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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-06-01 · 6 (Junio, 1962) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
6 (Junio, 1962)
Date
1962-06-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Junio 1962 BOLETIN INFORMATIVO 21 EIN MISSKLANG BEI DER EHRUNG "CHRISTLICHER GERECHTER Vori Or. ABNER NECHUSHTAN (Tel Aviv) Der Kalender wollte es so: fast nichts erinnerte am letzten Dienstag hier in Israel daran, dass die Arbeiter in Stadt und Land, die sprichwoertlich g e wordenen Chaluzim, mit dem Schwung echter Pioniere “die juedische Heimat aus jahrhundertelangem Dqrnroeschenschlaf erloest haben”, "wie es in den Reden und auf den Spruchbaendern ihrer frueheren Feiern zum Ersten Mai stets so pathetisch geheissen hatte. Denn mit dem 1. Mai fiel zusammen “Der Tag des Gedenkens an die Maertyrer und Helden”, Tag der Erinnerung an die Millionen der vom Rassenwahn Hitlers ermordeten Juden und an ihre Widerstandskaempfer, beson. ders im Warschauer Ghetto. Vielleicht war es uebrigens ein Symptom, wenn nicht gar ein Symbol der treib, hau sartig aufgeschossenen Hochkonjunktur, die im Verein mit den jetzt moeglichen S e g n u ngen des hiesigen Wohlfahrtsstaates gerne als “israelisches Wirts chaftswunder” bezeichnet wird, dass kaum noch etwas von dem frueher am 1. Mai hierzulande selbstverstaendlichen Bekenntnis zur “Internationalen Einheit des Proletariats” spuerbar war. Es sei, so wurde voller Enttaeuschung ueber diese Umwertung der Werte in der Presse der Linken hier und da kritisch angemerkt, Routine, eine amtlich anempfohlene nationale Trauer: statt in gehobener Stimmung auf den Strassen und Sportplaetzen scharten sich die Menschen in den Gebetshaeusern, und bei Jerusalem im “Wald der Maertyrer” und auf dem “Berg des Gedenkens”. Wirklich nur — Routine? Jedenfalls ging die Kritik der sozialistischen Kreise fehl, soweit es sich um die Kundgebungen auf diesem “Berg den Gedenkens” handelte, in deren Mittelpunkt die Pflanzung der ersten elf Baumsetzlinge f u e r eine “Strasse rechtlich denkender Christen” stand. In der. Heiligen Schrift waren es bekanntlich zehn Gerechte gewesen, um derentwillen Sodom und Gomorrha von Gott verschont v/orden waere, haette der Erzvater Abraham sie Ihm nachweisen koennen. Man wird den Einfall der “Jad va Sehern”,. Zentrale, des jerusalemer oeffentlichen Instituts zur Dokumentation des Massenmords, nur billigen koennen, diese biblische Ueberlieferung gleichsam ins Positive gewendet zu haben. Damit hat =>s hoffentlich wirksam dazu beigetragen, die hierzu, lande in gewissen Kreisen besonders der Jugend verbreitete gef aehr liehe Meinung zu bekaempfen, dass sich in der Zeit Hitlers und seiner “Totalen Loesung der Judenfrage” in Deutschland und den Okupationsgebieten ueberhaupt keine christlichen Helfer der Verfolgten befunden haetten. Nun wurden als Repraesentanten dieser “nichtjuedischen Gerechten” elf von ihnen oeffentlich begruesst, mit einem last hundertjaehrigen Muetterchen voran, dem streng katholischen Hausfaktotum einer jetzt in Israel lebenden Familie aus Russland, der Frau Rabicz, die eines der Kinder dieses Ehepaares vom Zugriff der Vernichtungskommandos unter Lebensgefahr gerettet und ihre Dienstgeber spaeter bei der Auswanderung hierher begleitet hatte. Aussenminister Golda Meir umarmte in ruehrender Herzensauf, wallung die Greisin, die sich mit einem X in die Ehrenrolle eintrug, da sie in ihrer fernen Jugend nicht schreiben gelernt hatte. Es folgten die uebrigen, zum Teil ausdrücklich , zu diesem Anlass aus dem Ausland gekommenen Ehrengaeste des Tages zehn deutsche, franzoesische, polnische Christen, mit Spatenstichen fuer die Setzlinge und Eintragungen in die Rolle. DER ZWOELFTE EHRENGAST FEHLTE... Aber nicht elf waren insgesamt vorgesehen, sondern noch ein “christlicher Gerechter” mehr, der Sudetendeutsche Oscar Schindler. In Israel lebt heute etwa ein Viertel der zwoelfhundert Juden, die er in den Jahren des grossen Mordens als maennliche und weibliche Zwangsarbeiter seines fuer die Wehrmacht als kriegswichtig deklarierten Emaille- Werkes in der Naehe von Krakau unter seine Obhut genommen hatte. So bekun. den es seine Schuetzlinge die ihn aus der Bundesrepublik, wo er heute nach mehrjaehrigen missglueckten Versuchen, in Nordamerika Fuss zu fassen lebt, zum “Tag der Maertyrer und des Heldentums” nach Israel eingeladen hatten. Er habe ihnen damals aus eigenen Mitteln ein Wohnlager mit lebenswuerdigen Unterkuenften, Lebensmitteln, Arzneien usw. zugewiesen. Verschiedentlich habe er SS-Leute bestochen, wenn sie dies Lager aufloe. sen und die juedische Belegschaft der Fabrik “durchkaemmen” wollten; mehrere Male habe er sich in Gestapo-Haft befunden. Gegen Ende des Krieges sei es ihm gelungen, ganze Gruppen “seiner” Juden aus dem KZ- Lager Gross-Rosen und sogar aus Auschwitz zu retten, worin sie schon zu den Gaskammer deportiert worden waren. Er sei nach Bukarest gefahren, als Eichmann sein Unwesen in Ungarn trieb, und haette fuer die von der Massenvernichtung bedrohten und dann zum Gross teil ja tatsaechlich ermordeten - Juden dieses Landes nicht weniger als eine Viertelmillion Dollars fuer Lebensmittel und Medikamente ausgegeben. In einer Stadt der Vereinigten Staaten habe eine Strasse denn auch seinen Namen zur Verewigung dieser menschenfreundlichen Grossleistung erhalten. So kam Herr Schindler denn wenige Tage vor dem 1. Mai und wurde am Flugplatz von Hunderten frenetisch bewillkommnet. Aber als der Gedenktag anbrach, verlautete zur allgemeinen Ueberraschung im hiesigen Rundfunk, er sei ploetzlich erkrankt und koenne an der Zeremonie der Baumpflanzungen mithin nicht teilnehmen. Dass von einer Krankheit keine Rede war, zeigte sich 24 Stunden spaeter, bei dem Empfang, den seine Freunde fuer ihn in Tel-Aviv veranstalteten, und auf einer Pressekonferenz, die er diesem Empfang kerngesund vorangehen liess. Dort setzte er sich mit den Beschuldigungen auseinander, die am selben Morgen des 2. Mai in einigen hiesigem Zeitungen veroeffentlicht worden waren und das Raetsel seines Nichterscheinens auf dem “Berg des Gedenkens” bereits gelueftet batten. Kurz nach seinem Eintreffen hatte ein vom Jerusalemer Zollamt beschaeftigter Beamter namens Julius Wiener das fuer die Baumpflanzungen zustaendige Jad wa Schem-Institut vor ihm gewarnt. Gewiss, der Sudetendeutsche habe sich seit dem Jahre 1942 die Rettung seiner juedischen “Zwangsarbeiter” vor den Vernichtungslagern angelegen sein lassen. Er selber, Wiener, haette sich unter den Geretteten befunden. Das aber habe Oscar Schindler nur getan, weil ihm im dritten Kriegsjahr daemmerte, dass Hitler unterliegen werde. Er habe sich also —wie manch andere Nazis— einen “Persilschein” verschaffen wollen, ein rechtzeitiges Alibi fuer spaetere Zeiten. Vorher jedoch, als die Deutschen in Krakau einrueckten, sei er dort haken, kreuzgeschmueckt im Wienerschen Geschaeft erschienen, habe die Inhaber, den Vater des jetzigen Beschwer, defuehrers und ihn selber, halbtot schlagen lassen und die Firma fuer sich “arisiert”. So entruestet wie temperamentvoll bestritt Herr Schindler diese -Darstellung, die offenbar den Anlass dazu gegeben hatte, dass ihm am Abend vor dem Festtag nahegelegt wurde, der Zeremonie fernzubleiben. (Nach einer inzwischen erfolgten, aber nicht recht glaubwürdigen Verlautbarung des In. stituts Jad wa Schern soll die Ehrung mit ihm als dem zwoelften “christlichen Gerechten” unter Umstaenden noch nachgeholt werden.) Die Zwangsusbernahmo jenes Geschaeftes, so gab er zwar zu, sei im Oktober 1939 durch einen seiner Verwandten allerdings erfolgt, aber im Zuge eines normalen, fuer die damaligen Inhaber durch aus guenstigen Verkaufsvertrages. Seine Freunde stellten ferner fest, dass er mit der Rettung bedrohter Juden unmit. telbar nach der Besetzung Polens durch die Deutschen begonnen habe, und nicht erst, als das Dritte Reich ins Wanken geriet. Ueberdies haette davon schon im Jahre 1942 nicht die Rede sein koennen. Andererseits machte soeben ein zweiter, frueher gleichfalls in Krakau ansaessig gewesener Geschaeftsmann, der jetzt in der israelischen Gemeinschaftssiedlung Givath Brenner lebt, | aehnlich belastende Aussagen wie Herr Wiener. Im wesentlichen trifft den Direktor der Dokumentations-Zentrale, Dr. Kubovi, zweifellos die Verantwortung dafuer, dass er bei der Ehrung der “christlichen Gerechten” zu diesem Missklang gekommen ist. Er hat sich dahin geaeussert, dass die Beschuldigung unbeachtlich beim Vergleich mit den etwa 400 ruehmenden Briefen sei, die wochen- und monatelang vor dem Gedenktag aus aller Welt mit Schilderungen des Rettungswerkes Schindlers in seinem Amt eingelaufen waren. Dann aber haette er Rueckgrat genug muessen, um nicht im lezten Augenblick umzufallen. Gewiss ohne es zu wollen hat er dazu beigetragen einen braven Mann deutscher Volkszugerr hoerigkeit schwer zu kr senken der anscheinend sein Bestes zur Rettung von Juden getan hat. Die Pruefung sollte von denkbar autorisierten juedischen wie deutschen Sachkennern vorgenommen werden. Und sollte sie den gegen Herrn Schindler geaeussert ten Verdacht widerlegen wie es mit hoher Wahrscheinlichkeit der Fall sein wird so haette alles zu geschehen, um das ihm zugefuegte Unrecht wiedergutzumachen. Gerechtigkeit will es so. Und abgesehen davon ist die Zahl “christlicher Gerechter”, die zum juedischen Volk und dem Staat Israel stehen, in Deutschland wie in aller uebrigen Welt leider nicht so gross, dass die Freundschaft auch nur eines von ihnen leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf FALSCHE FARBE Fuenf israelische Seeleute haben kuerzlich, wie der amerikanische Korrespondent der "Jerusalem Post" be* richtet, eine beachtliche Unruhe in das juedische Gemeindeleben in Baltimore gebracht. Als die "M. S. Am' pal" im Hafen einfuhr, wurde die israelische Besatzung von einem Vertreter der Habonim-Cangregatian erwartet und begruesst, der ihnen als Zeichen der besonderen Gastfreundschaft der Juden Baltimore eine Einladung zu einem am gleichen Abend im Jewish Community Center stattfindenden Tanzabend uebermittelte. Die Matrosen die eine lange Fahrt vom Fernen Osten her hinter sich hatten, nahmen erfreut die Einladung an. Der Vertreter der Habonim-Congregation fuhr fuenf von ihnen in seinem Auto in die Stadt. Unterwegs auesserten die Israelis den Wunsch, in einem Koscher-Restaurant einzukehren. Zu ihrem Erstaunen erfuhren sie, dass es kein solches in ganz Baltimore gaebe. Aber um sie halbwegs dafuer zu entschaedigen fuhr sie ihr Gastgeber in eines der grossen juedischen "kosher style" — Delikatessengeschaefte im nordwestlichen Stadtteil von Baltimore, das ueberwiegend von Juden bewohnt wird. Hier erlebten die israelischen Matrosen eine zweite und um so groessere Ueberraschung. In diesem Stadttteil wird noch immer in den Restaurants die Diskriminierung gegen die Neger aufrechterhalten und auch vor der von den israelischen Matrosen aufgesuchten Delikatessen-Essstube stand ein "Hueter", der ihnen den Eintritt verwehrte. Er hatte sie wegen ihrer dunklen Hautarfe, es handelte sich durchwegs um Jemeniten, fuer Neger gehalten. Ihr Begleiter geriet, begreiflicherweise, in grosse Aufregung, und der herbeigeeilte Besitzer lud sie, nachdem es sich herausgestellt hatte, dass es sich um "Landsleute" handelte, freundlichst ein. Aber die erbosten Seeleute schlugen seine Einladung aus. Der Zwischenfall erregte betraechtliches Aufsehen in der juedischen Gemeinden in Baltimore, besonders in den Kreisen der Jugend, die sich bisher aktiv am Kampfe gegen die Negerdiskriminierung beteiligt hatte, und am nechsten Tage erschienen bereits juedische Abwehrposten vor dem juedischen. Restaurant und forderten auf ihren Standarten den Besitzer auf, seine diskriminierende Haltung aufzugeben. Seitdem ist eine beachtliche Unruhe in der Gemeinde zu verspueren. Ein Teil, insbesondere die Jugend, tritt dafuer ein, sich vorbehaltlos in die Reihen der Kaempfer gegen die Diskriminierung zu stellen. Andere wiederum, zu denen auch die in Baltimore erscheinende "Jewish Times" zaehlt, lehnen die Diskriminierung zwar auch grundsaetzlich ab, glauben jedoch, dass der Kampf gegen sie von juedischer Seite aus nicht intensiver gefuehrt werden solle als von Seiten der Nichtjuden. Jedenfalls hat das ganze Problem durch die zufaellige Begebenheit mit den israelischen Seeleuten viel von dem akademischen Charakter verloren, den es hier bisher in juedischen Kreisen hatte. * ("Allgemeine")

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