Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 4 (Abril, 1962)
- Date
- 1962-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Í.C.L BN* JISROO^ mm AV. PORTUGAL BIO. CASILLA 1487. SANTOtGO «CHIUI BOLETIN MITTEILUNGSBLATT CULTURAL ISRAELITA " B ' N E J I SROEL" Año XXIV N? 4 SANTIAGO DE CHILE Abril 1962 PESSACH UND DAS GEBET UM TAU Von ¡Robb. Egon;. 1. Loewenstein Das Pessachfest ist voller Erinnerungen an die “Sternstunde der Menschheit”, in der Israels als Volk unter die Voelker der Erde trat. Es ist voller Erinnerungen an die Knechtschaft in Aegypen und voller Hymnen des Dankes fuer die Freiheit. Aber unter den Gebeten und Gesaengen des Festes finden wir ein Motiv, das auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit diesen Festgedanken hat. das Gebet um Tau am 1. Tag Pessach. Vom achten Tag Sukkot bis Pessach wird Gott in unseren Gebeten als Spender des Windes und des Regens gepriesen. In den zweiten Segenspruch des Hauptgebetes (Schemone Essre) werden die Worte eingeschaltet; “Maschiw haruach umorid hageschem” — der den Wind wehen — und den Regen herabkomnren laesst”. Der Regen wird als eine wohltuende Spende des Himmels angesehen, durch die der tote Erdkoerper zu neuem kraftvollem Leben erwacht und aufblueht. Aber das Gebet um Tau schliesst an Pessach die Bitte ein dass nunmehr der Regen aufhoere. Wenn die Gerstenernte beginnt, ist Regen kein Segen mehr. An seine Stelle soll waehrend der Sommermonate der Tau treten. In diesem Zusammenhang ist es interessant, auf einen Unterschied im Brauchtum der Aschkenasim und Sefardim hinzuweise,n. Die Sefardim pflegen im Sommer die bereits im Talmud von R. Jochanan vorgesehne Huldigung; Maschiw haruach umorid hatal” — der den Wind wehen und den Tau herabkommen laesst zu sprechen, wir kennen diesen Brauch nicht. Aber auch unser Taugebet scheint aus dem Brauch der Sefardim' hervorgegangen zu sein, da dieser Text auch in unserem Gebet vorausgesetzt wird. In der Bitte um Regen und Tau kommt das Vertrauen des Juden in die Allmacht Gottes zum Ausdruck. Die vergleichende Religionsgeschichte hat festgestellt, dass die Gebete und das Brauchtum vieler primitiver Voelker als Reaktionser- Die Nationalgeschichte Israels beginnt mit der Befreiung des Volkes aus der aegyptischen Sklaverei. Auf dieses Ereignis blickten die Juden zu allen Zeiten, in den Stunden der Freude und den haeufigeren des Leides, als auf das groesste aller historischen Erlebnisse zurueck. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Einsetzung des Pessachfestes noch in Mizrajim selbst erfolgt ist. Der Gedanke, dass ein Volk nur in Freiheit seiner geschichtlichen Aufgabe nachkommen, nur “in Freiheit Gott dienen koennte”, hat seinen festen Platz in der religioesen Tradition gefunden; treffend sagt hierzu Leo Baeck in seinem Buche “Dieses Volk— juedische Existenz” : “Geschichte beginnt, wo Freiheit beginnt, wo Freiheit im Namen Gottes gefordert wird und ihre Aufgabe stellt. Wo keine Freiheit ist, dort ist auch keine Geschichte”. Immer wieder vom Auszug aus Aegypten zu sprechen und jeder Generation das scheinungen auf die Angst vor den Phaenomenen der Natur zu erklaeren ist. Den Juden erschrecken die Prozesse der Natur nicht. Seine Gebete sind keine magischen Formeln, seine Braeuche keine magischen Handlungen, durch die der Wille eines hoeheren Wesens beeinflusst werden soll. Euer den Juden ist Gott der Lenker der Geschicke der Nationen. Er offenbart sich in Ereignissen wie denen des Gefuehl zu uebermitteln, dass sie selbst aus den Fesseln der Sklaverei erloest worden sei, wurde daher juedischen Menschen zu allen Zeiten als Verpflichtung verkuendet. Die innere Kraft, die vom Feste ausging, vermochte im Augenblick tiefster Erniedrigung und Demuetigung Trost und Vertrauen in die Zukunft zu gewaehren. 'Nicht als Gnade, sondern als Forderung Gottes an den Menschen, sich dieses Gottesgeschenkens der Freiheit wuerdig zu erweisen, so wurde im Judentum die Erinnerung an die Befreiung verstanden. Hierzu sollte die innere Freiheit kornmen, denn nur dort, wo aeusserer Druck und Zwang fortfallen, kann ein gerechter Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit, kann der soziale Schutz fuer den Schwaecheren angestrebt werden. Vielleicht war es das juedische Erbe, das sie selbst nicht mehr gelten dessen, das so oft juedische Menschen in die vordersten Reihen der Kaempfer fuer die Freiheit der Voelker und Auszuges aus Aegypten. Er ist auch der Gott der Natur, der sie sich staendig erneuern laesst. In dem Gedenken an den Auszug aus Aegypten und der Bitte um Tau symbolisiert sich der Glaube an die Einheit des Universums in Natur und Geschichte durch eine hoehere Waltung. Darueber hinaus waren die Gebete um Regen und Tau jahrhundertelang Ausdruck einer tiefen Sehnihren sozialen Fortschritt gefuehrt hat. Der verewigte Praesident Franklin Delano Roosevelt hat einmal in einer grossen Rede am amerikanischen “Tag der Fahne” ein Gebet gesprochen, das in dem Satze gipfelte: “Gott, gewaehre uns die einfache Erkenntnis dieser Tatsache: Wenn unsere menschlichen Brueder unterdrueckt sind, sind es auch wir; wenn ¿sie Hunger leiden, dann leiden auch wir ihn; wenn ihre Freiheit verlorengegangen ist, dann ist auch unsere nicht mehr sicher. Gewaehre uns den Glauben an die Hoffnung, dass man auf Erden die Gerechtigkeit kennenlernen, und Hass es Freiheit und Sicherheit fuer alle geben wird”. ' Auch wir Juden stellten stets die Freiheit unter das Gesetz, unter die Herrschaft des Rechtes, und dieses Recht, wie es das Judentum versteht, ruht auf der Achtung der M'enschenwuerde, die niemand, auch nicht die Maechtigsten der Welt misssucht nach dem Lande der Vaeter. In welchen Regionen der Erde wir auch wohnen moegen, Israel lebt unabhaengig vom Rhythmus der uns umgebenden Natur. Unser religioeses Leben wird durch das «Land seines Ursprungs bestimmt. Unsere Verbannung kann nicht ewig dauern. Einmal kehren wir zurueck. Dann setzen wir unser Leben auf unserer Erachter. und verletzen duerfen. Doch von dieser allgemein e n Einsicht ist die Menschheit noch weit entfernt, und Teile unseres juedischen Volkes befinden sich auch an diesem Pessachfeste in Unfreiheit, mindestens in seelischer Versklavung. Ihr Sehnen richtet sich nach Israel, wo das Fest der Freiheit mit einem neuen Gefuehl hierfuer inmitten der Zauber, haften Pracht des Fruehlings von Erez Jisrael begangen wird. Dort hat auch derjenige Jude, der nicht mehr in der religioesen Tradition lebt, eine neue Beziehung zu Pessach gefunden, weil er alles von sich abstreift, was irgendwie an die einstige Unfreiheit und Unterdruekkung erinnert. Dass von solchen Freiheitsempfindungen alle Staaten und Nationen ergriffen werden moegen, ist der juedische Glaube. In diesem Empfinden fuer das grosse Pessach der Menschheit, das einmal kommen muss, soll der Jude sein nationales Freiheitsfest begehen. (Fortsetzung Seite 4) GEDANKEN ZU PESSACH Von Curt Wilk GENERAL - VERSAMMLUNG Wir machen nochmals darauf aufmerksam, dass am Sonntag, den 29. April 1962, vormittags 9 Uhr die diesjaehrige Generalversammlung der SCI"B'ne Jisroel" stattfindet. WIR BITTEN UM ZAHLREICHES ERSCHEINEN.