Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 8 (Agosto, 1962)
- Date
- 1962-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 ZUM ABLEBEN VON ANITA MUELLER - COHEN Der beste chemische Fabrikbetrieb ist bekanntlich unser Koerper. Da hat die Schoepfung nichts ungenuetzt gelassen, die Erarbeitung, das Ineinandergreifende Werksystem ist formidabel. Die Alarmsignale funktionieren (manchmal etwas verspaetet, aber wir sind ja schliesslich menschlich;), der Arbeitsgang i s t pausenlos und die Bilanz stimmt immer. Doch, sie stimmt, wenn auch Zweifler es nicht glauben wollen. Unterbilanz gibt es in diesem Betrieb, wie in jedem anderen, wenn mit Werten nicht oekonomisch umgegangen wird. Wer mit der “materia nrima” in Huelle- und Fuelle-Zeiten haust, muss damit rechnen, dass Mangel in mageren Tagen entsteht. Die Arbeitsleistung ist gerecht verteilt. Jeder Sektor funktioniert separat, ist aber in staendiger Gemeinschaft mit allen Abteilungen verbunden. Der supreme Chef sitzt im obersten Raum und d i r i g iert die abertausend Faeden, die aus allen Sektionen in seinem Bereich Zusammentreffen. Ist seine Kapazitaet gering, wirkt sich das auf das Funktionieren des Ganzen nur soweit aus, als die “Fabrik” dann eben mehr ein “Fassadenbetrieb” ist und nur funktionelle Arbeit leistet. "So far so good”, aber trotzdem ist der Musterschoepfung ein ganz grosser Fehler unterlaufen, o der (was wahrscheinlich ist) wir haben einen Fehler daraus gemacht. Um nunmehr vom Vergleichsmoment zu faktischen Bezeichnungen ueberzugehen, soll die Taetigkeit der einzelnen Abteilungen etwas kritisch betrachtet werden. Die Bewegungen, die z. B. unser nie rastendes Herz im Laufe eines Tages ausfuehrt, sind messbar. Dieser Muske] klopft, soweit normal und gesund ,rund 110.000 mal in 24 Stunden. Diese Norm gilt nicht fuer: a) Verliebte, b) trainierende Sportler, c) Brieftraeger, d) Schlafmuetzen und (um noch einen “gemuetlichen”, herztaetigkeitsverringernden Beruf zu nennen) e) Tiefseetaucher. Der Magen arbeitet, wenn man ihm etwas gibt;! sonst knurrt er. Bein- und Armmuskeln sind fast konstant in Bewegung, wie ueberhaupt diese eigenartigen Pakete von gebuendelten Straengen im ganzen Koerper mehr arbeiten, als ein armseliges Laie nhirn sich vorstellen kann. Eine tolle Leistung vollbringt z. B. das kleine, oberste Knoechelchen unserer Wirbelsaeule, das Atlas heisst. Wie oft ist uns der Kopf zu schwer oder wir wissen nicht, wo er uns steht — der tuechtige Atlas traegt ihn brav und treu ueber unseren Schultern, holt ihm immer wieder in die richtige Position. Keinerlei Norm ist fuer die Lippenmuskulatur aufzustellen, deren Bewegungsryth mus von Geschlecht (beim ¡Sprechen) und Alter (beim Kuessen) abhaengig ist. Weibliche Mundmus.keln gewinnen noch mehr an unglaublicher Faehigkeit fuers erstere, wenn das letztere nachlaesst. Die Nerven, diese feinen Faeden, die man spuert, wenn man Zeit hat, sind seltsame Gebilde mit truegerischen Reaktionen. Die Gehoernerven z. B., die —wie leider alles— im Alter nachlaessig werden, spielen auch in der Jugend manchen Streich. Das Alter macht schwerhoerig, die Jugend hoert schwer und im Zwischenstadium gibt es viele Typen, die schwer hoerig sind. Man kann nun natuerlich aus diesem Geplauder keine biologische Vorlesung machen, deshalb sei nun die grosse Reklamation an die Schoepfung gerichtet fuer etwas, das ungerecht mit Arbeit ueberlastet wurde. Es sind die erdgebundensten, proportional kleinsten Gliedmassen unseres Koerpers, die uns vorwaerts helfen, uns tragen und stuetzen muessen und uns aeusserliche Bewegungsfreiheit geben. Es sind die Fuesse. In Urform waren sie wahrscheinlich groesser, flaechiger, breiter, wesentlich resistenter und muskuloeser. Die z w eifelhafte zivilisatorische Entwicklung des Menschen hat sie in Schuhe gepresst und verweichlicht. Durch die t e c h n ischen Erfindungen, wie Eisenbahn und Auto, wurden sie fast voellig ihrer urspruenglichen Funktionen, der des Wanderns und Streifens durch Gottes schoene Natur, enthoben. Unsere armen Fuesse sind degeneriert und mit vielfachen Kulturuebeln geplagt. Da ist der Spreizfuss, die schmerzhafte Quintessenz der hohen Absaetze, der gute, alte Plattfuss, ohne den man sich ganze Voelkergruppen garnicht mehr denken kann, das Elend der verdickten und entzuendeten Ballen, diese verflixte, bis ins Hirn spuerbare Missbildung und das meistverbreitete Uebel, die t e ufelgewollten Huehneraugen. Gibt es noch Menschen, die diese Schrecken nur dem Namen nach kennen? Armselige kleinflaechige Stuetzen unseres Gewichtes, wie sind sie ueberlastet; irgendetwas tut man mit den Fuessen eigentlich immer INTERNATIONALES SEMINAR ¡FUER ALTERSBETREUUNG Die immer groessere Bedeutung der Altersbetreuung gab dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und dem ihm zugeordneten Verband schweizerischer juedischer Fuersorgen (VSJF) Anlass, in Verbindung mit der Standing Conference on European Jewish Community- Services der grossen juedischen Hilfsorganisation Joint Distribution Committee ein S'eminar ueber Altersprobleme in der Fuersorge abzuhalten. Teilnehmer waren aus Holland, Deutschland, Oesterreich, Jugoslawien und der Schweiz erschienen, sowohl Sozialarbeiter der offenen Fuersorge als Heimleiter. Das Seminar dauerte drei Tage. Neue Zuercher Zeitung und pausenlos. Man geht und steht auf ihnen den lieben langen Tag; ohne sie gibt es kein holen, suchen, kein finden oder bringen. Sie helfen uns morgens aus dem Bett und stellen uns vor den Spiegel, sie tragen uns zum essen und arbeiten sich durch das Gewerke des Tages. Sie eilen zu Vergnuegen und schleichen zur Trauer, sie zaudern vor Schrecken und huschen zum Geheimnis. Selbst dem verwoe hnten Autofahrer muessen sie die Hebel bedienen und die mondaene Frau durch eine lange Kleiderprobe tragen. Kein Geld der Welt kann ihnen die Arbeitslast abkaufen. Unsere Grossmuetter haben kokett ein Stiefelspitzchen unter dem Rocksaum vorlugen lassen; wir zeigen grosszuegig den Fuss und das Bein bis zum Knie. Das verpflichtet. Zumindest zur Aes t h e t i k. Daher hat das schoepferische und schroepferische Hirn determinierte Schuhmoden ersonnen, die Fue ssen und Geldbeutel gleich weh tun. Wir tapferen Frauen befolgen sie brav. Ais die Kork- Plattform-Schuhe aufkamen revoltierte keine einzige gegen diese unkleidsamen, Buegeleisen aehnlichen Gebilde. Der nur aus Riemchen bestehende Abendschuh schnitt schmerzhaft ins Fleisch, wurde jedoch ohne (aeusseres) Wimperzukken akzeptiert. Die heutige Mode diktiert ein Marterinstrument, unter dem eine gesamte Frauengeneration leidet. Spitz und schmal heisst die Devise. Wehe, wenn man einen mollig gepolsterten, kleinen, breiten Fuss hat, wie Rübe ns’sche Schoenheiten ihn zeigen! Da hoert Vernunft, Charakter und Individualitaet auf und die modische Tortur wird darueber gepresst. Kann ein Mann sich ueberhaupt vorstellen, welche heldenhaften Qualen eine Frau dabei aushaelt? Zu keiner Zeit gab es so viele unter den Tischen der Restaurants oder bei offiziellen Dinners heimlich ausgezogene Schuhe, wie heute. Selbst die Koenigin von England wurde schon vom Photographen bei dieser seelenerleichternden Attitüde erwischt. Um drei Dinge sind Maenner ¡zu beneiden. Ihr Haarschnitt (soweit sie etwas zum Schneiden haben) ist ni 3 ein Problem, ihre Huete halten^ Jahre und sehen nur am Anfang íaecherlich aus und ihre Schuhe sind bequem funktional, breit und flach. Man che stoeckelbeschuhte Frau hat sich schon z. B. bei einer jener laecherlichen Stand-Cocktail-Parties (siehe und hoere Lilianette) gewuenscht, ein Mann zu sein. Der amuesanteste Flirt nuetzt nichts, wenn die Fuesse schmerzen. Ja, diese kleine Standflaeche ist ohne Zweifel benachteiligt, ausgenuetzt und ueberanstrengt. Huebsch und zierlich sollen die Fuesschen aussehen und ueberdimensional wuenscht man sie sich hundertmal im Laufe des Tages. (“Lauf” im wahrsten Sinne des Wortes). Glueckliche Chiloten, die ob ihrer breiten, vernuenftigen Fuesse bekannt sind, mit denen sie im allgemeinen barfuss ueber ihre Insel laufen. Wie wuerde das aber zu einem schicken Kleid von Monsieur Luis und einem koketten Huetchen von Madame Clary aussehen? K.g Soeben starb in Israel, wo sie seit drei Jahrzehnten lebte, im Alter von 72 Jahren, Anita Mueller—Cohen, deren juedische Aktivitaet seit dem ersten Weltkriege vor allem der zionistischen Bewegung in Oesterreich zugute gekommen war. __ Anita Mueller ,— Cohen, 1890 in Wien geboren, wurde dadurch schon sehr populaer, dass sie bald nach Beginn des Weltkrieges das juedische Hilfswerk fuer die Fluechtlinge aus Galizien und der Bukowina in Verbindung mit einer allgemeinen Sozialfürsorge organisierte. Die von ihr ins Leben gerufene Woechnerinnen, Kinder, Mittelstands— und Gefaehrdetenhilfe hat in den schlimmen Jahren 1916— 19 unendlich viel Gutes vollbracht, was dieser unerhoert aktiven, von ruehrender Menschlichkeit erfuellten Frau die allerhoechsten Auszeichnungen und, was sicherlich wesentlicher, war, die allgemeine Anerkennung von Juden und Nichtjuden eintrug. Diese Frau, die in Wien studiert hatte, aus einem traditionsgebundenen juedischen Hause gekommen war, hat dann in der Epoche zwischen 1920 und 30 etwa, hervorragende zionistische Arbeit in Oesterreich geleistet, u. a. die Zionisten im Wiener Stadtrat vertreten, auch fuer die Kultusgemeinde und alle sonstigen juedischen Interessen Zeit erueb. rigt, sodass man von ihr als von einer leitenden Persoenlichkeit im juedischen Leben ihres Landes sprechen konnte. Sie besuchte aber auch die deutschen und andere zionistischen Zentren. V/er den Vorzug hatte, die damals noch junge, temperamentvolle Rednerin zu hoeren, ihren Humor und ihre tiefe Sachkenntnis juedischer Probleme kennenzulernen, wird Anita Mueller- Cohen nicht vergessen koennen. In Israel setzte sie ihre Sozialarbeit zugunsten der oesterreichischen Ali j ah in erster Linie fort, unermuedlich schaffend im Geiste des von ihr hochverehrten Lehrers, Oberrabbiners Prof. Chajes (1876—1927), dessen irdische Ueberreste sie nach der Staatsgruendung Israels zur endgueltigen Bestattung von Wien aus begleiten durfte. In Anita Mueller—Cohen ist eine der letzten bewundernswerten Frauen der einstigen juedisohen Sozialarbeit Europas dahingegangen. Ihr Judentum und ihr Menschentum bildeten eine einzige schoene Einheit. CURT WILK. PROTEST BEI U THANT Kurz vor seinem Abflug nach Europa erhielt UN— Generalsekretaer U Thant einen lebhaften Protest der "Internationalen Liga fuer Menschenrechte'' und des ihr angeschlossenen "Interamerikanischen Verbandes fuer Demokratie und Freiheit" gegen die schweren antijuedischen Ausschreitungen in Argentinien. Die beiden Organisationen, die ihren Protest dokumentarisch belegen, sehen den Ernst der Lage vor allem darin, dass Regierung und Polizei nicht gegen die Verletzungen der Menschenrechte Vorgehen. Sie verlangen vom Generalsekretaer, dass er in Buenos Aires vorstellig wird und Massnahmen gegen den Terror fordert, welchem die juedische Gemeinschaft in Argentinien ausgesetzt ist der viele angehoeren die bereits in Deutschland Opfer aehnlicher Exzesse waren. Ferner wird um Aktionen der Menschenrechtskommission und ihrer Unterkommission fuer Verhuetung von Diskriminierungen nachgesucht. Neue Zuercher Zeitung El Consejo Nacional de la BENE BER1TH CHILE, invita a la colectividad y amigos a la conferencia que dictará el H. Senadorn 1 ' Tronic sobre el lema: LO QUE VI EN ISRAEL el 20 de AGOSTO a las 21 horas Avda. Poriugal 810 Entrada libre 115