Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 1 (Enero, 1962)
- Date
- 1962-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Énero 1962 BOLETIN INFORMATIVO 17 ^ÍSI Z?¿e ¿j/zae¿¿)c/i€ 7fed4e dc/we¿¿£ ¡L WEITERE ENTFREMDUNG AEGYPTEN - SYRIEN DIE WAHLEN IN SYRIEN Jerusalem Post: Wenn man die ersten Resultate der Wahlen in Syrien beobachtet, kann man leicht feststellen, d. das syrische Volk mit Misstrauen auf seine neuen Herrscher blickt, und es bedauert, dass nur Personen, nicht aber politische Parteien Kandidaturen praesentieren konnten. So jedenfalls drücken die Aegypter ihre Analyse der Wahlen aus, und weisen darauf hin, dass die Masse des Volkes die Wahlen “boykottiert” habe. Dieser Standpunkt ist nicht richtig. Die neue syrische Regierung hat viele Schwierigkeiten, aber diese Problematik der Wahlen existiert nicht. Von jener haben in Syrien nicht viele Bürger an den Wahren ceilgeriömmen; die Wahlbeteiligung in diesem Lande war immer sehr gering. Im Gegenteil kann man behaupten, dass die Geschwindigkeit, mit der das neue Regime Wahlen veranstaltet hat, ein Anzeichen dafür ist, dass man versucnt, der Regierung so schnell als mogiicn den notwendigen legalen Hintergrund für ihre Aufbauplaene zu schaffen. Es kann allerdings auch sein, dass man deshalb so schnell zu Warnen geschritten ist, da man Kairos Anerkennung wünschte und Nasser erklaert hatte, er koenne das Regime nur daun anerkennen wenn es wirklich die Unterstützung des Volkes nachweisen koenne. Aber einleuchtend als Begründung für die Wahlen ist nur die Erklaerung, dass man die politischen Differenzen klaeren wollte, die innerhalb der Revolutionsgruppe selbst seit der Revolte gegen Nasser bestanden haben. Bisher scheint es, als ob die reaktionaeren Gruppen die Mehrheit erhalten. Das beweist, dass die neue syrische Regierung der aegyptischen Propaganda nicht so schnell zum Opfer fallen wird, wie ihre Vorgaenger. In jedem Falle aber wird Aegypten seine Position Syrien gegenüber angesichts der Wahlresultate aendern müssen. Dawar: Die Wahlergebnisse in. Syrien haben kerne innere Revolution gebracht. Dennoch kann nicht erwartet werden, dass die politische Entwicklung des unabhaengigen Syriens ebenso laufen wird, wie die Entwicklung Syriens in der Verbindung mit der VAR. In einem Falle aber gaben die Wahlergebnisse klar zu erkennen, welche Entwicklung das syrische Volk wünscht: Die Ergebnisse bestaetigten eindeutig die Revolte gegen die VAR. Die geringe Wahlbeteiligung ist auch kein Zeichen für den Erfolg der aegyptischen Propaganda: Die Wahlbeteiligung in Syrien war immer ¿ehr gering. Israel hat weiter auch an seinen Nordgrenzen wachsam zu sein cneich weiche Wege d i e künftige syrische Regierung beschreiten sollte, ist es uns e re Pflicht, in unserer Wachsamkeit keinen Augenblick nachzulassen. Haboker: Wie kühl die fortwährenden Entdeckungen von Umsturzplaenen die aegyptische Oeffentlichkeit lassen, geht aus der Tatsache hervor, dass man in den letzten Wochen unaufhoerlich neue derartige Komplott versuche auf deckt. Seitdem man d. neue Sozialprogramm Nassers realisieren will, werden unaufhoerlich Offiziere, Kaufleute und Politiker verhaftet. Die Reaktion wollte also Nasser stürzen. Warum man diese Wahrheit gerade jetzt entdeckt, mag eine Frage für sich sein, aber man entdeckt bald, dass Nasser nicht die Reaktion als solche, sondern nur die Reaktion auf seine Herrschaft bekaempft. Das Volk scheint all diesen Ereignissen gegenüber sehr kühl und unbeteiligt geblieben zu sein. Syrien konnte nicht zurückgewonnen werden, und das war ein harter Schlag für Nasser. Und gerade die Wahlen in Syrien be weisen, wie klar das syrische Volk für seine Unabhaengigkeit eintritt, obwohl der Wahlgang langsam war. Die Spionageschauprozesse werden nun in Kairo auf dem Hintergrund der inneren Schwierigkeiten beginnen. Aber man kann fiur daran zweifeln, dass sie Nassers Regime stützen koennen. DIE ANTISEMITISCHE WELLE IN RUSSLAND SORGE UM DIE JUDEN IN DER USSR Dawar: Die tiefe Besorgnis um aas Schicksal der sow jbt-russiscnen juaen fana nach aen Meldungen über die aort durengerunrten Prozesse gegen juuiscne uememdeiuuner in Leningrad Ain>uiuCK aucn in uer jsicüset, unu so Kurz aucn die Aus spraoue aaruoer war, so weiug iicss sie aai*m einen Zwei fei, aass sich aue Abgeordneten m üwi iScuri/euuiig Uiessi Tragödie einig sma - aogeaehen naeürnen von den Kommunisten, aeren Verhaiten uns nient erstaunen Konnte. Mit Stnischweigen über diese Vorgaenge nmwegzugehen, haette geheissen, den sowjetischen Instanzen, die das Ganze am liebsten verschweigen wollen, noch Vorschub zu leisten. Wessen wurden die Verurteilten beschuldigt? Sie sollen “verbrecherischen Kontakt mit den Mitgliedern der Botschaft eines kapitalistischen Staates unterhalten, und ihnen Material zugeieitöt haben, dass gegen die Sowjet-Union ausgenutzt werden kann”. In Wirklichkeit hatten diese Menschen ihr ganzes Bemühen darauf konzentriert, das interne Leben ihrer jüdischen Gemeinden im Einklang mit der deklarierten sowjetrussischen Politik — der Rücksichtnahme auf die Rechte nationaler Minderheiten — zu staerken Aber die Prozesse haben diese Declaration jetzt ad absurdum geführt, soweit es sich um Juden handelt. Und seibstverstaendlich sind die öffentlichen Instanzen unseres Staates berechtigt und verpflichtet, hier ihre Stimme zu erheoen, ohne dass sie aadurch unserem Wunsch Abbruch tun, in freundocuai tuchen Beziehungen mit dem Sowjet-Staat zu stehen. Ai uamiscumar: nue Nachrichten über die Vernal tung von drei Vorstehern aer juaizcnen uemeinae in nenmgraa und von einer Anzam weiterer Juaen in Moskau hauen in der judiscnen UefientiiCiiKeit der ganzen Welt tiefe Sorge ausgeiost. Man wird uns zwar rnogncnerweise sagen: Warum seiu ihr aiarmiert? Werden in der Sowjetunion nicht auch Angehoenge anderer Religionen verhaftet, und fniaen nicht auch in Israel Prozesse gegen Juden wegen Spionage statt? Warum seht lnr ano in den Prozessen gegen einige Juden, eine besondere Absicht? Diese und aehnliche Antworten aber koennen uns nicht beruhigen. Die Sowjetunion als sozialistischer Staat führt einen ideologischen Kampf gegen die jüdische Religion wie gegen die übrigen Religionen. Aber offenbar ist es den sowjetischen Behörden nicht unbekannt, dass die jüdische Religion für die Juden etwas anderes bedeutet als den religioesen Kult allein. Und wenn man bedenkt, dass die Juden der Sowjetunion keine oder fast keine Möglichkeiten der Entwicklung eines eigenen nationalen Lebens oesitzen, so bedeutet die Verfolgung der jüdischen Religion fast eine Diskriminierung gegenüber anderen Religionen. Den Juden der Sowjetunion müsste die Möglicnkeit zur Entwicklung eines nationalen Lebens gegeben werden; ihnen müsste erlaubt werden, Beziehungen mit ihren Brüdern in Israel aufrecht zu erhalten. Lamerchaw: Eine erschreckende Version der Vernaftungen jüdischer Repräsentanten in der Sowjetunion wurde in Moskau veröffentlich. Nach dieser Version verbindet man die Verhaftung juedischer Vertreter mit der AKtivitaet israelischer diplomatischer IVpraesentanten in der Sowjetunion. Das israelische Aussenministerium dementierte diese Version sofort mit aller Entschiedenheit. Diese Verhaftungen haben auf der ganzen Welt Entsetzen hervorgerufen. In Israel, wie überall auf der Welt, verfolgt man bereits seit geraumer Zeit mit Besorgnis die Entwicklung der Politik den Juden gegenüber, die in Russland geführt wird. Man muss die Forderung erheben, die freie Alijah nach Israel auch für die russischen Juden zu erlauben und wir hoffen, dass diese Alijah eines Tages nöglich werden wird. ISRAEL UND DIE "APARTHEID" - RASSEN-POLITIK DAS DILEMMA UNSERER ^BEZIEHUNGEN ZU SUEDAFRIKA “Jerusalem Post”: Auf diese Beziehungen ist nun unglücklicherweise der Schatten der südafrikanischen Apartheid-Politik gefallen und hat ein Dilemma verursacht, das aber sicher nicht unloesbar ist. Bei jeder Gelegenheit haben wir den Staatsführern der Südafrikanischen Union vor Augen geführt, wie tief uns nach allen nationalen Erfahrungen unseres Volkes jede rassische Diskriminierung berührt. Israel würde seinem internationalen Ansehen einen schlechten Dienst erwiesen haben, wenn es in einem solchen Fall schweigend daneben gestanden haette. Aber die Tatsache, dass sich unsere UNO-Vertreter moralisch und politisch berechtigt sahen, an den entsprechenden Abstimmungen im Sinne dieses Grundsatzes teilzunehmen, sollte in Südafrika nicht als Verzicht auf das langjaehrige Freundschaftsverhaeltnis missverstanden werden. Einem Antrag, diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika und sogar den Ausschluss dieses Staates aus der UNO zu beschliessen, stimmten wir nicht zu, sondern enthielten uns der Stimme; wir unterstützten einen indischen Antrag, der zwar gleichfalls von Sanktionen spricht Südafrika zugleich aber auffordert, seine Apartheid — Politik za aendern. Vielleicht wird noch ein Kompromiss gefunden werden — wir jedenfalls werden zwar nicht davon ablassen, die südafrikanische ¿eassenpolitik zu missbilligen, aber auch darauf bestehen, dass die “Union” weiterhin berechtigt ist, in der UNO zu bleiben. DROHUNGEN GEGEN ISRAEL Al Hamischmar: Der südafrikanische Mhiisterpraesident hat Drohungen gegen Israel und gleichzeitig Drohungen gegen die südafrikanische Judenheit laut werden lassen. Er betonte, dass die Stellungnahme Israels in der Südafrika-Abstimmung in der UNO geradezu ein Unglück fuer die südafrikanische. Judenheit bedeuten müsse Auch muesse sich die südafrikanische Regierung ihrerseit jetzt überlegen, ob sie nicht ihre Politik gegenüber dem juedischen Staate aendern soll. Doch seine Beschuldigungen und Drohungen bezogen sich auch auf die in Südafrika wohnenden Juden selbst, und auf deren Stellungnahme ia internen südafrikanischen Angelegenheiten. Der Südafrikanische Ministerpraesident der sich zu solchen Aeusserungen hinreissen lies, scheint vergessen zu haben, dass Israel bei seiner Melnungsaeusserung im Rahmen der Vereinten Nationen die hoechsten Gebote der menschlichen Gerechtigkeit und Freiheit im Auge hatte, ein Standpunkt,' gegen den gewiss nichts einzuwenden ist. Wenn es um Bekaempfung der rassischen Diskriminierung geht, um Verhinderung von Unrecht und Ungleichheit kann hiergegen, gegen solch eine Stellungnahme, gewiss niemand polemisieren, soweit ihm die Beicaige der Humanitaet und Menschenwürde wertvoll erscheinen. DR. VOERVVORD GREIFT ISRAEL AN t Haboker nimmt auf die weiteren Angriffe des südafrikanischen Minister oraesidenten Dr. Voerword gegen israei wegen der UNO-übstimmung Bezug u. erk.aert, der Süüafnkamsche Minist erpraesident habe wohl eingesenen, dass seine Bemerkungen gegen die Juden Südafrikas ein schwerer Irrtum waren. Dr. Voerword natte gesagt, d:e Abstimmung Israels habe die Gegnerschaft gegen Südafrika versiaerkt, and “Haboker” meint, Voerword müsste sich fragen, warum denn eigentlich in der Welt eine so grosse Gegnerschaft gegen die Politik Südafrikas besteht. Der Ausaruck Apartheid ist irreführend, es handelt sich nicht am eine territoriale Trennung der beiden Bevoe-k— in duaafiuta, sanaern diese PmiiiK ist aazu oestimmt, es unmo-gLch zu machen, das iiest airntunioche Bevoelkeiuug Siiaanakai einmal zur Herrscnait kommen kann “Habeker” ernuiert aaran, das er für Snmnuntnaltung Israels e.ng-ciPteri sei; aber Voerword zeigt eine .teaktion, die mehr besorgnis erregen muss als blosser Aerger über den moeglUmen Einiluss von Israel auf die vv eit-Meinung, aenn wir sehen nicht, das Dr. Voerword in gleicher Weise auf das Verhalten Hollands in der Abstimmung reagierte, obwohl dieses noch mehr Zorn bei ihm haette hervorrufen koennen. Auch Haaretz beschaeftigt sich mit. dom südafrikanischen Komplex, israei wie anaere Staaten sehen sich schweren, oft grausamen Entscheidungen gegenüber, die das politische Leoen uns aufnoetigt. Diejenigen, die unsere Regierung wegen der Südafrika-Abstimmung kritisieren, sollten Israel und seine UNO-Dclegation angreifen, wenn es uns nicht gelingt, einen ungünstigen Beschluss in der Trage der arabischen Flüchtlinge zu verhindern. Aber bei der heutigen Situation in Afrika blieb kein anderer Ausweg als für einen scharfen Beschluss gegen Südafrika zu stimmen, und alle irren, die der Meinung sind, wir haetten den Afrikanern unsere Zurückhaltung erklaeren koennen. Wir gehen mit unserer “Aulklaerungstaktik’ schon bei den Abstimmungen für Frankreich bis an die Grenze des Denkbaren. Es ist leicht zu verstehen, dass “Erklärungen” in einer anderen Frag« uns in eine unmoegliche Situation gebracht haetten.