ist der Postbote, der einen dikken Brief aus Santiago auf unseren friedvollen Fruehausmacht ‘— hinausreichen auf das Gebiet der “grossen ¡Kunst"’, d. h. des Dramatischen, des Darstellerischen und des Hochgeistigen. Lliianette hat heute sowohl den jugendlichen Elan wie die kuenstlerische Reife, sich auf dieser hoeheren Ebene Geltung au verschaffen, selbst wenn diesanfaenglich auf Kosten des todsicheren _ __ „w—... ._Erfolges geschehen muesste, Schlafzimmer Valparaiso’*»” ZU, ich wiederum ihm und so Wohnung zurueck. nachdem gm Applaus zu verstehen zu <*er ansonsten gewiss ist. protestierte der Mann, da im Stockwerk darueber ein Kind Klavier spielte und in der 3. hatte es in einer Ecke der Kueche reingeregnet, (was eigentlich fuer die Hochsommermonate Januar und Festueckstisch fallen laesst, Tn- 0. - ahnungslos, dass er nicht bruar nicht von allzugrosser «Xi1*.«. v ,, i . rten' mehr und nicht weniger als Bedeutung t sein sollte). Mit Vorstadt von Valparaiso, an- €jne gefaehrliche, mit toed- V o r w u e r fen und neuen Zusehen, waere natuerlich ücher Sicherheit platzende Wuenschen ueberhaeuft, Zeitbombe gebracht hat. blieben wir in unserer nach eine waere B el e idigung; man eines gleichen. Nur eines scheint die Zeit nicht zu Versendern: das ist Lilianettes Erscheinung und ihre Faehigkeit, ihr zahlreiches und dankbares Publikum zu entdecken. Und wenn sie dann bei ihrer letzten Zugabe droht, naechstes Jahr “aus dafke” wiederzukommen, ja, dann hat eben das Publikum keine andere Moeglich- “^chiaf7irrfmprVÍev í Mei? Mann schiebt ihn mir Kriegsinvasion aussehenden keit, als durch mlnutenlannennen, da viele Gescheite dort wohnen und in der Hafenstadt arbeiten. Es wird toll gebaut in Viña; Hochhaus waechst neben Hochhaus aus dem Boden, jeder Block zeigt Gerueste und veri ockende Angebote in Ries enplakaten. Gebaeude monumentaler Proportionen schauen mit arroganten Baikonen auf die wenigen alten uebergebliebenen Ein familienhaeuser herunter, die frueheren schoenen Gaerten verschwinden und enden als enge Parkplaetze zwischen oder hinter Massenwohnungen. Da stehen sie nun, diese Riesenkaesten voll Ferien — und Weekend-Behausungen, wie blinde Giganten, 9 Monate mit fast immer geschlossenen Fensterlaeden. Bedrueckend und' unnatuerlich. Und ploetzlich, ungefaenr Mitte Dezember, faengt ein g r o sses Matratzen-Klopfen g e s c hlagen werden), und und Tuecher-S c h u e 11 ein, dass, falls etwas beim Spor- Fenster-Oeffnen und Staubting Club zu haben waere, wedel-Winken an und Viña nur eine Seite in Frage ruestet sich fuer sein zweikommt (wegen des penetrantes, Gesicht, schmueckt und ten Pferdegeruches). Achte malt sich fuer sein kurzes auf viele und praktische Clo- Scheinleben und wird im sets (Vorsicht mit Feuchtig Handumdrehen zur ueDerkeit), auf einwandfreien Fri geht es eine zeitlang weiter, unsere abgereisten Freunde bis Peter bruesk aufsteht uns bis zum 18. September und die Hiobspost mir uebergnaedig Frist gelassen hatlaesst mit der charmanten ten, nun endlich fuer eine Bemerkung: “Schliesslich, geeignete Sommerbehausung Eva, sind es ja DEINE zu sorgen. Und Alte, Alle ka- Freunde”. men wieder: Dieses Mal war “Sei doch so lieb”, schreibt Wohnung A zu weit von Sameine Freundin aus Santialinas entfernt, bei B reichte go, “und suche uns eine die Terrasse nur knapp fuer geeignete Wohnung fuer die einen Bridgetisch und C hat- Sommermonate. Das macht ja, da Du sowieso in Vina lebst, nicht viel Muehe. Gehe bitte zu saemtlichen Vermittlern, setze eine Annonce in den dortigen “Mercurio” (recht gross und~auffailend, spare nicht an Geld, ich gebe es Dir gelegentlich te laecherlicherweise keinen Freezer. Am 12. Oktober, zu dem diesmal auch Onkel und Tante mitkamen (und der meinen Mann eigenartigerweise, trotz Feiertag und Wochenende, zu einer ploetzlichen, sehr wichtigen Ges c h a eftsreise veranlasste) klappte endlich, endlich, die geben, das dies wohl der beste Witz des Abends war, obgleich ein grausamer. Wie immer, so blieb auch diesmal die Frage offen, wann sie am besten war: als Maedchen aus dem guten Haus oder aus dem Hinterhaus?, als Dame von der alten Schule oder als Frau Neureich?, wenn sie sich von der musikalischen Begleitung loest und als Konzertbesucherin Ihre Gedanken laut ausspricht oder wenn sie — —ganz Musik— sängt und sich selbst begleitet? Womit Kapellmeister Herrmann Ludwig aus Buenos Aires war, wie immer ein verstaendnisvoller Begleiter: Zusammenfasseud:. ein viermal volles Haus mit einem Publikum, das dankbar dafuer ist, dass Lilianette nicht nur den Novak, sondern auch uns nicht verkommen laesst, ebensowenig wie den Cisroco und das Altersheim, denen sie auch diesmal wieder grosszuegigerweise den Kassenertrag zukommen Hess. K. wieder) und schau Dir an, was gut und preiswert Sache und ein Departamento schicken (sie geht fuer ein scheint. Vergiss nicht, dass wurde gemietet, das —welausgedehntes “Stuendchen” .eher Zufall— direkt neben ins Kasino), da ich , Ja wir keinesfalls in der Naehe des Estero’s wohnen wollen (wegen der Muecken), nicht beim Casino (da dort nachts die Autotueren zu laut zuunserem Haeuschen frei war. schliesslich kein Bade— und Und dann waren sie da, Saison-Gast ln .Vina bin, son- Ende Dezember. Blumen in allen Vasen, Milch im Eisschrank, Konfekt in allen Schalen, Obst fuer die Kinder sollten unseren Freunden zeigen, wie sehr wir uns auf dem meine Zeit in ewiger Unruhe zwischen Haushalt und Geschaeft verbringe. Endlich, ach endlich, neigt sich der Sommer seinem Ende entgegen (unserer sie als liebe, nette Nachbarn Freundschaft .geht es aehnfreuten. lieh) und Vinas schoenste Nach einer Woche faengt Zeit beginntdie Nachsaison, das Bild der klaren Freund- Langsam schliessen die Deschaft an sich etwas zu truepartamentos ihre Fenstervollen, sprudelnden, wirbelngidaire und natuerlich CIC.- ben. Da der Eisschrank nicht Augen, die unwahrscheinliden, lauten, jungen, ver- Matratzen. Rufe mich bitte gross genug ist, werden zu che Anzahl der Autos; redugnuegten Stadt, die jegliche per Telefon an, wenn Du das uns Schuesseln und Toepfe ziert sich auf eine einigerandere in Chile in den Richtige gefunden hast, begebracht. (Wir bescheiden massen normale, man kann Schatten stellt. Die vernacndenke aber, dass ich im Mouns jwaehrend des ganzen wieder auf den Trottoirs der ment sehr beschaeftigt bin Sommers “gern” mit der linfamosen Calle Valparaiso und nur dann nach Vina ken unteren Ecke des Friglgehen, ohne von cholerischer kommen moechte, wenn ich daires). Nach 14 Tagen bitte Jugend in zu knappe::- ■ n eine wirklich einwandfreie ich hoeflich, mir meine Boh- und wuscheugem Haar gclaessigten und zum Teil den. Verfall preisgegebenen Hotels erwachen zu neuem Leben und versuchen— ausser _ exorbitanten Preisen— ihren Wohnung sehen und mieten nermaschine auf ein Stuendstossen und geschupst zu Gaesten etwas zu bieten, kann”. Kleine Restaurants beginnen Bei stroemendem Regen, ihr kurzes Saisonleben, oeffder sogar Viña nicht vernen die bunten Sonnenschirschonte, fing nun meine me und locken mit originel- Freundin Eva an ihre Mitten Menu-Einfaellen. Bartagspausen zu opfern und chen zu leihen, vielleicht auch ab und zu mein Buegeleisen. Nach 3 Wochen muss ich meine Freundin ersuchen, nicht JEDEN Nachmittag di» zwei Kleinsten zu mir zu werden. Der hektische Atem Viñas wird ruhiger. Auch wir atmen auf und fangen an unsere Stadt wieder zu lieben uncLzu geniessen. In Salinas sieht man ausser Koerpemi wieder den Sar.X. wir erfreuen uns der noch warmen Sonne ur.:er “Somm:r” beginnt. Sehoene, ruhige, ausgeglichene Monat»: Macrz, April, Mai, Juni; Viña wie es eigentlich ist und sein will: Langweilig, provinziell, bürgerlich. In den Kinos laufen wieder regenstreifige, alte, argentinische Filme, die Hotels halten nur einzelne Zimmer fuer die spaerlichen Besucher offen, es gibt wieder Dienetmaedchen. die in langen Reihen in. :l:n Vermittlungsstellen sitzen und versprechen, auch. In der Hochsaison bei Jhrcn neuen Patrones auszuhaiten. Und Anfang Juli bringt der Postbot"' den ersten Brief. “Bitce, liebe - Freunde, setzt fuer uns . folgende Annonce in Euren “Mercurio”: “Busco departamento para próxima temporada"... und bedenkt, dass... i