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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-08-01 · 8 (Agosto, 1963) · p. Seite 37

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
8 (Agosto, 1963)
Date
1963-08-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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AGOSTO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 37 EIN RUECKBLICK AUF DAS JAHR 1963 --Von Dt. Abner Neebuslitan, Tel-Aviv———- Dr. Abner Nechushtan men der grossen Tragoedie des Untergangs der deutschen Juden auf den es die neuen Machthaber von Beginn an abgestellt hatten und welchen Wert haben iReminiszenzen solcher Art gar nach dreissig Jarren? Was im folgend e n geschildert sei, soll diese Frage beantworten. n Das “Israelitis c h e Familienblatt s t a n d1 im Unterschied z u den Zeitungen des Central-Vereins, der 'Zionistischen Vereinigung fuer Deutschland usw. keiner juedischen Organisation nahe. Merkwuerdig genug hatte es aber gerade dieser T Unabhaengigkeit von Sonderinteressen oder auch von Herzliche Glueckwuensche einzelnen religioesen Stroe- ■uebermittele ich zu seinem mungen seinen Aufstieg zu Jubilaeum dem “Boletín Inverdanken. Denn eben desformativo’’, als dessen Behalb sprach es! grundsaetzrichterstatter ich von Israel lieh zu allen Juden in aus seit einer ganzen Reihe Deutschland, zu welcher glauvon Jahren taetig bin. Aber bens— und gesinnungsmaesnicht nur deshalb betrachte sigen Richtung sie auch geich mich Ihnen in kollegiahoerten. Aber dazu gehoerte ler Freunds'chaft verbunden, es selbstredend, dass ihre Monat fuer Monat laesst Ihr Auffassungen auch die ihres lesenswertes, mustergueltig “Blaettchens” waren. Es war redigiertes Blatt textlich wie bis gegen Ende des Ersten in der Aufmachung des An- Weltkrieges genauso altzeigenteils in mir die Erinfraenkisch wie sie selber, in nerung an das alte Hamburihren unzaehliggn Kleingeger “Israelitische Familienmeinden vom (‘Posenschen’ blatt” auf steigen, das in mehr durch alle Provinzen bis' nach als ¡einer Hinsicht wohl als Hessen. Und im gleichen Urtyp juedischer, in der Go- Mass und Tempo, in dem die Iah erscheinender Zeitungen deutsch-jue dische Binnenwie das “Boletín” betrachtet Wanderung nach Berlin, werden kann, als Modell fuer Muenchen, Frankfurt, Koeln, sie alle, die draussen in der Hamburg usw. dann zur Welt von heute fuer die man- Hochflut anschwoll, “verfiigfachen Beduerfnisse von staedterte es sich zusehends. Menschen unserer Religion Aber ebenso, wie es vor die- und Volkszugehoerigkeit ser Modernisierung und daebenso sorgen, wie es das nach fuer juedisch-religioese “Familienblatt” vier Jahr- Ueberlieferungstreue eintrat, zehnte lang fuer die deutverstand es sich anderersehen Juden von damals tat. seits wohl fuer steine saem- Damals... So einschneitlichen Redakteure von 1899 denden Wandlungen des kol- bis 1933 von alleine, den zio» lektiven und persoenlichen nistischen Gedanken so re- Schicksals sind wir allesamt serviert, ja ablehnend gegeninzwischen ausges'etzt geweueberzustehen, wie die grossen, dass ich mich nur zoese Mehrheit der deutschen gernd zu diesem Rueckblick Juden. Zwar sei es zur Ehre entschlossen habe, obwohl der Verleger, der Les'smanns der Zufall es gewollt hatte, (Vater und Sohn) wie ihrer dass ich in einer so kritis'ch Schriftleiter betont, dass sie entscheidenden Zeit wie seit immer heftig gegen wuerdedem Fruehsommer 1933 bis lose, assimilationstrunkene zum Anfang des Jahres 1936 Anbiederung auf getreten watunter meinem damaligen ren; aber die Gleichsetzung Namen Alfred Kupferberg) des deutschen Judentums als Hauptschriftleiter fuer mit dem Deutschtum hatte die “Linie” des Familienblatstets zu ihren Axiomen getes verantwortlich war. Diehoert. Zwar berichtete das sem Rueckblick liegt indessen Familienblatt objektiv ueber nicht etwa die Wichtigtuer!- Zionistenkongresse, bezog sehe Absicht zugrunde, meisich achtungsvoll zu den konen Anteil an der “Linienlonisatorischen Leistungen Schwenkung” herauszustreides juedischen Palaestina, chen, mit der die Hamburdas von ihm stets indessen ger Wochenzeitung bald nach schamhaft a 1 s “Heiliges dem Beginn des “Dritten Land” bezeichnet wurde, und Reiches” von der Neutralibegruesste es vorbehaltlos, taet in juedischen , Fragen als! die Hilfe fuer diese Auf-' abging, an der sie seit ihrer bauarbeit durch Pro-Palae- Gruendung kurz vor der stinacomites, durch die “Er- Jahrhundertwende fest geweiterte Jewish Agency” und halten hatte. Wie wenig beden “Neutralen Keren Hadeutete dieser redaktionelle jessod” entpolitisiert wurde. Kurswechsel letzten Endes Aber als Hitler in die Reichsschon zu jener Zeit im Rahk a n z 1 e i eingezogen war stand die Redaktion diesem Menetekel genau so verstaendnislos gegenueber, wie die Massen ihrer Abonnenten. Sie lasen am 2. Februar 1933 in ihrem Blatt: “Da die Deutsch-Nationalen in der Regierung eine starke Position einnehmen, darf gehofft werden, dass das Kabinett grundsaetzliche Aenderungen in der Verfassung nicht vornehmen wird... Diefuehrendeh Pers'oenlichkeiten der Nationalsozialisten haben jetzt (das folgende Wort im Sperrdruck) verantwortliche Regierungspolitik zu treiben... Im besonderen Masse gruendet sich die Hoffnung der deutschen Juden auf die verehrte Gestalt des Reichspraesidenten”. Eine Woche spaeter erfuhren die Leser des Familienblattes, “dass man kaum beabsichtigen wird, Forderungen, die man : betreffs der ominoesen “Judenfrage” aus agitatorischen Gruenden gestellt hat, nun, an die Macht gelangt, auch zu verwirklichen”. ¡ Am 2. Maerz, als der “Fuehrer” Reichstagswahlen durchfuehrte, hatte die Redaktion inmitten des Terrors der schon genau so gegen Juden wie gegen linksgerichtete Kreise eingesetzt hatte, zwar den respektablen Mut aufgebracht, zu schreiben, dass “kein juedischer Waehler seinen Stimmzettel fuer eine Partei abgeben kann, deren Programm die Vernichtung der Gleichberechtigung der Juden vorsieht”, Aber bald danach, eine Woche vor dem Boykott— Tag des 1. April, lies’s sich der Hauptschriftleiter, ein im uebrigen alterfahrener Journalist, von strikter juedischer Glaubenstreue, makelloser Honorigkedt, aber als Frontkaempfer des Krieges 1914 — 18 unbelehrbar in seiner Blindheit fuer das Fiasko Steiner deutsch-juedischen Ideale, zum emphatischen Bekenntnis hinreissen: “nicht, dass du uns liebst, ist uns Daseinsnotwendigkeit; aber daSs du (Hitler A. N.) dir unsere Liebe gefallen laesst, das ist uns Lebensbeduerfnis”. Und das erschien fast am selben Tag, da die “Juedische Rundschau” mit der beruehmten Forderung hervortrat: “Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!”. Sicher trug der niederschmetternde Eindruck des Boykott - Tages weitgehend dazu bei, die deutschen Juden den Gegensatz zwischen diesen beiden Aeusserungen spueren zu lassen, als sie die juedische Presse jener Tage so begierig wie verzagt nach Direktiven und Zuspruch durchsuchten. Wohl zum ersten Male geschah es ln der Geschichte des' Israelitischen Familienblattes, dass selbst die treuesten seiner Leser aufbegehrten. Es gab aber nicht einmal den Ausschlag, dass es, wie jede nur auf sich selbst gestellte Zeitung, darauf angewiesen war, den Bestand a n Abonnenten nicht zu gefaehrden. Obwohl der Verleger, der Sohn des aus dem Osten zugewanderten Gruenders, in durchaus “deutschen Bagrifferi” aufgewachs'en war — im Ersten Weltkrieg hatte er als Freiwilliger gekaempft —, regten sich in ihm jetzt die juedischen Instinkte des “Erbes der Vaeter”. Hinzu trat u. a. der Einfluss des Feuilletonisten der Redaktion, Esriel Carlebach .eines national gesinnten Juden von hinreissender Ueberredungskr a f t, der es spaeter in Tel-Aviv mit dem von ihm geschaffenen “Maa'riV;”, 4er mjeist gelesenen hebrae i3Chen Abendzeitung, bis zu seinem vorzeitigen Tod zu hoechstem Ansehen brachte. Als Verwaltungsleiter des Verlags nahm auch ich an diesen Besprechungen teil und hielt mit meiner Meinung so wenig zurueek, dass ich schliesslich veranlasst wurde, sie schriftlich zu fixieren. Obwohl seit frueher Jugend selber Zionist hielt ich es nicht fuer vordringlich, Menschen vom Typ der Familienbiatt—Leser diese Idee gerade in einem solchen Moment vorzutragen. Richtiger schien es mir, ihnen vorher die muehsam noch bewahrten Reste ihrer Illusionen zu nehmen. Dieser Auffassung entsprach der Leitartikel “Tachlis”, den ich als meinen ersten redaktionellen Beitrag solcher Art im Juli 1933 veroeffentlichte, und in dem es hiess: "Jetzt ist nicht mehr Zeit und Ort fuer die immer erneute Bekundung der iselbstverstaendlichen Tat Sache, dass! wir deutschen Juden es als bitterstes Unrecht empfinden, wenn man uns degradiert. .. Nicht eine Politik von Deklarationen tut not... Es gilt, Existenzfragen mit einer Rueckhaltlosigkeit, die in der Geschichte der deutschen Judenheit ihresgleichen nicht findet, in das Zentrum unserer juedischen Arbeit zu stellen”. Damit war der Bann gebrochen, den sich die Zeitung im Wunsch, das Rad der Geschichte zurueckzudrehen, in den ersten Monaten des “Dritten Reiches” selber auferlegt hatte: es fehlte von nun an im Familienblatt an Versuchen, dem unversoehnlichen Feind gut zuzun-aen. AIS ich die Redaktionsfuehrung kurze Zeit nach jenem Leitartikel uebernahm, sah ich meine Aufgabe indessen natuerlich nicht nur aarm, auf ein so unwuerdiges wie fruchtloses Werben um die Gunst der deutschen Machthaber zu verzichten. Der Ruf nach juedischer Selbstbeslnnung, ,systematische Pruefung der Auswanderungsmoeglichkeiten, und —last but not least— Erez Jisrael, das juedische Palaestina mit seinen Chancen, es wurden die Richtlinien meiner Arbeit, bis mich Anfang 1936, als ich meine Alijah durchfuehrte, Dr. Joachim Prinz abloeste. An seiner Stelle uebernahm schliesslich Frau Dr. Martha Wertheimer die Schriftleitung des Israelitischen Familienblattes, bis die Gestapo dem Weitererscheinen der Zeitung nach der “Reichskristallnacht” im November 38 ein gewaltsames Ende setzte, Sä man in eigener Sache bekanntlich ein schlechter Richter ist, lasse ich es dahingestellt ,ob und wie weit das Hamburger “Familienblatt” nach der redaktionellen “Weichenstellung” 1 m Sommer 1933 ernsthaft dazu beigetragen hat, deutschen Juden den Weg ln die Zuflucht andere Wohnlaender zu erleichtern, s'o lange es noch moeglich war, und sie dadurch vor dem spaetersn “Weg ins Nichts” zu bewahren. Immerhin hätte ate Zeitung in jenen Jahren ihre Auflage zu Rekordhöehen von etwa 35.000 Lesern gesteigert; sie war nach besagtem Kurswechsel mit dten Stimmungen und Bedürfnissen bemenkenswerter Telle des deutschen Judentums offenbar also wieder so im Einklang wie frueher, unter den grundlegend anderen “vorhltlerischen” Verhältnissen. Sollte selbst nur ein geringer Teil dieser Menschen damals auch vom Israelitischen Familienblatt dazu gebracht worden sein, sich rechtzeitig durch die Alijah hierher in mein Land, oder durch die Emigration in ueberseeische Staaten wie das gastfreundliche Chile, zu retten; — dajenu, wie es in unserer Hagada heisst. Und waere damit nicht auch die zutreffendste Antwort auf die Eingangs gestellte Frage nach dem Sinn der Rueckschau gegeben, die ich hier unternommen habe? Gewiss, nur eine an sich unbeachtlich kleine Szene im Trauerspiel des Untergangs der deutschen Juden bildete die redaktionelle Umstellung des Hamburger Israelitis chen Familienblattes vor nun dreissig Jahren. Aber wenn damit ein Beitrag zur Rettung geleistet worden ist, da-- jenu — dann mag es gerechtfertigt sein, diese EpiSö* de dem Vergessen entrissen zu haben. FIAMBRERIA ALEMANA Gttenter Walther Feinkost-Geschaeft vorm. 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