Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 7 (Julio, 1963)
- Date
- 1963-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8558686-9194535--3878-8558843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JULIO 1963 7 BOLETIN INFORMATIVO Dr. Uri Naor.- Botschafter in Chile Von unserem eigenen Berichterstatter MENACHEM KILAi Der (Leser der Nachricht, dass das israelische Aussenministerium Herrn Dr. Uri Naor, Generalkonsul in Zuerlch, zum Botschafter Israels in Chile und Ecuador, mit Amtssitz in Santiago ernannt hat, wird sich fragen, wer er war und wer er ist. Uri Naor —Dr. Hans Lichtwitz— ist kein (Unbekannter. Besonders in westeuropaeisohen zionistischen Kreisen hat sein Name als Jugendfuehrer, a 1 s zionistischer Propagandist, als Journalist und vor allem als Mann der strengen Pflichterfuell u n g einen guten Klang. Dr. Naor wurde 1910 Ln Saaz —Tschechoslowakei— geboren. Noch s'ehr . jung, schloss er sich der zionistischen Jugendbewegung an und war eines der juengsten Mitglieder der Bundesleitung des Techeleth-Lawan. Fuer viele seiner damaligen Mitbuerger war Dr Lichtwitz einer der Parlamentsstenographen. Aktive Zionisten hatten es —besonders ln den westlichen jLaendern— noetig, einen guten Brotberuf zu haben, um desto freier und unabhaengiger zionistisch arbeiten zu koennen. Und “zionistische Berufe“ hatte Uri Naor viele. Zusammen mit Felix Weltsch, . war er verantwortlich fuer die Redaktion der “Selbstwehr'’ einer ebenbuertigen Schwester der zionistischen “Juedischen Rundschau“, die in Berlin unter Leitung von Robert Weltsch erschien. Ausserdem redigierte , er das Nachrichten, bezw. das Informationsblatt des K. K. L. und des Keren Hajessod, die beide zu den besten zionistischen Veroeffentlichungen der C. S. R. gehoerten. Er war als gruendlicher Propagandist, Redner und Vortragender bekannt. In seinen Referaten gab es keine rethorischen Phrasen. Er konnte es sich erlauben, auf leichte Kost zu verzichten. Seine Vortraege waren Meisterwerke in Aufbau und Gedanken. In einem jeden waren so viele Ideen und Material vorhanden, dass es anderen Rednern fuer mehrere Re ferate genuegt jhaete. Er hat nicht nur an sich selbst hoh e Forderungen gestellt, sondern auch an die Zuhoerer: nichtsdestoweniger ist er einer der wenigen Redner, die, trotz ruhig-sachlichem Vortrag, ein Auditorium zu fesseln verstehen. Als man bei der Gruendung der Jugendalijah im Jahre 1937 fuer die Tschechoslowakei eine Persoenlichkeit suchte, die bereit war, dieses wichtige Werk mit Mut und Ausdauer durchzufuehren, war Dr. Lichtwitz der gegebene Mann. Ihm und seinen Mitarbeitern gelang es damals tausende von Jugendlichen nach Israel zu retten, was nur unter unvorstellbaren Schwierigkeiten und durch aufopferungsvolle Arbeit moeglich war Zu jener Zeit —so unglaublich das heutS klingt— wollten nicht viele glauben, dass die Auswanderung nach Israel gleichbedeutend mit der Rettung aus der nazistischen Gefahr war. Diese Unverstaendnis und diese Kurzsichtigkeit bereitete seiner Arbeit grosse Schwierigkeiten. insbesondere dadurch dass damals oft die Kinder gegen den Willen der Eltern die Alijah antraten. Uri Naor gehoerte zu denen, die bis zuletzt aushielten. Erst spaet sollte er aus der Tschechoslowakei herauskommen. Doch damals, 1939, als die Gestapo ihn Suchte und schliesslich annahm, dass er geflohen sei, befand er sich noch in Prag, von Freunden versteckt. In diesem Zusammenhang ist interessant, was Max Brod in seiner Autobiographie “Streitbares Leben’’, auf Seite 454 ueber die Besetzung Prags durch die Deutschen am 15. Maerz 1939 schreibt: “An diesem Morgen war Prag bereits in der Macht, des deutschen Militaers und der Gestapo. Gestapo-Leute drangen in die Redaktion der “Selbstwehr’’ ein, deren Chefredakteur Felix Weltsch gewesen war und fuer die er wie ich, wie auch der junge Dr. Hans Lichtwitz UTri Naor) viele Artikel gegen die neue Barbarei in Deutschland geschrieben hatte. Man suchte uns drei. Es fehlte offenbar nicht an Spitzeln .und wohlorganisierten Registraturen. Die ganze Geschichte wurde uns einige Monate spaeter in Palaestina von polnischen Journalisten erzaehlt, die als vorlaeufig noch Neutrale anwesend gewesen waren. “Wo ist Felix Weltsch?’’ fragte einer der dreintappenden Biedermaenner. “Gestern abend weggefahren“. “Aha — jetuermt’’, meinte der Wackere mit elnigermassen deplaziertem, verachtungsvollem Spott. Offenbar war er der Meinung, dass es unsere Pflicht gewesen waere, das Todesurteil ordentlich abzuwarten. “Und wo ist Max Brod?’’. “Auch gestern weggefahren’’. “Auch jetuermt. Und Herr Lichtwitz — i selbstverstaendlich, dasselbe“. I Lichtwitz aber war noch in Prag, allerdings gut versteckt. Und erst einige Wochen spaeter gelang es' ihm durch die Labyrinthe der ostrauer Kohlengruben unterirdisch nach Polen zu entkommen. Wie viele andere. Die groessere Zahl aber — verloren im unsäglichen Elend’’. Im damaligen Palaestina widmete sich Uri Naor seinem Lieblingsberuf; dem Journalismus. Als im Jahre 1941 die Jewish Agency zur Rekrutierung junger Menstehen fuer die englisch-palaestinensische Armee aufrief, gehoerte er —obwohl nicht mehr ganz jung— zu den ersten, die ein Beispiel gaben. Er meldete sich freiwillig. Wieder machte die Jewish Agency von seinen propagandistischen und organisatorischen Faehigkeiten Gebrauch. Bevor er zu seiner Einheit kam, welche spaeter die juedische Brigade werden sollte, wurde er einer der militaerischen Koordinatoren im damaligen Palaestina. Man stellte ihn an die Spitze der Rekrutierungsabteilung fuer Einwanderer aus Mitteleuropa. Obzwar sein staendiges Bureau in den Raeumen der Hitachduth Olej Germania war, konnte man Ihn dort nur selten antreffen, denn waehrend der Wochen in denen er diese Mission erfuellte, sprach er jeden Tag in einem Kibbutz oder einer anderen Stadt. Wenn die Jungen Einwanderer aus Mitteleuropa den groessten Teil der juedischen Einheiten Palaestinas im englischen Heer dastellten, so ist das nicht zuletzt Sein Verdienst. Mit der juedischen Brigade kam er nach Europa und war einer der ersten juedischen Soldaten, welche die Lager Bergen-Belsen und Mauthausen als Befreier betraten. Fábrica de Acumuladores Eléctricos H€LV€TIA LUTHI UNOS. LTDA. y H€LV€TIA BATERIAS para Automóviles y Camiones' Fabricación espacial para Tractores Avda Providencia 1421 Teléfono 41646 Santiago Nicht sehr lange konnte er sich nach seiner Demobilisierung der MuSse und seiner Hobbies, Lesen und Schreiben, erfreuen. Bald wurde er nach der C. S. R. geschickt, wo er —in Vorbereitung des bald kommenden Befreiungskampfes— einer Gruppe angehoerte, die wichtige Aufgaben zu erfuellen hatte. Nach Proklamierung des Staates wurde er Presseattache der diplomatischen Vertretung Israels; in Prag.; Als im Jahre 1953 der Is- : rael—Vertrag mit Deutsch- : land zustande kam, wusste damals niemand, wie er ' realisiert werden sollte. Auf 1 beiden Seiten tastete man im Dunkeln und besonders Israel musste auf die Stimmung der Juden im Lande i und in der Welt, die diesen j Vertrag nicht sehr gerne ' sahen, Ruecksicht nehmen. Daher mussten nach Deutschland Menschen entsandt! werden, die es verstanden, I einerseits die angemessene j Distanz zu wahren, ande-! rerseits aber auch keine unnoetigen Reibungen hervorzurufen, wodurch idie Durchfuehrung des Vertrages haette gestoert werden koennen. Noch ist die Zeit zu nahe, die Leiden zu frisch und die Distanz zu den Geschehnissen zu kurz, als das man die Geschichte , dieser dramatischen Epoche schreiben koennte. Es ist eine grosse Anerkennung fuer Uri Naor, dass man ihn damals, 1953, sofort nach Koeln zur Israel- Mission sandte, wo er offiziell mit der Leitung des Informations-Bureau betraut wurde. Diese Abteilung hatte nicht nur die Aufgabe, Informationen ueber Israel zu geben, sondern musste viel mehr gegen die akkreditierten Botschaften der arabischen Laender arbeiten, die alle Hebel in Bewegung setzten um die Ratifizierung des Israel-Abkommens zu verhindern. Dies ist der Ein— Mann Informationsabteilung Uri Naor damals sehr gut gelungen. Als er 1956 Koem verliess, war die Informationsabteilung gut elngefuehrt, mit den besten Verbindungen zu Presse und Bevoelkerung, sodass er sie ruhig jemand anderem ueberlassen konnte. Nach seiner Rueckkehr nach Israel wurde er zum stellvertretenden Leiter der Informations-Abteilung des Aussenministeriums ernannt und 1960 israelischer Generalkonsul in der Schweiz. Dort hat er eine Arbeit vollbracht, wie selten ein Konsul ln einem Land. Uri Naor hat gezeigt, das er noch immer Hans Lichtwitz ist, dass es keinen , Gegensatz gibt zwischen dem frueheren Zionisten und dem jetzigen Diplomaten. Er hat mit grossem Erfolg zionistische Vortraege gehalten. Als vor einem Jahr die zionistische Weltorganisation fuer ihre europaeischen Mitarbeiter in Zuerich ein deutsch-sprachiges Seminar abhi eit, sprach Uri Naor in diesem Kreise ueber Zionismus in der heutigen wandelbaren Zeit. Dieses Referat zeigte mit allergroesster Klarheit, das's es auch nach der Gruendung des Staates Aufgaben fuer die zionistische Bewegung gibt. In Jerusalem hat man dem Vortrag solch grundlegende Bedeutung beigemessen, dass er im Druck erschien und in der ganzen Welt Verbreitung fand. In der Schweiz gelang es ihm, auf die schweizerische nicht-juedische Oeff entliehkeit, durch seine Manieren, seine gut fundierte klassische Bildung und sein ungeheures Wissen tiefen Eindruck zu machen und ihr Vertrauen zu erwerben. So oft ich ihn bei Seinen Vortraegen in der Schweiz beobachtete, erinnerte ich mich, wie der kuerzlich verstorbene Kurt Blumenfeld mir einmal sagte, dass er einen Menschen getroffen habe, der in seinem Kopf eine ganze Bibliothek haette. “Er liest nicht nur viel und alles, sondern er behaelt auch alles und wisse es am richtigen Platz zu verwerten’’. Er sagte mir noch, dass es sich fuer mich lohnen wuerde, wenn ich in Prag sei, mit Hans Lichtwitz bekannt zu werden, denn dieser wuerde einmal eine grosse Rolle in der Bewegung spielen. Das war 1935. Heute, nach fast 30 Jahren ist Jri Naor zum Botschafter Israels in Chile und Ecuador ernannt worden. Uri Naor hat diesen Gipfel seiner diplomatischen r Laufbahn durch ganze Arbeit erreicht, wie zum Beispiel durch die wunderbare Israel— Schriftenreihe, die er in den Jahren seiner Amtstaetigkeit in Zuerich herausgab und die heute die beste diesbezuegliche Informationsquelle fuer den deutschen Sprachkreis darstellt. Wer Uri Naor kennt, und viele kennen ihn so wie ihn Kurt Blumenfeld gestehen hat, ist ueberzeugt, dass er auch in dieser ihm neuen Welt seinen Mann stehen und seine Mission so gut durchfuehren wird wie alle bisherigen, und das Lateinamerika ein weiterer Meilenstein auf seinem Aufstieg darstellen wird. FIAMBRARIA BELLAVISTA GRETE BEERMANN República de Cuba 1411 jetzt Telefon 455409 Taeglich frisch: Wurstwaren, Aufschnitt, Gefluegel, Kaese, Eier, Gebaeck, Brot, Schokoladen, etc. Telefonische Bestellungen werden prompt ausgefuehrt