Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 8 (Agosto, 1963)
- Date
- 1963-08-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 21 DIE JUEDISCHE PRESSE IN DER WELT Der vorliegende Artikel beruht auf Veroeffentlichungen und Daten, diie uns liiebenswuerdigerweise von Herrn Monty Jacobs, Direktor des World Jewish Congress (New York) zur Verfuegung gestellt wurden. Die statistischen Angaben haben1 wir dem Buch "The Jewish Press in the World", herausgegeben von Joseph Fraenkel und veroeffentlicht vom WJC im Jahre 1961, entnommen. Bel jeder Untersuchung ueber die juedische Presse muessen wir zwischen den in Israel und den in der Diaspora erscheinenden Zeitungen und Zeitschrilten unterscheiden. ISRAEL Das israelische Zeitungswesen hat den spezifischen Charakter von Minderheitenpublikationen verl o r e n und unterscheidet sich nicht von dem Zeitungen anderer Laender, ausgenommen vielleicht durch die in Israel bes o n d e rs haeufigen landsmannschaftlichen V e r o e ffentlichungen in auslaendischen Sprachen, wie Englisch Franzoesis'ch, Deutsch, Jiddisch, usw. Daneben existiert im juedischen Staat eine nicht zu unterschaetzende arabische Presse. Diese Veroeffentlichungen in auslaendischen Sprachen beschraenken sich nicht nur auf Wochen— oder Monatsfclaetter, ,sondern sind auch stark in der Tagespresse repraesentiert, wo neben den grossen hebraeischen Tages- ’'Mtunn-en wie Al Hamishmar, Chadashot Hasport, Davar, Haaretz, Haboker, Hakol, Hamodia, Hatzofeh, Herut, Kol Haam, Lamerchaw, Omer, She-Arim und den Abendzeitungen Ma-Ariv und Jedioth Achronot, die alle politisch orientiert, sind, Tageszeitungen in Arabisch, Bulgarisch, Englisch (“Jerusalem Post“ Auflage ca. 16.000 Exemplare) Jiddisch, Franzoesisch, Polnisch, Ungarisch, Rumaenisch und Deutsch (Jedioth Chadashoth und Jedioth Hayom) erscheinen. Als' Kuriositaet sei vermerkt, dass die der Histadruth nahestehende Zeitung “Omer” in jeder Nummer ein Vokabularium fuer Neueinwanderer bringt, ln dem schwierige Ausdruecke in nicht weniger als 9 Sprachen erklaert werden. Aussergewoehnlich gr o s s ist die Anzahl von Zeitschriften, vom Kinderblatt bis zu den Veroeffentlichungen gelehrter Institutionen, abgesehen von der grossen Anzahl regelmaessig erscheinender Publikationen der zentralen zionistischen Instanzen und der nationalen Fonds. Um ein ungefaehres Bild der Mannigfaltigkeit des israelischen Blaetterwaldes zu geben, genuegt es festzustellen, dass im Lande 55 Wochenzeitschriften in 17 Sprachen erscheinen; 29 von ihnen mit einer Auflage von insgesamt ca. 320.000 Exemplaren. Bel einer juedischen Bevölkerung von etwas ueber 2.2 Millionen feedeutet das, dass jeder 7. Israeli, also praktisch jede zweite Familie eine Zeitschrift regelmaessig liest, ohne dass dabei die Blaetter beruecksichtigt worden sind, die keine Auflagehoehe angegeben haben und natuerlich die Summe betraechtlich ansteigen lassen. Daraus ergibt sich andererseits, dass Zeitschriften fast so gefragt sind wie Tageszeitungen. nachdem, laut, den uns zur Verfuegung stehenden Daten, 13 Zeitungen (von 23), an ¡Wochentagen eine Auflage von ca. 350.000 Stueck haben, eine Auflage, die sich an Feiertagen noch einmal um ca. 20% erhoeht. Aber Picht nur zahlenmaessig ist die israelische Presse von Wichtigkeit, sondern auch ihr Niveau hat heute berechtigterweise internationalen Ruf. Aus den frueher mehr akademischen und belehrenden Zeitungen und Zeitschriften sind im Laufe der Jahre flotte, lebendige und gut informierte Blaetter .geworden, die von faehigen Mitarbeitern redigiert und von guten Journalisten an den Brennpunkten des Weltgeschehens vertreten werden. AMERIKA Unter den Diaspora—Veroeffentlichungen ist die luedische Presse Amerikas die wichtigste. Tageszeitungen erscheinen m Kanada —Toronto und Montreal— in Englisch und Jiddisch mit einer Auflage von ungefaehr 34.000 Exemplaren, in den USA. —New York— 3 Zeitungen in jiddischer Sprache mit einer Auflage von 150.000 Stueck, und m Argentinien —Buenos Aires— 2 Zeitungen in Jiddisch (Auflage ca. 50.000),; sowie auch in Uruguay —Montevideo— ein taeglich erscheinendes Blatt in Jiddisch mit 2.500 Lesern. Woechentlich , erscheinende Zeitschriften gibt es ln fast allen Staaten der USA. und in vielen Laendern Latein-Amerikas. In deutscher Sprache erscheint in Nord-Amérika der “Aufbau” —30.000 Exemplare— und in Suedamerika die “Juedische Wochenschau” (Buenos Aires), das “Boletín Informativo” (Santiago-Chile), “Das Blatt” ¡(Bogotá), “Informationen” (Quito) und das “Boletín Informativo” (Montevideo). Alle in Amerika erscheinenden Zeitschriften sind groesstenteils Organe von Gemeinden oder von Vereinigungen, und haben dementsprechend einen anderen Charakter als die israelischen Blaetter, die den ueblichen Normen des Zeitungs und Zeitschriftenwesens entsprechen. Dennoch haben sie einen nicht zu unterschaetzenden Einfluss', der oftmals in keiner Beziehung zu ihrer Auflageziffer steht. Man denke nur an den “Aufbau”,-der allgemein als das repraesentative Organ des deutschsprachigen Judentums in der Welt betrachtet wird. Ganz besonders wichtig sind die Zeitschriften, die vor allem in U. S. A. voh grossen supraregionalen Organisationen mit erheblicher Auflage herausgegeben werden. Die groessten dieser Blaetter sind: “Hadassah Newsletter” (Herausgeber Hadassa-Wizo-U. S. A.—Auflage 310.000), “The Jewish Veteran” (Jewish .Veterans War Assoc., Washington — Auflage 160.000), “Womens world” (Herausgeber B’ne B’rith U. S . A . — Auflage 142.000). “National Jewish Monthly” (Auflage 195.000 Exemplare), und der “American Zionist” (Zionist Organisation of America-Auflage 1 5 0.0 0 0 Stueck) Zusammenfass'end i kann festgestellt werden, dass in den U. S. A. der Trend immer mehr vom fremdsprachigen Blatt zu der Englischsprachigen Veroeffentlichung geht. Zeitungen in auslaendischen Sprachem —vornehmlich jiddisch— einst von grosser Bedeutung, stehen heute auf dem Aussterbeetat und werden immer mehr von englischen Blaettern, die oft sehr gut redigiert und auf gemacht sind, abgeloest. Das Informationsmaterial erhalten alle diese Zeitungen und Zeitschriften, nicht nur von den grossen universellen Nachrichtenagenturen, sondern auch von der ITA (Jewish Telegraphie Agency) und von dem “7 Arts Feature Syndicate”, die in fast allen Laendern der Welt vertreten sind und sich auf juedische Fragen spezialisieren. Die juedische Presse der U. S. A. ist ausserordentlich vital und nimmt grossen Anteil nicht nur an rein juedischen i Fragen, sondern auch an den allgemeinen Problemen des Landes. In grossen Zuegen lassen sich —unter BerueekSichtigung oertlieher Gegebenheiten— aehnliche Zuege in Lateinamerika feststellen. Auch hier geht der Zug von Einwandererblatt zur repraesentativen Zeitschrift in der Landessprache, vom reinen Vereins oder Gemeindeblatt zu Veroeffentlichungen, . die auch zu allgemeinen Fragen Stellung nehmen. Die verschiedenartige soziologische Struktur der lateinamerikanischen Laender, sowie auch die Tatsache, dass die juedische Einwanderung erst relativ neu auf dem Kontinent ist, hat allerdings das Entstehen eines fuer diese Laender charakteristischen Typs von Publikationen beguenstigt, der sich weit mehr nach innen konzentriert als gleichartige Blaetter in den U. S. A. Es ist aber anzunehmen, dass infolge der letzthin in Fluss geratenen Sozial— Situation des Kontinentes und der dadurch fortschreitenden Integration der juedischen Einwanderer. die Veroeffentlichungen mehr und mehr Raum allgemeinen Problemen ihrer Laender widmen werden. EUROPA Ausser auf dem amerikanischen Kontinent und in Tsrael, gibt es nur noch in Frankreich juedische Tageszeitungen. ln Paris erscheinen 3 Zeitungen in jiddischer Sprache. Ihre Auflage ist allerdings sehr gering Im uebrigen Europa werden eine Anzahl wichtiger juedischer Wochenblaetter und Monatszeitschriften publiziert, deren einflussreichste der ‘‘Jewish Chronicle” (London) ist, der Dekan der juedischen Presse in der Welt (1841 gegruendet). In der Bundesrepublik Deutschland erscheint die “Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland” mit einer Auflage von ca. 46.000 Exemplaren. Die Hoehe der Auflage, die weit ueber die zahlenmaessige Staerke der Gemeinschaft in Deutschland hinausgeht, ist wohl in erster Linie darauf zurueckzufuehren, dass ein grosser Teil der Leser dieses Blattes sich aus ehemaligen deutschen Juden zusammensetzt, die heute in aller Welt verstreut leben. Daneben gibt es ¡die “Muenchener Juedischen Nachrichten ” und die monatlich erscheine n d e n Blaetter "Frankfurter Juedisches Gemeindeblatt“ sowie das “Mitteilungsblatt der Israeliten Badens”. Alle zwei Monate erscheint die “Juedische Illustrierte”. An Faohveroeffentlichungen gibt es die vierteijaehrlich herauskommenden “Juedische Sozialarbeit” und ein Studentenblatt “Baderech”. Auch die uebrigen Laender Europas geben regelmaessig juedische Blaetter heraus, die oftmals auf sehr hohem Niveau stehen. Ganz besonders gilt dies fuer die monatlich oder viertel] aehrlich erscheinen den “wissenschaftlichen Z fr i tschiriften diverser gelehrter Vereinigungen Englands und Frankreichs, die oft ¡eine wahre Fundgrube von Judaica darstellen. DjEiR OSTBLOCK Oestllch -des “eis'ernen Vorhangs” erscheinen juedische Zeitschriften In der D. D. R. (Nachrichtenblatt des Verbandes der Juedischen Gemeinden In der - D. D. R.j, Ungarn, Polen, Rumaenien Russland und der Tschechoslawakei. Besonders die in Polen und der Tschechoslowakei erscheinenden Blaetter wenden sich an einen groesseren Kreis, auch im Ausland, und bringen neben Gemeindenachrichten Stellungnahme der lokalen juedischen Instanzen dieser Laender zu Weltproblemen —die naturgemaess mit der “Parte i 1 inie” uebereinstimmen muss—, literarische Arbeiten, Forschungen ueber Juedische Vergangenheit in Osteuropa, usw. In der Sowjetunion erscheinen zwei Zeitschriften, der “Birobidjaner Shtern” (3 mal woechentlich) und neuerdings' das “Sovietish Haimland” mit einer Auflage von ca. 25.000 Exemplaren. ASIEN, AFRIKA AUSTRALIEN In Afrika gibt es juedische Zeitungen in der Südafrikanischen Unión, in Sued-Rhodesien ¡und in Kenya, abgesehen von der frueher sehr wichtigen Presse der Laender Nordafrikas, die heute praktisch aufgehoert hat zu existieren. Die juedische Presse in Asien beschraenkt sich wenn wir Israel ausnehmen— auf Indien (4 Zeitschriften in Englisch und Maharati mit einer Auflage von zusammen etwa 9.000 Exemplaren), die Philippinen wo in Manila ein Gemeindeblatt erscheint, und Singapore, wo der dortige Jewish Welfare Board ein monatliches Bulletin herausgibt. In Australien und Neuseeland gibt es juedische Wochen— und Monatszeitschriften, die in Sydney, Melbourne, Wellington, Woolahra und Mt. Lawley, erscheinen und die dem Charakter nach Gemeindeblaetter, bezw. Nachrichtenbulletins diverser Organisationen darstellen. Diese Blaetter sind in der Hauptsache in englischer Sprache redigiert, abgesehen von einigen wenigen Zeitschriften in jiddisch, die immer mehr zurueckgehen. ZUSAMMENFASSUNG Zusammenfassend: Es erschienen 1961 in der Welt 933 juedische Zeitungen und Zeitschriften, davon 601 in der Diaspora und 332 in Israel. Von den in der Diaspora veroeffentlichten Blaettern entfielen auf Europa 173, 31 auf Afrika, 6 wurden in Asien (abgesehen von Israel) aufgelegt, 15 erschienen ln Australien und Neuseeland und 376 auf dem amerikanischen Kontinent. Auch das juedische Sprachenbabel findet seinen Widerschein in der Presse. Waehrend in der Diaspora nur 25 Zeitungen in hebraeisch erscheinen, gibt es 284 in Englisch, 137 in Jiddisch, 52 in franzoesischer Sprache, 45 in Spanisch und 29 in Deutsch. In Israel dagegen spielt sich im Sinne der Hebraisierung ein aehnlioher Einschmelzungsprozess ab wie in den USA. und von den 332 Zeitschriften erscheinen heute, wenige Jahre nach der Staatsgruendung und waehrend der Kibutz Qalujot noch in vollem Gange ist, nur noch 109 Zeitschriften und Zeitungen in auslaendischen Sprachen. Die Zeit wird lehren, ob und wie weit die juedische Presse in der Welt lebensfaehig ist, Dies haengt in erster Linie davon ab, dass die Gemeinschaften der Diaspora ihre oftmals parallel laufenden Anstrengungen vereinen, das aus mehreren ¡kleinen Zeitschriften ein grosses' repraesentatives Blatt entsteht-. Es wird ¡auch davon abhaengen, ob die juedische Presse das Verschwinden der landsmannschaftlichen Blaet ter ueberleben wird und ob es gelingt, diese durch allgemeine Publikationen zu ersetzen. Die juedische Presse hat eine fcteberraschende Vitalitaet bewiesen und die Tatsache, dass heute so viele Veroeffentlichungen erscheinen, ist der beste Beweis dafuer, dass* sie eine Notwendigkeit erfuellt. Darauf basierend koennen wir die Zukunft der juedischen Presse in der Welt optimistisch beurteilen. Sie wird ihre Aufgabe weiter erfuellen, moeglicherweise in and e r e r Sprache, aber in demselben Geist. H. E.