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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-05-01 · 5 (Mayo, 1963) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
5 (Mayo, 1963)
Date
1963-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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MAYO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 11 NACH DEM 15. UNABHAENGIGKEITSTAG: ISRAELS ERSTE ANDERTHALB JAHRZEHNTE von Dr. Abner Neehusehtan, Tel-Aviv Feierlich hatte David Ben Gurion vor jetzt fuenfzehn Jahren, am 14. Mai 1948, der nach der hebraelschen Zeitrechnung der 5. Ijar des Jahres 5708 entsprach, den Staat Israel im festlich geschmueckten alten Tel-Aviver ßtadtmuseum ausgerufen; doch nochi in die Sitzung hinein war ihm der Wunsch seiner Mitarbeiter von der damaligen Haganah zugegangen, der Vorform der spaeter bald geschaffenen Zwa Haganah (Armee der Verteidigung) sich sofort danach zu Besprechungen mit ihnen bereitzuhalten. Denn sie hatten erfahren, das aegyptische Kampfflugzeuge zu einem Luftangriff auf die erste juedische Stadt wahrscheinlich schon im Anflug seien. Und vielleicht nichts kennzeichnet so, ,wie das zeitliche Zusammentreffen von Jubel und Sorge, in jenen schicksalsvollen Stun d e n, das Wesen dieses Staates, der auch heute noch wie damals ein Staat im Werden ist. Die Juden, die ihn wollen. werden ihn haben — so hatte Theodor Herzl es vor langer Zeit seherisch verkuendet. Aber die Juden, die ihn behalten wollen, muessen ihn sich taeglich neu erobern; ebenso gegen die von aussen kommenden Widerstaende, die ihn auch nach keinen ersten anderthalb Jahrzehnten immer erneut bedraengen und bedrohen, wie .im Ringen zur Beseitigung der Mannigfa-; chen inneren Widersprue- . che, die ihm nach wie vor | das Gepraege geben, weil es nach einem Dichterwort gepraegte Form ist, die lebend; sich entwickelt. Nichts in ihm i ist — glücklicherweise, sei I betont — so selbstverstaendlich, wie jahrhunderte alten Staatgebilden ihre Systeme,; Gebraeuche und Konventio-! nen selbstverstaendlich eri schienen, bis auch sie vom! gigantischen Erdbeben erschuettert wurden, das die Menschheit i n unserem Jahrhundert heimsucht. Gesichert ist, soweit uns Heutigen ein Blick in die dunkel verhangene Zukunft ueberhaupt moeglich ist, der Staat Israel auf die Dauer nur dann, wenn er nicht leichtfertig fuer sicher genommen wird. Und um diesem scheinbaren Paradox ein zweites anzuschliessen; seine nationale Einheit wird das Volk in Zion nur erhalten. soweit es daran noch fehlt, und nur bewahren, wenn es sich der Vielfalt seiner herkunftsmaessig bedingten Ausgangspositionen, seiner Anschauungen und Interessen bewusst bleibt, statt den Schmelztiegel, ja den Pressure Cooker. der ihm das Gepraege gibt, uebereilt aus der Welt zu schaffen. DIE NEUGEBURT EINES VOLKES Denn nur organisch, in einem Prozess, der sich nicht ueber Nacht erzwing e n liess. konnte nach der Staatsgruendung das Ganze der Massnahmen in Angriff genominen werden, die die Fuehrung auf hebraeisch erst als Kibuz Hagaluth bezeichnete, als Sammlung der Zerstreuten, und in letzter Zeit als den Schiluw, ihre echte Verschmelzung. Die Sammlung, aus allen Ecken und Enden der Welt, in denen Juden zerstreut lebten; sie vor allem stand Pate, als Israel geboren wurde. Freie, von keiner fremden Landesverwaltung mehr willkuerlich begrenzte Einwanderung die Massenalijah. war sein erstes zuendtendes Losungswort. Vornehmlich unter den Ueberlebenden der Katastrophe, die das teuflische Werk des geschworenen Judenvernichters Hitler gewesen war, bald aber ebenso in manchen und vielen arabischen Laendern des Orients, in denen iie Soehne dieses Volkes seit jeher drangsaliert worden waren, fand der Ruf Gehoer. Die Alijah — und bis zur jetzigen Stunde nimmt sie ihjren Fortgang — verdreifachte die Bevoelkerung Israels, die 1948 aus insgesamt etwa 809.000 Seelen mit ca. 850.000 Juden bestanden hatte, bis jetzt zu ehr als zwei Millionen. Wenn es einer Rechtfertigung des Wagnisses ueberhaupt beduerfte. den Staat zu schaffen; damit war sein Daseinsrecht unter Beweis gestellt. Und dass dieser zahlenmaessige Auftr i e b nicht eine Sache nur der Immigration war, sondern vom natuerlichen Zuwachs der juedischen — und arabischen — Einwohnerschaft begleitet wurde, wie es sich fuer ein normal wachsendes Gemeinwesen gehoert, zeigt sich darin, das sich das Verhaeltnis zwischen der Einwanderung und dieser normalen Bevoelkerungs v e rmehrung noch im Jahre 1948 auf 65: 35% belaufen hatte, waehrend schon fuer 1960 eine Proportion von 28 : 72% errechnet worden ist. Aber es versteht sich — ohne heftige Geburtswehen konnte und kann diese Eins- I werdung der Juden Israels, j der Alteingesessenen ebenso | wie der seit 1948 eingewan- 1 derten Ankoemmlinge, nicht vonstatten gehen. An der j Spitze des jungen Staates i haette man in einer derar- | tigen Aufgabe versagt, wenn j man sich dieser Schwierigj keiten nicht bewusst gewej sen waere, und nicht von Beginn an alle nur denkba-! ren Methoden der Volkser- : Ziehung eingesetzt haette, j um sie zu meistern. Um den j Nachwuchs ging es hier vor j allem, versteht sich, um Ju- ' gend, die morgen das Ge- : sicht dieses Staates zu be-; stimmen haben wird. Etwa; 7C0.000 schulpflichtige Kin- ’ dler. juedischer wie nicht-! .juedischer Eltern, werden jetzt von ungefaehr 28.000 Lehrkraeften in ca. 4.500 Kindergaerten, Grundschulen, mittleren und hoeheren Schulen, Berufs — und Werkschulen unterrichtet: nur ein Bruchteil dieser ' Schulen hatte schon in der ' Zeit der britischen Mandatverwaltung bestanden, unverhaeltnismaessig viel weniger, selbst wenn man die : Bevoelkerungsrelation vo n damals' und heute beruecki siohtigt. Und als ein weiteres, mindestens so entschei- . dendes Instrument des Strebens nach der “Verschmelzung der Zerstreuten“ trat dazu die volkserziehliche “Schule des Militaers”, der Zwa Haganah mit vormilitaerischen Gruppen der sog. “Gadna” fuer 14 bis 18-Jaehrige, und die “Nahal”, die die militaerische Dienstpflicht mit landwirtschaftlicher Ausbildung vornehmlich in baeuerlichen Grenzwehrsiedlungen verbindet. Diese ganze Bemuehung hat, wie alles im Staat Israel, ihre Endstation freilich noch keineswegs erreicht; es fehlt auch und gerade I hier nicht an der Wider- : spruechlichkeit, von der einj gangs gesprochen wurde.! Der Verschmelzung zum Einj heitsvolk stehen nach wie vor nicht allein ganze Buen- ' del von Lebensgewohnheiten j und auch von den schon! sprichwoertlich gewordenen | leidigen gegenseitigen Vorurteilen zwis chen den : “Asohkenasim’’ und den “Sefardim” gegenueber, sondern auch soziale und wirtschaftliche Tatsachen, die i sich von heute auf morgen nicht weniger schwer beseitigen lassen. Mit Dornen i ist der Weg gepflastert, den : viele neue Einwanderer zu! gehen hatten, um sich seelisch und beruflich in ih-! rer neuen Heimat zuruecki zufinden, in einem Land so | betont modernen Zuschnitts des oeffentlichen Lebens, der Wirtschaft und Technik, Doppelt und zehnfach schwer hatten und haben es von ihnen diejenigen, die — etwa aus dem hinterwäldlerischen Jemen — geistig und aeusserlich den Sprung aus dem Mittelalter in die Jetztzeit bewaeltigen sollten. Ein weitverzweigter Apparat behoerdlicher und auch privater Hilfe wurde fuer sie eingesetzt; aber soweit er nicht ausreichte, begann aus diesen Gruppen ein Proletariat zu entstehen, das mit Recht von Warnern als das zweite Israel bezeichnet wird. DEMOKRATIE MIT ZWEI EINSCHRAENKUNGEN Israel ist eine Republik, in j der die klassische “Teilung ■ der Gewalten” in die Regierung als Exekutive, die , Knesseth als das gesetzgej bende Parlament und den! unabhaengigen Stand der 1 richterlichen Traeger der ' Rechtspflege mit peinlicher Beachtung demokratischer \ Grundsaetze durchgefuehrt . worden ist. In der jetzigen,! der fuenften Knesseth mit I ihren insgesamt 120 Abgeordneten verfuegt die Regierungskoalition ueber eine wenn auch kleine knappe : Mehrheit von 66 Stimmen, ■ wieder wie in all den vortngegangenen Jahren mit Ben Gurions gemaessigt so-; zialistLscher Mapai an der j Spitze, auch wenn diese | Fraktion mit jetzt 42 Abge- ' ordneten in den letzten : Wahlen, vor etwa zwei Jahren, 6 Mandate eingebuesst; hatte. Es ist seit der Staatsgruendung die zehnte Re | gierung, die achte von “Mister Israel” gebildete. Nach allen Spielregeln sucht ihm; die vom Cherut-Vorsitzenden Menachen Begin gefuehrte | Opposition seinen Rang : streitig zu machen; kurz, es i geht parlamentarisch zu wie in allen Voelkern und Staat-! en. Und doch zehren zwei “Aber” am Organismus dieser formal bis ins letzte durchgefeilten Demokratie, Die eine Einschraenkung betrifft David Ben Gurion selber;" in seinem, temperamentvollen Ungestuem entgeht er wie andere Staatsfuehrer seiner ueberlegenen Statur und Sachkunde nicht immer der Versuchung, ein “persoenliches Regiment” an die Stelle des Systems der “checks and taalances” zu setzen, wie die Amerikaner es nennen, der wohlgeordneten grundsaetzlichen Abhaengigkeit seines Kabinetts von der Legislative. Das zweite Aber wurzelt darin; dass sich der Staat waehrend all seiner bisherigen 15 Jahre fast unterbrechungslos im “nationalen Notstand” befunden hat. Die Techniken der Demokratie reichen nur mit Abstrichen aus; wenn sien im Lande eine Bevoelkerungsminderheit befindet; die sich mit dem grundlegenden Wandel ihrer Verhältnisse nur so lueckenhaft wie die moslemisch— arabische Minoritaet in Israel abgefunden hat, dass nach wie vor mit der Moeglichkeit zu rechnen ist im Fall ernster Verwicklungen einer “Fuenften Kolonne” ausgesetzt zu sein. Um dies Risiko soweit wie moeglich auszuschalten; liess die Regierung die von den israe- , lischen Arabern bewohnten : j Bezirke jedenfalls bisher von! iMilitaergouverneuren verwalten so wenig ideal diese 1 1 Notregelung zweifellos ist. Ebensowenig ist das letzte Wort demokratischer Prinzipien gesprochen solange der Staat Israel im Sueden;; Osten und Norden an Laender grenzt deren politische Fuehrer sein Verderben sin- 1 nen. Es bedarf um dagegen j gewappnet zu sein nicht j allein militaerischer Rue- ' stungen und einer Armee von solchem Hochstand, ’ dass sie dem Gegner gewach- | sen ist und ihn daran hini dert das Aeusserste zu wa-! gen; es bedarf zugleich noch; anderer Vorkehrungen; so! des staendigen Wachschut-! zes an den Grenzen.; KULTUR ALS ERBE WIRKLICHKEIT UND AUFGABE i Widerspruchslos laes s t ' sich auch die kulturpolitische Gestaltung eines Staats- Wesens nicht an, das so praegnant wie irgend durchfuehrbar juedisch sein soll; , und nach den Beduerfnissen moderner Verwal t u n g; Rechtsprechung und nicht zuletzt in seinem “oeffentlichen Klima” zugleich doch : so zeitgemaess wie moeglich; gefuehrt werden muss. Der Anspruch strikt religioeser Kreise geht ueber die personalrechtliche Sphaere hinaus die ihnen Vorbehalten geblieben ist; letzten Endes bis zum Extrem einer Theokratie im einschraenkungslosen Geiste der Thora und des auf ihr fussenden Reii- , gionsgesetzes. Haette man in! diesen 15 Jahren versucht; mit dem Mittel einer Staatsverfassung ueber diesen : Anspruch zu entscheiden; i waere es zu einem Kulturj kampf nicht allein mit den! sozialistischen Gruppen und : freigeistigen Intelligenzlern I des Buergertums gekommen j sondern unweigerlich auch j zu schwersten Konflikten ' mit all denen, die ihrer jue- : dischen Traditionsgeb u ndenheit dort eine Grenze ziehen wo sie sich als Menschen z. B. westeuropaeischer Herkunft dem Heute verhaftet fuehlen. Noch ist also alles zwischen der Orthodoxie strenger Observanz und dem gegnerischen Lager, das sie als “ketzerisch” bekaemoft, im Fluss. Dem entspricht das Nebeneinander vieler hunderter oft gutgefuehrter, reich ausgestatteter Jeschiwoth und frommer Synagogenvereine und andererseits eines bluehenden kulturellen Lebens mit manchmal ausgezeichneten Buehnendarbietungen und einem Philharmonischen Orchester von Weltruf. Es versteht sich; dass die leichter beschwingte Kunst von den Kinos bis zu Kabaretts, den thoratreue n Gruppen womoeglich noch staerker ein Dorn im Auge ist. Unentwegt kaempfen sie auch fuer kompromisslose Schabbatruhe und gegen jede Verletzung des rituellen Speisegesetzes — manchmal erfolgreich manch mal ohne Erfolg; Wie diese Auseinanderse t z u n g schliesslich ausgehen wird; laesst sich in keiner Weise sagen. Denkt man aber daran; wie bewundernswert sich die Universitaeten des Landes; die Haifaer Technische Hochschule und die Institute von Rechovoth zu international an(erkannten Staetten des Forschens und Lehrens entwickelt haben; so wird man zur Annahme gedraengt; dass sich das Israel der naechsten Generationen mehr und mehr von einem juedischen Gestern emanzipieren wird, soweit die Soehne und Enkel vom Erbe der Vaeter, mag es noch so geheiligt sein, keine Bruecke mehr zu ihren Anschauungen und Wuenschen zu schlagen wissen werden. DREI TEILE EINER “MIXED ECONOMY” Nicht anders, ja, ganz besonders wird die scheinbare Uneinheitlichkeit, dies typische Kennzeichen eines “Staates auf d.em Wege” dem Beobachter des wirtschaftlichen Aufbaus dieses Staates auffallen. Einen seiner drei Wirtschafts - Sektoren beherrscht die Histadruth, die Allgemeine Arbeitergewerkschaft, in der mit etwa 800.000 Mitgliedern — heute rund 57 olo aller Erwachsenen organisiert sind, nicht nur der Juden, sondern auch der Araber. Sie verfuegt durch das Medium einer Holding Gesellschaft ueber 23 Hauptunternehmen der veischiedensten Branchen, mit dem enorm umfangreichen (Fortsetzung Seite 12)

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