Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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SEPTIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 33 ZWISCHEN ZWEI UND DREI GESPRAECHE Es ist ein Glueck, wenn ein Mensch sich in Worten mitteilen kann; ein mindestens gleiches Glueck ist es, wenn man die hat, Anderer Mitteilungen zu lauschen. Gespraeche sind die direkteste Nahrung fuer den Denkaparat; sie sind die “Vitamin Injektion”, die effektivste Anregung zum Nachdenken, ob positiver oder negativer Natur spielt dabei keine Rolle. Sie erweitern, vertiefen und befestigen eigene Ideen, revidieren irrige Ansichten und erschliessen neue Gebiete. Selbstversunkene, selb stzufriedene Menschen gehen stumpf durch die Welt und erleben nicht das freudige Gefuehl, an anderen Schicksalen, anderem Glueck teilgenommen, ein Partikelchen zum Glueck Anderer beigetragen zu haben. Ein aufgeschlossener Mensch kann in fremder Umgebung kaum einsam sein, kennt aber keine Langeweile und wird immer irgend einen Gewinn mit nach Haus'e nehmen. Gespraeche mit Zufalls-Begegnungen koennen Schaetze. an Interessantem, Erstaunlichem sein. Liebenswuerdiges. Entgegenkommen, Teilnahme an Geschehnissen, an grossen und kleinen Freuden oder Sorgen, oeffnet die herbverschlossenste T u e r e und gibt einen Freipass zum Gemuet. Ein gutes Wort findet schnell den Weg zu Sympathie; Ablehnung und Verschlossenheit pflastert den Pfad; zur Einsamkeit. Taxiohauffeure der ganzen Welt sind begierige Gespraechspartner. Soweit sie nicht (wie z. B. in New York zu 90%) Juden sind und daher gerne von ihrer Familie erzaehlen, werden ihre Gespraeche meistens politische Bekenntnisse und Zeit-Kritiken. Auf dem leeren Vordersitz ¡ihres Vehikels findet man fast immer opositionelle Zeitungen mit wilden Schlagzeilen. In Wahlepochen sind sie Cassandren mit schreckensvoller Zukunfts - Prophezeihung, in ruhigen Zeiten igibt’s das noch?) auf jeden Fall “gegen” irgendetwas. Ihr Berufsstolz ist ausgepraegt; nichts freut sie mehr, als ein Lob ihres Wagens ob seiner guten Wartung. Sie werden, entgegen ihrer politischen Einstellung, zu Voll-Kapitalisten, wenn sie die Anerkennung ihres Unternehmergeistes spueren, falls sie Eigentümer des Fahrzeuges sind und uns das Geheimnis der Neuanschaffung von 1 oder? neuen Taxis anvertraut haben. Nach solchen harmlosen, aber teilnehmenden Gespraechen ist der Dank fuer das erwartete Trinkgeld herzlicher und die Tuere des davonfahrenden Wagens wird mit weniger grober Vehemenz geschlossen. Trifft man das gleiche Taxi wieder, steigt man zu einem Freund ein. Friseure, die amuesanten Berichterstatter des Menschlich-allzuMenschhehen, mues sen nicht erst zu Gespraechen auf gefordert werden. Sie plappern, waehrend Kamm und Schere klappern, sie wissen alles und erzaehlen es gern. Sie fluestern ueber den Klienten im Nebenstuhl, und sind mit den intimsten Geheimnissen der Grossen dieser Erde vertraut. Ein stummer Gast stoert den vergnuegten Figaro selten in seiner Redebegeisterung, Anteilnahme ist ihm natuerlich lieber. Das Lieblingthema seiner weiblichen Berufsgenossinnen ist ihr eigener Gesund heitszustand, der immer ausgiebig zu Klagen Gelegenheit gibt. Dankbar anerkennen sie Teilnahme ihrer Kundinnen; Stummheit ist ihnen gleichbedeutend mit totaler Ablehnung ihrer Person. Ein Friseur-S a 1 o n, ob weiblicher oder maennlicher Verschoenerung gewidmet, summt meistens von anregender Unterhaltung und -obwohl heilfroh, der unumgaenglichen Prozedur entronnen zu sein— verlaesst man vergnuegt diese Staette der amuesanten Gespraeche, schmunzelnd ueber das, was man gehoert. Museumswaerter, Zoo-Angestellte und Parkwaechter sind dankbare Antworter auf interessierte Fragen. Beglueckt erwacht der Museumsdiener aus seiner Verschlafenheit und gibt bereit und gern Auskunft mit dem Air des perfekten Experten. U e b e r Verwaltungsdetails und interne Ausstellungsprobleme kann man von ihm Manches erfahren, von dem der nur sehende Besucher wenig ahnt. Sein berufliches “Polizei” Gesicht wird bieder und menschlich froh, wenn der strenge Hueter zum plaudernd e n Gespraechspartner wird. Mit vaterstolzer Liebe erzaehlt und belehrt uns der Park-Waechter oder der Zoo- Waerterueber seine Schuetz linge, froh, von seinen Lieblingen reden zu duerfen. An wieviel geheimnisvollen Wundern und Schoenheiten der Natur gehen wir ungewollt blind vorueber, wenn wir nicht nach ihnen zu fragen verstehen. Winzige, beschei d e n e Blueten-Mirakel, versteckt fuer das Auge des Uninteressierten, Geheimnisse der Tierwelt, die die Plakate am Kaefig nicht verraten, koennen sich uns durch Hinweis offenbaren, erweitern einen simplen Spaziergang zu einer Quelle des Lernens. Die oft ruehrende Zaertlichkeit, mit der ihre Pfleger von ihren Schuetzlingen, erzaehlen lassen uns Pflanze und Tier, die wir vielleicht nur mit Neugierde betrachtet haben, mit anderen Augen sehen und verstehen. Routinierte Laden-Verkaeufer muessen die Geduld eines Uebermenschen haben; ihre als selbstverstaendlich erwartete Liebenswürdigkeit und Zuvorko mmenheit wird staendig auf eine harte Probe gestellt. Ein freundliches Wort kann sie erstaunlich schnell von einer Maschine zu dankbaren Menschen umwandeln und ihre oft stumpfe Taetigkeit zu einer sehr Persoenlichen gestalten mit fast beschaemender Freude ueber eine auslaendische Briefmarke, ein Bescheid- Wissen von einer Gegend, wo ein Verwandter lebt, der Adresse eines Spezial-Arztes oder der simplen Teilnahme an ihren frohen oder bedrueckenden Problemen. Gespraeche kommen selten auf einen zu; man muss sie suchen, wie verborgene Schaetze auf einer Schatzinsel. Leere Phrasen-Dreschereien fuellen nur die Luft und dringen nicht zu Herz und Hirn; sie schwirren herum, wie laestige, kleine Fliegen. Wahre Werte wollen mit echtem Gegenwert ‘erobert sein, man muss nach ihnen schuerfen. Geplapper verhallt im Wind und laesst nur gepeinigte Nerven zurueck; viel Sprechen bedeutet noch lange nicht viel sagen. Gespraeche: Auf wieviele muessen wir lernen zu verzichten, bevor wir realisieren, was uns durch ihren Verlust entgeht. Die hohen Feiertage bringen intensiver als je Erinnerungen an unsere dahingegangenen Lieben. Geaeusserte Lebensweisheiten, Ratschlaege, frohe und besinnliche Gespraeche leben auf, gereift und bedacht durch Jahre der eigenen Erfahrungen. Lange Zeit noch nach dem Verlust eines geliebten Menschen moechte man zu ihm eilen, um ihm zu erzaehlen, seine Meinung einzuholen, sich Sorgen und Freuden vom Herzen zu laden. Es ist ploetzlich still geworden, wenn eine Generation verschwindet und man selbst die aelteste Ge¬ SCHOENHEITS SALON ANITA KATZ Expertin« in Schoenheitspfiege, dipl. in USA Moderne Hautpflege mit importierten Erzeugnissen und exclusiven Rezepten. Vibrationtemassagen; Beauty life (elektr. Maschine zum Oeffnen der Poren); Vitaminmasken; Algenmaske einzig in Chile. Heil und Körpermassagen im Haus. Make up und Frisuren fuer Braeute und i Festlichkeiten. Edificio Banco Israelita Moneda 812, Of. 715, 7.0 Pi. Geoeffnet 9-1 3,30-7 Tel. 491057 oder 397616 Man spricht englisch, deutsch und franzoesisch Gedenhhuch des Council Das vom Council of Jews from Germany (lßS^ 189 Finchlay Road, London N. W. 3) geplante Gedenkbuch fuehrender juedischer Persoenlichkeiten, die dem Nazi-Terror in Deutschland oder in der Dej portation zum Opfer fielen, steht nunmehr vor dem I Abschluss. Angaben sind noch in folgenden Faellen erbeten : I 1) Personalien (Geburtsort oder-datum, Deportaj tionsdatum und —ort, Todestag und —ort) so-! wie kurzer Lebenslauf fuer die Folgenden, die i in den letzten Jahren in Diensten des Palaestij na-Amts und der zionistischen Fonds in! Deutschland gestanden haben: | a) Dr. Ludwig Jacoby (Leitung des Palaestina-! Amts), Berlin. j b) Dr. Rudolf Pick (Leitung des Palaestina-; Amts), Berlin. i c) Kammergerichtsrat Erich Gerechter (Leiter! der Rechtsabteilung des Palaestina-Amtes), j Berlin. ] d) Dr. Bruno Schoenfeld (Leiter der Keren | Hajessod, spaeter Verwaltungsdirektor des : Krankenhauses der juedischen Gemeinde), I Berlin. i e) Erich Kopydlowski, Berlin. i | 2) Ferner werden gleiche Angaben, wenn moeglich! mit Photo, fuer Folgende erbeten: a) Rabbiner Dr. Joseph, Berlin (GefaengnisseeP j sorger).! b) R. A. Dr. Bruno Mendelsohn, Berlin (seit j 1933 Leiter der juedischen ‘Wirtschaftshilfe i der Juedischen Gemeinde zu Berlin), j c) Regina Jonas, Berlin (Predigerin und Lehj rerin). | d) Rabbiner (Dr. Bernhard Hamburger, Breslau I (Letzter kons. Rabbiner der Altglogauschul | und Lehrer der Juedischen Realschule, Walli strasse). j e) Rabbiner Dr. Siegfried Behrens, Fuerth. f) R. A. Dr. Heinrich Elkeles, Berlin (Haupt- | Vorstandsmitglied des Zentralvereins und! der Bundesleitung des Reichsbundes juedi- | scher Frontsoldaten). g) Rabbiner Dr. Gustav Cohn, Leipzig. | 3) Photographien werden noch von Folgenden bei noetigt: j a) Rabbiner Herbert Finkeischerer, Muenchen. I b) Rabbiner Israel Finkeischerer, Muenchen. | c) Clara Israel, Berlin-Spandau (Sozialarbeit).! d) R. A. Max Schleisner, Hanover. i e) Dora Silbermann, Berlin (Leiterin im Jue- ' dischen Wohlfahrtsamt der Gemeinde zu | Berlin). i f) Werner Simon, Homburg und Berlin, i g) Martha Wertheimer, Berlin. h) Landesrabbiner Josef Wiese, Ttebe, Rabbiner fuer Sachsen, Weimar und Eisenach. neration geworden ist. Nicht nur die guetige Stimme der Erfahrung des altruistischen Raten fehlt, die immer wichtig bleibt, auch wenn Zeiten und Gewohnheiten, die Umgebung und die Lebensformen sich geaendert haben, die uns “Kinder” bleiben laesst, auch wenn wir laengst erwachsen sind, —das Traurigste ist, dass der Austausch von Erinnerungen, von gemeinsam Erlebtem so absolut nicht mehr besteht und die Quelle der Erzaehlung von Frueherem versiegt ist. Die Frage “Weisst Du noch?”, “Wer oder wann war das?”, findet keiné Antwort mehr, wird nur eine Angelegenheit des eigenen guten oder schlechten Gedaechtnisses. Man selbst ist das letzte Bindeglied zur Vergangenheit, das verantwortun g s v o 11 e Nachschlagewerk alter Geschehnise, der schwertragende Atlas der Tradition geworden. Eine erschreckende Last zuerst, eine stolze Mission und Verpflichtung spaeter. Sie bewusst froh zu erfuellen, ist heilige Aufgabe, grosse, aber schoene Verantwortung und Forderung. Die Pflege guter Gespraeche, freier Aussprache, ungehemmten Gedanken-Austausches ist eine seiner besten Grundfesten, ist wohlfundierte Bruecke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und laesst uns der Zukunft insofern leichteren Herzens entgegensehen, als wir mit Recht hoffen duerfen, ¡dass auch spaeterhin in frohem iGedenken unsere Zeit lebendig bleibt, dass gute Worte ihren guten Schall behalten und erinnert werden und die liebevoll geknuepfte Kette des Famillen- Zusammenhaltens nicht zerreisst. K...g