Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 8 (Agosto, 1963)
- Date
- 1963-08-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 19 JUEDISCHE PRESSE IN DEUTSCHLAND -yon Rabbiner Manfred Lubliner Das 25—jaehrige .Bestehen unserer Gemeinde und ihres Nachrichtenblatts ist der Anlass fuer die folgenden Auszehrungen. Es versteht sich dass dieser kurze Aufsatz im Rahmen dieser Festschrift nicht den Anspruch auf Vollstaendigkeit haben kann, aber auch ein Teilausschnitt aus dem Bereich des juedis'chen Zeitungswesens in Deutschland duerfte fuer Leser unserer Gemeindeblattes von Interesse sein. Die ersten Anfaenge einer juedischen Presse gehen auf die zweite Haelfte des 17. Jahrhunderts zurueck. Die Wiege des' juedischen Zeitungswesens steht in Holland. Zum ersten Mal erscheint in Amsterdam im Jahre 1678 die “Gazeta de Amsterdam”, eine Zeitschrift in juedisch— spanischer Sprache —Ladino genannt— die aber schon nach 11 Monaten ihr Erscheinen einstellt. 8 Jahre spaeter, wahrscheinlich durch eilte groessere Einwanderung von Juden aus Polen nach den furchtbaren Pogramen 1648—49 und den darauf folgenden spaeteren Verfolgungen bedingt, finden wir eine zweimal woechentlich erscheinende Tageszeitung in jiddischer Sprache, die sich “Der Kurant” nennt. Aber auch dieser Zeitung ist nur ein kurzeg Leben beschieden. Fast gleichzeitig erscheint auch ein Nachrichtenblatt, das sich “Zeitung aus Indien” nennt. Es ist in juedisch—deutsch mit hebraeischen Lettern geschrieben und dient der Herstellung von Handelsbeziehu n g e n zwischen Holland und Indien und wendet sich insbesondere an die eingewanderten Juden, die der hollaendischen Landessprache noch nicht maechtig sind, ein Phaenomen, das sich bei uns Juden des oefteren wiederholte. Es vergehen fast 50 Jahre, als das Rabbinerseminar in Amsterdam “Ez Chajim” mit einer monatlichen Publikation in hebraeischer Sprache, unter dem Titel “Peri Ez Chajim” (Frucht des Lebensbaumes), an die Oeffentlichkeit tritt. Diese Zeitschrift behandelt im wesentlichen rabbinische Probleme auf den verschiedensten Gebieten und weist eine Lebensdauer von mehr als 30 Jahren auf. Alle diese kurzlebigen Zeitungen sind nichts anderes als schwache Anfaenge juedischen Zeitungswesens. Es vergeht fast ein Jahrhundert bis' der gelungene Versuch unternommen wird, eine wirkliche juedische Presse zu schaffen, die den Leser politisch oder religioes leiten und fuehren sollte. Die Zeit der Aufklaerung steht bei der Schaffung des juedischen Zeitungswese n ä Pate. Ein neues Zentrum —Deutschland— beginnt eine fuehrende Rolle auf diesem Gebiet zu spielen. Der Vorkaempfer fuer die Emanzipation, Moses Mendelsohn, begruendet 1750 in Berlin die erste moderne juedische Zeitung unter dem Namen “Kohl eiet Muss'ar” -(Der Sittenprediger). Aus dem Titel geht die Tendenz einer ethisch-philosophischen Richtung des Herausgebers klar hervor. Auch sie ist noch in der hebraeischen Sprache geschrieben ,ein Beweis' mehr dass das Leserpublikum in diesem Zeitpunkt die alte Muttersprache noch genuegend versteht. Aber leider ist auch dieser Neuerscheinung nur ein kurzes; Dasein beschieden. Dyherenfurth, ein kleines schlesisches Staedtchen in der Naehe von Breslau, das seit dem Ende des 17. Jahrhunderts eine hebraeische Buchdruckerei besitzt und insbesondere die damalige Welt mit Talmudexemplaren, Maimonides—Ausgaben und Gebetbuechern versieht gibt in dem Jahre 1771 “Die Dyherenfurther Privilegierte Zeitung” heraus, erstmalig in deutscher Sprache mit hebraeischen Lettern. Aber auch sie stellt, nach Ablauf eines Jahres ihr Erscheinen ein. Einen neuen Aufschwung nimmt die juedische Presse in Deutschland durch die Schaffung einer monatlichen Zeitserrift “Hameasef” (Der Sammler) die mehr als WIZO Centro Henrietta Szold ßridge Canasta Nachmittag Estadio Israelita Sonntag 2$. Augmt Tischreservationen rechtzeitig erbeten 25 Jahre bestanden hat. Der Schuelerkreis um Mendeisohn hat es' sich zur Aufgabe gemacht, die Erzeugnisse der europaeischen Kultur in die Massen der deutschen Judenheit hineinzutragen. Diese Zeitschrift ist der Mittelpunkt aller Aufklaerungsbestrebungen gewesen, sowohl fuer die Juden des Westens wie auch des Ostens. Sie erscheint selbstverstaendiich in hebraeischer Sprache und hat einerseits den Bildungsbestrebungen, andererseits aber auch dem Prozess der Assimilation und der Reformbewegung im Judentum gedient. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts an hat jede geistige juedis^he Bewegung, sei es auf religioeser oder nationaler Basis, die Zeitung oder Zeitschrift dazu benutzt, um sich an den juedischen Men schen zu wenden, ihn aufzuklaeren und ihn in der ei nen oder anderen Richtung zu beeinflussen. Gabriel Riesser, einer der eifrigsten Vorkaempfer fuer die Emanzipation, eine aussergewoehnliche Persoenlichkeit, dessen 100. Todestag wir in diesem Jahre gedenken, ist der Herausgeber der Zeitschrift “Der Jude”, aeren Tendenz auf voellige Emanzipation der Juden m Deutschland aüsgeri c h t e t war. Auf dem religioesen Gebiet schafft sich die Reformbewegung als Sprachrohr die “Allgemeine Zeitung des Judentums”, an der besonders aktiv Ludwig Philippson und Abraham Geiger mitgearbeitet haben. Die religioeskonservative Gegenbewegung, angefuehrt von Sams'on Raphael Hirsch, gibt, den “Israeliten” heraus. Leopold Zunz, der mit Recht als Vater der juedischen Wissenschaft angesehen wird, zeichnet verantwortlich fuer die bekannte “Zeitschrift fuer die Wissenschaft des Judentums", die nach einer Unterbrechung von 30 Jahren unter dem Titel “Monatsschrift fuer die Geschichte und Wissenschaft des Judentums”, in Breslau 1854 wieder erscheint und bis zur Zerstoerung des Breslauer Rabbinerseminars im Jahre 1940 bestanden hat. Auch die “Zeitschrift fuer die Geschichte der Juden in Deutschland” die ihr Erscheinen unter Ludwig Geiger begann und spaeter von dem bekannten Historiker an der Hochschule der Wissenschaft des Judentums in Berlin, Ismar Elbogen fortgesetzt wurde, soll hier Erwaehnung finden. Einen besonderen Impuls nimmt das juedische Zeltungswesen fin Deutschland durch die national—j uedische und zionistische Bewegung in Deutschland. Jedem von uns ist bis auf den heutigen Tag die “Juedis'che Rundschau” in fris eher Erinnerung geblieben, die von 1896 bis in die ersten Jahre des Naziregimes erscheint. Wer erinnert sich nicht des aufsehenerregenden Artikels ihres damaligen Redakteurs Robert Weltsch anlaesslich des Boykott—Tages des 1. April 1933, als er an die deutschen Juden den Rabbiner Manfred Lubliner Apell richtete: “Tragt ihn mit Stolz den gelben Fleck”. Neben dieser bedeutenden zionistisch ausgerlcht eien Zeitung erscheinen noch am Beginn des 20. Jahrhunderts monatliche Publikation e n von denen wir nur zwei “Palaestina “und” Altneuland”, erwaehnen. Das Blatt mit der zweifellos groessten Auflageziffer war allerdings' die C. V. — Zeitung, die im Jahre 1895 unter dem Titel ‘Im deutschen Reich” erstmalig erscheint und im Jahre 1922 unter diesem neuen Namen fortgefuehrt wurde. Dieses Organ, das in den deutsch— juedischen Kreisen solch aus'sergewoehnliche Verbreitung gefunden hat, ist das Kampfblatt par Excellence gegen den Antisemitismus in Deutschland gewesen. Wer ueber juedisches Zeitungswesen in Deutschland schreibt, darf letzten Endes ein Blatt — das zwar parteilos war— aber doch in sehr ■vielen juedischen Haeusern Eingang fand, nicht vergessen, das “Hamburger Israelitische Familienblatt”, das an einem jeden Donnerstag erschien und zu einer angenehm e n Schabbatlektuere wurde. Wer erinnert sich nicht gern auch noch heute der Zeitungsspalte “Von allen vier Teilen der Welt” die mit besonderer Aufmerksamkeit und grossem Behagen gelesen wurde. 1898 in Hamburg gegruendet, uebersiedelte die Redaktion 1934 nach Berlin and stellte in der Nazizeit ihr Erscheinen ein. Einer seiner letzten fuehrenden Redakteure ist Dr. Kupferberg, der heute in Israel lebt und unter dem Namen Abner Nechushtan unseren Mitgliedern kein Unbekannter ist. Im heutigen Nachkriegsdeutsehland erscheint i n- Duesseldorf als bedeutendste juedische Zeitung, “Die allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland”, die von Karl Marx redigiert wird. Sie gibt einen umfassenden Ueber blick ueber das Leben der Juden in den einzelnen Gemeinden, darueber hinaus unterrichtet sie ihre Lester ueber alles Wesentliche in den anderen juedischen Zentren und insbesondere ist sie aufs engste mit dem Lande Israel verbunden. Zum Abschluss wollen wir noch auf eine spezielle juedische Zeitungsform hinweisen, auf die Gemeindeblaetter. Karlsruhe am Ausgang des 19. Jahrhunderts und Berlin 1910 sind die ’ ersten Gemeinden in Deutschland gewesen, die ein Gemeindeblatt herausgegeben haben. In den zwanziger Jahren, folgten diesem Beispiel eine Reihe Gross— und Miütelgemeinden, die auf dem Wege des Nachrichtenblattes einen engen Kontakt mit ihren Mitgliedern aufnehmen wollten. Auch wir, die wir das 25. jaehrige Bestehen unseres Gemeindeblattes in diesen Tagen feiern, haben uns diese Einrichtung aus unserem Geburtsland zum Vorbild genommen, von dem Gedanken geleitet, immer in Freud und Leid mit allen denen aufs engste verbunden zu sein, die mitgeholfen haben, die heilige Tradition einer juedischen Gemeinde ueberall in der Welt, wohin sie der Weg fuehrt, in Treue zu bewahren. Fuer die naechsten 25 Jahre bis zum Goldenen Jubilaeum wuenschen wir Israel, der restlichen Welt und uns Jahre des Wohlstandes und des Friedens.