Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 17 Kuenstlerdorf auf dem Carmel Von Herbert Freeden (Jerusalem) Der Maler Marcel (Janco, der 1916 in Zuerich mit Richard Huelsenbeck die “Dada” — Bewegung gegruendet hatte, ist heute Vorsitzender des Dorfrates von Ejn Hod, w o e rtlich uebersetzt “Quell der Schoenheit”, einer Kuenstlerkolonie auf den Haengen des Carmelgebirges. Der ¡Name stimmt: vom Dorf mit seinen Almen, pittoresken Haeusern und malerischen Ruinen aus der roemischen und griechischen Zeit, blickt man ueber Olivenhaine und die Kreuzritterburg von Athlit weit hinaus ins Mittelmeer... Genau vor zehn Jahren begann Jancos Abenteuer, das sich nicht weniger sonderbar liest als eine Deklaration des Dada — nur dass er mit 68 Jahren nicht mehr der Juengling ist wie in den Zuerichcr Tagen. Im Jahre 1953 beauftragte ihn die israelische Regierung, nach einem geeigneten Gelaende fuer die Anlegung eines Nationalparkes Ausschau zu halten. Als er den Carmel durchstreifte, kam er an die Stelle eines seit Jahren verlassenen arabischen Dorfes, in dessen verfallenen Gemaeuern zwischen mannshohen Disteln Schlangen und Skorpione hausten. Noch etwas entdeckte er — Bulldozer, die bereit standen, das Gespensterdorf niederzureissen. Marcel Janco blickte auf die Huegel, die Landschaft, die See, die alten Steinhaeuser und . fuehlte: das darf man nicht anruehren. Aber damit war noch nichts getan. Fuer einen Nationalpark kam der Ort nicht in Frage, und die Order fuer die Bulldozer war ¡schon gegeben. Die einzigen, die fuer seine Begeisterung Verstaendnis hatten, waren einige seiner Kollegen in der Kuenstlervereinigung und ein paar Waghalsige unter ihnen waren bereit, sich dort anzusiedeln. Der Vorschlag wurde den Behoerden unterbreitet, die gewillt waren, die Bulldozer zurueckzurufen — allerdings unter einer Bedingung: der Plan musste innerhalb dreier Monate ausgefuehrt werden. So bewaffnete sich im Sommer 1953 eine Gruppe von zwanzig Kuenstlern mit Schlafsaecken, Decken, Pinseln und viel Farbe — und zog auf den Carmel. Es gab keine Strasse, kein Wasser, keine Elektrizitaet, aber sie nannten —Aestheten die sie nun einmal sind— den Platz Ejn Hod, Quell der Schoenheit. .. und damit haben sie recht behalten. Wer jetzt anlaeslich des z e h n j aehr igen J ubilaeums auf der bequemen Autostrasse zum “SomniernachtsbaU” faehrt — Ejn Hod ist beruehmt fuer seine Baelle— oder die Auffuehrungen und Konzerte im Amphitheater besucht, braucht sich nicht vor Schlangen und Skorpionen zu fuerchten. Im Cafehaus am Hauptplatz kann er sich erzaehlen lassen, was aus diesem Abenteuer geweden ist. Dreissig Kuenstlerfamilien haben hier ihren staendigen Wohnsitz und die Haeuser fuer weitere sieben werden bereits vorbereitet. Die Kunstgalerie von Ejn Hod ist kollektives Eigentum, und so sind die Werkstaetten fuer Keramik, Weberei, Mosaikarbeit, Litographie, Holzschnitzerei und Vitrage. Im Gemeindehaus gibt es Kurse fuer Malerei und Skulptur. Den vielen Kuenstlern aus dem Ausland, die Ejn Hod ein Besuch abstatten, steht eine gastliche Herberge zur Verfuegung. Zwei Jubilaeumsausstellungen wechseln sich ab — eine mit Werken der Leute von Ejn Hod, .und die zweite mit Bildern juedischer Kuenstler aus aller Welt, die aus oeffentlichen und privaten S a m m 1 ungen per Kurier nach Ejn Hod gebracht wurden. Sie enthaelt u. a. Arbeiten von J. Israels, Max Liebermann, Lesser Ury und Marc Chagall. Allein eine Skizze von Modigliani ist auf 10.000 Dollar versichert. Aber ein Gespraech im Cafehaus waere nicht vollkommen, wenn nicht von der Zukunft Ejn Hods die Rede waere. Jeder spricht ueber die geplante Hochschule fuer Kunst und Kunstgewerbe, fuer die ein Kreis amerikanischer Freunde die nicht unbetraechtlichen Gelder aufgebracht hat. Der Bau, mit dem demnaechst begonnen werden soll, sieht ein Internat fuer die Studenten vor. Das Dorf wird von den Kuenstlern “kollektiv” verwaltet. Alle drei Monate tritt d i e “Generalversammlung” zusammen, waehlt einen aus fuenf Mitgliedern bestehenden Gemeinderat und bespricht und beschliessr was an Verbesserungen wünschenswert ist und an oeff'entliehen Arbeiten zu tun waere. Es ist nicht immer leicht, zu Uebereinstimmungen zu gelangen, da diese Kuenstler nicht schlechtweg biedere Dorfbewohner sind, sondern manchmal zuegellose Individualisten, die wissen was sie wollen, wenn es um ihre Kunst geht, aber nicht gleichermassen Genies in der Verwaltung gemeinnuetziger Projekte sind. Es ist auf diesem Gebiet, das sie die Hilfe des Magistrats des nahe gelegen Haifa nicht ungern akzeptieren. BEN GURIONS NACHFOLGER Von Dr. Abner Neclmsbtan, Tel-Aviv Vor jetzt noch nicht zwei Monaten trat Israels Grosser Mann die Fuehrung der Regierung an Herrn Levi Eschkol ab, seinen intimen Freund und langjaehrigen Finanzminister. Selbstverstaendlich ist diese Zeitspanne zu kurz, als dass sie schon jetzt Endgueltiges ueber die Amtsfuehrung des Mannes aussagen Hesse, der sich der gewiss nicht beneidenswerten Aufgabe unterzogen hat, das politische Erbe seines Vorgaengers von solchem Rang zu verwalten. Von Beginn an legte er jedenfalls vor der Oeffentlidhkeit wie allem Anschein nach auch in seinem Kabinett Wert auf einen weitgehend anderen Stil: Betonte Nuechternheit liess er in der Verbraemung von Bonhomie an die Stell? des Pathos treten, das “den Alten im Bewusstsein seines Volkes bald zum Verkuender “messianischer Geschichtsstunden”, bald zum zuernenden biblischen Propheten gemacht hatte. “Zum Teufel ist der Sniritus, das Phlegma ist geblieben”, fluesterte mir auf der letzten der zwei, drei bisherigen Pressekonferenzen des jetzigen Regierungschefs mein Nachbar zu, ein Rechtsoppositioneller mit allen nur denkbaren nationalistischen Scheuklappen andererseits aber einer von der langsam schrumpfenden Alten Garde der russisch-juedischen Intellektuellen, die ihre deutschen Klassiker noch intus haben. Aber mit diesem Gefluegelten Wort wurde er dem neuen Mann nicht gerecht. Eines Besseren haette ihn schon im vorjaehrigen Februar Eschkols einschneidende Abwertung des Israel-Pfundes belehren koennen, und die “Neue Qekonomische Politik”, die der damalige Herr der Finanzen diesem Ueberraschungscoup ebenso temperamentvoll folgen liess. Doch als ich meinen Nebenmann, den Kenner Schillers, darauf hinwies, replizierte er wie aus der Pistole geschossen: “Aber ein Kompromissler — ist er das etwa nicht?” FALSCH ETIKETTIERTER ESCHKOL So grundverkehrt wird Levi Eschkol im uebrigen nicht SONDER-BERICHÏ FÜR DAS B.I. nur von den Nationalisten auf dem hiesigen Rechtsflueg e 1, etikettiert, die ihm ebensowenig gruen sind wie seinem Amtsvorgaenger, sondern hier und da auch in Parteien, die ihm naeherstehen, ja sogar von (Scharfmachern seiner gemaessigtsozialistischen Mapai. Das Missverstaerfdnis entst and lange vor seinem Amtsantritt, als er dutzende Male als Nothelfer mit seiner besonders ausgepraegten Gabe herhalten musste, Regierungskrisen, Kompetenzstreitigkeiten usw. selbst in der scheinbar aussichtslosesten Situation auszugleichen. Er neige uebermaessig zu Kompromissen, wurde ihm kuerzlich ebenso wieder vorgehalten, nachdem er vor Ausländskorrespondenten von seiner Bereitschaft zu direkter Kontaktnahme mit Abdel Nasser gesprochen hatte, und von seiner Ueberzeugung, dass der Friede mit den Arabern notfalls sogar “gewisse territoriale Zugestaendnisse” wert sei. Er habe indessen nur lokale Grenzberichtigungen lm Auge fuegte er hinzu, als ihm die israelischen “Ultras” daraufhin eine besonders raffinierte Falle mit der —uebrigens falschen— Behauptung zu stellen suchten, ein Ben Gurion ,wuerde um keinen Preis bereit sein, “auch nur einen Dunam des heiligen Bodens zu opfern”. Nein, ein Kompromissler im ueblen Sinn des Wortes ist Levi Eschkol nicht. Ohne deshalb schon in den Weg des geringeren Widerstandes verliebt zu sein, wie es ihm seine Kritiker vorwerfen, neigt er allerdings' dann zu Kompromissen, wenn sie der gesun d e Menschenverstand nahelegt, von dem er eine gehoerige Dosis mitbekommen hat. Er zeigte sich soeben, als er sich im Kabinett gegen diejenigen seiner Minister durchsetzte, die Bedenken hatten, der amerikanisch-englischen Aufforderung zu entsprechen und den Beitritt Israels zum Dreimaechte - Abkommen ueber den teilweisen Abbruch der Atomteste zu erklaeren. Die Skeptiker unter Es'chkols Kollegen hatten an sich wahrscheinlich nicht einmal Unrecht. Folgendes machten sie geltend: Von den zwei nahoestlichen Staaten, denen diese Verpflichtung auf diplomatischem Wege sofort nach der Vertrags-Paraphierung in Moskau abverlangt worden war, werde sich daran kuenftig nur Israel halten, voraussichtlich aber nicht Aegypten, das eben deshalb seine Zustimmung als reine Formsache unverzoegert gab. Mit diesem Argument und aehnlichen hatten sie die Regierung Eschkols veranlasst, die Entscheidung zunaec hst zurueckzustellen. Dann aber setzte er sich mit seinem Commonsens'e ueber diese Bedenken hinweg, als er nach einigen Tagen kostatierte, wie die oeffentliche Meinung besonders in den Vereinigten Staaten und die Weltpresse darauf reagierten, dass Col. Nasser ihm zuvorgekommen war. ZWEI “PROBLEMKINDER” DER NEUEN REGIERUNG Das war der bisher letzte, keineswegs aber der einzige Fall, in dem sich Herr Eschkol mit Widerstaenden in seinem z.Zt. nur wenige Wochen alten Kabinett auseinanderzusetzen hatte. All die enorme Autoritaet, ueber die sein Vorgaenger verfuegte, hatte selbst ihn nicht vor Schwierigkeiten dieser Art bewahrt, die bekanntlich ja nur in totalitaristischen Staats-Systemen undenkbar sind, es nahm also nicht wunder, dass allerlei ehrgeizige Wuensche, Eifersuechteleien, Prestigefragen nach Ben Gurions Ruecktritt viel ungehemmter an die Oberflaeche drangen. Vornehmlich gingen sie von Mosche Dajan und Schimon Peres aus, den beiden Vertrauten des Grossen Alten Mannes aus 'dem Fuehrungskreis der von ihm seit Jahren hochgeschaetzten Parteijugend seiner Mapai. M. Dajan war als Generalstabschef Ende 1956 ruhmbedeckt vom Sinai - Feldzug Israels heimgekehrt; spaeter war er der letzten Regierung “Mister Israels” als Landwirtschaftsminister beigetret e n und verwaltet unter Eschkol jetzt dasselbe Ministerium. Aber, nur auf Widerruf— denn was er erwartet hatte, war das Sicherheitsministerium, fuer das er als erprobter Heerfuehrer gewiss ausgezeichnet geeignet gewesen waere, und was er in seinem ueberdurchschnitt liehen Selbstbewusstsein alternativ gefordert zu haben scheint, war das Aussenministerium oder vielleicht auch ein Ministerium fuer wirtschaftliche Planung gewesen. Das Sicherheitsministerlum waere, wie gesagt, fuer ihn in Frage gekommen, haette darauf nicht gleichfalls sein Freund Schimon Peres reflektiert, der als stellvertreten der Sicherheitsminister vorher mehrere Jahre lang die rechte Hand seines Herrn und Meisters in eben diesem Ministerium gewesen war. Mit dem Unterschied, dass es hier nicht ums Zahlen ging, sondern ums Bezahltwerden, traf daraufhin auf die beiden ungefaehr dasselbe zu, wie auf die von Heinrich Heine unsterblich gemachten Schläöhzizen, Crapul i n s k i und Waschlapski: "... da keiner wollte leiden, dass der Andere fuer ihn zahle, zahlte keiner von den beiden”. Und an ihrer Stelle uebernahm L. Eschkol dieses Ministerium ebenso, wie sein Vorgaenger es neben dem Vorsitz der Regierung geleitet hatte. Als sympathischer “guter Verlierer” hat sich damit Peres, und unter murrendem Protest mehr oder minder schliesslich auch Dajan zwar abgefunden; aber unter ihrer Wortfuehrung gaert es von Woche zu Woche staerker unter den “Jungen” der Mapai, von denen vorhin die Rede war. Indirekt wirkt dieser Generationenkonflikt in der grossen Partei, zu der ebenso wie der fruehere so der jetzige Regierungschef gehoert, selbstredend nur stoerend auf Eschkols Amtstaetigkeit ein. Leicht ist ihm sein Start, wie man sieht, von keiner Seite gemacht worden. Aber ebenso hat sich bereits gezeigt, wieviel zaehes Standvermögen sich hinter seiner lebensklugen immer zu ausgleichenden Loesungen bereiten Jovialitaet verbirgt. Es scheint mithin genug dafuer zu sprechen, dass-sich seine Regierung “mit Gottes Hilfe bis 1965, zum Ende der Legislaturperiode dieses Pariaments im Amt halten wird” wie er es auf jener Pressekonferenz zur sichtlichen Enttaeuschung meines Nachbarn vorausgesagt hat, des israeUschen Supernationalisten und erstaunlich guten Schillerkenners.