Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 1 (Enero, 1962)
- Date
- 1962-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 DIE SYNAGOGE VON OSTIA Von Rabbiner K Bei den Grabungsarbeiter, fuer den neuen Weltflughafen Roms ist in Ostia eine hochinteressante Entdeckung gemacht worden. Im Ausgrabungsfeld fand man Reste einer Synagoge, die man heute als die aelteste in Europa ansieht. Die Wissenschaftler setzen das dritte und das vierte nachchristliche Jahrhundert fuer den Fund an, schliessen aber auch nicht die Moeglichkeit eines noch frueheren Datums aus. Juedische Kultstaetten in diesem Teil Europas sind bisher nicht gefunden worden. Auf Grund dieser Entdekkung duerfte es von besonderem Interesse sein, das Verhaeltnis Palaestinas mit Rom ein wenig naeher zu beleuchten. Der erste Kontakt zwischen beiden Laendern geht auf das Jahr 161 v. u. Z. zurueck. In diesem Zeitpunkt schickte Juda Makkabaeus eine Delegation nach Rom, um einen Freundschaftsvertrag mit dem roemischen Senat abzuschliessen. Dieser Vertrag wurde von seinen Nachfolgern, den Bruedern Jonathan und Simon und dessen Soehnen jeweils erneuert. Es ist daher als sicher anzunehmen, dass die Juden Judaeas nicht nur in einem engen wirtschaftlichen Kontakt mit Rom gestanden haben, sondern dass auch eine Anzahl von ihnen sich ln Rom niederliess und dort im Laufe der Zeit die erste Gemeinde gruendete. Diese erfuhr einen groesseren Zuwachs im Jahre 63 vor, als der roemische General Pompejus Palaestina zum ersten Mal besetzte und einen der Herrscher aus dem Hasmonaeergeschlecht, Aristobulus n n\it seiner Familie nach Rom als Gefangene fuehrte. Als 15 Jahre spaeter Caesar auf dem geschichtlichen Schauplatz erscheint, spielt sich in Rom ein interessanter Prozess ab, ln dessen Mittelpunkt auch die Juden standen. Ein roemischer Beamter Valerius Flaccus hatte sich waehrend seiner Amtstaetigkeit in Asien stark bereichert und war deshalb der Korruption angeklagt. Ausser diesem Vergehen wurde ihm auch noch zur Last gelegt, sich groessere Geldsummen angeeignet zu haben, die die Juden fuer die Jerusalemer Tempelsp ende gesammelt hatten. Kein geringerer als der beruehmte Cicero verteidigte damals den Angeklagten und wies unt=r anderem in seiner Rede darauf hin, dass die Zahl der Juden in Rom sich erheblich vermehrt haette und dass sie schon einen grossen Einfluss auf die Volksversammanfred Lubliner lung ausuebten. Die allgemeine wirtschaftliche und politische Situation der Juden in Rom wie auch in Palaestina ist unter der Herrschaft Julius Caesar als besonders guenstig anzusehen. Verschiedene seiner Anordnungen beweisen das grosse Wohlwollen, das er den Juden entgegengebracht hat. So waren sie vom Militaerdienst befreit, der sie in der Erfuellung ihrer religioesen Vorschriften (Verpfleg u n g, Schabbat und Feiertage usw.) behindert haette. Ausserdem genossen sie absolute religioese Freiheit und es wurde ihnen das Recht zugestanden, die Gemeinde in Selbstverwaltung zu fuehren. Sein Nachfolger, der Kaiser Augustus, bestaetigte den Juden alle diese Rechte, nur in der nach dem Tode Augustus einsetzenden Nachfolgestreitigkeiten blieb die Lage nicht m°hr so stabil. Verschiedene Faktoren sind dafuer der Grund und insbesondere die Ausbreitung des Christentums. sowie der letzte Aufstandsversuch in der Zeit des juedischen Helden Bar Kochba fuehrte zu grossen Verfolgungen, die der Gemeinde grossen Schaden zufuegta. Ausser Rom gab es im ersten nachchristlichen Jahrhundert juedische Zentren im Norden, Genua und Mailand, im Sueden Bari Tarrent. Die. gesamte Bevölkerung wird in dieser Zeitepoche auf ungefaehr 50.000 geschaetzt. Ihre soziale Struktur war relativ normal, sie arbeiteten als kleine Handwerker und Haendler, ja sogar auf kuenstlerischem Gebiet betaetigten sie sich als Musiker, Dichter und Maler. Der Besucher des neuen Israels, der in Rom Station macht, wird sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, die alten Katakomben aufzusuchen, die noch heute stumme Zeugen aus den Anfaengen der juedischen Gemeinde Roms sind. Hebraeische Namen mit juedischen Symbolen und das Wort Schalom sind noch heute dort auf diesen Grabstaetten zu finden. Abschliessend sei bemerkt, dass wohl kaum ein Zweifel bestanden hat, dass die Juden in Rom und den anderen Staedten Synagogen errichtet haben, aber durch den Fund von Ostia ist auch der letzte beseitigt geworden. Die Grabungen selbst sind noch nicht zum voelligen Abschluss gekommen und es besteht daher immer noch die Moeglichkeit, dass noch sehr interessante aufschlussreiche Entdeckungen zu erwarten sind. Die FEBRUAR - und WZ - Ausgaben des ßoletin Informativ« erscheinen infolge Betriebsumstellung der Druckerei mit ca. 1 Woche Verspaetung. Ab Abpril erscheint die Zeitung wieder regelmaessig am 15. eines jeden Monats. Anzeigen Annahme für FebruarN? bis 29. Januar " " " Maerz-N9 bis 28. Moerz Die Anzeigen*Annahme bleibt der Ferien wegen vom 5-28. Februar geschlossen!, , Nueva York 52 ofi. 412 Tel. 87765 k » V' c\!.y f rod WfoieSrea, MOSES HESS (21.1.1812—6.4.1875 y Der 150. Geburtstag von Moses Hess am kommenden 21. Januar Aaesst abermals vor dem juedischen Menschen von heute die interessante Figur dieses Freiheitskaempfers von 1848, Naturforschers und Sozialphilosophen erstehen, der durch seine vor hundert Jahren (1862) erschienene Schrift “Rom und Jerusalem” zu einem Vorlaeufer der zionistischen Bewegung geworden war, weil eine ganze Reihe von Gedanken dieses Werkes Fundamente des modernen politischen Zionismus bilden. Hess, in Bonn geboren, war im Hause des gebildeten Grossvaters erzogen worden, wo das Kind juedische Lebenseindruecke erhielt und in das juedische Schrifttum eingefuehrt wurde. Herangewachsen, trat er in des Vaters Geschaeft ein, wo er sich aber nicht wohl fuehlte. Er wandte sich daher vom kaufmaennischen Berufe ab und widmete sich fortan naturwissenschaftlichen und historisch - philosophischen Studien, um dann Korrespondent einer politisch-oppositionellen Zeitung zu werden. Spaeterhin gab er eigene philosophische Schriften heraus und trat in engere Verbindung zu Marx und Engels, den Begruendern des modernen Sozialismus. Bald ist Hess der politischen Polizei verdaechtig, Verfol g u n g e n ausgesetzt und emigriert nach Paris, wo er eine neue wissenschaftliche Taetigkeit entfaltet, zu geschichtlichen Betrachtungen insbesondere angeregt durch den politischen Freiheitskampf der Italiener und Polen. Nun erkennt er die Notwendigkeit der “nationalen Befreiung der Juden”. “Rom und Jerusalem” wurde deshalb fuer ihn die Darstellung der “letzten Nationalitaetenfrage”. “Da stehe ich wieder”, so sagt er, “nach einer 20jaehrigen Entfremdung in der Mitte meines Volkes. Ein Gedanke, den ich fuer immer in der Brust erstickt zu haben glaubte, steht wieder lebendig vor mir: Der Gedanke an meine Nationalitaet. “Kein Zweifel: Gleich Herzls “Judenstaat” ist “Rom und Jerusalem” ein Beweis fuer die Unverwuestlichkeit, Unzerstoerbarkeit und Unbesiegbarkeit der juedischen Nationalidee. Die politischen Traeume, die der begeisterte Franzosen freund Hess Frankreich bei der kuenftigen Befreiung der Juden zuweist, sind tatsaechlich spaeter von England in der historischen “Balfourdeklaration” von 1917 uebernommen worden, wobei Hess allerdings nicht nur den Blick auf das damalige Palaestina gerichtet haeit sondern das ganze Kuestenland des oestlichen Mitteimeeres mit einem Kranz juedischer Siedlungen umsaeumt wissen moechte, Ob dies nun utopisch gedacht sein mag, duerfte kaum mehr interessieren; schliesslich hatte Hess praktisch nichts getan oder tun koennen bezw. wollen (im Gegensatz zu Herzl), um seine politischen Gedanken ueber die Zukunft des juedischen Volkes aus einem theoretischen papiernen Dasein in ein lebendiges Denkmal zu verwandeln. Wichtig allein ist heute die ideologische Begruendung, die Hess gibt, die Fundierung der Zukunftsplaene. Und da sind es vor allein religioese Gedanken, die ihn beherrschen. So heisst es einmal: “Wenn das. Judentum seine Unsterblichkeit der Fruchtbarkeit seines religioesen Genies verdankt, so verdankt dieses selbst seine Unste r blichk e it der Fruchtbarkeit des juedischen Stammes”. Hess will das Judentum in den Rahmen universaler Menschheitsentfaltung hincingespannt wissen. Von unten herauf wirkt der Wille zur sozialen Menschheitserloesung. Israel dient hierbei als Vermittler im Aufträge Gottes. Max Wiener, der grosse Religionsphilosoph (1882-1950), sagt hierzu: “Man muss auf diese universale Richtung des juedischen Nationalisten Hess, der auch in diesem Werke der internationale Sozialist bleibt, genau aufmerken. Hess glaubt an eine “Mission” des Judentums in dem Sinne, dass der juedische Stamm, in politischer una kultureller Sicherheit vor Zersetzung geschuetzt, auf eigenem Boden lebend, einen Beitrag fuer den Fortschritt der Menschheit leistet. Aber freilich, wenn sichs darum handelt, die Substanz dieses juedischen Volkstums zu bestimmen, so wird es fuer Hess zum eigentlichen Religionsvolk.” Bei Hess werden die Extremen auf der religioesen Linken, die radikalen Reformer um ihres volkszerstoerenden Treibens, ebenso gebrandmarkt wie die Orthodoxie, die Dinge konservieren will, die laengst ueberholt seien. Der Messianismus, weder ein orthodoxer noch ein liberaler, erscheint bei Hess als der Zentralgedanke des national-rel i g i o e s e n Geistes im Judentum. Auch legt er den groessten Wert auf den in der Bibel von Beginn her steckenden Menschheitsglauben, der die juedische Weltanschauung geformt hat. Die nationale Erloesung soll zugleich zu einer Loesung der sozialen Frage fuehren; doch dieses soziale Interesse ist bei Hess ganz im religioesen Glauben eingebettet. So ist das Judentum des Sozialisten Hess die Kroenung einer lebenslangen Hingabe an die Arbeit sozialer Aufklaerung. Hess ist in spaeteren Jahren als Freund und Mitarbeiter Lassalle’s einer der Mitbegruender des “Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins” geworden, aus dem dann die “Sozialdemokratische Partei Deutschlands” hervor gegangen ist; spaeter trat er in die “Internationale” ein, nahm an Kongressen teil und schrieb grundlegende Broschueren im Sinne VON CURT WILK Lassalle’s. Er starb 1875 zu Paris und wurde auf seinen Wunsch auf dem juedischen Friedhof zu Koeln-Deutz beigesetzt, von wo kuerzlich dir Ueberfuehrung seiner sterblichen Huelle zur ewigen Ruhe nach Israel erfolgt ist. “Rom und Jerusalem” fand kein grosses Echo; die meisten lehnten die Schrift von Hess schroff ab, und diese hatte ein aehnliches Schicksal wie, 34 Jahre danach, Theodor Herzl’s Judenstaat”. Und doch birgt sie eine Fuelle tiefer, schoener und richtiger Gedanken. Als Herzl, auf die Schrift von Hess aufmerksam gemacht, sie gelesen hatte, schrieb e; in sein “Tagebuch”: “Welch ein hoher, edler Geist! Alles, was wir versuchten, steht schon bei ihm. Seit Spinoza hat das Judentum keinen groesseren Geis hervorgebracht als diesen vergessenen, verblassten, Moses Hess.” Einige besonders bemerkenswerte Worte aus de: Schrift von Hess moegen dieser Wuerdigung angeschlossen werden: Ueber die Assimilation: “Der deutsche Jude ist wegen des ihn von allen Seiten umgebenden Judenli a s s e s stets geneigt, alles Juedische von sich abzustreifen und seine Rasse zu verleugnen Keine Reform des juedischet: Kultus ist dem deutschen Juden radikal genug. SelbsL die Taufe erloest ihn nicht von dem Alpdruck des deutsehen Judenhasses. Die Deutschen hassen weniger die Religion der Juden als ihre Rasse. Weder Reform noch Taufe, weder Bildung noch Emanzipation e rschliesst den deutschen Juden vollstaendig die Pforten des sozialen Lebens.” Ueber Nation und Religion: “Das Ruehrendste an den juedischen Gebeten ist, dass sie durchgaengig Kollektivgebete fuer die ganze Stammesgenossensehait sind. Der fromme Jude ist vor allem juedischer Patriot. Der neumodische Jude, der die juedische Nationaiitaet verleugnet, ist nicht nur ein Apostat ein Abtruenniger im religioesen Sinne, sondern ein Ve.traeter an seinem Volke, an seinem Stamme, an seiner Familie. Unser Unsterblichkeitsglaube reicht in die Vergangenheit hinein bis zu den Patriarchen, in die Zukunft bis zum Messiasreich. Aus (der juedischen Familie ist der lebendige Glaube an die Kontinuitaet des Geistes in der Geschichte organisch herangewachsen. Die Geburt macht die Nationaiitaet. “Nation” ist nichts anderes als der erweiterte Begriff “Familie”, lind von diesem Gesichtspunkt* sind die Juden sogar Nation par excellence, da ihre Religion und ihre Schicksale du Reinheit und Zusammengehoerigkeit der Familie strenger erhalten haben, als die. selbst bei dem entlegensten Gebirgsvolke, das von dei Welt abgeschlossen war, de. Fall ist.”