Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 1 (Enero, 1963)
- Date
- 1963-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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ENERO 1963 BOLETIN INFORMATIVO 23 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Jeder weiss, dass die Erfindung des Rades die wichtigste der Menschheitsgeschichte ist. Welchen Weg die Zivilisation gegangen waere, haette sie nicht auf Raedern rollen koennen, ist unvorstellbar. Dabei sei nicht nur an das Rad der Fortbewegung gedacht, das wagen, Zuege, Flugzeuge mobilisiert, sondern natuerlich auch an das bis ins winzigste wichtige Raederwerk der mechanisierten Technik, ohne das fast ueberhaupt nichts mehr laeuft. Wir brauchen diesen meistbeschaeftigsten Diener des Menschen nahezu staendig; bewusst und unbewusst rollt das Rad durch unseren Tag. Das sind bekannte Tatsachen, worueber man keinen Artikel ¡zu schreiben braucht. Es ist ein anderer Gegenstand, der uns tagaus, tagein in xfacher Form durch die Haende geht, dem ein Ehrenplatz in der Erfindergeschichte eingeraeumt sei. Das Rad hat, soweit mein Laiengeist unterrichtet ist kein Modell in der Natur, dem es nachgebildet wurde. Die noch so schnellste natuerliche Bewegung geschieht .in der Schoepfung bei nichte durch ein rundes Getriebe. Es ist also eine wirkliche Erfindung etwas, das sich ein kluges Hirn ausdachte und konstruierte. Nicht so die andere “Erfindung”, die hier ventiliert werden soll: “die Flasche”. Sie ist der sparsamen und vorsorglichen Natur ab- - gelauscht, in handliche Form gebracht und ein unentbehrlicher Gegenstand geworden. Das “Gefaess” .als solches fing wohl als Grube im Waldboden an, in die der primitive Mensch seine Vorraete, seine Schaetze versteckte. .Um den verschmutzenden Kontakt mit dem Erdreich zu vermeiden, war das Blatt die erste Schutzhuelle, die erste Flasche. Ton- Stein- und spaeter Metallgefaesse ersetzten es im Laufe der Menschheitsentwicklung. Glas wurde nicht, wie allgemein angenommen wird, von den ¡Phoeniziern durch jenen bekannten, uns gelehrten Zufall am Strand ge- oder erfunden; die Aegypter haben es schon vorher gekannt. Das aelteste gefundene Glasflaeschchen stammt aus dem Grabe Tuthmosis IV; der “Glasweg” nach Europa fuehrt ueber Italien und Sued-Frankreich nach Koeln, von da zurueck nach Venedig , (Murano) und spaeter nach Boehmen. Antike Flaschen sind meistens unten rund oder spitz, sodass .man sie in einen Ring mit 3 Fuessen stellen musste. Amphoren lehnte man gegen die Wand oder steckte sie mit der Spitze in den kuehlenden Sand; so werden sie oft aufgefunden. Die spanische “tinaja” lehnt in ihrer Form daran an. Die italienische kugelfoermige Weinflasche braucht auch heute noch einen geflochtenen Strohboden zum hinstellen, oder Basthenkel zum Aufhaengen. Glasweinflaschen kamen erst ' verhae ltnismaessig spaet! mit franzoesischem Wein nach Deutschland.! Schoen, soweit das Glas, aus dem man sich intuitiv : immer eine Flasche vorstellt, i Aus dem Luxusgefaess, das! fuer alle weine, zarte Par- ’ fums und gefaehrliche Gifte auch heute noch der dafuer : geeignetsten Behaelter ist, wurde, aus den verschiedensten Materialien, ein praktii scher Gebrauchsgegenstand, j Die unzerbrechliche Plastikflasche ist fuer Reisen con- I ditio sine qua non geworden; Majolika-Zierflaschen sind | 'Schmuck und kuenstleri-! scher Ausdruck. In Spanien i und Sued-Frankreich erhielt! sich ¡der lederne Weinschlauch, der wie ein praller , Dudelsack aussieht ,mit seinen abstehenden Zipfeln. In allen Formen, Groessen und . Materialien geht die Flasche | durch unser Leben; mit der! Milchflasche fangen wir an und mit der Sauerstoff-Flai sehe hoeren wir auf und was dazwischen sich alles an Fla-! sehen tut, ist unaufzaehlbar. Als Nachrichten-Befoerdej rung ist die “Flaschenpost” \ fast so zuverlaessig ,und | schnell, wie z. B. die argen- | I tinische und nur um gerinj; geres langsamer, als die Ex- : | presspost nach dem Sueden.! “Waermflaschen sollen besonders lang die Hitze halten, wenn man sie mit heisj | sem Whisky fuellt (was bei \ raffinierten Nacht-Kranken-! i Schwestern schon vorgekomi men ist). Dabei ziehen diese Damen ,bei weitem /die gute, \ alte Kupferkruke dem leien- \ ter auslaufenden Gummi- Beutel vor. “Feldflaschen” i enthalten j enen oft erwaehn-; j ten Tropfen abgestandenen! Wassers, den der tapfere Sol- 1 dat seinem verdurstenden j Kameraden abgibt. Fuer die , 1 der hinteren Woelbung angt-!! passte “Hueftflasche” ist! 1 Kognac der geeignetste Ini i halt. Der aromatische Stein- I : wein der Wuerzburger Ge-; j gend wird in den typischen! Bocksbeutel abgefuellt, der,! in Glas, bestimmt appetitlii i eher wirkt, als in der Origi- | nalhuelle frueherer Zeiten, j nach der die Flasche heute; j noch i heisst. Unverkennbar i j und international bekannt I ist auch die weisse Odolflai sehe, die patentlich ge- , sc.huetzt, nicht nachgeahmt werden darf. Die “Flasche” i des trinkfreudigen Chilenen ■ i heisst “chuico” oder “dama-; juana”. Mit ihr geht er am : liebsten an Sonn- und Feier- : | tagen spazieren. Eigenartij gerweise ist der Name “Fla- 1 sehe” in vielen Sprachen sy-;; nonym mit “Versager, Dummkopf”. So im Deut-; sehen, wo ein Hohlkopf so, I benannt wird, vom Italieni- 1; sehen, wo “Fiasco” einen dummen Schwaetzer bezeichl net. Auch im franzoesischen Volksmund nennt man eine nicht ganz ausgebackene Person eine “bouteille”. Und damit sei der “Flaschengedanken’ abgeschlossen. K ...ff  f JULIE BRAUN - VOGELSTEIN WIRD 80 JAHRE SALO SPIEGEL Relojería y Joyería Avisa a su distinguida Clientela el cambio de su dirección. Atenderá en: Pasaje Agustín Edwards, Local 1078 con entradas por: Bandera, Ahumada, Huérfanos y Compañía. Der Doppelname dieser Schriftstellerin weist auf zwei Familien hin, von denen die eine mit der religioesen Vergangenheit im einstigen deutschen Judentum, die andere mit der sozialistischen Bewegung verbunden ist. Julie Braun-Vogelstein repraesentiert somit heute europaeische Kultur— und Geistesgeschichte und ihr interessantes Leben und! Schaffen verdient gewiss, an-; laesslich ihres 80- Geburtstages gewuerdigt zu werden. Sie wurde am 26. Januar 1883 zu Stettin geboren, wo ihr Vater, der gelehrte und: hochangeseherie Rabbin e r; (1841 — 1911) Dr. Heinemann Vogelstein wirkte. Seine Beliebtheit, auch in der nicht;; juedischen Umwelt, war soj gross, dass man spaeter einer i Strasse in Stettin seinen Na- , men gab. Einer ihrer Brue. der war der ebenfalls sehr bekannte Koenigsberger und danach Breslauer Gemeinderabbiner Dr- Hermann Vogelstein, der noch nach New : York emigrieren konnte, wo er 1942 starb. In diesem kultivierten Elternhause wuchs Julie auf, sich frueh mit alten Sprachen und Kunstgeschichte beschaeftigend. Die spiaeteren Studien in Heidel. berg und Muenchen, ausge-: dehnte Reisen nach Italien I und Griechenland, bildeten Sinn und Verstaendnis fuer; Kunstgeschichte weiter aus, i und als Dreissigjaehrige liess sie ihr erstes Buch “Von; franzoesischer Buchmalerei”; erscheinen, dem spaeterhin eine ganze Reihe von Wer. j ken aehnlicher Art folgen sollten.! Um das Jahr 1910 hatte Julie Vogelstein eine fuer ihr kuenftiges Leben entscheidende Begegnung: Sie lernte das Ehepaar Heinrich und Lily Braun kennen, das in d e r sozialdemokratischen Partei des k a i s e r liehen Deutschlands eine bedeutende Rolle spielte. Er Jude, sich nach aussen als “Dissident” bezeichnend, hatte durch mehr als zwei Jahrzehnte die sozialwissenschaftliche Zeitschrift “Die Neue Gesellschaft” sowie das wichtige Archiv fuer “soziale Gesetzgebung und Statistik” geleitet. Dr. Heinrich Braun war einer der grossen Theoretiker der Partei, welchen der weiten Oeffentlichkeit wenig bekannt geworden waere, haette er nicht im Jahre 1895 die Tochter eines preus. sischen Generals, Lily von Kretschmann, geheira t e t, die spaeter unter dem Namen Lily Braun eine weltberuehmte Schriftsteller i n geworden ist. Ihr, derer Grossmutter eine natuerliche Tochter von Napoleons prüder Jerome gewesen war und ihre Jugend im Weimar des alternden Goethe verbracht hatte, verdanken wir die grossartigen biographischen Romane “Im Schatten der Titanen” und “Memoiren einer Sozialistin” 1 Nach dem fruehen Tode dieser Lily Braun (1916) heiratete Julie Vogelstein den i verwitweten Dr. Braun und Von CURT WILK gab im Jahre 1924 das gesamte literarische Werk von Lily Braun in fuenf Baen. den heraus, was als ein bleibendes moralisches V e r_ dienst anzusehen ist. Auch dem Gatten, der 1927 starb, errichtete Julie ein schoenes Denkmal, indem sie 1932 ein Buch” Dr Heinrich Braun, sein Leben und sein Werk” veroeffentlichte, das natuerlich der Buecherverbrennung durch die Nazis zum Opfer fiel. Auch dem Sohn des Ehe-; paars Braun, dem mit 211 Jahren, 1917. gefallenen Otto, i widmete Julie eine bleiben-, de Erinnerung. Unter dem , Titel “Otto Braun — aus den | nachgelassenen Schrift e n | eines Fruehvollendeten” pu-1 blizierte sie die Briefe jenes j genialen jungen Menschen, von dem einer seiner Profes-! soren an der Berliner Unij versitaet sagte, dass er eine Genialitaet wie die des Otto! Braun nur noch beim jungen Goethe wiederfinden koen-! ne.! Es gelang Julie Braun— Vogelstein, nach der “Machtuebernahme” nach U- S. A. zu emigrieren, wo sie ihr literarisches Werk fortsetzen konnte. Sie schrieb weiter kunsthistorische Buech e r, wie ueber “Das Relief bei den Griechen”, und “Skulpturen und Handschriften”. Das New Yorker Haus mit seiner reichhaltigen Samm lung von Kunstwerken und Brie fen und beruehmten Erstausgaben soll einem Museum gleichen. Hier befindet sich der literarische Nachlass des Ehepaares Braun, Erinnerungen an Goethe und Je. rome, den “Koenig LUstik”, wie er einst im Geschichtsunterricht, ver mutlich falsch, dargestellt wurde. Ihre Wohnung ist eine Kulturstaette und von gepflegter Geselligkeit. Alle, die das Glueck haben, dort zu verkehren, berichten von der wunderbaren Schaffenskraft dieser schoepfe. risch—klugen Frau, deren juedisch-religioeses Elternhaus und die engen Beziehungen zum modernen Sozialismus die Grundlagen fuer einen solchen Lebensweg abgaben Dem “Leo-Baeck — Institut” in New York, dessen Kuratorium Julie Braun— Vogelstein angehoert, galt vom ersten Tage seines Bestehens an das besondere Interesse dieser geistvollen Frau, der Hueterin eines grossen Erbes, die zu beglueckwuenschen der Sinn dieser Darstellung sein sah. Moege sie noch lange bei guter Gesundheit ihre hohe kulturelle Aufgabe weiterfuehren koennen. cïnueûtr MEDIDAS ESPECIALES A PEDIDO EXIJALOS EN LAS MEJORES TIENDAS DEL RAMO LAS DALIAS 3249<Macti!)-F0N0 499407