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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-05-01 · 5 (Mayo, 1963) · p. Seite 23

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
5 (Mayo, 1963)
Date
1963-05-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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MAYO 1963 BOLETIN I N F O R M'A'T I V O 23 Neger und Juden: ein neuartiges Problem Von Frederick R. Lachman (New York) Es mag zweckmaessig erscheinen, ein paar Ziffern und Tatsachen an den Anfang dieses Aufsatzes zu stellen, um zu illustrieren, das sein Thema von erheblicher Aktualitaet ist — dass ein neuartiges Problem angeschnitten wird, das wicntig ist, zunaechst fuer die Juden in den Vereinigten Staiaten, darueber hinaus aber fuer die Welt—Judenheit in ihrem immerwaehrenden Kampf um eine gleichberechtigte, wuerdevo 1 1. « Existenz und das Verschwinden Jenes, Argumenten nicht zugaenglichen, weil nicht auf Argumenten beruhend e n, Antisemitismus genannten Hasses all derer, denen das Vorhandensein von Objekten zur Abreagierung ihrer uebelsten Instinkte eine Lebensnotwendigkeit zu sein scheint. Es gibt (nach dem Zensus von 1950) rund 15 Millionen Neger in den Vereinigten Staten, die nach dem gleichen Zensus, etwa 10 Prozent der Bevoelkerung ausmachen. Die Negerbevoelkerung steht, vor allem in den Suedstaaten. darueber hinaus in einer, die i Neger des ganzen Landes erfassenden kaempferisch e n Bewegung um ihre Gleichberechtigung. In dieser Bewegung, vor allem in der radikalsten Form, spielen neuerdings anti-juedische Aeusserungen und eine antisemitische Haltung eine gewisse Rolle. Auf der andern Seite sind es oft gerade Juden, die sich zu Vorkaempfern der Rechte der Negerbevoelkerung machten. Dieser scheinbare Widerspruch har in duallerletzten Zeit zu einer Reihe bemerkenswerter, ebenfalls in sich widerspruchsvoller Aeusserungen gefuehrt.. Beispielsweise: der prominente Fuehrer der freiheitlichen Bewegung, ein Neger— Geistlicher namens Dr. Martin Luther King Jr„ war der Sprecher bei einem grossen Kampagne—Diner des American Jewish Congress, und in der New Yorker B’nai Jeshurum Synagoge erhielt er im Rahmen der “Bruederschafts-Woche” eine Auszeichnung. Die bedeutende Neger—Tageszeitung “N e w York Amsterdam News” brachte, basiert auf einei falsch interpretierten, vom Protestantischen Council angestellten und durch eine Indiskretion bekannt gewordenen Untersuchung als grosse, ueber die ganze erste Seite gehende Ueberschrift die Feststellung, dass Juden die grosse Mehrheit der fuehren- ANTIKES GLAS Vor der Besetzung Jerusalems durch die Roemer im Jahre 70 zerschlug ein jüdischer Glasblaeser seine Ware, damit sie nicht in die Haende des' Feindes falle. Bei den juengsten Grabungen in der Naehp des Damaskustores fand sich ein Haufe von Glastrümmern, alle einander aehnlich und aus der Zeit kurz nach Erfindung des Glasblasens stammend: hier stand wohl eine Glashuette, und vielleicht wurde an diesem Ort die erwaehnte Tat begangen. Beispiele wie_ das eben zitierte geben dem Buch von Frederic Neuburg, “Antikes Glas”*, unverwechselbare Nuancen. Denn hier spricht der Fachmann, der Sammler, der gebildete Europaeer und der in Palaestina wieder ansaessig gewordene Jude vom Glas als einem “künstlichen Gebilde, das uebernatuerliche, ja fast ueberirdische Eigenschaften und Schoenheiten besitzt”. Neuburg lebte als Industrieller in Nordboehmen und hatte sich schon vor der Jahrhundertwende den Grundstock zu einer der schoensten Privatsammlungen europaeischer Kunstglaeser gelegt. 1938, waehrend der Annektion des Sudetenlandes, wanderte Neuburg mit einer Handvoll Glaeser nach Palaestina aus. Die vermeintliche Katastrophe oeffnete ihm die Augen fuer ein bisher unbeackertes Arbeitsfeld: das Studium der Glaskunst in Palaestina. Zwar wusste man vom “Judenglas” (Bleiglas) des Mittelalters. Einen Zusammenhang zwischen den aeitesten jüdischen Ansiedlungen Europas und den in den gleichen Staedten aufbluehenden Glashuetten (Trier Koein, Andernach) vermutet jedoch erst Neuburg. Er nimmt sogar an, dass die boehmische, wie auch die venezianische Glasveredelung durch juedische Einwanderer ihren groessten Aufschwung nahm. Den Ausführungen Neuburgs ueber dieses Gebiet fehlt das Apodiktische; sie werden freundlich, fast gespraechsweise dargeboten und verraten die grosse Belesenheit des Autors in Bibel, Talmud und den antiken Schriftstellern. Das Kapitel ueber das jüdische Glas oildet den Kernpunkt des ganzen Buches; Neuburg vernachlaessigt aber nicht die Untersuchung ueber das aegyptische und das roemische Glas sowie über die Glaeser des West und des Ostroemischen Reiches Zum ersten Mal ist in diesem Band das 1960 bei Koein gefundene roemische Diatreton in seiner ganzen Farbenpracht reproduziert. Die Herstellung dieses von glaesernem Netzwerk umgebenen Gefaesses - es sind der Fachwelt nur deren acht bekannt - gibt Raetse! auf. Neuburg vermutet, ein dickwandiges Glas sei unter Wasser geschnitten und unterhoehlt worden. Die Illustrationen sind kundig gewaehlt und eingehend kommentiert Literaturverzeichnis, Index und Quellennachweis foerdern die sachliche Bildung des Lesers, ebenso wird er aber die lebenslange, freudige Bemühung des Verfasser schaetzen und das ansprechende Gewand seines Werkes. * Frederic Neuburg, Antikes Glas: Eduard Roether- Verlag, Darmstadt. (“NEUE ZUERCHER ZEITUNG”) den Posten in New York innehaben und die Stadt “kontrollieren”. (Zu Ehren der Zeitung muss gesagt werden, dass sie die juedische Reaktion auf diese Veroeffentli chung einige Tage spaeter in ebenso grosser Aufmachung brachte). In der, vom American Jewish Committee veroeffentlichten Zeitsc h r i f t “Commentary” schrieb der Chefredakteur Norman Podhoretz einen langen Aufsatz mit dem Titel “Mein Neger '— Problem — und unseres”, in dem er aus Kindheitserlebnissen zu erklaeren sucht, warum ein gewisses Anti—Neger—Gefuehl in ihm vorhanden sei. Der Artikel rief staerksten Widersprucli hervor, zum Beispiel im “Congress bi-Weekly”, des American Jewish Congress, in Form einer scharfen Erwiderung von Shad und Justine Wise Polier. Rabbiner I Paul H. Levenson aus Brookline schrieb im Jewish Cu~! rrents” und im “Boston Je- | wish Advocate” ueber “Die j Vorstellung, die man in der I Neger-Gemeinschaft vom 1 Juden hat“, und Roy Wilkins, Neger und Exekutiv-Sekrej taer der nationalen Organi-! sation fuer den Fortschritt i der Farbigen aeusserte siel) I im American Judaism, von der i Union of American Hebrew Congregations herausgegeb e n, ueber “Beziehungen zwischen Juden und Negern”.; (Alle genannten Titel sind aus dem Englischen ueber - setzt). 1 Diese wenigen, aus einer j grossen Vielheit herausgegriffenen Aeusserungen zeigen, dass man sich in den : fuehrenden Kreisen der Jui den wie der Neger Nordame- | rikas ernsthaft mit einem! Problem auseinanderzusetzen; beginnt, das .erst in den letz- I ten Jahren sichtbare For-; men angenommen hat. Anti-; semitismus in Kreisen der i Neger ist eine Nebenerschei-; nung des steigenden Hasses | gegen die Weissen allgemein. i Der Hass gegen die Weissen i existiert, obwohl sich viele : Weisse aktiv und opferbereit! in den Dienst der Sache der I Neger gestellt haben und! stellen. Und der Hass gegen 1 die Juden existiert, zum min- ■ desten i n radikalisierten Schichten der schwarzen Be-; voelkerung, obwohl gerade; viele Juden der Sache der i Neger dienen. Frueher war es anders. Als — um nur ein Beispiel zu | nennen — die Neger in Cle- : veland, als Reaktion gegen; Diskriminierung, ein eigenes Krankenhaus zu schaffen wuenschten, wandten sie sich mit grosser Selbstverstaendlichkeit an den juedischen Zentral-Fonds der Stadt, um zu erreichen, dass die organisatorisch so erfahrenen Juden die Angelegenheit in die Hand nahmen ~ was auch geschah. Eine solche Zusammenarbeit schien logisch: wussten doch die Juden aus eigener bitterer Erfahrung nur zu gut, was Diskriminierung bedeut e t. Schliesslich gibt es noch heute Haeuser Hotels und Villenviertel, von gewissen Firmen garnieht zu sprechen, wo man sich, zum Glueck mit langsam abnehmendem Erfolg, beniueht, Juden und! Neger fernzuhalten.; Der juedische Staat, zelti Ilcher Vorlaeufer vieler Neger Staaten in Afrika, gibt ihnen intensive Hilfe in ihrer Aufbau-Arbeit, wobei auf beiden Seiten SFhmer wieder die! Schicksals-Gemeinschaft betont wird. Es ist derselbe Wunsch, zu helfen, dasselbe Gefuehl einer Schicksals— Gemeinschaft das juedische Amerikaner an der Fuehrung von Organisationen teilnehaen laesst, die fuer den Fortschritt der Neger kaernpfen. Hat Israels Hilfe fuer afrikanische Staaten diese Staaten davon abgehalten, Anti—Israel—Erklaerungen zu unterschreiben? In i einigen Faellen: Ja — ln | vielen Faellen: Nein! Und die 1 juedische Teilnahme an Organisationen fuer Gleichberechtigung der Neger? Ver- : antwortliche Leiter der Nei ger-Bewegung sind voll der! Anerkennung und Dankbar-; keit. Gleichzeitig schreibt die : Neger-Zeitung “Los Angeles j Herald Dispatch” das folgen- | de: “Jedesmal, wenn der ' Schwarze seine eigene Fuen - j rung zu etablieren sucht,! wird er von den Juden blök kiert, die einen wirtschaftlichen Verlust als Endergebnis sehen, wenn der Neger selbst sein Schicksal in die Haende nimmt”. Man muss das Problem ln richtigen Proportionen sei hen. Es gibt eine radikale I Neger - Organisation, die | “Black Muslims", die Hass; gegen alles, was weiss ist,; predigt, und darin ausdruecklich Hass gegen die Juden einschliesst. Fuer den einfachen Mann der schwarzen Bevoelkerung aber sind die Juden”, generell, weder ein Begriff noch ein Problem, denn er weiss von ihnen wenig, und das Wenige, das ihm bekannt ist, schliesst die Kenntnis vom Bestehen zweier Neger-Synagogen in Harlem ein wie auch das Wissen darum, dass ein bekannter Neger-Schauspieler, Sammy Davis, zum Judentum uebergetreten Ist. Wohl aber kennt er den juedischen Geschaeftsinhaber, der nur weis s e Angestellte und nur schwarze Kunden hat, den juedischen Hausbesitzer, der fuer Wohnungen in verwahr-; losten Gebaeuden unglaubli- : che Mieten verlangt, oder | den juedischen Arbeitsgeber der den Neger ueber eine gewisse Position hinaus nicht j vorwaertskommen laesst Selbstverstaendlich gibt es wahrscheinlich um ein Vielfaches mehr juedische Arbeitsgeber, die sich dem Ne- I ger gegenueber wunderbar I verhalten — und selbstver-; staendlich gibt es mehr als; genug miserable Arbeitsge-! ber, die nicht Juden sind. Ist j aber ein Geschäftsinhaber, I ein Hausbesitzer, ein Arbeitsgeber ein Jude, so hat der Neger innerhalb des Hass— Komplexes gegen den Weissen noch etwas Spezifisches, | das zu hassen aussichtsvoli 1er erscheint, weil er mit j Verbuendeten sogar unter den verhassten Weis-! sen rechnen kann. Und! begegnet er einem, den er als! unfair empfindet, so verall-! gemeinert er. Roy Wilkins in! dem zitierten Aufsatz schreibt : "Genau so, wie das an-; staendige und erwachsene Betragen von hundert Negern vergessen ist gegenueber der lauten, profanen und obszoenen Sprache eines' bei trunkenen Negers in Autobus o d er Untergrundbahn, so bleibt in der Erinnerung der Neger - Angestellten nicht : das Bild der vielen juedl- I sehen Hausfrauen, die gute Arbeitsgeber sind, sondern das der einen tyrannischen, ' unduldsamen und ausnutj zenden. Sie ist es, deren! Schilderung sie Bekannten, Klub-Mitgliedern und Mit- Kirchgaengern zum Besten gibt. Und dann setzt er etwas : hinzu, was sich aiuf den : Kern des Problems bezieht; j In ihrem starken Gefuehl des : Verwundet-Seins und ihrer verblendenden Hoffnungslosigkeit suchen Neger — die : ja eben auch nur Menschen | sind — Suendenboecke. Sie i hoeren und wiederholen die , abgedroschenen Phrasen von Antisemiten aus ihren Rei- | hen oder von Nichtjuden, I mit denen sie in Kontakt! kommen. : Antisemitismus ist unter i den Negern nicht — viei- | leicht sollte man sagen: | noch nicht — allzu verbreli tet. Aber die unaufhaltsame 1 Vorwaertsbewegung der nord amerikanischen Neger ist wie die Sturzflut des Meeres; oder vulkanisches Lava: etnmal im Flusse, kann sie leicht j das Gute mit dem Boesen i zerstoeren. Die Rabbiner un- I ter den Geistlichen aller : Konfessionen, die an den Nei ger - Demonstrationen im; Sueden teilgenommen haben! und dafuer ins Gefaengnls j gewandert sind, und die jue-! dischen Fuehrerpersoenlich- I keiten, die sich der Neger- I Bewegung zur Verfuegung i stellen, koennen allein daran i nichts aendern. Doch ebenso, wie Israel, langsam und mit viel Rueckschlaegen, in seinem Werben um die Freundschaft der schwarzen Laender fortfaehrt und Fortschritte macht, so sollte das gerade jetzt in der juedischen Presse immer staerker zum Ausdruck kommende Bewusstsein einer Schicksals — Gemeinschaft zwischen Juden und Negern und ein daraus resultierendes weit staerkeres Verantwortungsgefuehl des einzelnen Juden dem Neger gegenueber dazu fuehren, dass eine weitere Verbreitung des Antisemitismus unter den Negern rechtzeitig abgebremst wird. Eine freundlich - tolerante Haltung seitens der Juden und das Pseudo-Argument Wir haben unsere eigenen i Sorgen, ist nicht genug. | Was notwendig erscheint,! ist die Schaffung eines gros-! sen, generellen Gefuehls ln» ' nerhalb der Neger-Bevoelke- | rung, dass der juedische Be- | voelkerungs-Sektor ein natuerlicher Verbuendeter ist. Dann, wenn das erreicht ist, wird es moeglich sein, einer Entwicklung vorzubeug e n, die zu bekaemnfen, wenn die Konsequenzen sich erst einmal eingestellt haben, nicht sehr aussichtsvoll erscheint. Und notabene: wenn das erreicht ist, werden auch die Juden, die ihn brauchen koennen, einen Verbuendeten gefunden haben.

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