Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 27 ERSTE BEGEGNUNG... Kaempe? Weiter: Journalist, Politiker, Organisator, Soldat, Diplomat... Nein, als Resultat dieser ersten Begegnung, ist es noch nicht moeglich. Vielleicht sollte man es ueberhaupt nicht versuchen, Menschen “auf einen Nenner” zu bringen und gewiss wird es bei einer solchreichen, mannigfaltigen , Persoenlich keit wie Dr. Naor nie gelingen. Der diplomatische Pass, den wir ihm ausstellen, wird daher notgedrungen viele Seiten haben und eine Menge davon vorerst noch in blanko. Hoechstens unter “Beson dere Kennzeichen” Hesse sich noch vermerken: er spricht , ein klassisches Deutsch. So erfreulich auch dieser Aspekt .sein mag, erschwert er in diesem Falle —ln Ermangelung eines Stenogramms oder Tonbandes— unsere Aufgabe der getreuen Wiedergabe seiner Gedanken. So zum Thema der bewaffneten Zwischenfaelle an den Grenzen Israels: "Wir haben vier Grenzen, naemlich mit Libanon, Syrien, Jordanien und Aegypten. Es gibt ruhige und unruhige, aber nicht weil die Grenzen da oder dort mehr oder weniger logisch oder unlogisch gezogen sind. Die Ruhe ist eine Funktion ganz anderer Faktoren. Die libanesische Grenze war und Ist immer ruhig, die aegyptische Ist es —abgesehen von einigen kuerzlichen Infiltrationen— seit der Sinai-Kampagne, die syrische ist die unruhigste. Wo ist die Logik? Darin: die Lage an der Grenze ist eine Funktion Interner Situationen der Nachbarstaaten. Die Syrer provozieren? Das heisst: da tut sich was in der syrischen Innenpolitik. Das klingt wie eine Phrase..., aber es ist so. Der Zwischenfall mit den Jordaniern in Jerusalem ist ein Nebenprodukt. An und fuer sich haben sie natürlich gar kein Interesse an Schwierigkeiten mit uns, aber als die Situation mit den Syrern reif fuer den Sicherheitsrat der UNO war, wollten sie auch mal dabei sein. Hussein ist sehr "Publicity minded”. Schliesslich will es sich noch keiner leisten, auf die anti-israelische Pose eines grossen arabischen Patrioten zu verzichten”. Von dieser Beurteilung des politischen Augenblicks fuehrt eine feste und kurze Gedankenbruecke ueber den Fluss der Zeit zur Betrachtung der historischen Problematik: Werden wir zum Frieden mit den Arabern kommen?, auf welchem Wege?, in unserer Zeit? “In unserer Zeit? Mehr als das: der Moment, etwas zu tun, ist schon gekommen. Das Interesse der Grossmaechte ist Frieden. Das ist heute, nach Abschluss des Moskauer Abkommens, klarer als je. Aber die Entspannung zwischen den Grossmaechten kam auch nicht von selbst. Daher: etwas tun, um die Parteinahme fuer den Frieden auch auf uns zur Anwendung zu bringen. Dabei bin ich fest ueberzeugt, dass dies nicht nur eine Angelegenheit der Grossmaechte ist. Ist dies nicht einer der grossen Fortschritte der Neuzeit, dass man nichts mehr tun kann, ohne die Weltmeinung im ganzen ln Betracht zu ziehen?! Der Druck der Weltoeffentlichkeit kann eine grosse Rolle spielen. Ich denke in erster Linie an Suedamerika. Und an Afrika. Die Stimme dieser Staaten muss sich ln der bevorstehenden Vollversammlung der UNO Gehoer verschaffen. Schliesslich verstoe s s t es gegen die Charter, dass mehrere Staaten gegen einen anderen Mitgliedsstaat einen Kriegszustand aufrecht erhalten. Die Forderung, dass sie sich mit uns an einen Tisch setzen sollen, um zu verhandeln, hatte bereits bei der letzten Sitzungsperiode einen Stimmenzuwachs im Vergleich zu der vorhergehenden zu verzeichnen. Dieses Mal sollte sie sich durchsetzen. Dabei duerfen wir uns keinen Illusionen hingeben: solchen Verhandlungen kann kein rascher Erfolg beschieden sein. Aber ihr Beginn ist eine unumgaengliche erste Voraussetzung. I n diesem Sinne hoffen wir auf die Vollversammlug”, wiederholte er und fuegte nachdenklich hinzu: “Wissen Sie: ich habe waehrend meiner Taetigkeit bei der israelischen Einkaufsmission in Koeln —ich war dort Leiter der Informationsabteilung— Gele genhelt gehabt, die Entwicklung der deutsch - franzoesischen Freundschaft zu beobachten. Die Freundschaft mit dem j a h r hundertelangen “Erbfeind”! Sie steht nicht etwa nur auf dem Papier, nein, sie erscheint im Leben, ist eine lebendige Erscheinung. Geschichte ist eben oftmals phantasievoller a 1 s Menschen. Und wir glauben aufrichtig, dass bei einer Beilegung der arabisch - israelischen Spannung beide ,Teüe Dr. Uri Naor -willkommen Wenn diese Zeilen erscheinen, hat der neue Botschafter Israels in Chile Herr Dr. Uri Naor, bereits seinen Posten angetreten. Am 20. August traf er in Santiago ein. Wir freuen uns, dass ein Mensch, der die Probleme unseres Sprach- und Herkunftskreises kennt, ja sie miterlebt hat, zum V e r t r eter des juedischen Staates in Chile und Ecuador ernannt wurde. Herr Dr. Naor, dessen Biographie wir in der Juli-Ausgabe unseres “B. I.” veroeffentlichten, ist unser ern Kreise kein Unbekannter, sondern ein alter Freund vieler unserer Mitglieder, die ihn mit Freude begruesst haben. Die S.C.I. “B’ne Jisroel, welche stete Hingabe und Arbeit fuer den Staat Israel zu ihren Hauptaufgaben zaehlt, heisst den neuen Botschafter der Medinath Israel nochmal auf diesem Wege herzlich willkommen und ist davon ueberzeugt, dass die bisherigen herzlichen Bande zwischen der Botschaft und unserem Haus in der Avda. Portugal sich durch die Person des neuen Vertreters Israels in Chile zum Wohle unseres Jischuw und des ganzen Volkes noch enger knuepfen werden. Direktorium und Repraesentanten-Kollegium der S.C.I “B’ne Jisroel” viel davon haben werden”. Da wir nicht mit der Absicht erschienen waren, es Dr. Naor leicht zu machen, servierten wir aus der Fruchtschale der israelischen Politik sogleich die andere harte Nuss: die Verhandlungen mit der Europaeischen Wirtschaftsgemeinschaft. Er knackte sie so: "Das steht im Stadium der Verhandlungen. Details sind daher im Moment schwer zu praezisieren, interess i e r e n aber auch vielleicht nicht sosehr. Von einer hoeheren Warte aus gesehen, handelt es sich aber auch hierbei um ein Problem des Friedens. Frieden ist naemlich heute gleichbedeutend mit wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Aus der Perspektive der E. W. G. gesehen, Ist Israel ein Entwicklungsgebiet. Die E. W. G. wird eine fuer die Entwicklungsgebiete guenstige Wirtschaftspolitik formulieren muessen. S i e weiss, wie wir es wissen, dass kein gesunder Frieden zwischen zollpolitisch Gesicherten einerseits und durch Zollschranken Behind e r t e a n d e rerseit moeglich ist. Dieser Block, wie ganz Europa, ist interessiert an guten Beziehungen zum Mittleren Osten, darunter auch mit uns. Er ist interessiert an unserer wirtschaftlichen Entwicklung. Daher hoffen wir auf Verstaendnis”. Unseren Freund von der J. T. A. befaellt echt journalistische Neugierde. "Darauf koennte ich Ihnen mit einem Witz antworten”... —naemlich auf die Frage nach den wirklichen, den geh e i m e n Beweggruenden fuer Ben Gurions Ruecktrltt. Aber im Ernst: “Warum den Menschen die Beweggruende nicht glauben, die sie Vorbringen? Er gab vor, sich ins Privatleben zurueckziehen zu wollen: ist das so unglaubhaft? Ben Gurion hat ein sehr reiches Privatleben. Er Ist Journalist, Schriftsteller, Wissenschaftler. Er schreibt an , einer Geschichte des juedischen Volkes. Mit 65 Jahren lernte er griechisch, um Plato, spaeter noch spanisch, um Spinoza im Original lesen zu koennen. Sein Amt Hess ihm natuerlich fuer solch vielseitige Interessen nicht genug Zeit. Dass er in solch bruesker Form dimissionierte? Das entspricht seiner Vitalitaet. Ben Gurion fasst Beschluesse und fuehrt sie durch, er ist kein cunctator, sondern ein Mann der Entscheidungen: darin liegt seine Groesse. Hinzu kommt die Klugheit und der gute Instinkt, mit denen er sie trifft: erinnern sie sich bei den vielen vielen Entscheidungen, die er getroffen hat, an viele irrige? Sicher waren es nur wenige, vielleicht gar keine. Ausserdem wollte er sicher wieder ein Beispiel geben. Er ist der Ansicht, dass alte Leute rechtzeitig abtreten sollen. Die erhoehte Lebensdauer, die wir in unserer Zeit dank der Fortschritte der Medizin beobachten, hat die Verschiebung vieler Probleme mit sich gebracht. Abgesehen von der ruehmlichen Ausnahme Churchills, der im richtigen Moment ging, haben das viele alternde JS'taatsmaenner nicht richtig erkannt. Ben Gurlon gehoert nicht zu ihnen, Trotzdem heisst das An der Schwelle des Neuen Jahres 5724 An der Schwelle des neuen juedischen Jahres 5724 entbiete ich der Judenheit Chiles, ihren Organen und Repraesentanten meine herzlichsten Gruesse und die besten Wuensche fuer das kommende Jahr. Das vergangene Jahr brachte der Welt eine gewisse, neue Perspektiven eroeffnende, Entspannung der internationalen politischen Situation und erweckte darum in allen Freunden des Friedens Hoffnungen fuer eine Zukunft ohne Kriege und kriegerische Katastrophen. Auf der internationalen politischen Szene setzt sich immer mehr jene Tendenz durch, die alle Probleme des Zusammenlebens der Voelker nur mit friedlichen Mitteln bewaeltigen will. Diese Tendenz jedoch muss, wenn sie einen Sinn haben soll, nicht nur fuer die atomaren Grossmaechte gelten, sondern fuer aUe Staaten und alle Regionen der Erde. Wir haben leider auch im letzten Jahre im Mittelosten wenig von dieser Entspannung verspuert. Hier herrscht noch immer die Unruhe unstabiler politischer Systeme und in unseren Nachbarstaaten das Bestreben, innenpolitische Schwierigkeiten durch eine verstaerkte Hasispropaganda und willkuerlich erzeugte Grenzkonflikte aus dem Blickfeld zu veTdraengen. Welch Gegensatz bot sich hier im ganzen vergangenen Jahr dar: waehrend die verantwortlichen Staatsmaenner Israels sich unaufhoerlich zu serioesen Friedensverhandlungen mit den arabischen Staaten bereit erklaerten, toente vom anderen Ufer nur ein dumpfes Echo einer so ganz und gar nicht in unsere Zeit passenden Kriegshetze. Es waere an der Zeit, dass die Welt, die so sehr die neue Aera der Entspannung begruesste, ihr Augenmerk dieser paradoxen Situation zuwenden und aktiv dazu beitragen sollte, direkte Verhandlungen zwischen den arabischen Staaten und Israel mit dem einen einzigen Ziel herbeizufuehren — auch den Mittelosten zu entspannen und zu befrieden. Trotzdem diese besondere Lage Israel auch im vergangenen Jahre zwang, sich vordringlich mit seiner Verteidigung zu befassen, ging der friedliche Aufbau im Lande in einem fast hektischen Tempo weiter. 5723 war ein Jahr einer grossen Einwanderung, deren Eingliederung die Anspannung und den Einsatz aller Kraefte und Mittel erforderte. Die Israel-Wirtschaft machte einen weiteren grossen ¡Schritt zu dem nun nicht mehr in einer allzu fernen Zukunft liegenden Ziel der Erreichung auch der wirtschaftlichen Unabhaengigkeit. Die Statistiken aus allen Sparten unseres Lebens weisen in die Richtung nach vorwaerts. Das ist auch unser Hauptwunsch (fuer 5724: moege diese Entwicklung anlhalten, moege die Einwanderung in einem noch vergroesserten Ausmasse einstroemen und moege sich dies alles in einer Atmosphaere des allgemeinen Friedens abspielen! Die Juden Chiles, die zu unseren verlaesslichsten Bundesgenossen beim Aufbau Israels zaehlen, werden gewiss auch im kommenden Jahre nicht in ihrem bewaehrten Elan und ihrer unermuedlichen Bereitschaft zur Mitarbeit erlahmen. Ihnen allen sende ich die aufrichtigen Wuensche fuer ihr persoenliches Wohlergehen und fuer das Gedeihen ihrer Gemeinschaft! Dr. Uri Naor Botschafter des Staates Israel nicht unbedingt, dass er sich auf ewig zurueckgezogen haben muss. Vielleicht wird man ihn unter bestimmten Umstaenden fuer bestimmte Aufgaben wieder rufen. Doch wie dem auch sei: hoeren wird man von ihm! Schliesslich ist er weiter in der Partei, seinen Sitz ln der Knesset hat man ihn doch bewogen, zu bewahren, er schreibt fuer Zeitungen, er ist aktiv auf allen Gebieten, Jung..., nur dass er noch Juengeren glaijbte, jetzt eine Chance geben zu muessen’. “Das Thema der wirtschaftliehen Beziehungen zwischen Chile und Israel” —erwiderte Dr. Naor auf eine diesbe zuegliche Frage— “moechte ich lieber in Anwesenheit unsere Sachbearbeiters, Herrn Konsul Goren, behandeln. Aber wie sehr Ich mich freue, in einem Land zu sein, mit dem uns eine solch enge politische Freundschaft verbindet, das koennen Sie sich vorstellen. Der Name Chile hat einen ganz besonders guten Klang ln Israel. Es gibt auch nicht einen Bekannten, der mir aufgrund meiner Ernennung nicht darum speziell gratuliert haette”. Und die juedische Gemeinschaft hier? “Fuer das juedische Volk brauche ich keine Beglaubigungsschreiben. Ich gehoere dazu. Ich betrachte mich auch heute, nach Errichtung des Staates, als aktiver Zionist. Die Zionistische Organisation hat noch eine grosse Funktion. Auch hierbei muss gesagt werden, welch guten Namen Chile drueben hat. Die gute Organisation der Z. O. hier ist allgemein bekannt. Ich glaube, mein Kontakt wird leicht sein”. Ist es noch noetig festztfstellen, dass auch wir davon ueberzeugt sind? Beim Abschied faellt unser Blick noch einmal auf das Bild welches hinter dem Schreibtisch in dem einfachen, aber geschmackvollen, Arbeitsraum haengt: Praesident Schasar. Falls jemand Gelegenheit haben sollte, es ihm zu sagen: er kann ruhig sein, was dies anbetrifft. Der Staat Israel ist in Chile gut vertreten.